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Noch jemand einen Nachschlag Verlogenheit? Dem kann geholfen werden. Wenn es ein herausragendes Merkmal westlicher Politik und ihrer Mainstreamhuren gibt, dann ist es krankhafte Verlogenheit, mit der eigene Verbrechen kaschiert und mit dem Finger auf andere gezeigt wird. Das Thema „Querfront“ ist ein regelmäßiger Knüppel, wenn es in den Staatsmedien darum geht, parlamentarische oder außerparlamentarische Opposition in Deutschland zu diffamieren. Paul Schreyer hat diese Methode soeben in seinem neuesten Buch ausführlich beleuchtet.

ARD 07.04.2018 tagesschau

Jens Riewa: „Die Opposition in Ungarn, unter ihnen die rechtsnationale Jobbik-Partei oder auch die Sozialisten, gilt als zerstritten.“

Ob das die Friedensbewegung ist, die in eine „neurechte“ Ecke gestellt wird oder Sahra Wagenknecht, die in ARD und ZDF in die Nähe der AfD gerückt wird, wenn sie die Migrationspolitik der Bundesregierung kritisiert, die Staatssender greifen immer wieder auf das Mittel der Spaltung und Diffamierung zurück, um flügel- und parteiübergreifende Kritik in eine toxische Ecke zu rücken oder Politiker zu zwingen, sich zu distanzieren. Die ganze Verlogenheit des „öffentlich-rechtlichen“ Regierungsfunks zeigte sich einmal mehr beim Blick auf die Wahlen in Ungarn, wo man allen Ernstes eine Querfront vermisst hat, die dem bösen Viktor Orban hätte Paroli bieten können.

Man muss sich das wirklich einmal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen, was die tagesschau (s.o.) den Zuschauern am vergangenen Samstag vor der Wahl in Ungarn vorgesetzt hat: Die Opposition ist zerstritten? Die zweit- und drittstärkste Oppositionspartei in Ungarn sind die Sozialisten von der MSZP und die rechts von Orbans Fidesz zu verortende Jobbik. Was die ARD-Propaganda demnach in Ungarn vermisst hat, ist eine Querfront, die in Deutschland in etwa einer Koalition aus LINKEN und AFD entsprochen hätte, die aber selbst dann nicht mehr Stimmen (zusammen 1,6 Millionen) auf sich hätte vereinigen können, als die Fidesz allein (2,6 Millionen) eingesammelt hat.

Ein groteskes, ein dümmliches, ein durch und durch verlogenes Narrativ, das den Zuschauern hier vorgesetzt wird. Mal abgesehen von der komplett gegensätzlichen Vorstellung der politischen Ziele dieser beiden Parteien, würden die Staatssender, die in der Vergangenheit bereits gegen Rot-Rot-Grün agitiert hatten, in Deutschland Zeter und Mordio krakeelen, wenn Linke und AFD eine politische Zusammenarbeit gegen Merkel vereinbaren würden.

Michael Mandlik: „Von Gewicht war auch, dass sich die heillos zerstrittenen Oppositionsparteien weder auf einen gemeinsamen Wahlkampf noch auf wirklich griffige Themen einigen konnten…“

Wer jetzt gedacht hat, dies sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen, der muss sich nur die weitere Berichterstattung anschauen, in der genau dieser Unsinn unablässig wiederholt wurde, um den großen Erfolg und Rückhalt, den Orban offensichtlich mit seiner Politik in Ungarn genießt, im Sinne Merkels kleinzureden und eine Erklärung zu konstruieren, bei der die deutsche Kanzlerin nicht dumm und allein in Europa dasteht. Dass man seitens der tagesschau dann auch noch mit der Prognose, Orban würde vermutlich knapp gewinnen, komplett daneben lag, macht diese „Berichterstattung“ zu einer Farce.

Auch am Abend der Wahl jammert Thorsten Schröder in der tagesschau über die „zersplitterte Opposition“:

ARD 08.04.2018 tagesschau

Thorsten Schröder: „Unklar ist, ob die überraschend hohe Wahlbeteiligung die Chancen der zersplitterten Opposition erhöht.“

Dass dann in den späteren tagesthemen, die erneut falsche Prognose, dass es wohl nicht für eine Zweidrittelmehrheit der Fidesz reichen wird, komplett nach hinten losging, ist nur eine weitere Fußnote zur Qualität von ARD-aktuell.

Wer jetzt gedacht hätte, diese wirre Idee, Links und Rechtsaußen müssten in Ungarn doch bitte ein gemeinsames Regierungskonzept vorstellen, sei eine skurrile Ausgeburt der ARD, der wird beim Blick ins ZDF eines Schlechteren belehrt, denn auch im zweiten deutschen Staatssender wurde den Zuschauern der gleiche Propagandaspin vorgesetzt.

Schon am Freitag vor der Wahl singt Petra Gerster in den „heute“-Nachrichten das Lied von der „gespalteten Opposition“:

ZDF 06.04.2018 heute 19 Uhr

Petra Gerster: „In Umfragen führen Orban und seine Fidesz-Partei. Die gespaltene Opposition liegt abgeschlagen dahinter.“

Und auch die ZDF-Propaganda träumt – wie es sich für Merkels Medienhuren geziemt – von einer Niederlage Orbans aufgrund einer hohen Wahlbeteiligung. Erinnerung an die Desinformationskampagne im Vorlauf der US-Wahlen sind nicht zufällig, sondern systemisch. Die einschlägig bekannte Britta Hilpert hat einen „Experten“ einer „Denkfabrik“ (wer mag den wohl bezahlen?) ausgegraben, der das Wunschdenken und den Medienspin der Bundesregierung in die Kamera schwatzt:

Britta Hilpert (gibt Übersetzung von Mikecz wider): „Das kann zu einer hohen Wahlbeteiligung führen. Das könnte für die Orban-Partei sogar eine Niederlage bedeuten [es darf gelacht werden!], denn das Orban-Lager ist zwar bedeutend aber nicht so groß, wie die zersplitterte Opposition zusammen.“

Britta Hilpert: Die Linkskandidaten unterstützt die größte Oppositionspartei nicht – die rechtsradikale Jobbik. Gespaltene Opposition, das heißt, Viktor Orban hat Sonntag gute Chancen.“

Es ist verlogen und heuchlerisch durch und durch, aber auch ZDF-Tröte Hilpert erwartet – übertragen auf Deutschland – tatsächlich, dass die AFD einen Kandidaten der LINKEN oder der SPD empfehlen würde, um Merkel zu verhindern. Es sind Querfront-Fantasien der dümmsten und vor allem staatsnahen Sorte und nur in die Welt gesetzt, um Orbans Rückhalt in Ungarn irgendwie madig zu machen, um damit seinen migrationskritischen Einfluss in der EU zu schwächen.

Das Wahlergebnis