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Redakteure des Satire-Magazins TITANIC haben Springers Propa­gan­da­schleuder BILD einen köstlichen Fake unter­ge­scho­ben. Obwohl Mainstreamkäseblätter wie die BILD-Zeitung unter der Würde seriöser Medienkritik stehen, ist der Fall so amüsant wie politisch aufschlussreich, dass er hier im Blog Erwähnung finden soll.

TITANIC-Redakteur mit der BILD-Ausgabe vom Freitag, 16.02.2018
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Der Scoop der TITANIC ist schnell erklärt: mit einfachsten Mitteln hat die Redaktion einen Email-Verkehr (s.u.) zwischen dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert und einem frei erfundenen russischen Hacker namens „Juri“ aus St. Petersburg (der Heimat der vermeintlichen russischen „Trollfabrik“) erfunden und das „brisante“ Dokument der BILD zugespielt. Die – immer gierig nach Hetze gegen Jusos und Russland – hat sofort angebissen.

Der erfundene Mailverkehr zwischen Kühnert und dem „russischen Hacker“ beinhaltet den Plan, den Mitgliederentscheid der SPD über die GroKo mit Hilfe von Bots in Richtung einer von den Jusos gewünschten Ablehnung zu manipulieren. Im Interview mit der FAZ erläutert TITANIC-Redakteur Moritz Hürtgen die Details. Auf ihrer Homepage hat die TITANIC zudem den Mailverkehr (Screenshot unten) zum Download gestellt, so dass sich jedermann überzeugen kann, dass es tatsächlich ihr Fake war.

Die BILD hat den Unsinn für bare Münze genommen und am 15.02.2018 abends auf ihrer Webseite und am nächsten Morgen in der gedruckten Ausgabe groß auf die Titelseite gebracht, was Kühnert in den folgenden Tagen dazu zwang, den schon auf den ersten Blick abstrusen Quatsch wiederholt gegenüber Medienvertretern zu dementieren.

Der Begriff „owned“ kommt aus der Hackersprache und bezeichnet die Übernahme einer gegnerischen Internetpräsenz.