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von David Swanson                           Übersetzung: >b’s weblog

Donald Trump tweetet über einen bestimmten Ort auf Hawaii. Er besuchte ihn kürzlich auf seinem Weg, um in Asien mit Krieg zu drohen. Das ist diese Woche ein Riesenthema in vielen US-Magazinen und Zeitungen. Er trägt einen lieblichen Namen, der nach Blut und Mord klingt, weil japanische Flugzeuge 1941 dort einen Massenmord verübt haben: Pearl Harbor.

Heute bedeutet Pearl Harbor dasselbe wie der Kolumbus-Tag vor 50 Jahren. Was heisst: die meisten glauben immer noch an den Schwindel. Der Mythos wird in seinem völlig ignoranten Zustand weiter gepflegt. “Neue Pearl Harbors” werden von Kriegstreibern herbeigesehnt, behauptet und ausgebeutet. Immer noch ist das Original, Pearl Harbor, das populärste Argument für alles Militärische, einschliesslich der lange hinausgezögerten Remilitarisierung Japans – gar nicht zu sprechen von der Internierung von japanischstämmigen Amerikanern während des zweiten Weltkrieges als Modell dafür, heute auch auf andere Gruppierungen zu zielen. Gläubige des Pearl-Harbor-Kultes stellen sich bei ihrem mythischen Ereignis – im Gegensatz zum heutigen Zustand – eine grössere US-Unschuld, eine pure Opferrolle, einen klareren Kontrast zwischen Gut und Böse sowie die absolute Notwendigkeit vor, Krieg aus defensiven Gründen zu führen.

Die Tatsachen stützen diese Mythologie nicht. Die US-Regierung war nicht dazu gezwungen, Japan zum Juniorpartner in Sachen Imperialismus zu machen, sie war nicht gezwungen, ein Wettrüsten zu veranstalten, sie war nicht gezwungen, den Nationalsozialismus und den Faschismus zu unterstützen (wie es einige der grössten US-Konzerne in Wirklichkeit auch während des Krieges gemacht haben), sie wurde nicht gezwungen, Japan zu provozieren, sie war nicht gezwungen, in den Krieg in Asien oder Europa einzutreten, und sie war nicht überrascht, als der Angriff auf Pearl Harbor stattfand. Um Belege für all diese Thesen zu erhalten, braucht der geneigte Leser nur weiterzulesen.

Beim zweiten Weltkrieg steht ausser Frage, dass es sich dabei um das Schlimmste handelt, was der Menschheit bisher passiert ist, und was speziell die US-Regierung (zusammen mit einer langen Liste von weiteren Regierungen) in einer kurzen Zeitperiode je getan hat. Die jüngsten Kriege kommen dem nicht einmal nahe. Es gibt sogar eine Parallele zum Downing Street Memo.

Am 18. August 1941 rief Permierminister Winston Churchill sein Kabinett in 10 Downing Street zusammen. Das Treffen wies einige Ähnlichkeit mit dem am 23. Juli 2002 auf, das am selben Ort stattfand, und dessen Sitzungsprotokoll als Downing Street Memo in die Geschichte einging. Beide Treffen enthüllten geheime Kriegsabsichten der USA. Im Treffen 1941 erklärte Churchill seinem Kabinett dem Protokoll zufolge: “Der Präsident sagte, dass er einen Krieg führen wolle, ihn aber nicht zuvor erklären.” Und auch: “Es wird alles unternommen werden, um einen Zwischenfall zu provozieren.”

Tatsächlich wurde dann auch alles dafür unternommen, und dieser Zwischenfall war Pearl Harbor.

Aktuelle Erinnerungen

Im Mai 2005 starteten ein paar Freunde und ich die Website https://AfterDowningStreet.org (nun http://WarIsACrime.org genannt), um mitzuhelfen, die Downing Street Minutes bzw. das Downing Street Memo sowie weitere, ähnliche Dokumente ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Dies ist ein sehr nützliches Dokument, das im richtigen Moment veröffentlich wurde, um eine wesentliche Wirkung zu entfalten.

Wie jeder Krieg, der je vom Zaun gebrochen wurde oder in Zukunft vom Zaun gebrochen werden wird (zumindest bis zu diesem Zeitalter, in dem endlich offen mit “stiehlt ihr Öl” und “tötet ihre Familien” mit der Wahrheit herausgeplatzt werden wird), so wurde auch 2003 der Irakkrieg auf der Basis von Lügen begonnen, und er wird bis heute auf der Basis von noch mehr Lügen weitergeführt.

Wir sollten keinerlei zusätzlichen Beweise brauchen. Es ist illegal, ein anderes Land anzugreifen, und zwar sowohl der UN-Charta zufolge, als auch im Sinne des Briand-Kellogg-Paktes (und wohl auch unter der Haager Landkriegsordnung von 1899). Und in diesem Falle – wie auch zwei Jahre früher bei Afghanistan – hatte die UNO einen Krieg ausdrücklich abgelehnt. Einen Krieg zu beginnen ist illegal und unmoralisch, und zwar unabhängig davon, welche Waffen die angegriffene Nation auch besitzen mag, und unabhängig davon, welche Verbrechen eine Nation begangen hat. Einen Totalangriff auf Zivilisten zu starten, um sie absichtlich zu schockieren und einzuschüchtern, ist sogar im Verständnis der Anwälte illegal, die die Illegalität des Krieges zu ignorieren pflegen. Moralisch ist es eine Bankrotterklärung. Und es hat praktisch nie funktioniert.

Sogar wenn wir einmal annehmen, dass Waffen im Irak oder irakische Verbrechen einen Krieg rechtfertigen könnten, dann lagen die Beweise auf der Hand, dass jene Waffen nur eine Lüge waren. Die irakische Regierung war Gegnerin der Gruppierung, von der ihr unterstellt wurde, mit ihr zusammen zu arbeiten. 1995 hatte der Schwiegersohn von Saddam Hussein die USA und die Briten informiert, dass alle biologischen, chemischen, Raketen- und Nuklearwaffen unter seiner persönlichen Aufsicht zerstört worden waren. Nachdem die UNO-Inspektoren den Irak 1998 verlassen hatten, sagte der führende Inspektor, dass sie zu derselben Schlussfolgerung gekommen waren. 1999 sagte Bush bei einer Debatte in den Vorwahlen in New Hampshire, dass er Saddam Hussein “ausschalten” werde. “Ich bin überrascht, dass er immer noch da ist”, sagte er. 2001 erzählten Condoleezza Rice, Colin Powell und andere der Bush-Regierung den Medien, dass Saddam Hussein keine solchen Waffen besitze. Sie änderten ihre Ansicht offensichtlich auf Befehl.

Als also das Downing Street Memo am 1. Mai 2005 veröffentlicht wurde, haben wir uns darauf gestürzt, und zwar nicht, weil es etwa neue Informationen enthalten hätte, sondern weil es uns den ersehnten Beweis in die Hände brachte, sowohl andere davon zu überzeugen als auch vor Gericht oder vor den US-Kongress zu ziehen. Dies war das Protokoll einer Sitzung im Büro von Premierminister Tony Blair am 23. Juli 2002, an dem sein sogenannter Geheimdienstchef – gerade zurück aus Washington – folgendes berichtet hat (wie im Protokoll zusammengefasst):

Militärisches Handeln war nun unabdingbar geworden. Bush wollte Saddam mit militärischer Gewalt entfernen, und das mit der Verbindung von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen rechtfertigen. Aber sowohl die Geheimdienstberichte als auch die Fakten wurden zugunsten dieser Politik zurechtgebogen.

Und so geschah es, wie es auch bis ins kleinste Detail festgehalten ist. Die Kriegstreiber im Weissen Haus und ihre Kumpane fälschten Dokumente, bettelten um Behauptungen, die von ihren eigenen Experten zurückgewiesen wurden, stützten sich auf unglaubwürdige Zeugen, fütterten sogenannte Journalisten mit gefälschten Beweisen und folterten die gewünschten Aussagen aus Opfern heraus, die sie entführt hatten. Bush heckte haarsträubende Thesen aus, um einen Krieg zu beginnen, von dem er öffentlich behauptete, er wolle ihn vermeiden. Siehe beispielsweise das White House Memo.

Aber die blosse Tatsache, dass die Briten informiert waren, dass der Krieg am 23. Juli 2002 bereits unausweichlich war, hätte eigentlich im Mai 2005 das grosse Thema sein müssen. Wir arbeiteten hart, um es dazu zu machen, und übten Druck auf die widerspenstigen Qualitätsmedien aus, die später behaupteten, sie hätten ein Protokoll nicht überprüfen können, obwohl es klar und eindeutig authentisch und nicht anfechtbar war, oder sie argumentierten, dass was es enthüllte, doch “alte Hüte” seien, und das sogar, als es brandneu für jedes der informierten Medienhäuser war.

Wir machten es über öffentliche Proteste zum grossen Thema, durch Nachspielen in den Eingangshallen der Medienhäuser, durch Fluten mit Leserbriefen und mit einer breiten Auswahl weiterer kreativer Aktionen. Aber wir hatten auch einen Vorteil. Die Demokraten waren im Kongress in der Minderheit, und viele von ihnen behaupteten, dass sie sich um das Ende des Krieges bemühen würden im Falle, dass sie eine Mehrheit erreichen würden. Entscheidende Kongress-Mitglieder unterstützten unsere Bemühungen. Ich glaube, dass viele ihrer ach so mutigen Behauptungen als Lügen aufflogen, als wir im Januar 2007 unsere Bewegung zurückfuhren statt sie auszuweiten und zu intensivieren.

Als Diane Sawyer Bush frage, weshalb er die Behauptungen über Iraks Massenvernichtungswaffen überhaupt aufgestellt habe, antwortete er: “Was macht das schon für einen Unterschied?”

Vielleicht einen kleinen, weil wir acht Jahre lang mit einem Präsidenten verbracht haben, der Kriege ohne Zögern startet, indem er den Kongress anlügt. Oder vielleicht auch einen sehr grossen, weil wir unsere Kraft zeigen konnten, Lügen über Syrien 2013 zu widerstehen, weil der US-Kongress nach einer Dekande von Aktivismus gegen den Irakkrieg von der Unterstützung eines neuen Krieges abgehalten wurde.

Wir sollten die Antwort darauf ernst nehmen. Wir müssen diese Geschichte angemessen erzählen, weil sie die Hälfte der Vereinigten Staaten immer noch nicht kennt. Die grösste Lüge heutzutage, die von den meisten Amerikanern geglaubt wird, ist, dass der Irak von dem Krieg profitiert habe, der den Irak zerstörte, und die USA hätten gelitten (das zweitere ist wahr).

Um mit der Korrektur dieses falschen Glaubens weiter zu kommen, stelle ich der Öffentlichkeit ein Papier mit dem Namen Iraq War Among World’s Worst Events zur Verfügung, das ich drei Jahre zuvor verfasst habe.

Meine grösste Angst ist, dass Drohnenmorde und Stellvertreterkriege sowie geheime Kriege weitergeführt werden, ohne dass öffentliche Lügenkampagnen überhaupt noch nötig wären. Oder, noch schlimmer: Kriege werden zukünftig mit öffentlichen Erklärungen begonnen werden, dass jemandes Öl gestohlen werden muss, oder irgendeine Bevölkerung abgeschlachtet – und wir werden uns nicht wehren oder keine Chance mehr haben, diese Verbrechen zu verhindern. Eines der besten Werkzeuge, das wir in diesem Kampf haben, ist uns jeder Lüge bewusst zu werden, die jeden der vergangenen Kriege begründet hat. Wir müssen dieses Bewusstsein bei jeder Gelegenheit steigern.

Am allerwichtigsten ist es jedoch, dass wir die Mythen von Pearl Harbor zerlegen.

Keine Überraschung

Viele Japaner können sich besser an die Verbrechen ihrer Regierung vor und nach Pearl Harbor erinnern wie auch an das Verbrechen von Pearl Harbor selbst. Die Vereinigten Staaten sind gegenüber ihrer eigenen Rolle fast blind. Aus US-Sicht betrachtet, hat Pearl Harbor seinen Ursprung in Deutschland.

Nazideutschland – und wir neigen oft dazu, das zu übersehen – hätte ohne die jahrzehntelange Unterstützung vor und während des Krieges durch US-Konzerne wie GM, Ford, IBM und ITT weder existieren noch einen Krieg vom Zaun brechen können. US-Konzerninteressen bevorzugten Nazideutschland gegenüber der kommunistischen Sowjetunion, und waren froh zu sehen, dass die Völker dieser beiden Nationen sich gegenseitig abschlachteten; sie unterstützen den Eintritt der USA in den ach-so-guten zweiten Weeltkrieg an der Seite Englands nur dann, als die US-Regierung denselben höchst profitabel gestaltete. Die USA zögerten den D-Day jahrelang hinaus, während Deutschland Russland ausbluten liess, und nur Stunden nach Deutschlands Niederlage empfahl Chruchill einen neuen Krieg gegen Russland unter Verwendung deutscher Truppen.

Churchills jahrelange, glühende Hoffnung vor dem US-Kriegseintritt lag darin, dass Japan die USA angreifen könnte. Dies würde es den USA erlauben (nicht legalerweise, jedoch politisch), voll in den zweiten Weltkrieg in Europa einzutreten – wie es deren Präsident anstrebte – und nicht länger wie zuvor auf Waffenlieferungen und auf U-Boot-Bekämpfung beschränkt zu sein.

Am 7. Dezemb er 1941 entwarf Präsident Franklin Delano Roosevelt eine Kriegserklärung gegen Japan und Deutschland, entschied sich jedoch, dass das nicht funktionieren würde, und wandte sich allein gegen Japan. Deutschland erklärte kurz darauf den Krieg gegen die USA, vermutlich in der Hoffnung, dass Japan der Sowjetunion den Krieg erklären würde.

Endlich in den Krieg einzutreten, stellte keine neue Idee in Roosevelts Weissem Haus dar. Franklin D. Roosevelt hatte bereits veruscht, die US-Öffentlichkeit über Schiffe wie die USS Greer und die USS Kearny zu belügen, die den Briten dabei halfen, deutsche U-Boote zu orten, von denen Roosevelt jedoch behauptete, sie wären aus heiterem Himmel angegriffen worden. Roosevelt hat auch damit gelogen, dass er angeblich eine geheime Nazi-Karte besitzen würde, mit der der Plan zu erkennen sei, Südamerika zu erobern, und auch den geheimen Naziplan, alle Religionen mit Nazismus zu ersetzen. Die Karte hatte dieselbe Qualität wie Karl Roves “Beweis”, dass der Irak Uran in Niger kaufen würde.

Und tatsächlich glaubte das Volk der USA bis zu Pearl Harbor nicht an die Idee des Eintritts in einen weiteren Krieg, aber zu dessen Zeitpunkt hatte Roosevelt bereits alle Pläne fertig, die Nationalgarde aktiviert, eine grosse Flotte in zwei Ozeanen kreiert, alte Zerstörer an England im Tausch gegen die Übernahme von Militärstützpunkten in der Karibik und auf den Bermudas verkauft – genau elf Tage vor dem “unerwarteten” Angriff, und fünf Tage bevor Roosevelt es angeblich erwartete – hatte er insgeheim die Erstellung einer Liste von jedem Japaner und jedem japanisch-stämmigen amerikanischen Person (durch Henry Field) in den Vereinigten Staaten befohlen.

Am 28. April 1941 verfasste Churchill eine Geheimdepesche an sein Kriegskabinett:

Es kann praktisch als sicher angenommen werden, dass auf den Eintritt Japans in den Krieg unmittelbar der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten an unserer Seite folgen wird.

Am 11. Mai 1941 traf sich Robert Menzies, der Premierminister von Australien, mit Roosevelt, und fand ihn “etwas neidisch” auf Churchills Platz im Zentrum des Krieges. Während in Roosevelts Kabinett alle den, fand Menzies, dass Roosevelt…

ausgebildet unter Woodrow Wilson im letzten Jahr, auf einen Zwischenfall wartet, der mit einem Schlag die USA in den Krieg und R. aus seinem dummen Wahlversprechen des ‘Ich werde Sie aus dem Krieg heraushalten’ führen wird.

Am 18. August 1941 führte Churchill jene Kabinettsitzung in 10 Downing Street.

Ein Zwischenfall wurde arrangiert.

Japan war sicherlich nicht abgeneigt, andere zu überfallen, und war mit der Errichtung eines asiatischen Imperiums beschäftigt. Und die Vereinigten Staaten und Japan waren sicher nicht gerade beste Freunde. Aber was könnte die Japaner zum Agriff bewegen?

Als Präsident Franklin Roosevelt Pearl Harbor am 28. Juli 1934 besuchte, sieben Jahre vor dem japanischen Angriff, drückte das japanische Militär seine Besorgnis aus. General Kunishiga Tanaga schrieb im Japanischen Anzeiger kritisch über die amerikanische Flotte und die Errichtung weiterer Militärstützpunkte in Alaska und auf den aleutischen Inseln:

Solch unverschämtes Betragen macht uns höchst misstrauisch. Es bringt uns zu der Einschätzung, dass eine wesentliche Unruhe im Pazifik erzeugt werden soll. Das ist höchst bedauerlich.

Ob das nun tatsächlich bedauert wurde oder nicht, ist eine andere Frage; jedenfalls war dies eine typische und vorhersehbare Reaktion auf militärischen Expansionismus, sogar dann, wenn er im Namen der “Verteidigung” stattfand. Der grossartige, nicht-eingebettete (wie wir heute sagen würden) Journalist George Seldes war entsprechend misstrauisch. Er schrieb im Oktober 1934 im Harper’s Magazine:

Es ist ein Axiom, dass Nationen sich nicht für den Krieg wappnen, sondern für den geplanten Krieg bewaffnen.

Seldes fragte einen Funktionär beim Marineverband:

Unterstützen Sie das Marine-Axiom, dass man immer einen Kampf gegen eine bestimmte gegnerische Marine vorbereitet?

Der Mann antwortete mit:

Ja.

Ziehen Sie einen Kampf mit der britischen Marine in Erwägung?

Sicher nicht.

Ziehen Sie einen Krieg gegen Japan in Erwägung?

Ja.

1935 veröffentlichte der bis dahin höchstdekorierte US Marine, Brigadegeneral Smedley D. Butler mit ernormen Erfolg ein Buch mit dem Titel War Is a Racket. Her sah perfekt voraus, was drohte, und warnte die Nation:

Bei jeder Sitzung des US-Kongress wird die Frage weiterer Marinefinanzierung aufgeworfen. Die Sesselfurzer-Admirale rufen nicht ‘Wir brauchen jede Menge Kriegsschiffe für den Krieg gegen diese oder jene Nation’. Oh, nein. Zuallererst lassen sie verkünden, dass Amerika von einer grossen Seekriegsmacht bedroht wird. Beinahe jeden Tag werden diese Admiräle Dir erzählen, dass die grosse Flotte dieses angeblichen Feindes plötzlich zuschlagen wird und unser 125 Millionen-Volk auslöschen. Etwa so. Dann fangen sie an, nach einer grösseren Marine zu rufen. Wozu? Um den Feind zu bekämpfen? On nein, wo denken Sie hin! Selbstverständlich nur zu Verteidigungszwecken! Und dann, ganz plötzlich, setzen sie Manöver im Pazifik an. Zur Verteidigung. Jaja.

Der Pazifik ist ein grosser, weiter Ozean. Wir haben jede Menge Küsten am Pazifik. Werden die Manöver in Küstennähe durchgeführt, zwei oder dreihundert Meilen entfernt? Oh, nein. Die Manöver werden zweitausend, vielleicht sogar dreitausendfünfhundert Meilen von der Küste entfernt abgehalten.

Die Japaner werden als stolzes Volk selbstverständlich höchst erfreut darüber sein, dass die US-Flotte so nahe an Nippons Küsten übt. Genauso erfreut würden die Einwohner von Kalifornien sein, würden sie auch nur gerüchteweise davon Wind bekommen, wenn die Japanische Flotte etwa Kriegsspiele vor Los Angeles abhielte.

Im März 1935 bescherte Roosevelt Wake Island der US-Navy und gab der Fluggesellschaft Pan Am die Erlaubnis, auf Wake Island, den Midwayinseln und auf Guam Start- und Landebahnen zu bauen. Japanische Militärkommandeure erklärten daraufhin, dass sie beunruhigt waren und diese Startbahnen als eine Bedrohung auffassten. Genauso sahen das auch Friedensaktivisten in den Vereinigten Staaten. Einen Monat später hatte Roosevelt bereits Kriegsspiele und Manöver nahe den Aleuten und bei Midway geplant. Im darauf folgenden Monat demonstrierten Friedensaktivisten in New York, und warben für Freundschaft mit Japan. Norman Thomas schrieb 1935:

Wenn Ausserirdische dabei zusehen würden, wie Menschen im letzten Krieg leiden mussten, und wie sie nun wie wahnsinnig den nächsten Krieg vorbereiten, von dem sie wissen, der wird noch schlimmer, dann müssten sie zu dem Schluss kommen, dass sie auf Insassen eines Irrenhauses blicken.

Die USA glaubten, dass ein japanischer Angriff auf Hawaii mit der Eroberung der Insel Niʻihau beginnen wird, von wo aus dann Angriffsflüge gegen die weiteren Inseln gestartet werden würden. Lieutenant colonel Gerald Brant von der Luftwaffe der US-Armee tauchte bei der Familie Robinson auf, in deren Besitz damals wie heute Niʻihau steht. Er bat sie, gitterförmige Furchen quer über die Insel zu pflügen, und sie damit für Flugzeuge unbrauchbar zu machen. Zwischen 1933 und 1937 zogen drei Männer aus Niʻihau jene Furchen mit Flügen, vor die Maultiere und Pferde gespannt wurden. Die US-Marine verbrachte die nächsten Jahre damit, Pläne für den Krieg gegen Japan zu schmieden, deren Version vom 8. März 1939 “einen Offensivkrieg langer Dauer” beschrieb, welcher das Militär Japans zerstören und die Wirtschaft Japans zerbrechen sollte. Es zeigte sich jedoch, dass die Japaner keine Pläne hatten, Niʻihau zu nutzen, aber als ein japanisches Flugzeug notlanden musste, das gerade Teil des Angriffs auf Pearl Harbor gewesen war, so landete es tatsächlich auf Niʻihau trotz allen Einsatzes von Maultieren und Pferden.

Im Januar 1941, elf Monate vor dem Angriff, drückte der Japanische Anzeiger seine Empörung über Pearl Harbor in einem Leitartikel aus, und der US-Botschafter in Japan vermerkte in seinem Tagebuch:

Es gibt eine Menge Gerüchte in der Stadt darüber, dass die Japaner im Falle eines Bruchs mit den Vereinigten Staaten planen, alles, was sie haben, in einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor zu werfen. Selbstverständlich habe ich meine Regierung informiert.

Am 5. Februar 1941 schrieb Konteradmiral Richmond Kelly Turner an Kriegsminister Henry Stimson, um ihn vor der Möglichkeit eines Überraschungsangriffs auf Pearl Harbor zu warnen.

Bereits 1932 haben die USA mit China darüber verhandelt, Flugzeuge, Piloten und Ausbildung für dessen Krieg gegen Japan zur Verfügung zu stellen. Im November 1940 gewährte Roosevelt China einen Kredit über 100 Millionen Dollar für den Krieg gegen Japan, und in Absprache mit den Briten erstellte US-Finanzminister Henry Morgenthau Pläne darüber, den Chinesen Bomber mit US-Crews zu schicken, um sie bei der Bombardierung von Tokyo und anderen japanischen Städten einzusetzen. Am 21. Dezember 1940, ein Jahr und zwei Wochen vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, trafen sich Chinas Finanzminister T. V. Soong und Colonel Claire Chennault, ein pensionierter US-Army-Pilot, der für die Chinesen arbeitete und sie zum Einsatz von amerikanischen Piloten für die Bombardierung von Tokyo seit mindestens 1937 gedrängt hatte, in Henry Morgenthaus Esszimmer, um die Bombardierung von Japan mit Brandbomben zu planen. Morgenthau sagte, er könne Männer vom Dienst bei der US-Army-Luftwaffe entbinden, falls die Chinesen ihnen $1000 pro Monat bezahlen könnten. Soong stimmte zu.

Am 24. Mai 1941 berichtete die New York Times über die US-Ausbildung der chinesischen Luftwaffe, und die Bereitstellung von “zahlreichen Kampfflugzeugen und Bombern” an China durch die Vereinigten Staaten. “Die Bombardierung japanischer Städte steht zu erwarten” stand im Untertitel. Im Juli hatte das Joint Army and Navy Board einen Plan namens JB 355 genehmigt, um Japan mit Brandbomben anzugreifen. Eine Frontorganisation würde amerikanische Flugzeuge kaufen, die von amerikanischen Freiwilligen geflogen werden würden, die von Chennault ausgebildet und von einer weiteren Frontorganisation bezahlt werden würden. Roosevelt bestätigte, und dessen Chinaexperte Lauchlin Bernard Currie – um die Worte von Nicholson Baker zu benutzen – “telegraphierte Madam Chaing Kai-Shek und Claire Chennault einen Brief, der förmlich um das Abfangen durch japanische Spione bettelte”. Ob das nun die Hauptsache war oder nicht, dies hier ist jener Brief:

Ich bin sehr glücklich, in der Lage zu sein, heute zu berichten, dass der Präsident angewiesen hat, dass dieses 66 Bomber China zur Verfügung gestellt worden sind, zusammen mit 24 weiteren, die unverzüglich ausgeliefert werden. Er genehmigte hierbei auch ein chinesisches Piloten-Ausbildungsprogramm. Details folgen über die üblichen Kanäle. Herzliche Grüsse.

Der US-Botschafter hatte gesagt, dass “im Falle eines Bruchs mit den USA” die Japaner Pearl Harbor angreifen würden. Ich frage mich, ob das als Bruch angesehen werden kann!

Die erste American Volunteer Group (AVG) der chinesischen Luftwaffe, auch als Flying Tigers bekannt, begann sofort mit der Rekrutierung und der Ausbildung, standen China noch vor Pearl Harbor zur Verfügung, und hatten ihre Fronttaufe am 20. Dezember 1941, zwölf Tage (nach lokaler Zeitrechnung), nachdem die Japaner Pearl Harbor angegriffen hatten.

Am 31. Mai 1941, beim Keep America Out of War Congress, äusserte William Henry Chamberlin eine eindringliche Warnung:

Eine totale Wirtschaftsblockade von Japan, beispielsweise durch Unterbinden von Öllieferungen, würden Kapan in die Arme der Achsenmächte treiben. Ein Wirtschaftskrieg würde das Vorspiel zu einem militärischen Seekrieg darstellen.

Das schlimmste an Friedensadvokaten ist, wie oft sie recht behalten.

Am 24. Juli 1941 bemerkte Präsident Roosevelt:

Wenn wir sie vom Öl abgeschnitten hätten, hätten [die Japaner] wahrscheinlich bereits vor einem Jahr Niederländisch-Indien eingenommen, und wir hätten Krieg. Es war essentiell aus der Sicht unseres militärischen Eigeninteresses heraus, dass wir verhindert haben, dass ein Krieg im Südpazifik ausbricht. Folglich war unsere Aussenpolitik darauf ausgerichtet, einen Kriegsausbruch dort zu verhindern.

Reportern fiel auf, dass Roosevelt “war” sagte und nicht “ist”. Am nächsten Tag erliess Roosevelt eine Executive Order um japanisches Vermögen einzufrieren. Die Vereinigten Staaten und Grossbritannien schnitten Japan von der Versorgung mit Öl und Altmetall ab. Radhabinod Pal, ein indischer Jurist, der nach dem Kriege beim Kriegsverbrechertribunal arbeitete, nannte die Embargos eine “klare und schwerwiegende Bedrohung von Japans purer Existenz”, und schloss daraus, dass die USA Japan provoziert hatten.

Am 7. August, vier Monate vor dem Angriff, schrieb der Japanische Anzeiger:

Erst wurde ein Superstützpunkt in Singapur errichtet, der kräftig mit britischen und Truppen des Empire verstärkt wurde. Von diesem Stützpunkt aus wurde ein grosser Kreis gebildet, und mit den US-Militärstützpunkten zu einem grossen Ring verbunden, der sich weitläufig und grossräumig südwärts und westwärts der Philippinen über die Malaiische Halbinsel und Burma erstreckt, und nur von der thailändischen Halbinsel unterbrochen wird. Nun wird beabsichtigt, auch naheliegende Gebiete in diese Umzingelung einzuschliessen, was zu Rangun führt.

Man kann sich nicht dagegen wehren, an Hillary Clintons Kommentare gegenüber Goldman-Sachs-Bankern erinnert zu werden. Clinton behauptete, den Chinesen gesagt zu haben, dass die Vereinigten Staaten den gesamten Pazifik beanspruchen könnten als Ergebnis daraus, “ihn befreit” zu haben. Sie fuhr fort mit der Behauptung, ihnen erklärt zu haben, dass “wir Japan um Himmels willen ja auch entdeckt haben”. Und: “Wir wir können beweisen, dass wir [Hawaii] gekauft haben”.

Im September 1941 war die japanische Presse empört darüber, dass die USA damit begonnen hatten, Öl an Japan vorbei nach Russland zu verschiffen. Japan, so seine Zeitungen, war dem schleichenden Tode des “Wirtschaftskrieges” ausgesetzt.

Was hatten sich die Vereinigten Staaten denn daraus erhofft, Öl an einer Nation vorbei zu verschiffen, die es verzweifelt brauchte?

Ende Oktober arbeitete US-Spion Edgar Mower für Colonel William J. Donovan, der für Roosevelt spionierte. Mower sprach mit einem Mann namens Ernest Johnson, einem Mitglied der United States Maritime Commission, der sagte, er erwarte, dass “die Japse Manila nehmen werden, bevor ich hier verschwinden kann”. Als Mower seiner Überraschung Ausdruck verlieh, antwortete Johnson “Wissen Sie etwa nicht, dass die japanische Flotte ostwärts gelaufen ist, vermutlich um unsere Flotte in Pearl Harbor anzugreifen?”

Am 3. November 1941 versuchte der US-Botschafter erneut, eine Nachricht durch den Dickkopf seiner Regierung zu bekommen, und sandte ein längeres Telegramm an das Aussenministerium, in dem er davor warnte, dass die Wirtschaftssanktionen Japan dazu treiben könnten, “nationales Harakiri” zu begehen. Er schrieb: “Ein bewaffneter Konflikt mit den Vereinigten Staaten könnte mit gefährlicher und dramatischer Plötzlichkeit vor der Haustüre stehen”.

Warum will mir hierzu der Titel eines Memos nicht aus dem Kopf gehenv, das Präsident George W. Bush vor den Angriffen am 11. September 2001 überreicht wurde? “Bin Laden entschlossen, innerhalb der USA anzugreifen”. Auch 1941 wollte praktisch niemand im Washington so etwas hören.

Am 15. November erklärte Chief of Staff of the Army George C. Marshall den Medien etwas, was wir nicht als “der Marshall-Plan” in Erinnerung haben. Tatsächlich erinnern wir uns überhaupt nicht daran. Marshal sagte: “Wir bereiten einen Offensivkrieg gegen Japan vor”, und bat die Journalisten, das geheim zu halten, was – soweit ich weiss – genau das ist, was sie gehorsamst auch machten.

Zehn Tage später schrieb Kriegsminister Henry Stimson in sein Tagebuch, dass er sich mit Marshall, Präsident Roosevelt, Marineminister Frank Knox, Admiral Harold Stark und dem Aussenminister Cordel Hull im Oval Office getroffen habe. Roosevelt hatte sie informiert, dass die Japaner wahrscheinlich bald angreifen würden, möglicherweise am nächsten Montag. Es ist wohldokumentiert, dass es den Vereinigten Staaten gelungen war, die japanischen Codes zu brechen, und dass Roosevelt Zugang hierzu hatte. Durch das Abfangen einer sogenannten Purple Code Message möglich gewesen, dass Roosevelt von Deutschlands Plänen, Russland zu überfallen, Wind bekam. Es war Hull, der der Presse eine abgefangene japanische Depesche zuspielte, mit dem Ergebnis, dass diese am 30. November 1941 titelte “Japaner könnten schon am Wochenende angreifen”.

Der nächste Montag wäre der 1. Dezember gewesen, sechs Tage vor dem tatsächlichen Angriff. “Die Frage”, schrieb Stimson, “war, wie wir sie in die Position manövrieren konnten, den ersten Schuss abzugeben, ohne dass wir uns selbst zu sehr in Gefahr brachten. Es war ein schwieriges Unterfangen.” War es das? Eine offensichtliche Antwort auf diese Frage war, eine Flotte in Pearl Harbor zu belassen und die Seeleute dort im Dunkeln, während man sie von komfortablen Büros in Washington, DC, aus hat aufreiben lassen. Tatsächlich war das nämlich die Lösung, die unsere Anzug- und Krawatten-Helden ausgewählt hatten.

Am Tag nach dem Angriff stimmte der US-Kongress für den Krieg. Kongress-Abgeordnete Jeannette Rankin (Republikanische Partei, Montana), die erste Frau, die je in den Kongress gewählt wurde, und die bereits gegen den ersten Weltkrieg stimmte, stand alleine gegen den zweiten Weltkrieg (genau wie die Kongress-Abgeordnete Barbara Lee von den Demkoraten in Kalifornien alleine gegen den Angriff auf Afghanistan 60 Jahre später stand).

Ein Jahr nach der Abstimmung, am 8. Dezember 1942, gab Rankin erweiterte Anmerkungen dem Congressional Record zu Protokoll, und erklärte ihre Oppositionshaltung. Sie zitierte aus dem Werk eines britischen Propagandisten, der 1938 dafür warb, Japan zu benutzen, um die USA in den Krieg zu treiben. Sie zitierte Henry Luces Hinweis im Magazin Life am 20. Juli 1942, auf “die Chinesen, für die die USA das Ultimatum stellten, was Pearl Harbor ausgelöst hat”. Sie legte Beweise dafür vor, dass bei der Atlantik-Charta am 12. August 1941 Roosevelt Churchill versichert hatte, dass die Vereinigten Staaten wirtschaftlichen Druck auf Japan ausüben werden. “Ich zitierte”, so schrieb Rankin später, “das Bulletin vom 20. Dezember 1941, das enthüllte, dass am 3. September eine Depesche nach Japan gesendet worden war, in der es aufgefordert wurde, das Prinzip der ‘Bewahrung des Status quo im Pazifik” zu akzeptieren, was die Forderung nach ‘Garantien für die Unverletzlichkeit von weissen Imperien im Orient mit einschliesst’.

Rankin fand heraus, dass das Economic Defense Board Wirtschaftssanktionen auf den Weg gebracht hatte, und zwar weniger als eine Woche nach der Atlantik-Charta. Am 2. Dezember 1941 berichtete die New York Times, dass tatsächlich Japan “von ca. 75 Prozent seines normalen Handelsvolumens durch die alliierte Handelsblockade abgeschnitten wurde”. Rankin zitierte dazu auch die Aussage von Lieutentant Clarence E. Dickinson von der US-Marine, in der Saturday Evening Post vom 10. Oktober 1942, dass am 28. November 1941, neun Tage vor dem Angriff, Vizeadmiral William F. Halsey (der mit dem eingänglichen Slogan “Tötet die Japse! Tötet die Japse!”) ihm und anderen Anweisungen gegeben hätte, “alles, was wir am Himmel sahen, abzuschiessen, und alles was wir auf See sahen, zu bombardieren”.

General George Marshall gab gegenüber dem Kongress 1945 genauso zu, dass die Codes gebrochen worden waren, und dass die Vereinigten Staaten Anglo-Niederländisch-Amerikanische Vereinbarungen für eine gemeinsame Aktion gegen Japan getroffen und sie vor Pearl Harbor in Kraft gesetzt hatten, und dass die Vereinigten Staaten Offiziere ihres Militärs China für Kampfeinsätze vor Pearl Harbor zur Verfügung gestellt hatten. Es ist wohl kaum ein Geheimnis, dass es zwei Kriegsmächte braucht, um einen Krieg vom Zaun zu brechen (ausser wenn eine Kriegsmacht ein unbewaffnetes Land überfällt), und dieser Fall bildete keine Ausnahme.

Ein Memo vom Oktober 1940 von Lieutenant Commander Arthur H. McCollum beeinflusste Präsident Roosevelt und seine Hauptuntergebenen. Es forderte acht Massnahmen, von denen McCollum vorhersagte, dass sie Japan zum Agriff führen würden, einschliesslich des Arrangements der Nutzung von britischen Militärstützpunkten in Singapur und der Nutzung von niederländischen Miltärstützpunkten in dem, was heute Indonesien genannt wird, der Unterstützung der chinesischen Regierung, dem Entsenden einer Division von Schweren Kreuzern mit grosser Reichweite zu den Philippinen oder nach Singapur, dem Entsenden von zwei Divisionen von U-Booten in “den Orient” unter Halten der Hauptstreitkraft der Flotte in Hawaii, dem Bestehen darauf, dass die Niederländer sich weigern, den Japanern Öl zu liefern sowie dem totalen Handelsembargo gegen Japan in Zusammenarbeit mit dem British Empire.

Am Tage nach McCollums Memo erklärte das Aussenministerium den Amerikanern, sie müssten die Nationen im Fernen Osten evakuieren, und Roosevelt befahl die Flotte, dass die Flotte in Hawaii bleiben solle, unter energischem Widerspruch von Admiral James O. Richardson, der den Präsidenten wie folgt zitierte: “Früher oder später werden die Japaner einen offenen offensiven Akt gegen die Vereinigten Staaten ausführen, und dann wird die Nation bereit sein, in den Krieg zu ziehen.” Die Nachricht, die Admiral Harold Stark am 28. November 1941 an Admiral Husband Kimmel sandte, lautete “FALLS FEINDSELIGKEITEN AUSZUTAUSCHEN UNVERMEIDLICH IST WÜNSCHEN DIE VEREINIGTEN STAATEN DASS JAPAN DEN ERSTEN OFFENEN AKT AUSFÜHRT”. Joseph Rochefort, Mitgründer der Kommunikationsabteilung des Marinegeheimdienstes, der dabei hilfreich war, dabei zu versagen, Pearl Harbor mitzuteilen was auf es zukam, wird später kommentieren: “Es war ein kleiner Preis dafür, das Land zu einen”.

In der Nacht nach dem Angriff empfing Präsident Roosevelt Edward R. Murrow von CBS News sowie Roosevelts Coordinator of Information, William Donovan zum Dinner im Weissen Haus, und alles, was der Präsident wissen wollte war, ob das amerikanische Volk nun den Krieg akzeptieren würde. Donavan und Murrow versicherten ihm, dass das Volk nun tatsächlich den Krieg akzeptieren wird. Donavan erzählte später seinem Assistenten, dass Roosevelt keine Überraschung wie die anderen um ihn zeigte, und dass er, Roosevelt, den Angriff begrüsste. Murrow konnte in dieser Nacht nicht schlafen, und er wurde für den Rest seines Lebens davon geplagt, dass er “die grösste Story meines Lebens” nannte, und die er niemals erzählte, was er aber auch nicht mehr brauchte. Am nächsten Tag sprach der Präsident über einen Tag der Schande, der US-Kongress erklärten den letzten verfassungskonformen Krieg in der Geschichte der Republik, und de Präsident des Bundeskirchenverbandes, Dr. George Arthur Buttrick, wurde Mitglied in der Fellowship of Reconciliation um dem Krieg entgegen zu treten.

Warum das eine Rolle spielt? Weil die Legende von Pearl Harbor, die an 9/11 wiederaufgewärmt wurde, zwar nicht die Ursache für die destruktive Pro-Kriegs-Politik der 1920er und 1930er ist, die zum zweiten Weltkrieg führte, jedoch die permanente Kriegsmentalität in den letzten 75 Jahren verursacht hat, sowie die Art und Weise, wie der zweite Weltkrieg eskalierte, verlängert und abgeschlossen wurde.

“1942 beunruhigt”, so schrieb Lawrence S. Wittner, “durch Gerüchte über Nazi-Ausrottungspläne, befürchtete Jessie Wallace Hughan, dass eine solche Politik, die ‘von ihrem eigenen, krankhaften Standpunkt aus gesehen, natürlich’ erschien, ausgeübt werden könnte, falls der zweite Weltkrieg weitergeht. ‘Es scheint, dass der einzige Weg um Tausende und vielleicht Millionen von europäischen Juden vor der Vernichtung zu retten, für unsere Regierung darin liegt’, so schrieb sie, ‘das Versprechen’ eines ‘Waffenstillstandes zu Bedingungen zu verbreiten, unter denen europäische Minderheiten nicht länger behelligt werden… Es würde schrecklich werden, falls wir in sechs Monaten herausfinden sollten, dass diese Gefahr genau so hat eintreten können, ohne dass wir auch nur eine Geste machten, sie zu verhindern’. Als ihre Vorhersagen 1943 nur allzu genau erfüllt worden waren, schrieb sie an die New York Times, und klagte über die Tatsache, dass ‘zwei Millionen [Juden] bereits sterben mussten’, und dass ‘zwei Millionen mehr bis zum Ende des Krieges getötet werden’. Einmal mehr plädierte sie für die Einstellung der Feindseligkeiten, und argumentierte, dass deutsche militärische Niederlagen im Gegenzug Vergeltungsmassnahmen an den jüdischen Sündenböcken auslösen würden. ‘Der Sieg wird sie nicht retten”, insistierte sie, ‘weil Tote nicht befreit werden können’.”

Hitler tötete Millionen Deutsche, aber die Alliierten töteten gleich viele oder mehr, Deutsche, die Hitler in die Schlacht schickte, und Deutsche am falschen Ort, als alliierte Bomben fielen. Und, wie Hughan zu dieser Zeit ausführte, befeuerte der Krieg den Völkermord, vergleichbar wie das Ende des Krieges ein Vierteljahrhundert zuvor als Rache emfunden wurde und Feindseligkeiten erneut befeuert hatte, sowie das Sündenbock-Suchen und den Aufstieg des Hitlerismus.

Aus dem Widerstand gegen den Krieg durch US-amerikanische Kriegsdienstverweigerer stammt schliesslich die Entwicklung des zivilen Widerstandes gegen Rassentrennung in US-Gefängnissen, der sich später ausserhalb der Gefängnisse über die Nation verbreitete, als Aktivisten versuchten, ihre Erfolge in grösserem Massstab zu wiederholen. Dem Schlimmsten jedoch, was unsere Spezies sich jemals selbst angetan hat, dem zweiten Weltkrieg, entstammt der militärisch-industrielle Komplex. Wir haben das Wahlrecht auf immer mehr Amerikaner ausgedehnen können, während gleichsam als grausamer Witz sich unsere Wahlen in ein immer sinnloseres Unterfangen verwandelt haben. Wir verpassen unserer Demokratie eine neue Hülle in Form eines glänzenden Anstriches, während wir sie von innen aushöhlen, und sie durch eine Kriegsmaschinerie ersetzen, wie sie der Planet noch nie zuvor gesehen hat – und möglicherweise nicht überleben wird.

Die Verbreitung des Mythos‘

Die Vereinigten Staaten sind zweifellos der häufigste und umfassenste Kriegstreiber, der grösste Besetzer von fremdem Land sowie der grösste Waffenhändler der Welt. Aber sobald die USA unter der Bettdecke hervorlugt, worunter sie sich vor Angst zitternd verkrochen hat, sieht sie sich selbst als unschuldiges Opfer. Sie hat keinen Feiertag, um auch nur eine siegreiche Schlacht im jedermanns Bewusstsein zu halten. Aber sie hat einen Feiertag, um an den japanischen Angriff auf Pearl Harbor zu erinnern – und nun auch noch einen, vielleicht noch heiligeren, um daran zu erinnern, nein, nicht an die Zerstörung Bagdads beim “Schockieren und einschüchtern”, sondern an die Verbrechen am 11. September 2001, dem “neuen Pearl Harbor”.

Vergleichbar zu Israel, aber mit einer Variation, sind die USA tief besessen vom zweiten Weltkrieg, natürlich mit der Südstaaten-Überlagerung mit dem US-Bürgerkrieg. Die Liebe des Südens der USA für den Bürgerkrieg, ist die Liebe zu einem verlorenen Krieg, aber es ist auch die Liebe zur Opferrolle und zur Selbstgerechtigkeit der Rache, die Jahr für Jahr vom US-Militär an der Welt verübt wird.

Die Liebe der USA zum zweiten Weltkrieg ist im Grunde auch eine Liebe zu verlorenen Kriegen. Das mag seltsam klingen, weil es gleichzeitig durchaus die Liebe zu einem gewonnen Krieg ist. Der zweite Weltkrieg bleibt das US-Modell für die Möglichkeit, eines Tages wieder einen Krieg zu gewinnen, während alle anderen überall in der Welt seit 71 Jahren, seit dem zweiten Weltkrieg eben, verloren gehen. Aber die US-Sicht auf den zweiten Weltkrieg ist auch seltsamerweise ähnlich zur russischen Sicht.

Russland wurde von den Nazis brutal angegriffen, konnte das Blatt aber wenden, und hat den Krieg gewonnen. Die Vereinigten Staaten glauben, selbst “unmittelbar” von den Nazis angegriffen worden zu sein. Das war schliesslich die Propaganda, die die USA in den Krieg führte. Es fiel kein Wort über die Rettung der Juden oder irgendetwas auch nur halb so nobles. Stattdessen behauptete Präsident Franklin Roosevelt, er habe eine Karte der Nazipläne, um die Amerikas zu zerteilen.

Hollywood hat verhältnismässig wenig Filme und Fernsehsendungen über alle anderen Kriege zusammen hervorgebracht, im Vergleich mit Dramen über den zweiten Weltkrieg, der vermutlich sein populärstes Thema überhaupt darstellt. Wir ertrinken nicht gerade in Filmen, die den Diebstahl von Nordmexiko glorifizieren, oder die Besetzung der Philippinen. Der Koreakrieg bekommt wenig Aufmerksamkeit. Sogar der Vietnamkrieg und alle anderen mehr gegenwärtigen Kriege schaffen es nicht, die US-Geschichtenerzähler so zu inspirieren wie der zweite Weltkrieg, und etwa 90% dieser Geschichten beziehen sich auf den Krieg in Europa, nicht den in Asien.

Die europäische Geschichte wird wegen der klaren Bösartigkeit des deutschen Feindes stark bevorzugt. Dass die USA einen Frieden ohne Sieger im ersten Weltkrieg verhindert haben, indem sie Deutschland zerbrachen, und dann boshaft quälten, danach jedoch die Nazis unterstützten – all das ist leichter vergessen als die Atombomben, die die USA auf Japan abgeworfen haben. Aber es ist der japanische Angriff am 7. Dezember 1941, zusammen mit der dazufantasierten Nazi-Invasion, die die US-Öffentlichkeit davon überzeugten, dass es zur Verteidigung gehört, einen Krieg in Europa mit vom Zaun zu brechen. Auch die Geschichte, wie die USA Japan zum Imperialismus ausbildeten, und dann zum Feind machten und provozierten, soll in Vergessenheit geraten.

Amazon.com, ein Konzern mit einem grossen CIA-Vertrag, dessen Eigentümer auch die Washington Post besitzt, hat eine neue Fernsehserie namens “Das Orakel vom Berge” gestartet. Die Geschichte spielt in den 1960ern mit Nazis, die drei Viertel der USA besetzt haben, und Japanern, die den Rest besetzen. In diesem alternativen Universum wird die ultimative Erlösung geliefert, weil dort Deutschland die Nation ist, die Atombomben geworfen hat.

Die Sieger der Achsenmächte und ihre alternden Führer haben ein altmodisches Imperium errichtet und verwaltet – nicht wie US-Militärstützpunkte in Stellvertreter-Staaten, sondern mit einer vollständigen Besetzung, wie die USA im Irak. Es kommt nicht darauf an, wie plausibel das erscheint. Es ist das plausibelste Szenario, das die US-Fantasie verkörpert, dass jemand anderes das macht, was die USA selbst anderen zufügen. Deshalb sind US-Verbrechen in den realen 2000ern “defensiv” geworden, so wie die USA immer erst anderen antun, was sie sich danach selbst antun.

Gewaltfreier Widerstand existiert in der ersten Folge dieses beruhigenden Opferabenteuers nicht, und hat augenscheinlich auch seit Jahren nicht mehr existiert an diesem Punkt der Geschichte. Aber wie könnte es auch? Eine Macht durch Gewaltfreiheit aufzuhalten – sogar eine bloss imaginierte – kann nicht dazu dienen, die Gewalt des aktuellen US-Militärs zu rechtfertigen. Den deutschen und japanischen Besatzern kann nur durch Gewalt entgegen getreten werden, was in einem Zeitraum einen echten Anachronismus darstellt, aus dem gewaltfreie Techniken bekannt sind, und in dem die Bürgerrechtsbewegung den US-Faschismus mit grossem Erfolg bekämft hatte.

“Vor dem Krieg… war jeder Mann frei”, sagt einer der attraktiven jungen Weissen, die alle Helden und einige der Schurken in diesem Drama darstellen. Statt Rassenaufständen, McCarthyismus, Vietnam und die Sterilisierung und das Experimentieren mit den Machtlosen, was tatsächlich geschah, beinahlten diese USA das Verbrennen von Juden, von Behinderten und von unheilbar Kranken. Der Kontrast zur imaginierten Vornazivergangenheit, bei der “jeder Mann [aber nicht die Frau?] frei war”, ist krass. Man möchte fast ausrufen: “make America great again!”

Amazon zeigt uns also Nazis, die sich wie die zeitgenössischen USA benehmen: sie foltern und ermorden ihre Feinde. Rikers Island ist sowohl in der Fernsehserie als auch in der Realität ein brutales Gefängnis. In dieser Fantasie haben sich die Symbole des US- und des Nazi-Patriotismus nahtlos zusammengefügt. In der Realität absorbierte das US-Militär einiges an Nazi-Gedanken während des Eingliederns vieler Nazis, die es in der Operation Paperclip rekrutiert hat – eine weitere Art, wie die USA tatsächlich den zweiten Weltkrieg verloren hat, wenn wir unter Sieg die Demokratie verstehen, die die Art Gesellschaft besiegt, in der jemand wie Donald Trump gedeihen kann.

Die Vereinigten Staaten schaffen es heutzutage, Flüchtlinge aus selbst angezettelten Kriegen in fremden Ländern als gefährliche Feinde zu betrachten, als neue Nazis, genau wie führende US-Politiker ausländische Führer als neue Hitler bezeichnen. Mit US-Bürgern, die sich praktisch jeden Tag in der Öffentlichkeit gegenseitig abknallen, sobald ein solcher Mord angeblich von einem Muslim ausgeführt wird, insbesondere von einem Muslim mit Sympathien für ausländische Kämpfer, nun, dann ist das nicht nur eine Schiesserei. Das bedeutet, dass die USA überfallen worden sind. Und es bedeutet, dass alles, was sie nun machen, “defensiv” sein wird.

Werden in Venezuela Führer gewählt, die die USA ablehnen? Dann ist das eine “Gefahr für die nationale Sicherheit” – eine irgendwie magische Gefahr, die USA zu überfallen und zu besetzen, und sie zu Folter und Mord unter fremder Flagge zu zwingen. Diese Paranoia kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt von Programmen wie “Der Alte vom Berge”.

Die Mythenbildung um Pearl Harbor ist nicht nur ein Feld für Unterhaltung. Das hier ist aus einem Zeitungsartikel zitiert:

Pearl Harbor und der zweite Weltkrieg haben uns als Nation zusammengeführt. Wir glaubten, unbesiegbar zu sein. Und wir haben die Oberhand behalten. Aber weshalb ist der Konress nun so dahinter, unsere Gefühle des Patriotismus‘ zu zerstören, und will unsere nationale Verteidigung drastisch verringern? Viele Kongressabgeordnete wollen unsere nationalen Verteidigungsausgaben in ihrem Bemühen, ihre Unfähigkeit zu kompensieren, kürzen, weil sie ihrer Verantwortung als unsere Repräsentanten nicht nachkommen, und um andere Gruppen und Politiker zu versorgen, deren Lieblings- (Schweins-) projekten zuliebe, und wegen der nächsten Wahlen. Sie vergessen dabei (oder wissen gar nicht), dass ihre Priorität Nummer 1 die Verteidigung unseres Landes sein muss, und diesbezüglich auch die Versorgung unserer Veteranen […]

Könnte die Tatsache, dass Amerika vergessen hat, was an Pearl Harbor passiert ist, und seinen Schutz vernachlässigt hat, dazu beigetragen haben, dass die Angriffe an 9/11 stattfinden konnten? Und wird diese Vergesslichkiet und Ignoranz die Ambitionen von Terroristen befeuern, ihre Angriffe auszuweiten? Weil das ‘Superkommittee’ des US-Kongress‘ darin versagt hat, seine Deadline letzten Monat einzuhalten, und 1.2 Billionen Dollar an Einsparungen festzulegen, sind Ausgabenbremsen nun eingesetzt worden, die 2013 ihre Wirkung entfalten werden, einschliesslich der 600 Milliarden für Verteidigung. Wenn es dem Kongress erlaubt wird, das Militärbudget zu beschneiden, wird ein weiterer Anschlag um so wahrscheinlicher.

Wir müssen den Präsidenten anrufen, unsere Führer im Kongress, unsere zwei Senatoren pro Staat und unsere Abgeordneten im Hohen Hause um ihnen zu sagen, dass sie ihre Narretei einstellen sollen, das Budget von Miltärs Veteranenangelegenheiten erneuern, und sogar weiter zu steigern, so dass wir beide Programme stärken können, sowohl das für Forschung wie auch das für Entwicklung, damit wir das grösste und am besten ausgerüstete Militär auf der Welt behalten, zusammen mit dem Respekt und der Ehre unserer Veteranen-Helden der Vergangenheit.

Falls wir ihnen die Beschneidung des Verteidigungsetats im Namen des Rückzugs aus Irak erlauben, und später aus Afghanistan (was vermutlich ein Fehler war, aber diese Diskussion muss an anderer Stelle geführt werden), so wird es keine weitere Forschungsförderung mehr geben, um die Nummer 1 zu bleiben, keine Neuerungen, keine neuen Panzer, Flugzeuge, Schiffe und Drohnen, weder mehr noch bessere Körperpanzer noch Fahrzeuge.

Egal, ob man die Legende von Pearl Harbor nun glaubt oder nicht, es ist sehr schwierig zu bestreiten, dass das eine andere Welt ist. Die Vereinigten Staaten haben nicht nur das teuerste Militär der Welt, sie haben auch eines in der Grössenordnung allen anderen weltweiten Militärs zusammen. Die Vereinigten Staaten haben Militärstützpunkte und Truppen in fast allen anderen Ländern der Welt. Die USA dominieren den Ozean und den Weltraum. Die USA haben den Planeten in Kommandozonen unterteilt. Der Kongress pumpt fast die Hälfte der verfügbaren Mittel in das Militär. Während sie diese Ausgaben in etwa verdoppelt haben, sowohl in echten Dollars als auch prozentual vom Bundesbudget seit 9/11, ist es tatsächlich so, dass das Nukleararsenal und das Imperium von Militärstützpunkten und all die masslosen Ausgaben nichts mit 9/11 zu tun haben, ausser dass sie dazu beitrugen, dieses Ereignis zu provozieren. Deine Zeitung fordert Dich auf, in einer Traumwelt zu leben, und die echte Welt währenddessen zu zerstören.

Keine neuen Panzer? Keine neuen Flugzeuge? 600 Milliarden Dollar klingen viel, aber über zehn Jahre gerechnet sind das 60 Milliarden eines jährlichen “Sicherheitsbudgets” von einer Billion – das bedeutet, es sind 6%. Alles, was es braucht, um das in eine Steigerung statt in eine Kostensenkung zu verwandeln, ist, es aus dem “geplanten” Budget heraus zu nehmen, das um mehr als 6% anwächst. Falls irgendwelche der aktuellen Senkungen tatsächlich umgesetzt werden sollten, dann kannst Du Dich beruhigt zurücklehnen im Wissen, dass unsere Volks-Vertreter alles in ihrer Macht stehende tun werden, um das Geld von nichtmilitärischen Bereichen abzuziehen, oder zumindest nur die Zuwendungen für die Tuppe zu senken statt der geheiligten und profitablen Panzer und Flugzeuge usw., die praktisch überhaupt nichts mit “Verteidigung” zu tun haben.

Dem Mythos entgegen treten

Wie wir Ulysses jeden 16. Juni am Bloomsday lesen (oder wir wir es sollten, falls wir es nicht tun), so denke ich, dass man jeden 7. Dezember nicht nur des Great Law of Peace von 1682 gedenken sollte, das den Krieg in Pennsylvania beendete, sondern auch Pearl Harbors, aber nicht, indem man den Status des Ewigen Krieges feiert, der seit 75 Jahren existiert, sondern indem man The Golden Age von Gore Vidal liest, und mit der gewissen Joyceischen Ironie des goldenen Zeitalters des anti-isolanistischen imperialen Massenmordes gedenkt, der die Leben aller US-Bürger unter 75 bestimmt.

Der Golden-Age-Tag sollte öffentliche Lesungen von Vidals Roman beinhalten sowie dessen glühende Verehrung durch die Washington Post, den New York Times Book Review und aller anderen der Qualitätsmedien im Jahr 2000, das man auch als 1 abt (vor dem Krieg auf Erden) bezeichnen kann. Keine einzige dieser Zeitungen hat jemals, jedenfalls soweit ich weiss, eine ernstzunehmende, klare Analyse gedruckt, wie Präsident Franklin D. Roosevelt die USA in den zweiten Weltkrieg manövrierte. Doch Vidals Roman – der als Fiktion daher kommt, jedoch vollständig auf dokumentierten Fakten basiert – erzählt die Geschichte mit völliger Ehrlichkeit, und irgendwie gewähren das Genre, das benutzt wurde, oder die Herkunft des Autors, oder seine literarischen Fähigkeiten, oder die Länge des Buches (zu viele Seiten, um den erfahrenen Redakteuer zu tangieren) eine Lizenz für das Erzählen der Wahrheit.

Sicher, Einige mögen The Golden Age gelesen haben und sich über dessen Unangemessenheit beschwert, aber es bleibt ein respektables, hochintellektuelles Werk. Womöglich schade Ich der Sache damit, dass ich offen über dessen Inhalt schreibe. Der Trick, den ich allen ans Herz legen kann, ist, das Buch an Dritte weiter zu geben, ohne ihnen zu erzählen, was es beinhaltet.

Trotz der Tatsache, dass ein Filmemacher die Hauptfigur im Buch darstellt, wurde es, soweit ich weiss, nie verfilmt – aber bei einem weit verbreiteten Phänomen von öffentlichen Lesungen wäre es denkbar, dass das passiert.

In The Golden Age sind wir Mäuschen, wie die Briten auf eine US-Beteiligung am zweiten Weltkrieg gedrängt haben, wie Präsident Roosevelt Premierminister Winston Churchill eine Zusage gegeben hat, wie die Kriegstreiber die republikanische Versammlung manipulierten, um sicher zu stellen, dass 1940 beide Parteien Kandidaten nominierten, die bereit dazu waren, für Frieden öffentlich zu werben, jedoch in Wirklichkeit den Krieg zu planen, wie Roosevelt eine noch nie dagewesene dritte Amtszeit als Kriegspräsident anstrebte, sich jedoch mit dem Anfang eines Entwurfes und der Kampagne eines Präsidenten während Zeiten der Einberufung und der vermeintlichen nationalen Gefahr begnügend musste, und wie Roosevelt daran arbeitete, Japan zu provozieren, damit es, seinem angestrebten Plan folgend, auch pünktlich angriff.

Der Widerhall ist schaurig. Roosevelt betreibt Wahlkampf mit dem Argument des Friedens (“ausser im Falle eines Angriffs”), wie Wilson, wie Johnson, wie Nixon, wie Obama. Roosevelt beruft vor der Wahl Henry Stimson als kriegstreibenden Kriegsminister in sein Schattenkabinett, gar nicht unähnlich zu den Nominierten von Donald Trump.

Der zweite Weltkrieg war nicht nur irgend ein Krieg

Der zweite Weltkrieg wird oft “der gute Krieg” genannt, und wurde das besonders seit dem US-Krieg in Vietnam, dem er oft gegenüber gestellt wird. Der zweite Weltkrieg bestimmt so die Unterhaltung und Erziehung in den USA und im Westen, dass “gut” oft mehr meint als nur “gerecht”.

Die Gewinnerin des Schönheitswettbewerbs “Miss Italien” 2016 fand sich als Teil eines kleinen Skandals wieder, als sie erklärte, dass sie gerne während des zweiten Weltkriegs gelebt hätte. Obwohl sie dafür verspottet wurde, steht sie damit nicht alleine. Viele würden gerne Teil von etwas sein, das weit und breit als nobel, heroisch und aufregend angesehen wird. Sollten sie tatsächlich jedoch eine Zeitmaschine entdecken, so empfehle ich solchen Leuten, besser zuvor die Aussagen von echten Veteranen und Überlebenden des zweiten Weltkriegs zur Kenntnis zu nehmen, bevor sie zurückreisen, um die Party zu besuchen.

Es spielt keine Rolle, wie viele Jahre lang man Bücher schreibt, Interviews führt, Kolumnen veröffentlicht und bei Veranstaltungen vorträgt, es scheint praktisch unmöglich zu sein, es zu schaffen, eine Veranstaltung in den Vereinigten Staaten zu finden, bei welcher Du Dich gegen den Krieg eingesetzt hast, ohne dass irgend jemand Dich mit der “aber was ist mit dem guten Krieg”-Frage angreift. Dieser Glaube, dass es vor 75 Jahren einen guten Krieg gab, ist der grössere Teil dessen, was die US-Öffentlichkeit dazu bewegt, Billionen Dollar jedes Jahr in die Vorbereitung eines eventuellen weiteren guten Krieges zu pumpen, sogar im Angesicht dessen, dass es so viele Duzende von Kriegen während der letzten 71 Jahre gab, von denen der allgemeine Konsens vorherrscht, dass sie nicht gut waren. Ohne die reichhaltigen, wohl etablierten Mythen über den zweiten Weltkrieg würde die aktuelle Propaganda über Russland oder Syrien, über Irak oder China für die meisten Leute so verrückt klingen, wie sie für mich klingt. Und natürlich führt das Geld, was mit der Legende des guten Krieges verdient wird, zu mehr schlechten Kriegen statt jene zu verhindern. Ich habe über dieses Thema ausführlich in vielen Artikeln und Büchern geschrieben, speziell in Krieg ist eine Lüge. Aber ich führe hier gerne noch einmal die wichtigsten Punkte auf, die zumindest dafür taugen, die Saat des Zweifels in die Köpfe der meisten US-Unterstützer des zweiten Weltkrieges als eines gerechten Krieges zu tragen.

Der zweite Weltkrieg hätte ohne den ersten Weltkrieg nicht geführt werden können, ohne die dumme Art und Weise, wie der erste Weltkrieg begonnen wurde, oder ohne die noch dümmere Art, wie der erste Weltkrieg beendet wurde – was viele kluge Leute dazu gebracht hatte, sofort den zweiten Weltkrieg vorher zu sagen –, oder ohne die jahrzehntelange Finanzierung von Nazideutschland durch die Wallstreet (weil es den Kommunisten vorgezogen wurde), oder ohne das Wettrüsten und die Vielzahl an schlechten Entscheidungen, die in der Zukunft besser nicht wiederholt werden sollten.

Dieser Krieg wurde nicht aus humanitären Gründen geführt, und er wurde nicht einmal solcherart vermarktet, zumindest nicht, bis er vorbei war. Es gab kein Plakat, was Dich aufforderte, Uncle Sam zu helfen, die Juden zu retten. Ein Schiff voller jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland wurde von der US-Küstenwache vor Miami vertrieben. Die USA und andere Nationen weigerten sich, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen, und die Mehrheit der US-Öffentlichkeit unterstützte diese Position. Friedensgruppen, die Premierminister Winston Churchill und dessen Aussenminister um die Evakuierung von Juden aus Deutschland baten, mit dem Ziel, sie zu retten, wurde gesagt, dass, obwohl Hitler vermutlich einem solchen Plan zustimmen würde, so würde würde das doch zu viel Ärger machen und zu viele Schiffe benötigen. Die USA engagierten sich weder diplomatisch noch militärisch dafür, Opfer der Nazi-Konzentrationslager zu retten. Anne Frank wurde ein US-Visum verweigert.

Obwohl dieser Punkt nichts mit dem Fall des zweiten Weltkriegs als gerechter Krieg eines seriösen Geschichtsschreibers zu tun hat, ist er so zentral für die US-Mythologie, dass ich hier eine Passage von Nicholson Baker beifüge:

Anthony Eden, der britische Aussenminister, der von Churchill beauftragt wurde, sich um Anfragen bezüglich Flüchtlingen zu kümmern, hat eine der vielen wichtigen Delegationen kalt behandelt, und ihnen gesagt, dass jeglicher Versuch, Hitler um die Freilassung der Juden zu bitten, ‘in fantastischer Art und Weise unmöglich’ sei. Bei einem Besuch der Vereinigten Staaten erzählte Eden Aussenminister Cordell Hull offen, dass die wahre Schwierigkeit dabei, Hitler nach den Juden zu fragen, darin lag, dass ‘Hitler auf eine solche Anfrage tatsächlich eingehen könnte, und es gibt schlicht nicht genug Schiffe und Transportmittel auf der Welt, um damit umzugehen’. Churchill stimmte zu. ‘Sogar wenn wir die Erlaubnis erhalten würden, alle Juden abzuziehen’, schrieb er als Antwort auf einen Bittbrief, ‘so stellt der Transport selbst ein Problem dar, das schwierig zu lösen sein wird’. Ungenügend Schiffe und Transportmittel? wei Jahre zuvor hatten die Briten knapp 340’000 Männer vom Strand in Dünkirchen innerhalb von gerade mal neun Tagen evakuiert. Die US-Luftwaffe besass viele Tausende von neuen Flugzeugen. Während eines nur kurzen Waffenstillstandes wären die Alliierten in der Lage gewesden, Flüchtlinge in Massen auszufliegen und aus dem deutschen Einflussbereich zu transportieren.

Die “gute” Seite des Krieges bestand schlicht daraus, sich den Teufel darum zu scheren, was hinterher das zentrale Beispiel der Schlechtigkeit der “bösen” Seite des Krieges werden sollte.

Der Krieg war nicht defensiv. Man kann sich auf die Position stellen, dass die USA in den Krieg in Europa eintreten mussten, um andere Nationen zu verteidigen, aber dann muss man ebenso sagen, dass die USA den Angriff auf Zivilisten eskaliert haben, den Krieg hinausgezögert, und mehr Schaden angerichtet als wohl sonst aufgetreten wäre, hätten die USA nichts gemacht, sich in Diplomatie versucht oder sich in Gewaltlosigkeit geübt. Zu behaupten, dass ein Nazireich bis hin zu einer Besetzung der USA hätte anwachsen können, ist weit hergeholt und beispiellos verglichen mit allen früheren und späteren Kriegen.

Wir wissen nun viel mehr darüber, und verfügen über viel mehr Daten darüber, dass gewaltfreier Widerstand gegen Besatzung und Ungerechtigkeit mit höherer Wahrscheinlichkeit gewinnt – und dass der Erfolg wahrscheinlich von Dauer ist – als gewalttätiger Widerstand. Mit diesem Wissen können wir auf die erstaunlichen Erfolge von gewaltfreien Aktionen gegen die Nazis zurückblicken, die nicht einmal gut organisiert waren oder über ihre Anfangserfolge hinaus ausgebaut wurden.

Der Gute Krieg war nicht gut für die Soldaten. In Ermangelung von moderner Ausbildung und psychologischer Konditionierung, um Soldaten auf den widernatürlichen Akt des Mordes vorzubereiten, haben in etwa 80 Prozent der US- und anderer Truppen im zweiten Weltkrieg ihre Waffen nie “gegen den Feind” abgefeuert. Die Tatsache, dass Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg nach dem Krieg besser behandelt wurden als andere Soldaten vorher oder nachher, war das Ergebnis des Drucks, der durch die Bonus Army nach dem vorhergehenden Krieg ausgeübt wurde. Dass Veteranen konstenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und Altersversorgung zugestanden wurde, war nicht aufgrund ihrer Verdienste im Kriege so oder etwa irgend ein Kriegsergebnis. Ohne den Krieg könnte jeder jahrelange freie Bildung geniessen. Wenn wir heute jedermann freie Bildung zur Verfügung stellen würden, dann brauchte es wohl mehr als hollywoodisierte Darstellungen des zweiten Weltkrieges, um viele Leute noch in die militärischen Rekrutierungsstellen zu bringen.

Ein Vielfaches der Menschen, die in deutschen Lagern getötet wurden, wurden ausserhalb derselben im Krieg getötet. Die Mehrheit dieser Leute waren Zivilisten. Die pure Grössenordnung des Mordens, Verwundetwerdens und der Zerstörung machte den zweiten Weltkrieg zum Schlimmsten, was die Menschheit sich je selbst während einer kurzen Zeitspanne angetan hat. Wir stellen uns die Alliierten als irgendwie “gegen” das viel kleinere Morden in den Lagern vor. Aber das kann die Behandlung nicht rechtfertigen, die schlimmer als die Krankheit war.

Den Krieg zu eskalieren beinhaltete die vollständige Vernichtung von Zivilisten und Städten, was in der völlig unhaltbaren nuklearen Vernichtung von Städten gipfelte, was viele davon abbrachte, den zweiten Weltkrieg als weiter rechtzufertigendes Projekt zu betrachten, die seinen Beginn noch verteidigt hatten. Bedingungslose Kapitulation zu fordern und damit Tod und Leiden zu maximieren, hat immensen Schaden angerichtet und Grimm und düstere Vorahnungen hinterlassen.

Massenmord kann angeblich für die “gute” Seite des Krieges gerechtfertigt werden, aber nicht für die “böse” Seite. Der Unterschied zwischen den beiden ist nie so klar wie man es sich vorstellt. Die Vereinigten Staaten haben eine lange Geschichte als Apartheit-Staat. US-Traditionen wie die der Unterdrückung von Afroamerikanern, die des parktizierten Völkermordes an amerikanischen Ureinwohnern und nun der Internierung japanischstämmiger Amerikaner gaben auch so einigen speziellen Programmen von Deutschlands Nazis Auftrieb – und das schliesst Programme von Lagern für amerikanische Ureinwohner ein, genauso wie Programme für Eugenik und Menschenversuche, die vor, während und nach dem Kriege existiert haben.

Eines dieser Programme beinhaltete die Ansteckung von Menschen in Guatemala mit Syphilis zur selben Zeit, als die Nürnberger Prozesse stattfanden. Das US-Militär stellte bei Kriegsende hunderte Topnazis ein; sie fügten sich problemlos ein. Die USA verfolgten den Plan eines weiteren Weltreiches, vor dem Krieg, während des Krieges und immer seither. Heute schwenken deutsche Neonazis, denen es verboten ist, die Nazifahne zu schwenken, manchmal stattdessen die Fahne der Konföderierten Staaten von Amerika.

Die Partei der “guten” Seite des “guten Krieges”, die das Gros des Tötens und Sterbens siegerseitig übernahm, war die kommunistische Sowjetunion. Das macht den Krieg nicht zum Triumpf des Kommunismus, aber es nimmt Washingtons und Hollywoods Geschichten über den Triumpf der “Demkoratie” doch den Glanz.

Der zweite Weltkrieg hat nie geendet. Gewöhliche Leute in den Vereinigten Staaten bezahlten vor dem zweiten Weltkrieg keine Einkommensteuer, und das wurde nie beendet. Es war aber nur temporär gedacht. Die Militärstützpunkte aus dem zweiten Weltkrieg, die auf der ganzen Welt errichtet wurden, wurden nie wieder geschlossen. Die US-Truppen haben Deutschland und Japan nie verlassen. Es gibt mehr als 100’000 US- und britische Bomben, die immer noch im Boden von Deutschland liegen, und die immer noch töten können.

Wenn wir 76 Jahre zurück auf eine atomfreie, koloniale Welt mit komplett unterschiedlichen Strukturen, Gesetzen und Gewohnheiten blicken um rechtzufertigen, was die grössten Ausgaben der Vereinigten Staaten darstellt in jedem der Jahre seither, dann sehen wir bizarres Kunststück der Selbsttäuschung, wie es bei keinem geringeren Unterfangen zur Rechtfertigung zu finden ist. Angenommen, ich hätte mich in allem anderen völlig geirrt, dann müsstest Du immer noch erklären, wie ein Ereignis aus den frühen 1940er Jahren es rechtfertigen soll, auch 2018 eine Billion Dollar in Kriegsfinanzierung zu pumpen, die besser für Nahrung, Kleidung, Gesundheit und Obdach von Millionen von Leuten ausgegeben werden würden, und um die Umwelt der Erde zu schützen.

(Übersetzung des englischen Originaltextes von David Swanson)