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Tatort – Der braune Schatten

Oktober 2057 – 40 Jahre liegen eine neonazistische Mordserie und der NSU-Prozess zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert und Bootz.

(frei nach einer tatsächlich ausgestrahlten Episode vom 15.10.2017)

[Geänderte Textstellen ab 55:28 Minute]

Lannert: Ich kann seit Wochen nicht mehr wirklich schlafen. Der Dok meint, ab einem bestimmten Alter kommt alles zurück.

Bootz: Du warst beim Arzt?

Lannert: Drehst ja durch, so ohne Schlaf. Und jetzt auch noch plötzlich der NSU wieder. Damals wollten alle wissen, was wirklich in dem Wohnmobil passiert ist. War es Selbstmord oder Mord? Immerhin war es der Kampf der Kinder gegen ihre Väter.

Bootz: Du klingst ja wie der letzte Radikale von damals.

Lannert: Wir haben den Niedergang in Deutschland gesehen, Sebastian. Und uns war sofort klar: So darf die Welt nicht sein, so kann sie nicht sein. Diese Ungerechtigkeit. Und dann überall diese versifften Linken, Lehrer, Politiker, vor allem in den Medien. Worum uns aber der NSU gebracht hat, war die Neugier und die Sehnsucht, die damals herrschte. Politisch und gesellschaftlich. Die haben sie weggebombt, die Sehnsucht. Die war danach nicht mehr da.

Bootz: Die Sehnsucht?

Lannert: Ja, wir waren jung. Wir wollten nicht werden wie unsere Eltern. Ich bin mit 16 von zu Hause abgehauen. Glatze, Springerstiefel. Hab‘ in ’ner WG gewohnt in Dresden. Da bin ich der Zschäpe mal begegnet, 2011. Das war kurz vor ihrer Verhaftung. Saß sie aufm Flur, hat mich angelächelt. Nur dieser kurze Moment, und ich war elektrisiert. Fünf Jahre später dann kamen die Bilder aus München, aufgenommen mit einer reingeschmuggelten „Minox“. Sie sah brutal aus. Damals haben wir geglaubt, der Staat hat sie einfach umgebracht.

Bootz: Moment mal, was war das eben? Du hast in ’ner WG mit NSU-Sympathisanten gewohnt?

Lannert: Ja. Und dann wirst du Polizist…