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wdrDie Frechheit, mit der diejenigen, die die Öffentlichkeit über alle gesellschaftlich relevanten Themen objektiv, umfassend und unparteilich informieren sollten, immer wieder „bedauern“, dass sie selbst Themen unterdrücken, lässt regelmäßig jegliche Scham und Respekt für die Intelligenz der Bürger sowie für den eigenen gesellschaftlichen Auftrag vermissen.

War es vor Kurzem erst Claus Kleber, der durch und durch verlogen „bedauerte“, dass man kaum Zeit habe, über den Krieg im Jemen zu berichten, sind es heute die Propagandisten des WDR, die zu der Erkenntnis gelangt sind, dass CETA und andere Freihandelsabkommen „unter dem Radar laufen“ und prompt „mehr Aufklärungsarbeit“ von der EU fordern.

Mit dem Inkrafttreten von CETA, das von weiten Teilen der inhaltlich informierten Bevölkerung abgelehnt wird, sah sich heute auch der WDR genötigt, über das unbequeme Thema zu berichten. Unbequem ist es deshalb, weil die Propagandisten des Staatsfunks genau wissen, dass sie auch in diesem Fall im Auftrag wirtschaftlicher und politischer Eliten gegen die Meinung der Bevölkerung agitieren müssen.

Die Propaganda, die mittlerweile nahezu sämtliche gesellschaftlich relevanten Themenbereiche durchzieht und die das Volk, Europa und die EU gespalten hat, schlägt sich zwangsläufig auch im wachsenden Glaubwürdigkeitsverlust der „Öffentlich-Rechtlichen“ nieder. Dass die in einer eigenen Filterblase leben, die in ihrer Realitätsverleugnung jener des SED-Politbüros immer ähnlicher wird, zeigen die beiden aktuellen Beiträge, die der WDR sich zum Thema CETA im Morgenecho notdürftig zusammengefrickelt hat.

Statt eines Interviews mit fachlich versierten Kritikern dieses Abkommens zwischen der EU und Kanada oder einem Gespräch sowohl mit Kritikern, wie auch mit befürwortenden Regierungs- oder Wirtschaftsvertretern „interviewt“ der WDR sich kurzerhand selbst. Was wie ein schlechter Witz erscheint, ist real existierender Neoliberalismus in Zeiten alternativloser Politik und Staatspropaganda.

Akt 1: Zwei staatliche Propagandisten im Selbstgespräch

WDR-„Moderator“ Max von Malotki im Gespräch mit seinem Kollegen WDR-„Wirtschaftsexperte“ Wolgang Landmesser

… da orientiert sich die EU jetzt neu und bereitet einiges vor. Der Beginn der Verhandlungen mit Australien und Neuseeland über ein Handelsabkommen, der steht kurz bevor und bei anderen Verhandlungen sind die Europäer schon weiter. Am weitesten mit Japan, da könnten die Verhandlungen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Also da ist durchaus Dynamik drin und das kriegen viele vielleicht gar nicht mit. Das ist so ein bisschen unter dem Radar.

 

Akt 2: Kommentar des dritten staatlichen Propagandisten

Andreas Meyer-Feist fordert in seinem Kommentar „mehr Aufklärungsarbeit!“

… Die Skeptiker runterzubürsten war lange das Mittel der Wahl. Richtige Überzeugungsarbeit wäre besser. Hier hat Brüssel noch einiges zu tun.

In beiden Beiträgen tritt das Selbstverständnis der falschen „Journalisten“ deutlich zutage. Das Bedauern über die mangelnde Information der Öffentlichkeit ist an Heuchelei kaum zu überbieten, denn es ist selbstverständlich der GEZ-finanzierte Rundfunk, dessen Auftrag es wäre, die Fakten zu recherchieren, Kritiker und Befürworter zu Wort kommen zu lassen und derart bedeutende Themen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu halten. Dass dies nicht geschieht, hat den einzigen Grund, dass die Verantwortlichen genau wissen, dass mehr Aufmerksamkeit auch mehr Aufklärung über die Nachteile und mehr Widerstand in der Bevölkerung bedeuten würde.

Dass Andreas Meyer-Feist dann in seinem Kommentar ganz unverhohlen mehr Propaganda durch die EU fordert – notdürftig als „Überzeugungsarbeit“ verklausuliert – verdeutlicht, dass der ARD-Propagandist überhaupt keinen offenen Diskurs möchte, sondern dass er diese Abkommen – ganz wie die neoliberalen EU-Vertreter, die sie vorantreiben – als alternativlos ansieht und lediglich der Ansicht ist, dass man nun auch das Volk noch derart bearbeiten muss, dass es einsieht, wie schön doch der „Freihandel“ sein kann.

Beide Beiträge offenbaren einmal mehr das Sebstverständnis und die Arbeitsweise eines Staatssenders, dessen Lohnabhängige gar nicht mehr wissen, was richtiger Journalismus eigentlich ist. Sie haben ihre Rolle als Büttel der Regierung vollkommen verinnerlicht.