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Der Fall Schabirosky, der seit Sonntag die Medienwelt erschüttert, ist für die öffentlich-rechtlichen Propaganda­anstalten erwartungsgemäß kein Thema, über das man dort gerne berichten würde. Eine Suche in der MediathekView bringt auch drei Tage nach den ersten Berichten keinerlei Ergebnisse ans Tageslicht. Abgesehen von einer schmallippigen Stellungnahme des NDR, in der man einen Ablenkungsversuch unterstellt, herrscht beredtes Schweigen. Kein Wunder, denn „Journalisten“ des NDR stehen im Mittelpunkt einer Kampagne, mit der Carsten Maschmeyer – für den man nicht zwangsläufig Mitleid aufbringen muss – öffentlich fertig gemacht werden sollte.


Ausgelöst wurde der Skandal durch ein selbstbezichtigendes Buch von Stefan Schabirosky, der zehn Jahre Mitarbeiter bei Maschmeyers Finanzvertrieb AWD war und die Schmutzkampagne im Auftrag von dessen Konkurrenten DVAG durchgeführt haben will. Willige Helfer waren „Journalisten“ wie NDR-Mann Christoph Lütgert, der vielen Zuschauern als penetranter Hinterherläufer in Erinnerung sein wird.

Der Fall Schabirosky ist auch deshalb aufschlussreich, weil die Methoden, mit denen Maschmeyer attackiert wurde, regelmäßigen Lesern dieses Blogs bekannt vorkommen werden:

Sell, so der Autor, habe es sich offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, gegen Maschmeyer und den AWD zu kämpfen; und nur allzu gerne habe der NDR-Mitarbeiter Schabirosky als Quelle genutzt. Zuerst geschah das in einem Beitrag für „Plusminus“, der anonymisierte Schabirosky trat vor die Kamera und erzählte lauter Halbwahres, Falsches und Zurechtgebogenes. Vieles, wenn nicht alles, hätte einer Überprüfung niemals standgehalten. Ein Beispiel: die angebliche Verschuldung der AWD-Mitarbeiter, dokumentiert mit einer von Schabirosky immer wieder gerne herumgereichten, natürlich von ihm manipulierten Schuldenliste.

Laut der Darstellung in Plusminus bekamen die AWD-Mitarbeiter Darlehen auf zukünftige Provisionen, rutschten dann aber systematisch in die Schulden, wenn sie die Provision nicht verdienten und die Darlehen zurückzahlen mussten. „Das war eine völlige Verdrehung“, schreibt Schabirosky. Die Verdrehung entstand so: Gemeinsam mit einem Freund hatte er eine Datei angelegt, der zufolge die meisten AWD-Handelsvertreter durch ihre Tätigkeit verschuldet waren. „Die Datei sah überzeugend aus, denn die Zahlen stammten aus den AWD-Geschäftsberichten. Nur – wir ließen die ebenfalls in den AWD-Geschäftsberichten abgedruckten Forderungen der Handelsvertreter gegen den AWD wie z.B. Stornoreserve einfach weg.“ Es sei, schreibt Schabirosky, als würde man Hausbauer aufgrund ihrer Darlehen als hochverschuldet einstufen, indem man den Wert des Hauses einfach nicht beachte.

Beim Tagesspiegel und dessen verstorbenem Redakteur Daniel Rhée-Piening erreichte Schabirosky, dass aus der manipulierten Liste eine Zwischenüberschrift in einem natürlich auch von ihm initiierten Anti-AWD-Artikel wurde: „Im Schnitt schuldet jeder Berater dem AWD 5.000 Euro.“ Laut Schabirosky sei dieser Zwischentitel „natürlich Unfug.“ Er habe übrigens vor seinem Rausschmiss beim AWD stets hervorragend verdient. Erstaunlicherweise sei er aber nicht ein einziges Mal von einem Journalisten nach seinem Verdienst vor dem Rauswurf gefragt worden.

Bei „Panorama“, so Schabirosky, sei er schließlich irgendwann behandelt worden, als gehörte er zur Redaktion. „Keiner fragte mich nach meinen Motiven.“ Aus Sicht des Rufmörders war die Arbeit der Redaktion hervorragend. Über die Reportage „Der Drückerkönig“ sagt er: „Der Bericht war so, wie ich ihn mir vorstellte: einseitig negativ und tendenziös.“ Schabirosky listet noch zahlreiche weitere Beispiele dafür auf, warum die „Panorama“-Lütgert-Reportagen nicht nur egoman, überdramatisiert und teilweise inszeniert waren, sondern auch von seinem Einfluss und damit durch manipulierte Informationen maßgeblich bestimmt. „Panorama“ wiederum hat bereits vor einigen Tagen die Unterstellung, man habe sich instrumentalisieren lassen, scharf zurückgewiesen. (meedia)

Der Drückerkönig und die Politik (2011) – Die Karriere von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer – PANORAMA (NDR – Youtube)

Nun muss man mit Carsten Maschmeyer, der sich juristisch weitestgehend erfolglos gegen die Ausstrahlung der NDR-„Reportage“ wehrte, – wie gesagt – nicht unbedingt Mitleid haben, denn der Mann hat sich mit seinem durchaus kritikwürdigen Geschäftsmodell eine goldene Nase und ein Plätzchen in der norddeutschen High-Society verdient, während Opfer seiner Drückerkolonnen viel Geld, mitunter ihre gesamte Altersversorgung, verloren. Dennoch gilt auch für ihn, genauso wie für Christian Wulff, Alexander Gauland, Vladimir Putin, Baschar al-Assad oder Donald Trump, dass er ein Recht auf wahrheitsgemäße, ausgewogene und objektive Berichterstattung hat. Dazu wären ARD und ZDF bekanntlich auch verpflichtet.

Der NDR aber hat sich nach allem, was man nun wissen kann, auch in diesem Fall zum Handlanger einer Kampagne machen lassen, deren zentrale Methode der einseitigen Verzerrung von der seit mehr als 3 Jahren andauernden Hetze gegen Russland genauso bekannt ist, wie von der mörderischen und verhängnisvollen Kriegspropaganda gegen den Irak, Syrien oder Libyen. Anstatt objektiv und umfassend zu berichten, wird im Stile eines (schlechten) Staatsanwalts ausschließlich das ins Licht ge- und verzerrt, was der eigenen vorgefassten Meinung oder einer politisch vorgegebenen Agenda in den Kram passt.

Dass es anders geht, zeigt ein aktuelles Beispiel, das ebenfalls im niedersächsischen Filz aus Politik und Kapital verortet ist. Als die CDU vor 10 Tagen eine allzu billige und durchschaubare Attacke auf den SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil fahren wollte, indem sie ihm vorwarf, eine Regierungserklärung zur VW-Affäre mit dem Konzern abgestimmt zu haben, war es das ZDF, das sich beeilte, zu berichten, dass diese Praxis nicht nur üblich und durchaus sinnvoll ist, sondern dass die CDU, als sie in Niedersachsen den Ministerpräsidenten stellte, vergleichbare Fälle genauso gehandhabt hatte.

ZDF 09.08.2017 heute 19.00 Uhr

Barbara Hahlweg: „… Jetzt gibts – nach ZDF-Informationen – aber Belege dafür, dass sich auch die Vorgängerregierungen aus CDU und FDP bei Formulierungen beraten ließen.“

Es ist durchaus anzunehmen, dass es die SPD-„Freundeskreise“ und Connections „roter“ ZDF-Journalisten in die Politik waren, die dafür sorgten, dass der schmierige Angriff seitens der CDU auf diese Weise pariert wurde. Immerhin verweist das ZDF in der heute-Sendung selbst darauf, dass es sich um „ZDF-Informationen“ handelt. Man hat also tatsächlich einmal selbst etwas recherchiert, anstatt lediglich transatlantisch vorgefilterte Agenturmeldungen auf Verwertbares im Sinne der Regierungspropaganda zu durchforsten und zu verlesen.

Dass gerade erst wieder eine SPD-Ministerpräsidenten zur Vorsitzenden des ZDF-Verwaltungsrats gewählt wurde, ist natürlich reiner Zufall…

ZDF 30.06.2017 heute 19.00 Uhr

 

Kein Zufall ist, dass ARD und ZDF unablässig einseitige, volksverhetzende und kriegstreiberische Desinformation, Lügen und Propaganda über Russland, Vladimir Putin, Syrien, Libyen, Venezuela oder seit geraumer Zeit gegen Donald Trump verbreiten, denn dahinter steckt eben auch der einfache Grund, dass diese Opfer keine „Freundeskreise“ und Politiker in den „Aufsichtsgremien“ der beiden Staatssendern haben, die seit ihrer Gründung von transatlantisch und regierungsnah vernetzten Propagandisten dominiert und kontrolliert werden.