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ard_logoEingabe: Weltbank-Bericht über die Kosten des Syrienkriegs unterschlagen
Datum: 13. Juli 2017
Von: Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

Am 10. Juli veröffentlichte die Weltbank einen Bericht über die Opfer, Zerstörungen und Kosten des Syrienkriegs. Für die ARD kein Thema.

Eingabe: Weltbank-Bericht über die Kosten des Syrienkriegs unterschlagen

Sehr geehrte Rundfunkräte des NDR,

am 10. Juli berichtete die Weltbank, die Folgen des Syrienkrieges seien noch weit schlimmer als bisher schon befürchtet. Sie legte eigene Berechnungen und Untersuchungsergebnisse über den Zeitraum 2011 bis 2016 vor, wonach mindestens 400 000 Menschen ihr Leben verloren, wahrscheinlich sogar 470 000. Mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung sei vertrieben worden bzw. geflüchtet, 7 Prozent der Wohnhäuser dem Erdboden gleich- und 20 Prozent unbewohnbar gemacht. Die wirtschaftlichen Verluste werden mit 226 Milliarden US-Dollar angegeben, die Wirtschaft liege vollkommen danieder. Die Hauptbotschaft der Weltbank: Die Zerstörungen infolge des Krieges gingen wesentlich tiefer und wögen langfristig schwerer, als die Todeszahlen, die verwüstete Infrastruktur oder die wirtschaftlichen Schäden vermuten ließen.

Quelle: http://www.worldbank.org/en/country/syria/publication/the-toll-of-war-the-economic-and-social-consequences-of-the-conflict-in-syria

Der Katalog der wirtschaftlichen und der sozialen Konsequenzen für das künftige Leben in Syrien enthält ein Schreckensszenario nach dem anderen.

ARD-aktuell berichtete über die Ergebnisse der Weltbank kein Wort. Obwohl die Redaktion auf diese Quelle sonst jederzeit Bezug nimmt. Unsere Erklärung für die nach dem Rundfunkstaatsvertrag („umfassend“ und objektiv berichte“) unzulässige Verschwiegenheit der ARD-aktuell: 440 000 tote Syrer beispielsweise lassen sich auch vom übelsten transatlantischen Propagandahetzer nicht allein dem Schuldkonto des „Machthabers“ Assad und seiner Armee zuschreiben. Für die in Syrien angerichtete Katastrophe gibt es keine wie auch immer geartete Rechtfertigung. Das Publikum der ARD-aktuell ist sich durchaus bewusst, dass die dschihadistischen Terroristen und marodierenden Söldnerbanden nicht aus eigenem („religiösem“) Antrieb handeln, sondern im geopolitischen Auftrag der USA und dem der Rüstungs-, und der Energiewirtschaft morden, nicht zu reden von deren Landvögten in den Ölmonarchien Arabiens und den Auftragnehmern in der NATO.

Wieviel Sendefläche standen ARD-aktuell am 10. Und 11. Juli zur Verfügung? Wieviel Platz im Internet? Diese rhetorischen Fragen nur zur Sicherstellung, dass Sie, der Rundfunkrat, sich an Fakten erinnern, falls Ihnen Chefredakteur Dr. Gniffke, wie von ihm nicht anders zu erwarten, versuchen wird, ein X für ein U vorzumachen und zu erklären, wegen des G20-Gipfels und der darüber notwendigen Berichterstattung sei kein Platz mehr für eine Meldung über den Weltbank-Bericht gewesen.

Falls nicht Sie alle des Englischen mächtig und in der Lage sein sollten, den Weltbank-Bericht im Original zu rezipieren: Der im Unterschied zu ARD-aktuell sauber informierende Heise-Verlag bietet auf seinem Internet-Portal „Telepolis“ in gut lesbarem Deutsch eine umfassende Darstellung. 
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Weltbank-berechnet-die-Kosten-des-Syrien-Kriegs-3768489.html

Wir erinnern daran, dass Dr. Gniffke argumentationslos zu behaupten beliebte, Telepolis sei keine seriöse Quelle. Allerdings musste er gegenüber dem Verlag wenig später widerrufen. Denn er ist bekanntlich ein ehrenwerter Mann.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, ist Journalist. Er startete bei Tages­zeitungen in Süddeutsch­land und landete schließlich beim NDR in Hamburg. 1975-84 war er Redak­teur der Tagesschau, bis 1995 in der N3-Haupt­abteilung Kultur. Von 1996 an Lehr-und Forschungs­auftrag an der Fu Jen Catholic University, Taipeh.
Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, ist Jurist. Von 1975 bis 2008 war er fest­angestellt beim NDR. Er war Gesamt­personalrats- und ver.di-Vorsitzender sowie zeitweise Arbeit­nehmer-Vertreter im NDR-Rundfunk- und Verwaltungsrat.

(Quelle)