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ard_logoRassismus ist vielleicht eines der problematischsten Worte der deutsche Sprache. Einerseits suggeriert es, dass es tatsächlich so etwas wie unterschiedliche menschliche Rassen gibt, was erwiesenermaßen Unsinn ist, gleichzeitig dient es im politischen Diskurs dazu, jene Denkweisen zu bekämpfen, die behaupten, es gebe tatsächlich unterschiedliche „Rassen“. Man bekämpft also „Rassismus“, indem man die Existenz von „Rassen“ erst einmal als Tatsache darstellt und sich nur dagegen wehrt, dass diese „Rassen“ unterschiedlich zu bewerten und zu behandeln seien.

ConFed-Cup: Vor dem Halbfinale Deutschland-Mexiko positionieren sich die Spieler gegen Rassismus

Dass die „Journalisten“ der Staatssender ARD und ZDF in dieser Frage weitestgehend unaufgeklärt sind und nur aus opportunistischen Gründen das nachplärren, was ihnen eine von oben oktroyierte „political correctness“ vorgibt, konnte man gestern beim Halbfinale des ConFed-Cup in Russland sehen, als es zu einer aufschlussreichen Begebenheit kam. Tom Bartels ließ sich auf Druck seiner Redaktion zu einer vollkommen überflüssigen, rassistischen Entschuldigung hinreißen.

In der 72. Minute des Spiels geraten Deutschlands Antonio Rüdiger und der Mexikaner Chicharito im Spiel aneinander. Ein banales Gerangel mit ein bisschen Theatralik zwischen Fußballprofis, wie man es in nahezu jedem Spiel sieht. Ohne jeden Hintergedanken – die meisten Zuschauer werden es ebenfalls ohne jeden Hintergedanken gehört haben – kommentiert Tom Bartels kurzzeitig aus Sicht des Mexikaners Chicharito mit Blick auf den schauspielernden Rüdiger:

„Mit Verlaub, das war kein Tiefschlag in den Magen und da kann ich Chicharito verstehen. ‚Ich hab dich geschubst, aber jetzt mach hier mal nicht den Affen und leg dich da auf den Boden und simulier, dass ich dir in den Magen geboxt hätte. So war es nun wirklich nicht.‘ Und das muss Rüdiger nicht machen. Auch wenn Chicharito natürlich anfängt…“

Angesichts des Begriffs „Affe“ in Bezug auf den dunkelhäutigen Rüdiger gingen bei einigen Rassisten die Lampen an und auf Twitter erschien eine Reihe dümmlicher Kommentare, die hier Rassismus gesehen haben wollten. Dabei muss man sich klarmachen, dass die Grundlage der Skandalisierung ausschließlich in einem rassistischen Weltbild liegt, das der empörte Beobachter in sich trägt, das aber mit der Realität nichts zu tun hat. Wäre nicht Rüdiger derjenige gewesen, dem Bartels einen „Affen machen“ nachgesagt hätte, sondern beispielsweise Ginter, kein Mensch hätte daran Anstoß genommen.

Auch die Rassisten der BILD nennen Bartels Spruch einen „Ausrutscher“:

Man hätte also die Rassisten auf twitter oder bei facebook schlicht ignorieren können, denn nicht Bartels verhielt sich rassistisch, sondern jene, die ihm solches andichten wollten. An dieser Stelle passiert aber erst der eigentliche Skandal, denn die ARD-Redaktion gibt Bartels über Kopfhörer zu verstehen, dass seine Äußerung im Netz auf Empörung gestoßen ist und Bartels macht 12 Minuten später den Fehler, sich allen Ernstes für etwas zu entschuldigen, was bei genauer Betrachtung gar keiner Entschuldigung bedarf, denn er hatte Rüdiger nicht anders behandelt als irgendeinen anderen Spieler.

Tom Bartels: „So und weil ich das gerade aufs Ohr bekommen, dass ich vorhin gesagt habe, Antonio Rüdiger soll da nicht den Affen machen. Ich bitte Sie, das ist nicht in irgendeiner Form rassistisch gemeint gewesen. Um Gottes Willen! Rüdiger hat ja selbst hier deutliche Aussagen gemacht, in dem Sinne, dass man bitte die Spieler fair behandelt, gerade heute am Tag wo es gegen Diskriminierung geht, sondern es war ausschließlich darauf gemeint, bitte sehen Sie mit die Formulierung nach, dass er hier, das habe ich Chicharito quasi in den Mund gelegt: ‚lass dich da nicht fallen und markier da!‘ Wenn da jemand sich verletzt fühlt oder meint, ich hätte da das unglücklich formuliert, gebe ich Ihnen recht. Aber bitte, Antonio Rüdiger soll keinesfalls hier beleidigt werden …“

„Unglücklich formuliert“? Tom Bartels übernimmt hier schlicht aus Angst, selbst als Rassist dazustehen, die krude Ansicht, es sei „rassistisch“, wenn man mit Blick auf Toni Rüdiger von „Affen machen“ spricht. Das ist aber nur dann rassistisch, wenn man selbst bereits ein rassistisches Weltbild mitbringt. Für jeden, der kein rassistisches Weltbild hat, ist Rüdiger ein Spieler wie jeder andere und Bartels Spruch ist lediglich die Anwendung einer gebräuchlichen – und auch in sich nicht rassistischen Redewendung – auf einen beliebigen deutschen Spieler. Wir haben also hier den absurden und durchaus aufschlussreichen Fall, dass die ARD sich überhaupt erst dadurch rassistische Denkweisen zu eigen macht und perpetuiert, dass sie sich von diesen aus einer Haltung der unaufgeklärten „political correctness“ distanzieren will.

Besonders peinlich ist der Vorfall für die Staatssender auch deshalb, weil die westliche Mainstreampropaganda gerade erst versucht hatte, den ConFed-Cup in Russland wegen herbeigedichteter, rassistischer Vorfälle madig zu machen, die es bis heute – seitens der Zuschauer – gar nicht gegeben hat. Das Problem sind also nicht die russischen Zuschauer, sondern rassistischer, deutscher Pöbel auf den billigen Rängen bei Twitter und ein unaufgeklärter Rassismus in ARD und ZDF.

ZDF heute: Schmierenjournalismus zum Confed-Cup statt Eröffnungs­feier

Marco Mader: „Toni, Sie haben sich in der Sport-Bild kürzlich sehr offen zum Thema Rassismus in ihrer Wahlheimat Italien geäußert und ein Handeln der FIFA gefordert dort. Sehen Sie hier denn in Russland jetzt ähnliche Probleme und haben einen ähnlichen Appell. Es gibt ja auch in einigen Stadien hier das Problem.“