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Die aktuelle re:publica widmet sich besonders dem Themen­bereich Journalismus und FakeNews aus der Perspektive jener, die von Geburt an mit Propaganda gefüttert wurden ohne diese Tatsache bis heute auch nur ansatzweise zu begreifen, geschweige denn zu reflektieren. Deshalb darf man sich nicht wundern, dass quasi alle diesjährigen Veranstaltungen vom Standpunkt eines kindlich naiven Schafes her konzipiert sind, das den Mainstream als Hort der Aufklärung und das Netz als Hort des Bösen betrachtet. Das gilt auch für diese dritte Veranstaltung, die wir hier dennoch – oder gerade deshalb – zur Anschauung empfehlen.

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Es handelt sich um einen Vortrag der Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die sich der „Macht der Sprachbilder“ widmete, was im Hinblick auf Propaganda und Medienkritik ein ausgesprochen spannendes Thema ist. Auch hier gilt, dass wir es nicht mit politisch unabhängiger Analyse oder Wissenschaft zu tun haben. Schon die Tatsache, dass die Veranstaltung von der GRÜNEN Boell-Stiftung „unterstützt“ wurde, ist aufmerksamen Beobachtern ein Warnsignal. Dass das Gebot der kritischen Distanz sich dann schnell bestätigt, soll nicht davon abhalten, sich den Vortrag dennoch anzuhören, denn die Manipulationstechniken, die Wehling – finanziert von wem eigentlich? – am International Computer Science Institute der Universität Berkeley untersucht, werden von allen politischen Akteuren mehr oder weniger intensiv und erfolgreich eingesetzt.

Das konservative Gehirn ekelt sich stärker als das progressive Gehirn.

Der von der Boell-Stiftung mitfinanzierte Vortrag benutzt nicht zufällig einseitige politische Beispiele, die sich gegen Migrationskritik oder Donald Trump richten. Wehling selbst täuscht dabei ihre Zuhörer, wenn sie beispielsweise behauptet, es hätte „faktisch eine große Unterstützung für Obamacare“ gegeben oder „Gesundheit sei kostenlos“. Tatsächlich gab es nur kurzzeitig überhaupt eine knappe Mehrheit für Obamas Gesundheitsreform und diese auf dem Höhepunkt von Obamas Kampagne und Gesetzeserlass. Dass Gesundheit nicht kostenlos ist, muss man hingegen keinem Menschen lange erklären, der geistig gesund ist. Politisch betreibt also auch Wehling hier Agitation auf der Metaebene, was ihre Erläuterung zu den Methoden allerdings eher aufwertet, denn sie weiß ja genau, was sie da selbst betreibt.

 

Montag, 8. Mai 2017 -16:00 to 17:00

Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung

Kurzthese:
Language is never innocent. ~ Roland Barthes // Im Januar 2017 zog Donald Trump nach einer donnernden Wahlkampagne ins Weiße Haus ein. Die Welt hatte bis zuletzt Hillary Clinton für überlegen gehalten – „Faktencheck“ hieß die Zauberformel, die am Ende keine war. Bis heute klammern sich viele an die Hoffnung des rationalen Wählers.

Beschreibung: 
Tatsächlich hat es den aber nie gegebenen, wie die Kognitionsforschung eindrücklich zeigt. Politische Entscheidungen beruhen nicht auf Fakten, sondern auf Frames. Das sind Deutungsrahmen im Gehirn, die über Sprache aufgerufen und zugleich gefestigt werden, und zwar ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen. So greift Sprache in unser politisches Gehirn ein und formt es. Dieser Vortrag zeigt Wege auf für einen bewussteren Umgang mit der politischen Sprache und dem eigenen Denken und offenbart: Wer Wahlen gewinnen, neutral berichterstatten oder als mündiger Bürger frei entscheiden will, der muss sein politisches Gehirn und die Mechanismen neurokognitiver Kommunikation und Kampagnenführung kennen.
— mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung