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Lang ist es her, dass wir hier ein Beispiel für guten Journalismus in den „Öffentlich-Rechtlichen“ herausstellen konnten, das mit Blick auf Russland zeigt, dass es auch ohne Desinformation, Hetze und Propaganda geht. Am vergangenen Sonntag sendete der MDR eine Dokumentation über Wehrdienstverweigerer in Russland und diese kleine, wunderbare Perle verdeutlicht allein mit ihrer sachlichen, unaufgeregten und ausgewogenen Darstellung schmerzhaft, mit welchem Dreck wir ansonsten in ARD und ZDF konfrontiert werden, wenn es um das von transatlantischen Kriegstreibern reaktivierte Feindbild im Osten geht.

Der etwas mehr als einstündige Film (Originaltitel: Убеждения/Convictions) dokumentiert die Wehr­dienst­verwei­gerungs­ver­suche junger russischer Kriegsdienstgegner, ihre Motive und Erlebnisse vor Kommissionen und Gerichten. Die Autorin Tatyana Chistova erspart den Zuschauern jegliche obelehrerhaften Kommentare, Häme, Wertungen oder Manipulationen, die seit drei Jahren stilgebendes Merkmal antirussischer öffentlich-rechtlicher Propaganda sind. Die nüchterne Sachlichkeit präsentiert sympathische Menschen in gesellschaftlichen und historischen Zwängen, die wir als Deutsche nur allzu gut nachvollziehen können sollten.

Keinen Bock auf Krieg
Wehrdienstverweigerer in Russland

Ein Film von Tatyana Chistova

Vier junge Russen haben beschlossen, dass „Pazifismus“ für sie kein Schimpfwort ist: sie wollen den Wehrdienst verweigern. Eine Kommission muss nun entscheiden, ob sie zur Armee gehen müssen oder ob sie Zivildienst leisten dürfen.So unterschiedlich die Lebensumstände der jungen Männer sind, so verschieden sind auch ihre Motive und ihr Vorgehensweise. Der schüchterne Roman ist bestens vorbereitet und versucht es mit großen Vorbildern wie Lew Tolstoi und Albert Einstein. Beim Viktor, der homosexuell ist, fragt sich die Musterungskommission, ob sie überhaupt zuständig ist und stimmt schließlich für Zivildienst. Viktor wird Hausmeister in einem Schwesterwohnheim und betreut nebenbei auch noch das Veteraninnen-Tanzensemble „Sudarushka“. Ein solches Happy-End gibt es für den entschlossenen Ukraine-Kriegsgegner Lyosha nicht. Und auch nicht für Johnny, dem Aktivisten und Demo-Profi mit der imposanter Performance.

Die Filmemacherin Tatyana Chistova ist eine genaue Beobachterin und Dokumentaristin russischer Lebenswelten, die alle Akteure gleichermaßen ernst nimmt. Ihr Film dokumentiert einen kleinen Ausschnitt aus der russischen Gegenwart – mit wachem Blick nach allen Seiten, ungeschminkt, mit heiterer Gelassenheit und mit viel Sinn für die aufschlussreichen Fußnoten der Geschichten.

Der Film wurde beim Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig mit dem MDR-Film-Preis für einen herausragenden osteuropäischen Film ausgezeichnet. (Quelle: MDR)

Download (nur noch bis zum 1. Mai): Klein | Mittel | HD
Das russische Original auf YouTube