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ard_logoEs gibt diese Momente, da sitzt man sprachlos vor dem Fernseher, weil Irrsinn und Verblödung, die uns als Zuschauern aufgetischt werden, jeder Beschreibung spotten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man gerade „Nachrichten“ des Staatsfernsehens schaut, ist hoch, denn nirgends ist der Druck, die Welt komplett zu verdrehen größer, als dort, wo unvorstellbare Verbrechen vertuscht, Verantwortung geleugnet oder Dritten in die Schuhe geschoben werden soll.

Wer ist die „unabhängigere“ Quelle? Ein irakischer Flüchling mit den Leichen seiner Verwandten im Gepäck oder der für das Bombardement Mossuls verantwortliche US-General?

Polizisten und Kriminalbeamte könnten vermutlich mehrstrophige Arien, abendfüllende Opern oder tagelange Festivals allein mit den absurdesten Ausreden ertappter Straftäter vortragen. Das gleiche dringende Bedürfnis der ertappten Kriminellen, die Wahrheit zu verbiegen, sich herauszureden und den Adressaten dabei für komplett bescheuert zu halten, haben zwangsläufig auch die „Journalisten“ der Massenmordmedien.

Die vielleicht absurdeste Ausrede servierte vor kurzem Claus Kleber, als er den Zuschauern des ZDF einreden wollte, er wisse gar nicht, wer entscheidet, welche Nachrichten im heute-journal gesendet werden. Das ist noch irrer als die schon zuvor von ihm verbreitete Ausrede, man könne nicht über den Krieg im Jemen berichten, weil der Syrienkrieg so viel Zeit in Anspruch nehme. So klingen die hanebüchenen Rechtfertigungen eines Schwerkriminellen, dessen Job es ist, mit gezielter Lüge und Desinformation westliche Verbrechen zu vertuschen, Dritten die Schuld zuzuweisen und die deutsche Öffentlichkeit dumm und der Regierung gewogen zu halten.

Washington-Korrespondent Stefan Niemann von der ARD ist gerade erst dadurch aufgefallen, dass er in den tagesthemen zwei bemerkenswerte Varianten präsentierte, mit denen man trotz grundsätzlich identischem Sachverhalt zwei diametral entgegengesetzte Botschaften vermitteln kann. Obwohl zwei politisch höchst brisante Behauptungen gleichermaßen unbelegt sind, „gilt das eine als erwiesen“ und für das andere „gibt es keine Beweise“. So geht Propaganda.

Einen weiteren tiefen und aufschlussreichen Einblick in die Denkweise eines kriminellen Helfershelfers, der die größten Verbrechen unserer Zeit (westliche Kriege und Massenmord in Ländern der islamischen Welt) vertuschen und damit möglich machen soll, lieferte Niemann gestern Abend. Es ist ein entlarvender Einblick in die Filterblase und Denkschablonen westlicher „Journalisten“, deren Aufgabe nicht wahrhaftige und umfassende Information der Öffentlichkeit ist, sondern Propaganda im Sinne der Regierung.

In einem der (absichtlich) seltenen „Berichte“ über die verlustreiche Rückeroberung Mossuls unter Führung der USA präsentiert Niemann ein Interview, das ein Reuters-Korrespondent mit Flüchtlingen in der Nähe Mossuls geführt hat. Die Flüchtlinge transportieren ihre toten Verwandten auf einem Karren und erklären dem Reuters-Journalisten, wie ihre Angehörigen zu Tode kamen.

ARD 28.03.2017 tagesthemen (ab 1m 5s)

Stefan Niemann: „Sie haben sich retten können, sind raus aus dem umkämpften Mossul – ihrer Heimat. Mit ein paar Habseligkeiten flüchten diese Iraker aus der Kampfzone. Unter Decken und Tüchern ihre toten Angehörigen, auch Frauen und Kinder. Sie seien Opfer der Luftangriffe, in ihren Häusern getroffen von Bomben der Alliierten, erzählen die Männer Reportern von Reuters.

Alter Mann zum Tod seiner Verwandten: ‚Sie wurden bombardiert! Sie waren zuhause und wurden von Luftschlägen getroffen.‘

Stefan Niemann: „Ihre Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen!“

Da ist man erst einmal sprachlos, wenn bei diesen „Nachrichten“ tatsächlich aufmerksam zuhört. Niemanns Hinweis, dass die „Angaben sich nicht unabhängig überprüfen lassen“, wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die krude Denkweise eines beruflichen Propagandisten, sondern gleich mehrere Fragen auf:

  1. Was ist eine „unabhängige“ Quelle, wenn Niemann schon das Reuters-Interview mit einem Flüchtling infragestellt?
  2. Ist aus Niemanns Sicht der alte Mann möglicherweise vom IS mit den Leichen losgeschickt worden, um damit im Westen Propaganda zu machen?
  3. Hat der IS in Wahrheit die Verwandten ermordet und der alte Mann weiß das gar nicht?
  4. Warum sollte ausgerechnet die britische Nachrichtenagentur Reuters ein Interview mit einem Flüchtling fälschen, dessen Aussage den von Großbritannien unterstützten Krieg gegen den IS in Mossul schwer belastet?
  5. Wäre aus der Sicht Niemanns die Aussage des Flüchtlings als „Lüge“ entlarvt, wenn der US-Pressesprecher erklären würde, dass die „Koalition“ keine Zivilisten bombardiert?

Es ist vollkommen grotesk. Aber der Höhepunkt des propagandistischen Irrsinns ist damit noch nicht erreicht, denn nur wenige Sekunden später hat Niemann tatsächlich eine „unabhängige Quelle“ gefunden: den für den Einsatz – und damit für den Tod der Zivilisten – verantwortlichen US-Generalstabschef Mark Milley!

ARD 28.03.2017 tagesthemen (ab 2m 3s)

Stefan Niemann: „Bei einem Treffen mit Iraks Verteidigungsminister al-Hiyali versprach US-General Milley gestern eine Untersuchung und warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen.

Mark Milley: ‚Es ist sehr gut möglich, dass der IS dieses Gebäude in die Luft gesprengt hat, um unsere Allianz dafür verantwortlich zu machen, um die Rückeroberung Mossuls und unsere Luftangriffe zu verzögern. Und es ist auch möglich, dass es tatsächlich ein Luftschlag war. Wir wissen es noch nicht. Ermittler in Mossul sind dabei, es zu klären.'“

Anders als beim zuvor gezeigten Flüchtling aus Mossul, braucht es hier offenbar keinen Hinweis, dass Milleys Angaben – auch wenn dieser hauptsächlich konjunktivistische Unterstellungen verbreitet – „sich nicht unabhängig überprüfen lassen“! Was Milley – immerhin der mutmaßliche Verantwortliche – sagt, ist für Niemann eine Information aus einer „unabhängigen“ Quelle, während dem zuvor präsentierten Opfer westlicher Bombardements, an dessen Äußerungen es aus Plausibilitätserwägungen kaum ernsthafte Zweifel geben kann, von Niemann unterstellt wird, mit den eigenen toten Verwandten im Karren vor Kameras die Unwahrheit zu sagen.

Es ist wieder mal eine komplette, bösartige und kriegspropagandistische Verdrehung der Welt, die Niemann hier präsentiert. Dem Opfer wird die Glaubwürdigkeit abgesprochen, während dem Täter zugestanden wird, „unabhängig“ die Wahrheit über seine eigenen Verbrechen „aufzuklären“.

Besonders perfide wird die hier gezeigte Masche dadurch, dass es in Aleppo tatsächlich vom Westen organisierte und finanzierte Propagandatruppen aus Kreisen islamistischer Terrroristen gab, die nahezu täglich falsche Anschuldigungen gegen Syrien und Russland produzierten, die noch heute von einem volksverhetzenden deutschen Regierungssprecher nachgeplärrt werden, der mehr mit Joseph Goebbels gemein hat, als ihm lieb sein kann.