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ard_logoJeder kennt das folgende Beispiel, mit dem man auf unterschiedliche Art und Weise ein und denselben Sachverhalt beschreiben kann: „Das Glas ist halb voll“ oder „das Glas ist halb leer“. Je nachdem wofür sich der Sprecher – bewusst oder unbewusst – entscheidet, sendet er vor allem eine Botschaft über sich selbst, denn es ist seine eigene Haltung in Bezug auf den Inhalt des Glases, die den Ausschlag gibt.

ARD tagesschau 20.03.2017 – Stefan Niemann gibt eine Darbietung seiner propagandistischen Wortakrobatik

Einer der Washington-„Korrespondenten“ der ARD, Stefan Niemann, zeigt heute eine weitere Variante, wie man den gleichen Sachverhalt – ohne direkt zu lügen – unterschiedlich darstellen kann, um ganz gezielt einen völlig anderen Eindruck beim Empfänger der Botschaft zu hinterlassen.

„Das Glas ist halb voll“ soll – wenn es sich um einen wertvollen Inhalt handelt – den Empfänger der Nachricht beruhigen, während die Wahl der Formulierung „Das Glas ist halb leer“ tendenziell einen warnend-appellativen Charakter hat. Der Empfänger der „halb leer“-Botschaft sollte beunruhigt sein, weil beispielsweise ein Vorrat zur Neige geht.

Stefan Niemann „berichtete“ heute in der tagesschau über die in Washington inszenierten Ermittlungen zum angeblichen Einfluss Russlands auf die US-Wahl und nebenbei über Trumps Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Obama, ihn während des Wahlkampfs abgehört zu haben.

Zur angeblichen Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl meint Niemann:

Stefan Niemann: „Moskaus Manipulationsversuche gelten in Washington als erwiesen.“

Zu Trumps Vorwürfen Richtung Obama-Administration meint Niemann:

Stefan Niemann: Keine Beweise gibt es … für die per Twitter erhobenen Vorwürfe des Präsidenten, sein Vorgänger Obama habe ihn im Trump-Tower abhören lassen.“

Tatsächlich gibt es bisher weder für Manipulationsversuche Russlands, noch für Trumps Anschuldigungen gegen Obama Beweise. Wir haben es also – was den Wahrheitsgehalt betrifft – mit zwei identischen Sachverhalten zu tun, denn in beiden Fällen handelt es sich um unbewiesene Behauptungen.

Im ersten Fall will Niemann aus politischen Gründen (möglichst ohne zu lügen) beim Zuschauer den Eindruck erwecken, die Behauptungen seien mit Fakten bewiesen, deshalb die manipulative Wortklauberei des „gelten als erwiesen“. Wahrheitsgemäß hätte es hier natürlich heißen müssen, dass es für diese Behauptungen bisher keine Beweise gibt. Im zweiten Fall will Niemann hingegen die Anschuldigungen Trumps als leere Behauptungen darstellen und zwar aus den gleichen politischen Motiven, aus denen er im ersten Fall den gegenteiligen Eindruck erwecken wollte.

Auch als Empfänger der Botschaft hat man eine Wahl: Man kann Niemann für einen „Journalisten“ halten oder – wenn man sich vom Staatssender und seinen Realitätsverdrehern nicht so leicht für dumm verkaufen lässt – für einen gewieften Betrüger und Manipulator.