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zdf_80Dass Maybrit Illners ZDF-Talk gestern wieder einmal unterirdisch war, ist unter medienkritischen Beobachtern Konsens. Das Thema eine Zumutung, die Gäste einseitig antirussisch und eine bekanntermaßen unfähige „Moderatorin“ forderten starke Nerven, wenn man als halbwegs informierter Mensch nicht einfach abschalten konnte.

zdf_illner_16-02-2017

Mittwoch in den ARD tagesthemen, Donnerstag bei Illner im ZDF: Eine Kriegsministerin von der Leine hetzt mit Rüstungsgeschrei durch die Öffentlich-Rächtlichen.

Der vielleicht aussagekräftigste Moment mit Blick auf FakeNews und Propaganda findet sich zur Halbzeit der Sendung in der 30. Minute, als der ehemalige Chefredakteur von ZEIT-Online, Wolfgang Blau, auf seine „Erfahrungen“ mit russischen Bots zu sprechen kam.

Die Ursprünge der neuen „Lügenpresse“-Rufe liegen im transatlantischen Putsch in der Ukraine und einer konzertierten Medienkampagne, die dieses Verbrechen als „Demokratisierung“ und die Gegenwehr ostukrainischer Bürger gegen diesen gewaltsamen Putsch als „Terror“ diffamieren wollte. Es war die Zeit, als Wolfgang Blau bei ZEIT-Online Chefredakteur war und sich wunderte, dass die Leser den Unsinn, den die ZEIT-Propagandisten dort verbreiteten, nicht widerspruchslos hinnehmen wollten. Also ließ Blau – wenig überraschend – die IPs der Kommentatoren überprüfen und stellte fest – Überraschung! – dass diese aus Deutschland kamen.

Eingeleitet wird seine Schilderung durch eine Frage der intelligenzgeminderten Moderatorin, die mal wieder antirussische Hetze verbreiten wollte und von Blau eine interessante Antwort bekam.

Maybrit Illner: „Wir kehren zu der Frage zurück, Herr Blau, werden am Ende europäische Regierungen, demokratische Parteien, die jetzt vor entscheidenden Wahlen stehen, am Ende vor Moskau mehr Angst haben, als vor den eigenen Wählern?“

Wolfgang Blau: „Es mag polemisch klingen, aber ich finde, dass die britische Tabloid-Presse, vor allem der Daily Express und die Daily Mail, größeren Schaden anrichten für die deutsche Wirtschaft und größeren Schaden anrichten für das Ansehen und das Selbstvertrauen der Europäischen Union als russische Bots. [Hört, hört!]
Natürlich nehme ich russische Bots sehr ernst. Mir fiel das auch schon auf als Chefredakteur bei ZEIT Online. Wir konnten es nur nie nachweisen. Genauso wenig, wie wir es beim Guardian nachweisen konnten, dass bei bestimmten Texten, sobald wir irgendwas veröffentlichten, was Vladimir Putin auch nur erwähnt, auch mitten in der Nacht, hatte man wenige Sekunden nach Veröffentlichung des Textes schon die ersten sehr qualifizierten Kommentare unter diesem Text. Die Bezugnahme auf den Text in einer Geschwindigkeit, wie es eigentlich nicht menschenmöglich war. Und ich habe auch schon bei ZEIT Online unsere Techniker gebeten, doch mal die sogenannten IP-Nummern, also die… zumindest die geografische Herkunft der Server dieser Nutzer zu analysieren, das war natürlich immer innerhalb Deutschlands. Also diese Vermutung, dass dort sehr organisiert vorgegangen wird, die steht schon seit Jahren im Raum. Aber es ist gewiss nicht das einzige und vermutlich auch nicht das größte Problem, dem wir in den nächsten zwei Jahren gegenüberstehen während der Brexit-Verhandlungen, die ja auch im Einklang mit Trump vonstatten gehen könnten…“

Soll man weinen, soll man lachen? Der ZEIT ging und geht es nicht anders als anderen Mainstreammedien, die ihre Leser mit unterirdischer Propaganda und antirussischer Hetze für dumm verkaufen. Auch die FAZ hatte bekanntlich die IP-Adressen überprüfen lassen und nebenbei eingestanden, dass die kritischen Kommentare zumeist von langjährigen Nutzern stammen.

Die IP-Adressen, von denen die Kommentare abgesandt wurden, stammen zum größten Teil aus Deutschland. Und wenn man sich einige Kommentatoren genauer anschaut, so sind viele davon schon seit Jahren aktiv. Einer, der meint, der Westen habe „Putin zu einer entschlossenen Reaktion genötigt“, hat bei FAZ.NET seit 2005 rund 2500 Kommentare geschrieben: zu Merkel, den Republikanern, der deutschen Innenpolitik und so weiter. (FAZ)

Wenn Blau hier eingesteht – was ja auch jedermann Online nachprüfen kann -, dass es sich um zumeist sehr qualifizierte Kommentare handelt, um dann im nächsten Moment zu behaupten, sowas sei doch gar nicht „menschenmöglich“, macht er sich komplett lächerlich, denn er verbreitet damit einmal mehr die hanebüchene Verschwörungstheorie, dass derartig qualifizierte und auf einen Text inhaltlich abgestimmte Kommentare mit technischen Programmen möglich wären oder dass es in einer „Petersburger Trollfabrik“ fließend Deutsch sprechende Hilfsarbeiter gäbe, die in der Lage wären, in deutschen Medien internationale Politik zu kommentieren.

Beides ist natürlich kompletter Nonsense, aber Blau ist offenbar bis heute nicht bereit, von seiner Verschwörungstheorie abzulassen, weil das für ihn bedeutet, dass es ganz normale Leser waren, die den propagandistischen Müll, den die ZEIT bis heute regelmäßig verbreitet, genauso regelmäßig zerpflücken.