Schlagwörter

, , , , , , ,

wdrAm 28. März 2014 erschien in der FAZ ein außergewöhnlicher Artikel des Ausnahmejournalisten Frank Schirrmacher, indem dieser im Rahmen seiner Betrachtungen über den neuen Echtzeitjournalismus dem „Anchorman“ des ZDF heute-journal Claus Kleber die Leviten für ein „Interview“ mit Siemens-Chef Joe Kaeser las. „Claus Kleber zeigt der deutschen Wirtschaft die rote Linie auf.“

orban_putin1525

02.02.2017: Vladimir Putin besucht Victor Orban

Der „Journalist“ Kleber hatte sich als Generalstaatsanwalt transatlantischer Weltherrschaft aufgespielt und Schirrmacher war nicht nur klar, dass das mit Journalismus nichts zu tun hatte, er war auch der einzige deutsche Journalist, der das Rückgrat und Standing hatte, derlei absurdes Staatstheater zu kritisieren. Keine hundert Tage später war Frank Schirrmacher tot.

Spätestens seit diesem Interview sollte jedem medienkritischen Beobachter klar sein, womit wir es in ARD, DLF und ZDF – und weiten Teilen der Konzernmedien – zu tun haben. Was wir da täglich vorgesetzt bekommen ist offenkundig kein Journalismus, sondern – in nahezu allen relevanten Fragen von Politik und Wirtschaft – durchgängig Agitation und Meinungsmache und damit selbst eine perfide, weil für einfache Bürger nicht durchschaubare, Form aktiver Politik.

ARD und ZDF berichten nicht was in der Welt passiert, sondern was in der Welt passieren soll. Sie verzerren, verschweigen und kneten die Welt, wie es den Herrschenden in Berlin gefällt. Sie sind die Huren und Stricher der Macht, die Büchsenspanner und Minnesänger, Arschlecker und Stiefelputzer der Regierenden und sie wissen das ganz genau, denn nur so kann man die eigenen Freier zur vollsten Zufriedenheit beglücken.

Dass Atlantikbrückenbruder Kleber zwei Tage zuvor mit Joe Kaeser einen Großkopferten der deutschen Wirtschaft, einen Top-Player der Elite auf den heißen Stuhl setzte, ist kein Widerspruch, sondern ein Symptom, das Hinweise auf Machtverhältnisse und Interessengruppen warf. Für Transatlantiker wie Kleber ist es zweitrangig, ob bei Siemens Dividende oder Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Wenn die geopolitisch damals noch unabdingbare Vasallenschaft zu den US-Eliten auf dem Spiel steht, hat sich jeder einzureihen.

Diese Geschichte wiederholte sich heute als Farce. Ein geradezu erbärmliches Schauspiel bot sich heute Morgen im WDR-Hörfunk, als sich ein WDR-Provinz­flittchen im Morgenecho ganz im Stile Klebers anmaßte, den ungarischen Botschafter mit unverschämten Suggestivfragen zur Rechtfertigung dahingehend zu drängen, was denn seinem Regierungschef einfiele, sich mit Vladimir Putin zu treffen.

Dieses „Interview“ ist so bezeichnend für die Berufsauffassung der ARD-Journaille, dass wir hier die Fragen dokumentieren. Die Antworten von Györkos sind aus journalistischer Sicht zweitrangig, auch wenn man sich gewünscht hätte, er hätte dieser impertinenten Presstituierten einmal gehörig den Kopf gewaschen und kurz in Stichworten erklärt, was ein souveräner Staatschef ist.

wdr5_ungarn_oster501

Ja aber, ja aber, ja aber…

Andrea Oster: „Was glauben Sie, ist Ungarn für Putin als einzelnes Land so interessant, dass man sich jetzt schon zum wiederholten Male trifft oder ist es vielleicht doch mehr die Tatsache, dass Putin so zeigen kann, ihr könnt Sanktionen verhängen wie ihr wollt, ich find immer noch einen in der EU, der mich mag?“

Andrea Oster: „Ja aber Herr Györkös, man kann ja nicht die Augen davor verschließen, Putin will die EU schwächen, das kommt ihm entgegen, das ist vielleicht auch verständlich für so ein großes Land im Osten, aber warum kommt ihm das EU-Land Ungarn ihm da so entgegen?“

Andrea Oster: „Aber wenn Sie die Wirtschaft ansprechen, stellt Russland denn wirtschaftlich für Ungarn wirklich eine Alternative zur europäischen Union dar. Oder profitiert Ungarn nicht sehr viel mehr von der EU-Zugehörigkeit und müsste vielleicht dann auch eher in Brüssel schauen, dass man dort Einigkeit erzielt?“

Andrea Oster: „Ja aber, jetzt kann man die Wirtschaft nicht unbedingt von der Politik trennen. Man ist…, Sie sind Mitglied eines EU-Bündnisses und diese Trennung, die machen Sie vielleicht, aber ich glaube, das ist so nicht vorgesehen in der europäischen Union, dass man sagt, Wirtschaft okay, aber in der Politik muss man vielleicht auch andere Wege gehen.“

Andrea Oster: „Ja aber, warum treffen Sie sich dann… warum trifft sich Victor Orban mit Vladimir Putin und sagt, ja die Sanktionen gegen Russland, die könnte man auch aufheben, wenn man gerade im Moment guckt, was im Osten der Ukraine passiert, dann müsste man Russland durchaus kritisch sehen.“

Andrea Oster: „Okay, hier hat man den Eindruck, die ungarische Regierung sagt das Eine, macht das Andere, aber schauen wir auf ein anderes Thema. Ihr Regierungschef trifft sich ja nicht nur gern mit Putin, sondern er möchte auch bald mit Donald Trump sprechen. Hat Victor Orban den Eindruck, das ist seine politische Spielwiese zwischen diesen beiden Big Playern?“

Journalismus wäre gewesen zu fragen, welche Themen bei dem Treffen erörtert werden sollen, welche wirtschaftlichen und politischen Vereinbarungen man plant, etc. Nichts davon erfahren die Hörer. Stattdessen spielt sich Oster als Westentaschen-Staatsanwältin für die geistig Armen auf, verbreitet mehr oder weniger subtil eingebunden in ihren „Fragen“ freche Lügen und unbelegte Behauptungen zu Russlands angeblichen Zielen oder seiner Rolle bei den aktuell neu forcierten Kämpfen in der Ukraine und hat nicht das Geringste an Informationen recherchiert, die dieses „Gespräch“ in irgendeiner Weise fruchtbar machen würden. Oster agiert als Maulhure Berlins, die die Ungarn in die Schranken weisen und das Feindbild Russland virulent halten soll. Das ist der einzige Sinn und Zweck dieses verkappten „Interviews“.

Dass der ungarische Botschafter sich dann auch noch dafür rechtfertigen soll, dass sein Chef mit dem neuen US-Präsidenten Trump sprechen möchte, ist am Ende nur noch die Spitze der Unverfrorenheit. Eine schäbige Schmieren­journalistin des deutschen Staatsfunks, dumm wie Brot, frech wie Pack und unterwegs im Auftrag des großdeutschen Reiches unter Flagge der EU, will den Ungarn vorschreiben, mit wem sie politische Beziehungen unterhalten dürfen. Diese Dummheit, gepaart mit Unverfrorenheit und kompletter Ignoranz gegenüber der europäischen Geschichte, ist kaum zu überbieten. Man muss sich schämen, richtig schämen, dass so etwas wieder möglich ist und dass deutsche Bürger gezwungen sind, so einen Dreck auch noch zu bezahlen.

Ulrich Teusch hat im höchst erbaulichen Interview mit Ken Jebsen vor drei Monaten den dazu passenden Kommentar:

Wenn Journalismus jetzt darin bestehen soll, mir irgendwelche Meinungen der Herrschenden aufzunötigen durch manipulative Techniken, dann hat das nichts mit Journalismus zu tun.

Als kleiner Trost bleibt die Erkenntnis, dass diese EU unter der Knute Berlins an genau an dem zugrunde gehen wird, was wir hier vorgesetzt bekommen: Größenwahn gepaart mit Dummheit, bei vollendeter Verachtung für Demokratie.