Schlagwörter

, , , ,

wdrUmfragen zur Glaubwürdigkeit der Medien sind in Zeiten der „Lügenpresse“ zu einem viel beachteten Instrument ge­wor­den. Der Niedergang der Öffentlich-Rechtlichen ist evident und ohne tiefgreifende Reformen unaufhaltsam. Die wissen das auch selbst und ver­su­chen mit eigenen Umfragen, verzerrten Interpretationen und hanebüchenen Vergleichen gegenzuhalten.

wdr_infratest_dimap525

Bild anklicken, PDF

Eine aktuelle, vom WDR in Auftrag gegebene Befragung durch infratest dimap zeigt, mit welchen Methoden die ÖR mittlerweile arbeiten, um auch noch die Wahrheit über den eigenen Niedergang aus der Welt zu lügen.

Im Kern besteht der Niedergang aus zwei Komponenten. Eine mit dem Internet aufgewachsene Generation ist es gewohnt, sich vielfältig zu informieren und kann nicht mehr mit dem Mainstream-Meinungsmonopol, das über Jahrzehnte funktionierte, auf Linie getrimmt werden. Für diese Jugend sind ARD und ZDF fast schon Relikte aus vergangenen Zeiten und in jeder Hinsicht verzichtbar.

Eine zweite Komponente ist generationenübergreifend und beinhaltet jene, die – obwohl durchaus mit den Staatssendern aufgewachsen – sich nicht mehr manipulieren lassen, weil sie erkannt haben, dass es andere Nachrichtenquellen gibt, die den staatstragenden Sermon der ÖR oft genug als Lüge und Propaganda entlarven.

Ein in der aktuellen Umfrage gezogener Vergleich zwischen jenen, die „soziale Netze“ zur Information benutzen und jenen, die dies nicht tun, verdeutlicht diese Tendenz:

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit21108Bild oben: Wer sich nicht in sozialen Netzen informiert hat höheres Vertrauen in die ÖR. Wohin die Tendenz in Zukunft geht, dürfte klar sein.

Es wundert also nicht, dass fast die Hälfte der Befragten angibt, dass die Glaubwürdigkeit der Medien in den vergangenen Jahren gesunken ist,

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit31108

Um ihre eigene Bedeutsamkeit aufzublasen und die Milliarden, die sie verschlingen, vor ihren politischen Unterstützern zu rechtfertigen, greifen ARD und ZDF zu allerlei Tricks, die damit beginnen, dass unliebsame Umfragen und Studien totgeschwiegen werden, während man eigene Umfragen in Auftrag gibt und die Ergebnisse dann auch noch verzerrt.

Zunächst einmal verweisen die Sender immer wieder lauthals auf jene Gutgläubigen, die man nach wie vor bei der Stange halten kann, weil sie noch nicht erkannt haben, wie sie täglich belogen und manipuliert werden. Dass das noch die Mehrheit ist, ist keine große Überraschung, denn andernfalls hätte es längst Konsequenzen gegeben. So lautet die Schlagzeile des Artikels, mit der der WDR die Ergebnisse einer eigenen Umfrage anpreist, wenig überraschend: „Große Mehrheit mit deutschen Medien zufrieden.“

wdr-studie_unternehmen_-_wdr807

Das ist so pauschal wie die Feststellung, dass die Mehrheit der Bundesbürger mit deutschen Autos zufrieden ist, was aber selbstverständlich nicht bedeutet, dass die Konsumenten sich mit Abgasmanipulationen und getürkten Verbrauchsangaben hinters Licht führen lassen wollen. Wir sehen, es geht auch hier um Krisenmanagement, PR und Marketing, wie man es aus der Wirtschaft kennt und nicht darum, den Ursachen des Glaubwürdigkeitsverlustes auf die Spur zu kommen.

Die zentrale Täuschungsmethode, die von der u.a. hier im Blog massenhaft dokumentierten Desinformation und Propaganda ablenken soll, kommt dann schon im zweiten Absatz zum Zuge und wir werden im Folgenden die gesamte dahinter steckende Täuschung aufzeigen.

Im Salat stecken mehr Vitamine als im Supermarkt

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit888Mit dem Verweis auf „Wenig Vertrauen in soziale Medien“ will der WDR (ARD) sich selbst als seriöseres Medium darstellen. Das ist in etwa so, als würde man behaupten, im Salat stecken mehr Vitamine als im Supermarkt oder wenn Volkswagen sagen würde, unsere Autos sind besser als der ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr). Das ist Nonsense mit dem Ziel, die Konsumenten für dumm zu verkaufen, denn

  1. Sind „Soziale Medien“ keine Organisation mit einem Bildungs- und Informationsauftrag
  2. Gibt es innerhalb der „Sozialen Medien“ durchaus Quellen, die das Ziel haben, die Öffentlichkeit zu informieren und dabei hohe Glaubwürdigkeit erreichen
  3. Sind die Öffentlich-Rechtlichen selbst durch ihre facebook-Auftritte und Twitter-Accounts Teil der sozialen Medien und vergleichen sich somit als Gesamtorganisation mit sich selbst als Teil der „Sozialen Medien“

Der Vergleich mit den „Sozialen Medien“ ist also kompletter Unfug und eine bewusste Täuschung, die einzig das Ziel hat, sich selbst als etwas Seriöseres darzustellen, wobei vollkommen klar ist, dass an die ÖR ganz andere Anforderungen und Aufgaben gestellt sind, als an einen frei zugänglichen Raum des Informationsaustausches, wie es die sogenannten „Sozialen Medien“ sind.

Die größte und nachhaltigste Manipulation

Die größte und nachhaltigste Täuschung der Umfrage ist aber die, dass hier pauschale Beurteilungen über die Öffentlich-Rechtlichen als Ganzes oder auch über das Informationsangebot der Öffentlich-Rechtlichem im Ganzen abgefragt wurden. Dahinter verbirgt sich der „Trick“, den guten Ruf, den man sich im Allgemeinen in eher belanglosen Themenbereichen erarbeitet, dafür zu benutzen, um immer dann, wenn es ans wirklich Eingemachte geht, um die Wirtschafts-, Sicherheits- und Außenpolitik knallharte Propaganda zu verbreiten.

Genau dieses Phänomen konnte und kann man bis heute auch in den Print- und Onlineausgaben der Konzernmedien beobachten. Diese bieten durchaus lesenswerten Journalismus, wenn es sich um Wissenschaft, Kultur, Konsum, Frauen und Gedöns handelt. Wenn es jedoch um wirklich relevante Fragen der Außen-, Sicherheits- oder Wirtschaftspolitik geht, dann schlägt die Stunde der Propagandisten, die die Bürger im Sinne der politischen und wirtschaftlichen Eliten auf Linie trimmen.

 

Viele der heute medienkritischen Konsumenten haben eine gemeinsame Erfahrung. Sie haben den Leitmedien vertraut, weil sie dort auch über Jahrzehnte guten Journalismus bekamen und keine Möglichkeit hatten, diesen Journalismus anhand von anderen Quellen zu hinterfragen. Mit den Möglichkeiten des Internet, den Vorgängen um 911, dem Irakkrieg und spätestens dem Putsch in der Ukraine haben viele erkannt, dass die Mainstreammedien – an vorderster Front ARD, DLF und ZDF – in allen Fragen transatlantischer Geopolitik einseitige Meinungsmache und Propaganda betreiben. Das ist der Punkt an dem sich die Kritik entzündet.

Genau diesen Punkt aber versucht der WDR mit dieser relativierenden und irreführenden Umfrage zu verwischen. Man stellt sich selbst als Gesamtangebot oder aber das dezidierte Informationsangebot der tagesschau anderen Medienangeboten gegenüber und blendet dabei die eigentliche Kritik, die sich ja nicht am Wetterbericht oder der Sportberichterstattung entzündet und selbst ARD-intern im Umfeld der Ukraine-Berichterstattung aufbrandete, komplett aus. Man benutzt also auch hier den Nimbus, den man sich über Jahrzehnte erarbeitet hat, um mit ihm die evidente Desinformation in den Kerngebieten der staatstragenden Propaganda aus dem Blickfeld zu nehmen.

Die beiden folgenden Schaubilder verdeutlichen, dass man sich selbst als „öffentlich-rechtlicher“ Rundfunk in Relation zu anderen Organisationen oder Institutionen setzt, anstatt in der Umfrage beispielsweise eine Bewertung der außenpolitischen Berichterstattung abzufragen, womöglich noch in den gesellschaftlich extrem relevanten Themenkomplexen Ukraine, Syrien, Migration, etc. Besonders hanebüchen auch hier der Vergleich im zweiten Schaubild mit dem „Internet im Allgemeinen“. Da fehlt eigentlich nur noch der „Marktplatz“, „mein Friseur“ und „meine Stammkneipe“ um die Absurdität des Vergleichs auf die Spitze zu treiben.

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit11108wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit41108Dass die Umfrage ganz andere Ergebnisse zeigen würde, wenn die „Glaubwürdigkeit in der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise“ abgefragt worden wäre, steht außer Frage. Weil dabei aber ein desaströses Feedback zu erwarten wäre, verzichtet man wohlweislich auf derartige Fragen und betreibt Augenwischerei.

Obendrein müssen sich die Verantwortlichen fragen lassen, wie es sein kann, dass der ÖR trotz immenser Kosten, riesigen Personalaufwands und gesetzlicher Vorgaben „objektiv, unparteilich, meinungsvielfältig und ausgewogen“ zu berichten, NUR auf eine Glaubwürdigkeit von 61/100 kommt!

Eine besondere Ohrfeige ist die Tatsache, dass immerhin ein Fünftel der Befragten den Begriff „Lügenpresse“ für angemessen hält. Das ist immerhin das vernichtenste Urteil, das man über die Medien fällen kann.

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit51108Dass es für die ÖR Vorgaben aus der Politik gibt, davon gehen immerhin 42% der Befragten und damit fast die Hälfte der Bevölkerung aus – auch das ist eine vernichtende Erkenntnis.

wdr_umfrage_glaubwuerdigkeit61108

Wir sehen also mit welchen Tricks und Manipulationen der WDR versucht, sich selbst ein halbwegs brauchbares Zeugnis auszustellen.

  • hanebüchene Vergleiche mit „Sozialen Medien“
  • pauschalisierte Fragen zur Gesamtglaubwürdigkeit
  • Umgehung der kritischen Bereiche, die in der Vergangenheit zu Beschwerden führten
  • Verschweigen des gesellschaftlichen Momentums
  • Ausblenden der Ursachen für die vergleichsweise schlechten Werte

Wie sich das abends im ach-so-glaubwürdigen WDR-Hörfunk anhörte, kann man hier im Podcast des „Echo des Tages“ (ab 24:49min) nachhören, wo Chefredakteur Jörg Schönenborn sich ein bisschen nachdenklich gibt, aber genau jene Methoden benutzt, die wir hier dargelegt haben und obendrein eine Regulierung und damit Zensur der „Sozialen Medien“ fordert. Hier der Mitschnitt:

Schönenborn: „Das größte Misstrauen haben die Befragten dort, wo es auch am stärksten berechtigt ist, nämlich bei „Sozialen Medien“ wie twitter und facebook. Wenn nur 8% sagen, dass sie diese Medien für glaubwürdig halten, dann hat diese Gesellschaft einen guten Instinkt und es zeigt auch, wie notwendig es ist, dass die sozialen Netzwerke sich endlich den Regeln unserer Gesellschaft und unseres Medienmarktes unterwerfen, so wie das Radio, Zeitung, Fernsehen selbstverständlich tun.“

Schlusswort Marc Heidenreich: „Den Begriff ‚Lügenpresse‘ – das Unwort des Jahres 2014 – teilen nur 20% der Menschen, wenn sie an die Medien in Deutschland denken…“