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Veteranen der US-Geheimdienste zweifeln die Behauptungen über russisches Hacking an

Von Ray McGovern                                    Übersetzung FritztheCat

nsa_picture3Die Hysterie über eine angeblich russische Einmischung in die US-Wahlen wächst. Dabei bleibt es ein Rätsel, warum sich die US-Geheimdienste auf „Indizienbeweise“ verlassen, wo sie doch die Fähigkeiten für harte Beweise hätten. Das sagen ehemalige US-Geheimdienstler.

Veteran Intelligence Professionals for Sanity

MEMORANDUM

Behauptungen, die US-Wahl sei gehackt worden, sind haltlos

Die New York Times berichtet am Montag über „überwältigende Indizienbeweise“, wonach die CIA zu dem Glauben gekommen sei, dass Russlands Präsident Wladimir Putin „Computer-Hacker eingesetzt hat, um die Wahlen zugunsten von Donald Trump zu entscheiden“. Leider fehlt jeder Beweis. Kein Wunder, denn bessere Beweise technischer Natur deuten auf eine inneres Leck hin – kein Hacking durch Russland oder sonst wen.

Die Washington Post vom Montag berichtet, dass der republikanische Senator James Lankford aus Oklahoma, Mitglied des Geheimdienstausschusses im Senat, zusammen mit anderen Senatoren für eine parteiübergreifende Untersuchung über einen vermuteten Cyber-Eingriff durch Russland wirbt. Das Lesen unseres kurzen Memos könnte den Senat vor ausufernder Vetternwirtschaft, Ausgaben und unnötigen Verzögerungen bewahren.

Das Folgende schließen wir aus jahrzehntelanger ranghoher Erfahrung – mit Schwerpunkt auf Cyber-Aufklärung und Sicherheit – und wir wollen den ahnungslosen, größtenteils parteilichen Nebel auflösen. Wir verstecken uns nicht hinter einer Anonymität. Wir sind stolz, uns in der Hoffnung äußern zu können, dass wir ein Publikum gewinnen mögen, das wir verdienen – bedenkt man unsere lange Arbeit in der Regierung und in anderen Bereichen der Technologie. Es hört sich vielleicht abgedroschen an, aber unser Ethos als professionelle Geheimdienstler bleibt ganz einfach: die Dinge beim Namen zu nennen – ohne Furcht oder Gefallen.

Wir haben uns die verschiedenen Vorwürfe zum Hacking angeschaut. Für uns ist es ein Kinderspiel, sie zu entkräften. Die fraglichen E-Mail-Enthüllungen sind das Ergebnis einer undichten Stelle (Leak) und nicht eines Hacks. Hier der Unterschied zwischen Leak und Hack:

Leak: Wenn jemand leibhaftig Daten aus einer Organisation entwendet und sie einer anderen Person oder Organisation weiterreicht. So wie es Edward Snowden und Chelsea Manning getan haben.

Hack: Wenn jemand von außerhalb elektronisch in ein Betriebssystem eindringt, oder in eine Firewall oder ein anderes Cyber-Schutzsystem, und dann die Daten extrahiert.

Alle Anzeichen deuten auf eine undichte Stelle hin und nicht auf Hacking. Wenn es um Hacking ginge, dann wüsste die National Security Agency davon – und würde Sender und Empfänger kennen.

Kurzum, da das Leaking ein physisches Entfernen/Kopieren der Daten benötigt – etwa auf einem USB-Stick – können solche Daten nur mit einem physischen Speichermedium kopiert und entfernt werden. Und es bleibt keine elektronische Spur zurück, was den Server verlassen hat.

Unglaubliche technische Fähigkeiten

Nochmals: Die NSA ist in der Lage, sowohl den Sender als auch den Empfänger eines Hacks zu identifizieren. Dank dem von Edward Snowden veröffentlichten Material können wir uns von der umfangreichen inländischen Datensammlung der NSA ein vollständiges Bild machen. Dazu gehören die vorgeschalteten Programme wie Fairview, Stormbrew und Blarney. Zu ihnen gehören mindestens 30 Firmen, die das Glasfasernetz betreiben, darunter für die Telefonie und das World Wide Web. Das bietet der NSA unvergleichlichen Zugang zum Datenfluss in den USA und Daten, die in den Rest der Welt gehen, genauso wie Daten, die durch die USA fließen.

edwardsnowden-guardian-300x180Mit anderen Worten: Sämtliche Daten, die durch die Server der Demokratischen Partei (DNC) oder die von Hillary Rodham Clinton (HRC) laufen – oder auch jedem anderen Server in den USA – werden von der NSA gesammelt. Diese Datentransfers tragen in sogenannten Paketen Adressinformationen. Mit ihnen lassen sich die Transfers aufspüren und im Netzwerk verfolgen.

Die Pakete (packets): E-Mails, die durch das World Wide Web geschickt werden, werden in kleinere Segmente zerstückelt, die sogenannten packets. Diese Pakete werden in das Netz eingespeist, um an einen Empfänger zu gelangen. Dann müssen die Pakete beim Empfänger wieder zusammengesetzt werden.

Um das zu ermöglichen tragen alle Pakete, aus denen die Botschaft besteht, eine Identifikationsnummer, mit denen sie das empfangende Ende einsammeln und empfangen kann. Darüber hinaus trägt jedes Paket die Internet-Protokollnummer (entweder IPV4 oder IPV6) des Absenders und des endgültigen Empfängers. Damit kann das Netzwerk die Daten zuteilen.

Wenn E-Mail-Pakete die USA verlassen, dann haben die anderen „Five Eyes“-Länder (UK, Kanada, Australien und Neuseeland) und sieben oder acht weitere Länder, die mit den USA beim Datensammeln auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, auch eine Kopie darüber, wo diese E-Mail-Pakete nach dem Verlassen der USA hingingen.

Die Mittel zum Datensammeln sind gewaltig (siehe beigefügte NSA-Diagramme: 1, 2, 3, 4, 5). Sie beinhalten Hunderte von Routenverfolgungsprogrammen, die den Weg der Pakete durch das Netz verfolgen und Zehntausende von Hardware- und Softwareimplantaten in Relaisstationen und Servern, die das Netzwerk managen. Sollten E-Mails von einem Server auf einen anderen gezogen werden, so wäre das, zumindest teilweise, von all diesen Mitteln erkennbar und zurückverfolgbar.

Das Fazit ist, dass die NSA wüsste, wo und wie „gehackte“ E-Mails vom DNC, HRC oder jedem anderen Server durch das Netzwerk geleitet worden wären. Dieser Vorgang macht manchmal eine genauere Betrachtung der Wege notwendig, um die Zwischenstationen auszusortieren. Aber am Ende können der Sender und der Empfänger durch das gesamte Netz verfolgt werden.

Die verschiedenen Arten, mit denen die typischerweise anonymen Sprecher der US-Geheimdienste sich nun äußern – mit Worten wie „nach unserer Einschätzung“ oder „unserer Meinung nach“ oder „wir nehmen an“ usw. – zeigen, dass die E-Mails, die angeblich gehackt wurden, sich nicht im Netz zurückverfolgen lassen. Beachtet man die enormen Schnüffelkapazitäten der NSA, so kommen wir zu dem Schluss, dass die angeblich gehackten Server von DNC und HRC in Wahrheit gar nicht gehackt wurden.

Der Beweis, der eigentlich vorhanden sein müsste, er ist nicht vorhanden. Ansonsten wäre er mit Sicherheit vorgelegt worden, denn das kann ohne Gefahr für die Quellen und Methoden gemacht werden. Daher kommen wir zu dem Schluss, dass die E-Mails von einem Insider geleakt wurden – so wie durch Edward Snowden und Chelsea Manning. So ein Insider könnte aus jeder Regierungsbehörde oder Agentur stammen, der Zugang zu den Datenbasen der NSA hat, oder vielleicht auch jemand aus dem DNC.

Was die Kommentare in den Medien dazu betrifft, was die CIA glaubt: Es ist eine Tatsache, dass die CIA für direkte Wahrheiten im Bereich der Kommunikation fast vollständig von der NSA abhängt. Daher bleibt es ein Rätsel, warum die Medien mit seltsamen Geschichten über einen Hack gefüttert werden, der nicht auf Fakten basiert. Zusammengefasst: Nachdem was wir über die bestehenden Fähigkeiten der NSA wissen, ist es kaum zu glauben, dass die NSA nicht in der Lage wäre jeden zu identifizieren, der durch Hacking eine US-Wahl beeinflusst – Russe oder nicht.

Für die Lenkungsgruppe, Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)

William Binney, früherer technischer Direktor, World Geopolitical & Military Analysis, NSA; Mitbegründer, SIGINT Automation Research Center (a.D.)

Mike Gravel, früherer Adjutant, top secret control officer, Communications Intelligence Service, Special Agent des Counter Intelligence Corps und ehemaliger US Senator (a.D.)

Larry Johnson, ehemaliger CIA Intelligence Officer & ehemaliger Counter-Terrorism Beamter im Außenministerium

Ray McGovern, ehemaliger Infantrie/Intelligence Officer der US Army & CIA Analyst (a.D.)

Elizabeth Murray, stellvertr. National Intelligence Officer für den Nahen Osten, CIA (a.D.)

Kirk Wiebe, ehemaliger Senios Analyst, SIGINT Automation Research Center , NSA (a.D.)


Ray McGovern (* 25. August 1939 in New York) ist ein US-amerikanischer ehemaliger CIA-Offizier. McGovern war als Mitarbeiter der CIA unter sieben US-Präsidenten insgesamt über 27 Jahre lang für die morgendliche Berichterstattung im Weißen Haus zuständig. Bei seiner Pensionierung wurde er mit der Intelligence Commendation Medal von Präsident Bush ausgezeichnet. Diese Medaille gab er im März 2006 zurück aus Protest gegen die Beteiligung von CIA-Mitarbeitern an Folterungen im Irak. 2003 gründete er zusammen mit anderen ehemaligen CIA-Mitarbeitern die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (wikipedia)