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Immer wieder haben wir hier in den letzten Monaten darüber berichtet, wie ARD und ZDF die Wahrheit über den Gift­gas­angriff von Ghouta systematisch unterdrückt haben. Obwohl sich selbst die UN-Untersuchungskommission jede Schuldzuweisung verkniff, haben die Berufslügner der öffentlich-rechtlichen Anstalten mehrfach behauptet, „Assad würde sein Volk vergasen“ und sie behaupten es bis heute immer wieder.

Dann hat der [Assad] doch gewonnen jetzt. Der hat Tausend und mehr Menschen seines eigenen Volkes mit Massen­ver­nich­tungs­waffen umgebracht und steht hinterher besser da als vorher.

Claus Kleber am 10.09.2013 im heute-journal

Im folgenden Artikel dröselt Ray McGovern die Ereignisse noch einmal detailliert auf. Es ist ein tiefer Einblick hinter die Kulissen der Macht in Washington und ein vernichtendes Zeugnis für die Mainstreammedien, die nach dieser Lektüre nur noch komplette Trottel nicht als Lügenpresse und Verbrecher bezeichnen werden.

Es geht in diesem Fall um nicht mehr und nicht weniger als Massenmord mit Giftgas zur Vorbereitung und Rechtfertigung eines Angriffskrieges, der seinerseits das Ziel hatte, die legitime syrische Regierung ihrer Handlungsfähigkeit zu berauben und das Land islamistischen Fanatikern komplett auszuliefern. Hätte der Plan funktioniert, der IS stünde heute nicht nur in Palmyra, sondern in Damaskus und Aleppo; die Flüchtlingsströme in diesem Fall kann sich jeder selbst ausmalen.

Was man sich ganz deutlich vor Augen führen muss: Ermordet wurden die Zivilisten in Ghouta nicht einmal aus militär-strategischen Erwägungen, was perfide genug wäre, sondern einzig und allein, um Verbrechern in den westlichen Medien wie Claus Kleber, Marietta Slomka, Thomas Roth, Caren Miosga oder Sonia Mikich Propagandamunition in die Hand zu geben! Es ging nur darum, in Medien und Politik Druck zu erzeugen, damit die USA Syrien bombardieren.

Wenn Sonia Mikich sich jetzt in den tagesthemen hinsetzt und davon faselt, „niemand habe das Recht auf eigene Fakten“, dann können jene, die sich von solchen Verbrechern nicht länger für dumm verkaufen lassen, nur noch höhnisch lachen. Es sind die gleichen tagesthemen, die fast 5 Monaten brauchten, ehe sie eine vorsätzliche und umgehend entlarvte Lüge über den Krieg in der Ukraine eingestanden.

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Die Syrien-Sarin ‚False-Flag‘-Lektion

Von Ray McGovern                                    Übersetzung FritztheCat

kerry-dempsey-hagel03.09.2013 – John Kerry vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats zum Syrien-Krieg

Exklusiv: Jetzt wo das offizielle Washington wünscht, dass nicht-offizielle Nachrichten im Internet zensiert werden, da sollte man daran erinnern, dass der Mangel an Skepsis in den Massenmedien die USA fast in einen Krieg gegen Syrien geführt hätte, sagt der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern.

Ein Rückblick auf die Ereignisse, die vor drei Jahren an den Rand eines umfassenden US-Angriffs auf Syrien geführt hatten, bietet für die neuen politischen Entscheidungsträger, die nach und nach in Washington eintrudeln, eine Fallstudie mit wichtigen Lektionen.

Es ist höchste Zeit, das Warum und Weshalb aufzudecken, das Präsident Barack Obama vor drei Jahren in eine beinahe gelungene Mausefalle gelockt hätte, nämlich Syrien offen anzugreifen. Wenig bekannt und noch weniger geschätzt wird das Eingreifen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in letzter Minute als Deus ex Machina, der Obama aus der Ecke rettete, in die der sich selbst manövriert hatte.

obama-putin-300x200Zunehmende Indizien liefern einen über­zeugenden Beweis, dass syrische Rebellen mit Unterstützung türkischer Geheim­dienste – und nicht die syrische Armee – die Verantwortung für den berüchtigten Saringas-Angriff tragen, der am 21. August 2013 in Ghouta, einem Vorort von Damaskus, Hunderte Menschen tötete. Der Vorfall trägt alle Kennzeichen einer False Flag.

Aber die USA und andere „Rebellen-freundliche“ Medien haben keine Zeit vergeudet und „überwältigende“ Beweise aus den „Sozialen Medien“ angeboten, um mit dem Finger auf die syrische Regierung zu zeigen – John Kerry nannte die Sozialen Medien ein „außerordentliches Werkzeug“.

Aber als der Kriegszug in Richtung Krieg rollte, da kam Putin auf die Bühne und machte Obama ein Angebot, das der schlecht ablehnen konnte – die garantierte Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals auf einem dafür ausgerüsteten Schiff der USA. Das vereitelte den neokonservativen Fallenstellern in Washington ihren Krieg gegen Syrien. Dafür haben sie sich sechs Monate später mit einem inszenierten antirussischen Umsturz in Kiew an Putin gerächt.

Aber der Verlauf der amerikanisch-russischen Beziehungen im Sommer 2013 übersteigt wohl sogar die Bedeutung der Vermeidung eines offenen US-Angriffs auf Syrien. Es ist daher wichtig, die gelernten Lektionen der russischen Führung aus dieser gesamten Geschichte zu würdigen.

Man legt Käse in die Mausefalle

Erinnern wir uns daran: Gerade mal vor einem Jahr, am 10. Dezember 2015, hat der türkische Parlamentsabgeordnete Eren Erdem zu Protokoll gegeben, wie der türkische Geheimdienst dabei mithalf, Grundstoffe für Sarin an die Rebellen in Syrien zu liefern.

Die offizielle Story, die den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad beschuldigt, war bereits zusammengebrochen – größtenteils entkräftet durch Berichte in unabhängigen Medien und durch den Investigativ-Journalisten Seymour Hersh – aber sie wird in den US Massenmedien immer noch weitestgehend akzeptiert. Wiederholt wird der Fall als jener Moment zitiert, als Assad die „rote Linie“ Obamas (gegen den Gebrauch von Chemiewaffen) überschritt und Obama nicht zu seiner Drohung stand.

Aber Erdem brachte die Entkräftigung des „offiziellen“ Märchens auf ein öffentliches und offizielles Niveau. Basierend auf Regierungsdokumenten aus einem türkischen Gericht, mit denen er vor seinen Parlamentskollegen herumwedelte, hat Erdem dem hysterischen westlichen Dauer-Glauben, Assad hätte „sein eigenes Volk vergast“, einen Kübel Eiswasser verpasst.

Aber hey, wenn man kein Türkisch kann, oder wenn man die Story im Belfast Telegraph am 14. Dezember verpasst hat, oder wenn man keine bestimmten unabhängigen Internetseiten liest, oder wenn man glaubt, dass RT nur russische „Propaganda“ verbreitet, dann kommt diese Entwicklung vielleicht als eine große Überraschung daher. Denn die Enthüllungen Erdems sind in keiner anderen englischsprachigen Zeitung erschienen.

Jene, die durch die Hungerdiät der Massenmedien ernährt werden, stehen womöglich über diese finstere Realität im Dunkeln, dass Obama nur Zentimeter vor der Mausefalle stand, ihn zu dem Befehl an die US-Truppen zu bringen, im Spätsommer 2013 einen „Shock and Awe“-Angriff gegen Syrien auszuführen.

Die Aussage des türkischen Parlamentariers

In einer Rede vor dem Türkischen Parlament wandte sich der türkische Abgeordnete Erdem von der oppositionellen Republikanischen Volkspartei in jener wichtigen Frage direkt an seine Regierung. Erdem hielt eine Kopie des „Kriminalfalls 2013/120“ hoch und beschrieb die türkischen Berichte und elektronischen Beweise, die eine Schmuggel-Operation mithilfe der Türkischen Regierung dokumentiert.

692905-300x200Vier Tage später sagt Erdem in einem RT-Interview, die türkischen Behörden hätten Beweise über Lieferungen von Saringas-verwandten Stoffen an Anti-Regierungsrebellen in Syrien, und nichts sei dagegen unternommen worden.

Der Generalstaatsanwalt in der türkischen Stadt Adana öffnete ein Strafverfahren und eine Anklage. Es ist von „chemischen Waffenkomponenten“ aus Europa die Rede, die „nahtlos über festgelegte Routen durch die Türkei an Labore in Syrien gehen sollten.“

Erdem zitierte Beweise, wonach in den Sarin-Schmuggel der türkische Justizminister und eine „Turkish Mechanical and Chemical Industry Corporation“ verwickelt seien. Kein Wunder dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sofort Erdem des „Verrats“ beschuldigte.

Erdem gab zu Protokoll, dass die 13 Verdächtigen, die bei der Fahndung gegen die Täter festgenommen wurden, schon eine Woche nach ihrer Inhaftierung wieder auf freiem Fuß waren. Die Anklagen wurde von übergeordneten Behörden sofort fallengelassen.

Erdem erzählte RT, dass der Sarin-Angriff in Ghouta stattfand, kurz nachdem der Fall geschlossen wurde und dass der Angriff wahrscheinlich von Dschihadisten mit dem durch die Türkei geschmuggelten Sarin verübt wurde.

Erdems Enthüllungen waren nicht komplett neu. Mehr als zwei Jahre vor den mutigen Schritten Erdems hatten wir in einem Memorandum des „Veteran Intelligence Professionals for Sanity“ am 6. September 2013 an den Präsidenten berichtet, dass nur Wochen vor dem Saringas-Angriff ein Koordinierungstreffen in der türkischen Kaserne in Antakya stattfand, nur 24km von der syrischen Grenze entfernt.

Es hieß, dass in Antakya hochrangige türkische, katarische und amerikanische Geheimdienstler mit westlich unterstützten Rebellen Pläne koordiniert haben. Man hätte ihnen gesagt, aufgrund „kriegsverändernder Entwicklungen“ sei mit einer bevorstehenden Eskalation der Kämpfe zu rechnen. Dies würde wiederum zu einer von den USA geführten Bombardierung Syriens führen. Und die Kommandeure der Rebellen erhielten die Anweisung, ihre Truppen bereitzuhalten, um das Bombardement auszunutzen, nach Damaskus zu marschieren und die Assad-Regierung zu beseitigen.

Ein Jahr zuvor berichtete die New York Times, dass das Gebiet um Antakya zu „einem Magneten für ausländische Dschihadisten geworden ist, die in die Türkei strömen, um in Syrien einen Heiligen Krieg zu kämpfen.“ Die Times zitierte ein syrisches Oppositionsmitglied in Antakya, der erzählte von türkischer Polizei, die das Grenzgebiet „mit geschlossenen Augen“ durchstreiften.

Der tanzende Kerry

Es ist eine sichere Wette, dass die Berater ihren Außenministers John Kerry zeitgerecht über die Enthüllungen Erdems gebrieft haben. Bei seinem Besuch in Moskau am 15. Dezember 2015 (vier Tage nach den Aussagen Erdems) hat Kerry aber das Mem wiederholt, dass Assad „sein eigenes Volk vergast; echt, Gas wurde seit Jahren nicht mehr in der Kriegsführung eingesetzt und Gas ist verboten, aber Assad benutzt es.“

kerry-syria-remarks-300x199Drei Tage später plappert die Washington Post Kerry pflichtschuldig nach und behauptet, Assad hätte „sein eigenes Volk mit Chemiewaffen“ getötet. Und diese Behauptung ist in den US-Konzernmedien immer noch ein Renner. Erdems Zeugnis findet man nirgends.

Kerry wollte auch nicht zugeben, dass er das amerikanische Volk in einer Frage über Krieg oder Frieden grob hinters Licht geführt hatte. Wenige Tage nach dem Sarin-Angriff am 21. August 2013 in Ghouta haben Kerry und seine Neokon-Verbündeten ihren Scharfsinn bewiesen, indem sie dem Diktum George Bushs folgten: „Man muss die Dinge nur immer und immer und immer wieder wiederholen, damit die Wahrheit untergeht und die Propaganda einen mächtigen Schub bekommt.“

Am 30. August erklärte Kerry nicht weniger als 35 mal feierlich: „Wir wissen“ dass die Assad-Regierung für die Sarin-Toten verantwortlich ist, damit haben Kerry und die Neokons endlich ihren Casus Belli.

Aber am 31. August, nachdem US Geheimdienstanalysten ihre Zweifel zum Ausdruck brachten, dass Assads Kräfte dafür verantwortlich seien, da trat Obama im Kriegszug auf die Bremse. Er sagte, zuerst möchte er die Einwilligung des Kongresses haben. Kerry ließ sich nicht beeindrucken und suchte im Kongress sofort nach Unterstützung für den Krieg.

Am 1. September erzählte Kerry George Stephanopoulos von ABC, dass die Beratungen im Kongress bereits begonnen hätten und dass „wir diese Abstimmung nicht verlieren werden“. Am 3. September hatte Kerry einen meisterhaften Auftritt vor dem Senatsausschuss für auswärtige Angelegenheiten, deren Vorsitzende zeigten mit ihren eigenen Anmerkungen, wie sehr sie sich nach einem Angriff auf Syrien lüsterten.

Das Nachfolgende liefert einen Geschmack über Kerrys „zu viel Protest“-Aussage:

„Das Assad-Regime, und nur und unzweifelhaft das Assad-Regime, hat einen abscheulichen chemischen Angriff gegen seine eigenen Bürger ausgeführt. … In ihrer Gier, die Macht zu behalten waren (sie) dazu bereit, die Luft in Damaskus mit einem Gift zu infizieren, das unschuldige Mütter und Väter und Hunderte von Kindern tötete, ihr Leben vernichtet durch Gas am frühen Morgen des 21. August.“

„Nun, es gibt hier und da Leute, erstaunlicherweise, die den Beweis für diesen wahrhaften Anschlag in Frage stellen. Ich wiederhole heute und hier, dass nur der stärkste Drang zur Verweigerung der Realität bewirken kann, dass dies nicht, wie beschrieben, geschah oder dass es nicht das Regime war. Es ist passiert, und es war das Assad-Regime.“

„Nur Minuten nach dem Anschlag explodierten die Sozialen Medien mit schrecklichen Bildern von Männern und Frauen, von Älteren und Kindern, die ohne Wunden, ohne Blut, aber alle tot, auf dem Boden eines Krankenhauses herum lagen. Diese Szenen von menschlichem Chaos und Verzweiflung waren nicht erfunden. Sie waren echt. Niemand könnte eine solche Szene erfinden…“

„Und während wir debattieren fragt sich die Welt nicht, ob Assads Regime diesen schlimmsten Chemiewaffenangriff des 21. Jahrhunderts ausgeführt hat – diese Tatsache steht jetzt außer Frage – die Welt fragt sich, ob die Vereinigten Staaten von Amerika durch ein Schweigen nachgeben und wegschauen werden, ob diese Art von Brutalität ohne Konsequenzen geschehen darf.“

Kerry fügte einen die Glaubwürdigkeit überdehnenden Versuch hinzu, die Rolle und Wirkung von Al Qaeda in Syrien herunterzuspielen und er übertrieb die Stärke der „gemäßigten“ Rebellen. Der russische Präsident Wladimir Putin antwortete darauf mit ungewöhnlich prompter und persönlicher Kritik.

Putin: „Kerry lügt“

Es kommt selten vor, dass ein Präsident eines großen Landes den obersten Diplomaten eines rivalisierenden Landes als „Lügner“ bezeichnet. Aber das ist die Bezeichnung, die Russlands Präsident Putin für Kerry verwendete, einen Tag nach dessen Anhörung vor dem Senatsausschuss. In einer vom Fernsehen übertragenen Konferenz des „Russian Presidential Human Rights Council“ am 4. September bezog sich Putin auf Kerry und antwortete auf die Sarin-Frage mit diesen Worten:

„Es ist ganz einfach absurd anzunehmen, dass Assad chemische Waffen benutzt habe, während er an Boden gewinnt. Schließlich ist dies eine Waffe des letzten Auswegs.“ Putin hat zurecht darauf verwiesen, dass Assad „seine Gegner an einigen Orten eingekreist hat und sie fertig macht.“

Putin weiter: „Ich habe die Kongressdebatte verfolgt. Ein Kongressabgeordneter fragte Herrn Kerry: ‚Gibt es dort Al Qaeda? Ich habe gehört die gewinnen an Boden?‘ Kerrys Antwort: ‚Nein. Ich kann Ihnen ernsthaft versichern, das tun sie nicht‘.“

Putin weiter: „Die Hauptkampftruppe, die sogenannte al-Nusra, ist eine Unterabteilung von Al Qaeda. Sie (die Amerikaner) wissen das. Das kam für mich sehr unerfreulich und überraschend. Schließlich … reden wir mit ihnen und wir gehen davon aus dass sie anständige Leute sind. Aber er lügt, und er weiß dass er lügt. Das ist traurig. …“

„Momentan konzentrieren wir uns auf die Tatsache, dass der US-Kongress und der Senat über eine Autorisierung zur Gewaltanwendung diskutieren. … Wie Sie wissen greift Syrien die USA nicht an, daher ist es keine Frage von Selbstverteidigung; und alles andere, ohne Autorisierung durch die UN, ist ein Akt der Aggression. … wir kleben vor dem Fernseher und warten darauf, ob sie die Genehmigung durch den Kongress erhalten.“

Am darauffolgenden Tag, dem 5. September, kam Obama zum G-20 Gipfel nach St. Petersburg. Mit guten Gründen anzunehmen, dass Putin recht hatte, als er Kerry wegen der Sarin-Angriffe einen Lügner nannte – der Präsident wurde in der Woche zuvor vom Direktor der Nationalen Geheimdienste, James Clapper, gewarnt, es gebe keine „bombensicheren“-Beweise gegen das Assad-Regime. Daher hat sich Obama auf das Angebot Putins eingelassen, Syrien würde seine Chemiewaffen zur Zerstörung freigeben. Und das Kriegsfieber begann abzuebben.

Erstaunlich ist, dass Kerry selbst über das Putin-Obama Abkommen im Dunkeln gelassen wurde und noch am 9. September für einen Krieg trommelte. Am Ende einer Pressekonferenz an jenem Abend in London wurde Kerry gefragt, ob es etwas gäbe, was Assad tun könnte, um einen US-Angriff zu verhindern. Kerry antwortete, dass Assad all seine Chemiewaffen aufgeben könnte, aber „das wird er nicht tun; das wird nicht geschehen.“

Noch später am 9. September kündigten der russische Außenminister Sergei Lawrow und sein syrischer Amtskollege an, dass Syrien zugestimmt habe, all seine Chemiewaffen zu beseitigen und zu zerstören. Kerry war kaum zurück in Washington, da wurde er nach Genf geschickt, um den Vertrag zu unterzeichnen, den Obama direkt mit Putin ausgehandelt hatte. (Alle syrischen Chemiewaffen wurden seither zerstört.)

Allerdings, nur zwei Wochen später las Obama immer noch von seinem neokonservativen Teleprompter ab. In seiner Ansprache an die Vollversammlung der UN am 24. September 2013 erklärt er: „Es ist eine Beleidigung für den menschlichen Verstand und die Legitimität dieser Institution, zu behaupten, dass jemand anders als das (syrische) Regime diesen (Sarin-) Angriff ausgeführt hat.“

Noch mehr Offenheit mit Goldberg

Anfang diesen Jahres prahlte Obama jedoch gegenüber seinem familiären Biografen Jeffrey Goldberg vom The Atlantic darüber, wie er die offenen Kriegspläne gegen Syrien verhindert habe, selbst als er dazu den Ratschlag fast all seiner außenpolitischen Berater ignorieren musste.

obama-ungc-9-24-13Eine von Goldberg gefundene Perle ist das Eingeständnis Obamas, dass Clapper vom DNI ihn Ende August (eine Woche vor seiner Reise nach St. Petersburg und einen Monat vor seiner UN-Ansprache) warnte, dass die Beweise gegen Damaskus für die Sarin-Attacke kaum wasserdicht seien.

Goldberg schreibt, dass Clapper das morgendliche Geheimdienst-Briefing des Präsidenten unterbrach „um klarzustellen, dass die Aufklärung über den syrischen Gebrauch von Saringas zwar ordentlich, aber nicht „bombensicher“ („slam-dunk“) sei.“ Clapper wägte seine Worte sorgfältig ab, sie gleichen der Sprache, die der CIA-Direktor George Tenet benutzte, um Präsident Bush fälschlicherweise davon zu überzeugen, dass man das amerikanische Volk davon überzeugen könne, dass der Irak Massenvernichtungswaffen versteckt.

Auch wenn Obama weiter rumheuchelte und die US-Mainstreammedien weiterhin Syriens „Schuld“ an den Sarin-Angriffen als die „reine Wahrheit“ behandeln: Die Neokons haben ihren Krieg gegen Syrien nicht bekommen. Ich beschrieb eine ungewöhnlich direkte und persönliche Erfahrung ihres Ärgers unter dem Untertitel „Griesgram bei CNN“ in „How War on Syria Lost Its Way“

Und die Entäuschung der Neokons hat in den folgenden Jahren nicht nachgelassen. Der Senator Bob Corker, ein Republikaner aus Tennessee und Vorsitzender des Komitees für auswärtige Beziehungen, ist nach wie vor ein lauter Kritiker von Obamas Entscheidung, den Angriff auf Syrien 2013 abzublasen.

Am 3. Dezember 2014 beschwerte sich Corker, dass Obama den Angriff in letzter Minute abgeblasen hat, obwohl das US-Militär nur eine „sehr gezielte, sehr kurze“ Operation gegen die syrische Regierung wegen des Einsatzes chemischer Waffen vorbereitet hatte.

Corkers Kritk war schwer beleidigend: „Ich glaube, der schlimmste Moment seit ich hier in der Außenpolitik bin – was die Signale betrifft, die wir an die Welt da draußen senden -, war der August letzten Jahres, als wir vor einem zehnstündigen Einsatz standen, der in Syrien passieren sollte und dann nicht geschah. … Im Grunde – und entschuldigen Sie meine Worte – sind wir Putin auf den Schoß gehüpft.“


Ray McGovern (* 25. August 1939 in New York) ist ein US-amerikanischer ehemaliger CIA-Offizier. McGovern war als Mitarbeiter der CIA unter sieben US-Präsidenten insgesamt über 27 Jahre lang für die morgendliche Berichterstattung im Weißen Haus zuständig. Bei seiner Pensionierung wurde er mit der Intelligence Commendation Medal von Präsident Bush ausgezeichnet. Diese Medaille gab er im März 2006 zurück aus Protest gegen die Beteiligung von CIA-Mitarbeitern an Folterungen im Irak. 2003 gründete er zusammen mit anderen ehemaligen CIA-Mitarbeitern die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (wikipedia)