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Populismus in Amerika:
„Folge dem Geld“

von Charles Hugh Smith                                      Übersetzung FritztheCat

3sat_kuz_faschismus3sat „kulturzeit“ malt am 08.12.2016 einen neuen Faschismus an die Wand

„Wer den heutigen Begriff Populismus verstehen will, der sollte sich nicht an die komisch clowneske Propaganda der Massen­medien mit ihrer Beschuldigung Putins halten. Man sollte sich die unten aufgeführten vier Punkte ansehen.“   Charles Hugh Smith   

Einer der beunruhigendsten Fehler der Massenmedien in dem ganzen Wahlzirkus: Ein historischer Kontext für das Populismus-Label für Trump fehlt vollkommen. Wenn man die Berichterstattung über den Wahlkampf und die Wahl angeschaut hat, dann hat man bemerkt, wie besessen sie von „Gerede“ sind (im Gegensatz zu konkreten Handlungen), von persönlichen Dingen und Verschwörungstheorien, die den amerikanischen Populismus als Folge russischer Propaganda darstellen.

Die Massenmedien verunglimpfen den Populismus indem sie zwei absurd unwissende Sichtweisen vorantreiben:

1. Der Populismus (so sagt man uns) führt immer zu autoritärer Herrschaft und/oder zu Faschismus (d.h. Nazismus). Alle populistischen Bewegungen werden daher mit dem Nazismus-Pinsel beschmiert: „Populistische Bewegungen können kein positives Resultat haben, weil sie immer zu Faschismus führen.“Das ist für die Fürsprecher des umstrittenen Status Quo sehr angenehm, aber komplett falsch: Die enormen amerikanischen populistischen Bewegungen haben nie zu Faschismus geführt.

2. Da der Status Quo so wunderbar und die amerikanische Wirtschaft so stark ist, kann eine Kritik oder der Populismus dagegen nicht von innen kommen – es muss das Werk des Teufels sein, verkleidet als „ausländische Propaganda“.

Man beachte die hier angewendete klassische Propaganda-Vorgehensweise: Kritik kann ja gar nicht sein, in einem Regime das so gut gemanagt und reich ist wie der amerikanische Status Quo. Der Populismus muss von bösen ausländischen Agenten ausgelöst und kontrolliert worden sein.

Das ist lächerlich absurd: Die populistischen Bewegungen in Amerika, einschließlich der jetzigen, waren Rebellionen gegen die Anhäufung des Reichtums und der Macht von sich selbst bedienenden Eliten des Status Quo.

Wenn die Massenmedien statt der hohlköpfigen, politisch korrekten Papageien einaml gut informierte Analysten anstellen würden, dann würde man vielleicht erfahren, dass Amerika eine lange und reiche Geschichte an Populismus besitzt, der nicht zu autoritären Regierungssystemen oder Faschismus geführt hat.

Mike Swanson von WallStreetWindow.com und ich haben kürzlich in einem 34-minütigem Podcast über Populismus und politische Neuausrichtung diskutiert: Charles Hugh Smith on The Mainstream Media and the Populist Global Revolt.

Es gab mehrere große populistische Bewegungen gegen die herrschenden Eliten: Andrew Jacksons Wahl 1828 kommt aus einer solchen Rebellion, und die Populist Party (auch als People’s Party bekannt) und die Socialist Party-Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren progressive, linkslastige Reaktionen auf die enorme Anhäufung von Reichtum und Macht der Eliten dieser Tage.

Beide Bewegungen haben den Geld- und Kreditmechanismus der Eliten attackiert: Im Fall Jacksons war es die Second Bank of the United States; in der Zeit der Populist Party war es die freie Ausgabe von Silbermünzen, d.h. die Ausdehnung des Geldvorrats durch die Ausgabe von Silbermünzen.

Unter der Oberfläche populistischer Bewegungen sind zwei Kräfte am Werk. Die eine ist die Umwandlung der herrschenden Produktionsbedingungen, d.h. die Organisation und der Besitz jener Produktionsgüter, die wirtschaftliches Wachstum erzeugen. Und die zweite ist eine politische Neuausrichtung, die auf die Umwandlung der Produktionsbedingungen folgt.

Im 19.Jahrhundert haben landwirtschaftliche Interessen gegenüber der Industrie und dem Bank/Finanzsektor an Macht verloren, und das äußerte sich in populistischen Bewegungen.

Solche Bewegungen enthielten jenen Teil der Elite, die ihre Macht und den Reichtum durch die neuen Eliten bedroht sahen. Zum Beispiel leistete der britische Landadel Widerstand gegen die politische und wirtschaftliche Macht der Industrie, die eine Ausweitung ihrer Reichtumsbringer wollten: globaler Handel und eine schlecht bezahlte und städtisch mobile Arbeiterschaft.

Mike erwähnte ein bahnbrechendes Buch: „Golden Rule: The Investment Theory of Party Competition and ther Logic of Money-Driven Political Systems“. Darin wird argumentiert, dass es eigentlich in Amerika nur eine Partei gibt: die Partei der Besitzer, d.h. jene, die die produktiven Vermögen einer Nation besitzen.

Wie sehr sich der Wind dreht, kann man verstehen, wenn man verfolgt, welche wohlhabenden Teile die beiden politischen Parteien finanzieren. Der Autor Thomas Ferguson stellt die These auf, dass Franklin Roosevelt die Präsidentschaft zum Teil deswegen bekam, weil er die finanzielle Unterstützung großer multinationaler Konzerne mit globalen Interessen hatte.

Roosevelts Gegner waren in der Regel einheimische Firmen, die von billiger Arbeitskraft abhingen und strikte Zölle zur Abwehr der Konkurrenz brauchten.

Die momentane Zeit des Populismus wird vielleicht am besten durch Bernie Sanders vertreten. Er sammelte erstaunliche $234 Mio. von Einzelspendern, politische Aktionskomitees (PACS) trugen mit $6,3 Mio. nur einen geringen Teil zu seinem Wahlkampf bei.

Es gibt keinen besseren Beweis dafür, wie tief verwurzelt und breit gestreut der heutige Populismus ist, als die $234 Mio. am Spenden von Einzelpersonen und nicht von Eliten. Nennen Sie mir bitte einen anderen Präsidentschaftskandidaten, der 97% seiner Spenden von Kleinspendern erhielt.

Hillary Clinton hat gigantische $1,3 Mrd. gesammelt, davon kamen $188 Mio. von Super-PACS. Ein winziger Bruchteil ihrer Gesamteinnahmen kam von kleinen Spendern. Ihr Wahlkampf sammelte $556 Mio. ein und das Wahlkampfspenden-Komitee der Demokratischen Partei (die Elite) hat weitere $544 Mio. eingesammelt. (Quelle)

Trump hat im Wahlkampf etwa 27% seiner Spenden von kleinen Spendern erhalten, bei Romneys Wahlkampf waren es 6%.

Der heutige Populismus erhält seine Gelder von Einzelpersonen und jenen Unternehmen, die vom globalen Zuwachs des Reichtums der Eliten ausgeschlossen wurden. Sucht man nach parteiübergreifenden Gründen, warum sowohl Sanders als auh Trump unterstützt wurden, dann findet man vier Kernpunkte:

  1. Anti-Globalismus
  2. Überdruss mit der sich selbst bedienenden Elite des Establishments, sprich Anti-Elitismus
  3. Wirtschaftlicher Nationalismus
  4. Der Widerstand gegen endlose Neokon-Kriege, Drohnenangriffe und die Einmischung ins Ausland.

Die Punkte 1, 3 und 4 waren in Wahlkampf 1972 von George McGovern (Demokrat) enthalten: „Komm nach Hause, Amerika“ – eine Botschaft, die von der heutigen politischen Elite der Demokratischen Partei verachtet wird. Denn sie hat Hunderte Millionen an Wahlkampfspenden von globalen Finanz- und Konzerninteressen abgesahnt.

Man muss sich nur die zwei Charts ansehen, einmal der Niedergang des Anteils der Arbeitslöhne am BIP (ein Abwärtstrend, der seit 46 Jahren anhält) und der Anstieg der Konzerngewinne, und fragen: Ist der populistische Ekel und Zorn über Amerikas herrschende Eliten nicht offensichtlich?

wages-gdp5-16a550Diagramm 1: Das BIP 2015 betrug $18 Billionen. Der Anteil der Arbeitslöhne betrug 42,5%. Das macht $7,65 Billionen. Würde der Anteil wie vor 46 Jahren 50% betragen, so wären es $9 Billionen. Der Unterschied beträgt $1,35 Billionen – das macht pro Haushalt $13.500.

corp-profits9-16550Diagramm 2: Entwicklung der Konzerngewinne nach Steuern: vor 46 Jahren ca. $50 Mrd. Heute etwas über $1,8 Billionen.

Ist es ein Zufall, dass die Konzerngewinne nach 2001 geradezu explodiert sind, während der Anteil der Arbeitslöhne am BIP abstürzte? Wer den heutigen Begriff Populismus verstehen will, der sollte sich nicht an die komisch clowneske Propaganda der Massenmedien mit ihrer Beschuldigung Putins halten. Man sollte sich die oben angeführten vier Punkte ansehen und diese beiden Diagramme.


Wie FritztheCat richtig kommentiert, kann man „die Namen „Amerika“ und „Trump“/„Sanders“ beliebig durch europäische oder deutsche Namen ersetzen. Die Analyse bleibt gültig, Frau Merkel, Herr Gabriel“. Deshalb gleich zu Beginn der Verweis auf den aktuellen Beitrag der 3sat „kulturzeit“, die – ganz im Sinne der antidemokratischen Tradition der politischen Eliten und ihrer Medienhuren – gegen „Populismus“, „Unterschichten“ und „neue Rechte“ stänkert und einen neuen Faschismus an die Wand malt.