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Sehr geehrter Präsident Putin

by Paul Craig Roberts                                  Übersetzung: FritztheCat

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Sehr geehrter Präsident Putin,

nachdem der CIA-Agent Craig Timberg, der sich als Reporter der Washington Post ausgibt, meine Tarnung enthüllt und mich als russischen Agenten entlarvt hat, da frage ich mich, ob ich Sie nicht um einen russischen Pass und ein bisschen diplomatischen Schutz bitten soll. Vielleicht als stellvertretender Presseoffizier der russischen Botschaft in Washington, bis ich aus dem Land ausreisen kann. Ich habe mitbekommen, dass Sie Steven Seagal einen Pass gegeben haben, daher hoffe ich, dass ich als russischer Agent genauso wertvoll bin wie jemand der die Kampfkünste lehrt.

Ich weiß nicht, wie hoch die Bezahlung für einen russischen Agenten ist, aber wie viel es auch ist, bitte überweisen Sie es an eine russische Bank. Denn Schweizer Banken sind nicht mehr nützlich, da die Schweizer Regierung Washington erlaubt hat, die Banken-Gesetze zu schreiben. Vielleicht könnten Sie mich auch mit einem Verleger für meine Memoiren „Mein Leben als Putin-Troll“ bekannt machen.

Das Ganze muss schnell über die Bühne gehen, da die Washington Post schon das FBI auf mich angesetzt hat. Die müssen über mich sehr erbost sein, dass ich sie all die Jahre getäuscht habe. Denn ich hatte Top Secret- und hohe Sicherheitsfreigaben während ich ein russischer Agent war. Jeden Moment kann die Washington Post herausfinden, dass mein KGB-Kollege Ronald Reagan und ich die Steuern für Reiche gesenkt haben, damit der Kapitalismus so erdrückend wird, dass sich das amerikanische Volk erhebt und den Kapitalismus beiseite fegt. Mann, was haben wir die Linken verarscht!

Ich bedaure, dass die Washington Post davon Wind bekommen hat, dass ich ein russischer Agent bin, aber es war nicht mein Fehler. Ich glaube, das Leck liegt bei einem der atlantischen Befürworter innerhalb Ihrer Regierung. Bitte gehen Sie der Sache nach, denn es wurden schon 200 der von Russland finanzierten Webseiten enthüllt.

Bitte schicken Sie jemanden der mir den Pass und die diplomatischen Urkunden bringt. Denn die TSA (Transport Safety Authority) würde mich festnehmen, wenn ich nach Washington fliege, um die Dokumente zu holen. Eine diplomatische Stelle ist besser als Asyl, denn Washington erkennt, so wie die alte Sowjetunion, kein politisches Asyl an. Fragen Sie nur Julian Assange!

Lassen Sie sich von den atlantischen Befürwortern nicht einreden, meine Enthüllung als russischer Agent sei nur ein Trick der CIA, um mich als Agenten auf Sie anzusetzen. Meine Kritik an der Politik Washingtons, die Spannungen zwischen den Nuklearmächten zu erhöhen, und die Unterstützung Ihrer Politik zur Reduzierung der Spannungen ist keine Agententarnung. Ich würde es wirklich lieber sehen, wenn die Welt nicht in einem thermonuklearen Krieg hochgeht. In den USA ist das eine verdächtige Haltung, aber ich hoffe, dass es in Russland akzeptabel ist.

Ich freue mich auf den Reisepass.

Paul Craig Roberts

Update: Kreml-Sprecher Peskow antwortet

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Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans („Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.