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von John W. Whitehead               Übersetzung: Meaningless Movements

Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert,
ist verurteilt, sie zu wiederholen.

Philosoph George Santayana

Bleibe wachsam, Amerika.

Dies ist nicht die Zeit, in der Wachsamkeit nachzulassen – nicht für einen Moment.

Nichts hat sich seit der Wahl geändert, um die unmittelbaren und sehr realen Gefahren von Straßenrand-Leibesvisitationen, staatlicher Überwachung, biometrischen Datenbanken, Bürgerinnen und Bürgern, die wie Terroristen behandelt werden, Haftstrafen für die Kritik an der Regierung, nationale Identifizierungsausweise, SWAT-Team-Überfälle, Zensur und gewaltsame Blutabnahmen, private Gefängnisse, bewaffnete Drohnen, Rotlichtkameras, Elektroschocker, aktive Todesschützen-Übungen, polizeiliche Amtsvergehen und Regierungskorruption zu ändern.

Die Zeit allein wird zeigen, ob das Vertrauen derjenigen, die Hoffnungen in einen politischen Retter setzten, belohnt oder verraten wird.

Persönlich halte ich nicht den Atem an.

Ich bin diesen Weg bereits gegangen.

Ich habe Geschichte studiert.

Ich weiß, was als nächstes kommt.

Es ist etwas früh, aber der gewählte Präsident Trump hat – wie seine Vorgänger – bereits begonnen, viele seiner Wahlversprechen rückgängig zu machen, ein kaputtes Regierungssystem zu reformieren.

Der Kandidat, der gegen Big Government wetterte und schwor, „den Sumpf trocken zu legen“, hat bereits Lobbyisten, Konzernspendern und Mitgliedern der Regierungselite Hauptrollen in seiner neuen Regierung gegeben.

Amerika, man hat dich reingelegt.

Dies ist, was geschieht, wenn man Politik mit Angelegenheiten des Lebens, des Todes und der Freiheit spielt.

Man verliert jedes Mal.

Leider verlieren wir in diesem Fall alle wegen der verblendeten Heuchelei der Linken und der Rechten, die beide die Ausdehnung des Polizeistaates so lange unterstützten, wie ihre Partei an der Spitze stand.

In den vergangenen acht Jahren hat sich die Linke – unverblümt schrill und feindlich gegenüber George W. Bush während er Präsident war – ungewöhnlich still über Dinge wie Folter, endlose Kriege, Drohnenangriffe, Vollzugsanordnungen, Befugnisüberschreitungen und Faschismus verhalten.

Plötzlich mit Trump im Weißen Haus für die nächsten vier Jahre, ist alles wieder möglich.

Doch wie Glenn Greenwald in der Washington Post darlegt, wenn nun Trump riesige Machtbefugnisse des Präsidenten übernimmt, dann hat er das den Demokraten zu verdanken.

Es sei denn, Trump legt eine weitere Kehrtwende hin. Seien Sie versichert, dass die Politik einer Trump-Regierung nicht anders sein wird als die einer Obama -oder Bush-Regierung, zumindest nicht dort, wo es wirklich zählt.

Was das betrifft, hätte auch eine Clinton-Regierung keinen Unterschied gemacht.

Mit anderen Worten, Demokraten wären unter anderem Namen Republikaner, und umgekehrt.

Das ist die schreckliche Macht der Schattenregierung: den Status quo aufrechtzuerhalten, egal welcher Kandidat gewählt wird.

Der Krieg wird weitergehen. Die Überwachung wird weitergehen. Drohnenmord geht weiter. Polizeischießereien gehen weiter. Der Autobahnraub durch Regierungsbeamten wird fortgesetzt. Die korrupte Regierung wird fortgesetzt. Profitgesteuerte Gefängnisse werden fortgesetzt. Zensur und Verfolgung von jedermann, der die Regierung kritisiert, wird fortgesetzt. Die Militarisierung der Polizei wird fortgesetzt. Die Bemühungen der Regierung, Dissidenten als Extremisten und Terroristen zu bezeichnen, werden fortgesetzt.

In solch einem Klima wird der Polizeistaat gedeihen.

Je mehr Dinge sich ändern, desto mehr bleiben sie gleich.

Wir stecken in diesem politischen Murmeltiertag schon so lange fest, dass geringfügige Abweichungen als große Entwicklungen erscheinen, während die Tatsache, dass wir nur im Wiederholungsmodus sind, unfähig, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen, verschleiert wird.

Dies ist, was als schleichende Normalität oder ein Tod auf Raten bezeichnet wird.

Es ist ein Konzept, das vom Pulitzer-preisgekrönten Wissenschaftler Jared Diamond beschrieben wird als große Veränderungen, die, wenn sie langsam in kleinen Stufen über die Zeit implementiert werden, als normal akzeptiert werden können, ohne den Schock und Widerstand, die ein plötzlicher Umsturz bedeuteten würde.

Diamonds Bedenken stammen aus der Natur, aber sie sind nicht weniger relevant für unser Verständnis, wie sich eine einst freie Nation bereitwillig an die Ketten der Diktatur binden könnte.

Diamond schrieb über die Osterinseln und die nun verschwundene Zivilisation und dem gesellschaftlichen Verfall und ökologischen Niedergang, der dazu beitrug: „In wenigen Jahrhunderten vernichteten die Osterinseln ihre Wälder, trieben ihre Pflanzen und Tiere zum Aussterben und sahen, dass die Menschen der Osterinsel ihre Wurzeln verloren und ihre komplexe Gesellschaft in einer Spirale des Chaos und Kannibalismus versank… Warum sahen sie sich nicht um, als sie erkannten, was sie taten, und stoppten bevor es zu spät war? Was dachten sie, als sie die letzte Palme abholzten?“

Seine Antwort: „Ich vermute, dass die Katastrophe nicht mit einem Knall passiert ist, sondern mit einem Wimmern.

Ähnlich wie Amerikas eigene Siedler, entdeckten die frühen Siedler der Osterinsel eine neue Welt – „ein unberührtes Paradies“ – das vor Leben nur so wimmelte. Fast 2000 Jahre nachdem die ersten Siedler angekommen waren, wurde die Osterinsel von einer Bevölkerung, die sich so auf ihre unmittelbaren Bedürfnisse konzentrierte, dass sie das Paradies für künftige Generationen nicht bewahren konnte, auf einen unfruchtbaren Friedhof reduziert.

Im Fall der Osterinsel, wie Diamond mutmaßt:
Der Wald … verschwand langsam, über Jahrzehnte … Allmählich wurden Bäume kleiner, kleiner und weniger wichtig. Als die letzte fruchttragende, ausgewachsene Palme gefällt war, waren die Palmen längst nicht mehr von wirtschaftlicher Bedeutung. Dies ließ nur immer kleinere Palm-Setzlinge jedes Jahr, zusammen mit anderen Büschen und Baumkronen, verschwinden. Niemand würde das Fällen der letzten kleinen Palme bemerkt haben…

Klingt dennoch schmerzlich vertraut?

Ersetzen Sie die Osterinsel-Bäume mit Amerikas Republik und die Bäume durch unsere Freiheiten, die dezimiert werden, und der Pfeil trifft ins Schwarze.

Wir haben bereits den reichen Wald der Freiheiten abgerissen, der von unseren Gründern errichtet wurde. Sie unterrichten nicht Freiheit in den Schulen. Nur wenige Amerikaner kennen ihre Geschichte. Und noch weniger scheint zu kümmern, dass ihre Mitmenschen eingesperrt, mundtot gemacht, erschossen, elektrogeschockt und behandelt werden, als ob sie überhaupt keine Rechte haben. Sie interessieren sich nicht, das heißt, bis es ihnen selbst geschieht – wenn es also fast zu spät ist.

So gewinnt der Polizeistaat. Das ist der Aufstieg der Tyrannei auf. So fällt die Freiheit.

Tausend Schnitte, jeder von ihnen gerechtfertigt oder ignoriert oder mit einem Schulterzucken als belanglos abgetan. Aber sie summieren sich.

Wie ich in meinem Buch „Battlefield America: The War on the American People“ deutlich mache: Jeder Schnitt, jeder Versuch, unsere Freiheiten zu untergraben, jeder Verlust einiger kritischen Rechte – frei zu denken, sich zu versammeln, ohne Angst, beschämt oder zensiert zu sprechen, unsere Kinder zu erziehen, wie es uns passt, anbeten oder nicht anbeten, wie es unser Gewissen diktiert, zu essen, was wir wollen und zu lieben, wen wir wollen, zu leben, wie wir wollen – sie summieren sich zu einem unermesslichen Versagen jedes einzelnen von uns, den Abstieg auf dem rutschigen Hang noch zu stoppen.

Es hat uns 200 kurze Jahre gekostet, um jene Freiheiten zu zerstören, die unsere Gründer mit harter Arbeit gesichert hatten, und es geschah mit kaum einem wimmernden Protest von „We the People“.

Wenn ich also über Demonstrationen lese, die in den Städten ausbrechen, um gegen die Bedrohung durch den Faschismus zu protestieren – wenn juristische Denkfabriken Klagen gegen die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung androhen – und wenn Kommentatoren, die zuvor jeglichen Vergleich der Regierungsvorgehensweise mit Nazi-Deutschland als hasserfüllte Panikmache zurückwiesen, plötzlich Trump mit Hitler vergleichen, dann muss ich mich fragen, ob wir vielleicht schon längst in verschiedenen Ländern leben.

Denn nichts davon ist neu.

In der Tat, wenn wir Geschichte wiederholen, kommt das Schlimmste noch.