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Vor einem Jahr starb der ehemalige russische Minister Michail Lessin in einem Hotel in Washington. Die US-Behörden brauchten vier Monate, um eine suggestive Erklärung zu veröffentlichen, die von Spuren von Gewalteinwirkung berichtete und in der transatlantischen Propaganda gewohnheitsmäßig gegen Vladimir Putin ausgeschlachtet wurde.

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Es dauerte weitere sieben Monate bis die Ermittler aus der Bananenrepublik USA vergangene Woche verkündeten, dass Lessin allein im Hotel und reichlich betrunken, den Folgen eines Sturzes erlegen sei. Der „Fall“ ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich, was die Methoden der westlichen Desinformation, Propaganda und Dämonisierung Russlands anbetrifft.

Hätte man Lessin nicht in Washington gefunden, sondern in Moskau, die westliche Propaganda hätte seinen Tod wohl noch unverschämter in die Nähe Vladimir Putins gerückt. Dass dessen ehemaliger Berater von der bekannten Mord- und Terrororganisation CIA oder sonstigen US-Kriminellen umgebracht worden sein könnte, wird von gleichgeschalteten westlichen Mainstreammedien von vornherein ausgeschlossen. Stirbt ein einflussreicher Russe in Russland war es Putin, stirbt ein Russe in London, war es Putin und stirbt er in Washington, dann war es natürlich auch Putin.

Die US-Behörden haben in dieser Inszenierung nicht nur ihren Anteil, sie haben das Drehbuch geschrieben. Hotelkameras auszuwerten, Zeugen zu befragen und eine ordentliche Obduktion durchzuführen, die seinen Alkoholpegel, etwaige Gäste oder Kampfspuren ans Tageslicht gebracht hätte, dauert allenfalls eine Woche – einer Bananenrepublik wie den USA darf man großzügig zwei Wochen zugestehen. Es liegt also nahe, dass an dem Tod Lessins entweder tatsächlich etwas faul war, was man aus der Welt schaffen musste, weil es sich um eigenen Dreck handelte oder man hat ganz bewusst Informationen unterdrückt und nur schleppend herausgegeben, um die antirussische Dämonisierungs­kampagne mit Lücken zu füttern, die die Medien mit Suggestionen füllen würden.

ARD und ZDF haben diese Kampagne mitgespielt, wie man es von ihnen kennt. Keine Nachfrage oder Recherche bei US-Behörden, wie es denn sein kann, dass ein Autopsiebericht erst 4 Monate nach einem brisanten Todesfall veröffentlicht wird. Kein Wort zum Alkoholkonsum des Toten oder russischem Drängen in Richtung der USA, schneller und umfassender zu informieren. Während man im Fall Nemzow notorisch den Ort des Todes „nahe der Kremlmauern“ ins Zentrum der Propaganda stellte, ist im Fall Lessin der Ort Washington zweitrangig. Wichtig ist hingegen, dass der Tote einmal „Putin-Berater“ war und dass man seinen Tod mit Gewalt in Verbindung bringen kann – schon funktioniert das beabsichtigte Kopfkino…

ARD 11.03.2016 tagesthemen

Bild anklicken, ARD-Mediathek!

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Susanne Daubner: „Michail Lessin, der frühere Berater des russischen Präsidenten Putin, ist möglicherweise doch keines natürlichen Todes. Das berichten US-Medien unter Berufung auf einen Autopsiebericht. Lessin war Anfang November 2015 tot in einem Hotel in Washington aufgefunden worden. Russische Medien berichteten bislang, er habe einen Herzinfarkt erlitten. Den US-Berichten zufolge soll ein harter Schlag auf den Kopf die Todesursache gewesen sein.“

So die ARD vor über 7 Monaten in den tagesthemen. Die Botschaft dieser Propaganda: Putin Berater, gewaltsamer Tod, russische Medien lügen.

Noch unverschämter als die ARD, die sich ihre Desinformation und Hetze in Wort und Bild einmal mehr mit „offenbar“ und „möglicherweise“ absichert, zeigte sich das ZDF.  In den heute-„Nachrichten“ wird die Behauptung vom gewaltsamen Tod in großen Lettern zur Realität und Vladimir Putin muss gleich in zwei großen Fotos mit dem Toten präsentiert werden, damit auch die einfältigsten ZDF-Zuschauer kapieren, was sie von der Sache zu denken haben.

ZDF 11.03.2016 heute 19 Uhr

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Petra Gerster: „Der Tod eines ehemaligen russischen Präsidentenberaters in den USA gibt Rätsel auf. Der 57-jährige Michail Lessin war im November in diesem Nobelhotel in Washington gestorben. Russische Medien hatten von einer Herzattacke berichtet. Jetzt wurde bekannt, die Autopsie geht offenbar von einem Schlag auf den Kopf aus. Unter Präsident Putin war Lessin 5 Jahre lang Informationsminister, danach dessen Berater.“

Tatsächlich hatten russische Medien zunächst von einem Herzinfarkt als Todesursache gesprochen – unter Berufung auf die Angehörigen. Aber RT berichtete bereits unmittelbar nach dem Tod von einer längeren „unindentifizierten“ Krankheit, was man als durchaus übliches Diplomatensprech für Alkoholismus ansehen kann. Auch deutsche Medien werden über das offene Geheimnis dieser weit verbreiteten Krankheit unter deutschen Politikern den Mantel des Schweigens hüllen, wenn sich einer von ihnen zu Tode gesoffen oder im Rausch das Genick gebrochen hat.

Anders als die deutsche Propaganda hat RT einen Tag später (am 12. März) berichtet, dass das US-Außenministerium auf Nachfrage von Journalisten einen gewaltsamen Tod nicht bestätigen wollte. ARD und ZDF wollten die deutsche Öffentlichkeit über diese Fakten aus naheliegenden Gründen nicht informieren, hatten sie doch gerade erst selbst die Spekulationen und Brotkrumen Richtung Kreml in den Haupt“nachrichten“sendungen verbreitet.

Auch als einen Monat später im April US-Medien – und unter Bezugnahme zu ihnen ebenfalls RT – berichteten, dass US-Behörden nicht von einem kriminellen Hintergrund ausgingen, schwiegen die Propagandasender ARD und ZDF.

ARD und ZDF verschweigen das nun veröffentlichte Ermittlungsergebnis

Nun haben die Ermittlungsbehörden den Fall ein halbes Jahr später offiziell geschlossen und den Tod Lessins schlussendlich als einen Unfall infolge exzessiven Alkoholkonsums eingestuft.

Bild anklicken, Washington Post!

Bild anklicken, Washington Post! (28. Oktober 2016)

Auch darüber – über den Abschluss der Ermittlungen und deren „ernüchterndes“ Ergebnis – berichteten die Propagandasender ARD und ZDF, die sich noch im März aus bekannten Gründen an der suggestiven Propaganda über einen gewaltsamen Tod beteiligt hatten, mit keinem Wort. Ihnen ging und geht es in sämtlicher „Berichterstattung“ über Russland nur darum, irgendetwas zu finden und in die Köpfe der Deutschen zu trichtern, was man Russland und namentlich Vladimir Putin irgendwie negativ anhängen und womit der Westen sein Feindbild schüren und neue Kriegshetze betreiben kann.

Der Blick auf die Konzernmedien bietet wenig Überraschendes und zeigt prinzipiell das gleiche Bild aus Desinformation und Propaganda. Die ZEIT hat zwar über die Einstellungen der Ermittlungen am 29. Oktober berichtet, schürt aber nach wie vor Zweifel an der natürlichen Todesursache und verbreitet Spekulationen und „Verschwörungstheorien“ (sic!) US-amerikanischer Propagandainstitute, wonach der Kreml hinter Lessins Tod stecke:

Es bleibt abzuwarten, ob die von den Behörden veröffentlichten Ermittlungsergebnisse die Spekulationen tatsächlich beenden. Die New York Times zitiert beispielsweise David J. Kramer vom Washingtoner McCain Institute for International Leadership: „Angesichts der Anzahl der Morde von Putin-Kritikern und anderen wie Lessin, die über die inneren Zirkel des Kreml Bescheid wissen, ist es schwer, Fremdeinwirkungen auszuschließen.“ Auch Paul Royel von National Strategies, einem Thinktank aus Washington, sagte, der Verdacht auf eine russische Verwicklung in den Tod Lessins sei nicht ganz ungerechtfertigt. Er wisse nicht, ob es ein Unfall war oder nicht. „Aber das Ganze ist sicherlich merkwürdig.“

Besonders primitiv: das Schmierblatt ZEIT beruft sich mit seinen „Verschwörungstheorien“ im obigen Absatz auf die NYT. Nur wenige Zeilen zuvor hat die ZEIT auch behauptet, es sei „unklar“, was Lessin überhaupt in Washington gemacht habe, genau diese Frage wurde aber von der NYT am Tag zuvor geklärt.

Warum war Lessin überhaupt in Washington?

International spekulierten Medien danach über die wahren Hintergründe vom mysteriösen Todesfall. Unklar ist zum Beispiel – auch immer noch –, warum Lessin überhaupt in Washington war. Auch das US-Außenministerium sagte damals, es habe darüber keine Informationen. (ZEIT; 29.10.2016)

Mr. Lesin had come to Washington to attend an awards banquet held by the Woodrow Wilson International Center for Scholars at the Ritz-Carlton hotel in Washington’s West End neighborhood two nights before he died. He did not show up for the event, though. Nor did he contact the man who had invited him, a prominent Russian banker and philanthropist, Pyotr O. Aven. (NYT; 28.10.2016)

Das SPIEGELKABINETT hat sich detaillierter mit der Desinformation der Konzernmedien im Fall Lessin beschäftigt.  Hier gehts zum Artikel→