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wdrWer den aktuellen Diskurs über die Lügenpresse beobachtet, wird feststellen, dass die eigentliche Aufgabe des Journa­lismus in einer Demokratie, als vierte Gewalt die Mächtigen zu kontrollieren, oftmals gar nicht thematisiert wird. In der Regel sitzen die Vertreter der Lügenpresse selbst auf dem Podium, beklagen in verlogener Art und Weise den bösen „Nazibegriff“, der kein Nazibegriff ist, geben sich ein bisschen einsichtig und reflektiert, aber weisen die unter anderem hier im Blog nachgewiesene systematische Desinformation im Sinne der Eliten vehement zurück – wenn diese überhaupt zur Sprache kommt.

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Um den Zustand der westlichen Medien und den aktuellen Diskurs angemessen beurteilen zu können, sollte man sich also zunächst einmal die Aufgabe und Funktion von Medien und Journalismus in unterschiedlichen Gesellschaftsformen anschauen und wird dann sehr schnell feststellen, dass die Lügenpresse-Diagnose auf die dahinter verborgene, gesellschaftliche Krankheit verweist.

Auch in einer nicht auf rohe Gewalt und Unterdrückung aufgebauten Diktatur müssen die Bürger irgendwie gefügig gehalten werden, um die Herrschaft, Pfründe und finanziellen Vorteile der Eliten nicht zu gefährden. Das Niederknüppeln von Protest, eine Herrschaft, die auf Angst basiert, ist eine offene Diktatur und provoziert geradezu den Widerstand der Massen, je schamloser sie ans Tageslicht tritt. Es liegt also nahe, dass jene, die Macht und Vermögen sichern und mehren wollen, schon in der Vergangenheit nach anderen Wegen suchten, wie sie ihre Herrschaft sichern konnten.

Wie Noam Chomsky es treffend beschrieb, ersetzten sie gewissermaßen den hölzernen Knüppel durch einen Knüppel aus Papier. Was durchaus fortschrittlich war.

Propaganda is to a democracy what the bludgeon is to a totalitarian state.

Propaganda hat in einer Diktatur die Aufgabe, Menschen gefügig zu halten und das System zum Vorteil der Eliten zu stabilisieren. Das geht am besten, indem man nach Innen einen virtuellen Ponyhof errichtet und außen Feindbilder erschafft, gegen die die Gesellschaft einig zusammenstehen muss. Wer in dieser ganz bewusst errichteten Bedrohungslage ausschert, bekommt den Knüppel zu spüren. Auch wenn der nur aus Papier ist, kann er Existenzen vernichten und vor den Augen der Massen abschreckende Exempel statuieren.

Das Perfide: Während der Knüppel aus gedrechseltem Holz Mitleid und Solidarisierung der Massen mit den Opfern hervorrufen kann, bewirkt die Propaganda gerade das Gegenteil, dass es nämlich die Massen selbst sind, die sich auf die Gegner der Eliten stürzen, weil man den Massen eingeredet hat, diese Menschen seien ihre Feinde. Wie das in Deutschland funktioniert, haben die Mainstreammedien mit ihrer Hetze gegen „faule Griechen“ oder streikende Gewerkschafter (GdL) vorgeführt.

Die Herrschaften im (und vor allem hinter dem) Reichstag müssen heute keine Polizei schicken, um aufmüpfige Freidenker wie Xavier Naidoo vor laufenden Kameras niederzuknüppeln – was eine Solidarisierung mit ihm zur Folge hätte. Sie schicken ihre Hetzer aus der ARD, lassen ihn öffentlich diffamieren und es findet sich genug dummer Pöbel, der sich manipulieren, animieren und dazu aufhetzen lässt, um auf den Häretiker einzuschlagen.

So funktioniert westliche „Demokratie“. Neben der Schaffung innerer (LINKE, AFD, etc.) und äußerer Feindbilder (Putin, Assad, etc) mit Hilfe von Propaganda und Desinformation, ist die Desinformation über die wahren Verhältnisse im eigenen Land eine zweite wichtige Säule dieser Herrschaft. Die Massen müssen bei Laune gehalten werden (Sport, Unterhaltung, Zerstreuung) und vor allem sollen sie nicht die wahre Natur der eigenen Gesellschaft erkennen, denn die größte Lüge überhaupt, so groß, dass die Masse der Schafe sie gar nicht zu denken wagt, ist die Lüge von der „Demokratie“.

Als wir hier vor 3 Jahren begonnen haben, Desinformation und Propaganda über den Krieg in Syrien zu dokumentieren, war noch nicht wirklich abzusehen, mit welcher Rasanz das Thema an (trauriger) Bedeutung gewinnen würde. Seitdem sahen wir einen vom Westen inszenierten gewaltsamen Putsch in der Ukraine, der den Schafen als „Demokratisierung“ verkauft wurde. Wir sehen tägliche Hetze gegen das wiederbelebte Feindbild Moskau, eine auseinanderbrechende EU, Flüchtlingskrise und islamistischen Terror in Europa.

All das müssen die Staats- und Konzernmedien den Bürgern täglich irgendwie verkaufen, ohne dass diese die wahren Ursachen und Hintergründe erkennen und verstehen. Insbesondere die von der Regierung kontrollierten Staatssender ARD und ZDF haben ihre liebe Not damit, die Schafe zusammen und hinter der Regierung zuhalten. Je schärfer sie ihren Knüppel aus Desinformation und Propaganda einsetzen, desto mehr Schafe gehen ihnen heutzutage verloren, denn diese können sich seit geraumer Zeit auch abseits der politischen und wirtschaftlichen Eliten informieren und organisieren und wer das macht, stößt recht schnell auf Widersprüche und erkennt früher oder später, dass er sein Leben lang manipuliert und für dumm verkauft wurde.

Selbstproduzierte Krisen – und mit nichts anderem haben wir es aktuell zu tun – sowie die Erkenntnis, dass ihnen immer mehr Schafe von der Stange gehen, haben die Staatsmedien alarmiert. Schon lange wird die deutsche Öffentlichkeit über westliche Kriege und Verbrechen systematisch und mit allen Methoden der Propaganda bis hin zu offenen Lügen desinformiert. Da das aber noch nicht ausreicht, greift man zu einer weiteren Methode und verabreicht gezielte Sedativa. Das (verräterische) Stichwort heißt: „konstruktiver Journalismus“.

Konstruktiver Journalismus ist eine Strömung im Journalismus, die Prinzipien aus der positiven Psychologie in den Journalismus einbezieht. Konstruktiver Journalismus will über „positive Entwicklungen“ berichten, um ein „einseitiges negatives Weltbild“ bei den Lesern zu verhindern. Probleme sollen dabei nicht ignoriert, sondern um die „Diskussion möglicher Lösungsansätze“ erweitert werden. (wikipedia)

Der „konstruktive Journalismus“ stammt aus dem skandinavischen Raum, wurde insbesondere durch ein Buch von Ulrik Haagerup bekannt und in den vergangenen Monaten mehrfach in Magazinen und Nachrichtensendungen von ARD und ZDF positiv beworben.

Bild anklicken, WDR!

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Regelmäßig werden zur Begründung und Rechtfertigung des „konstruktiven Journalismus“ Beschwerden von Medienkonsumenten vorgeschoben, die die Nachrichten zu negativ finden. Unbehagen angesichts von Krisen und eigener Ohnmacht ist die zentrale Begründung: Bürger hören schlechte Nachrichten und sind verunsichert.

„Millionen Leser, Hörer und Zuschauer kehren den alten Medien den Rücken. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Menschen krank und müde vom negativen Bild der Welt sind, das die Journalisten ihnen präsentieren. Die meisten Nachrichten-Storys sind reduziert auf Konflikt, Drama, Verbrecher und Opfer. Sie nützen weder der Presse und dem Journalismus noch den Gesellschaften, denen wir, die Medienleute, zu dienen behaupten…“ (Ulrik Haagerup)

Was ist die Antwort der Medien? Wir – die Journalisten – drängen jetzt angesichts der Krisen nicht umso stärker auf eine Bekämpfung der Missstände, weil dieses unausweichlich auf die Untaten unserer Eliten zurückführen würde, sondern wir Bekämpfen das negative Gefühl der Bürger, indem wir ihnen konstruktive Nachrichten als Gegenmittel verabreichen.

Auch wenn Haagerup selbst sich von einem „positiven Journalismus“ absetzen und die Medien weiterhin als vierte Macht sehen will, treibt ihn doch die gleiche Motivation jener, die generell möchten, dass positiver berichtet wird.

„Dieses Buch dokumentiert, dass Constructive News weder eine Alternative zum kritischen Wachhund-Journalismus noch ein Plädoyer für harmlos positive Nachrichten sind. Dieses Buch zeigt an vielen Beispielen aus Dänemark und aus anderen Teilen der Welt, dass der umfassende Report, der Lösungen für die drängenden Probleme der Gesellschaft einschliesst, einer neuen, sinnhaften Rolle von Journalismus den Weg bahnen kann.“ (ebd)

Wer ab jetzt die Nachrichten aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass insbesondere in der Flüchtlingskrise sehr massiv mit „konstruktivem Journalismus“ – oder dem, was sich führende Journalisten darunter vorstellen – gearbeitet wird. Es gibt bei weitem mehr Berichte darüber, wie man Flüchtlinge integrieren kann, als aufklärerische – geschweige denn konstruktive – Berichte darüber, wie man die Ursachen der Flucht beseitigen könnte.

Aus den TV-Nachrichten zur besten Sendezeit der Staatssender ARD und ZDF kennen wir das Phänomen des positiven Journalismus seit langem. Der US-Präsident trällert ein Lied vor laufenden Kameras, XY hat einen Preis bekommen, der neue „Bond“ ist im Kino, etc. All das hat mit der Wächterfunktion des Journalismus nicht das Geringste zu tun, sondern dient der Sedierung und dem guten Gefühl, mit dem die Bürger ins Bett gehen sollen.

Der WDR ist seit geraumer Zeit dazu übergegangen auch in den wenigen Minuten der Hörfunknachrichten Wohlfühljournalismus zu platzieren. Meldungen, die eigentlich in Kultur- oder Wissenschaftsformaten zuhause sind, werden stündlich als „Nachrichten“ verkauft.

„Und nun noch eine Meldung…“, heißt es immer öfter am Ende der nicht einmal 5 Minuten langen Nachrichtensendungen, die ohnehin in allen wichtigen Themengebieten von Propaganda durchseucht sind. Am Biggesee gibt es immer mehr Radfahrer, Museum XY in Dortmund hat jetzt einen Spartarif und in Düsseldorf hat die Stadtverwaltung verhindert, dass ein Sack Reis umfällt…

Hier ein kurzer Zusammenschnitt aus den vergangenen Tagen:

Zeig‘ mir deine Nachrichten und ich sage dir in welcher Gesellschaft du lebst! Das ist die Quintessenz. Man muss gar nicht im Detail die tatsächliche Struktur und Organisation der Macht in einer Gesellschaft studieren, um sich ein Bild von den Herrschaftsverhältnissen zu machen. Man muss nur auf die Medien schauen.