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Aufklärung statt Propaganda

Professor Rainer Mausfeld legt in seinem grandiosen Vortrag „Warum schweigen die Lämmer?“ dar, mit welch raffinierten, wissenschaftlich entwickelten und über Jahrzehnte verfeinerten Methoden wirtschaftliche und politische Eliten die Bürger hinters Licht führen. Ihr Werkzeug sind willfährige Mainstreammedien, die über klandestine Netzwerke im Auftrag des US-Imperiums gesteuert werden.

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Staats- und Konzernmedien konstruieren dem Durchschnittsbürger eine Parallelwelt, in der die Mächtigen die Guten sind und jeder, der ihnen in die Quere kommt, zum Feindbild stilisiert wird. Verbrecherische Politik wird nicht nur aus der öffentlichen Aufmerksamkeit entfernt, sie wird wenn nötig in ihr exaktes Gegenteil verkehrt, etwa dann, wenn Regierungen mit Gewalt gestürzt und dieser Vorgang – selbst im Angesicht von Krieg und massenhaften Mordens – zu einem Akt der Demokratisierung umgedeutet wird.

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Die absurden Widersprüche, die sich aus dem Zwang zur fortwährenden Lüge und Realitätsklitterung ergeben, haben nicht nur in Deutschland das Land gespalten. Für Normalbürger, die sich in den Mainstreammedien „informieren“, ist die Welt chaotisch und politische Ereignisse erscheinen fragmentiert, unverständlich und dekontextualisiert. Wer ausschließlich deutsche Staats- und Konzernmedien konsumiert, versteht von der Welt, in der er lebt, nicht das Geringste.

Auch F. William Engdahl benutzt das Motiv der Lämmer, um sein großes Gemälde der geopolitischen Wahrheiten, die von einer allumfassenden Propaganda verdeckt werden sollen, zu visualisieren. Sein folgener Artikel – dankenswerterweise vom unermüdlichen FritztheCat übersetzt – ergänzt Mausfelds allgemein wissenschaftliche Erörterung der psychologischen Manipulationsmethoden um eben jene Wahrheiten, die Politik und Medien mit ihren täglichen Lügen und systematischer Desinformation kaschieren wollen. Plötzlich fügt sich auch für jene, die bisher nur leise Zweifel an den kruden Geschichten der Herrschaft hatten, ein Teil zum anderen.

von F. William Engdahl                                   Übersetzung: FritztheCat

Eines der bizarrsten Phänomene in einer ohnehin sehr bizarren Lage seit dem vergangenen Jahr oder länger ist die Weigerung aller führenden politischen Figuren der EU, die Wirklichkeit hinter der katastrophalen sozialen Zerrüttung offen zu diskutieren, die durch die Krise eines Zustroms von mehr als einer Million Flüchtlingen aus Syrien und anderen kriegsgeplagten Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas verursacht wurde. Die Debatte in der EU über die Flüchtlinge führt durch dieses Schweigen – oder die Weigerung, über die wahren Ursachen und mögliche Lösungen zu reden -, zu völlig absurden Äußerungen politischer Veteranen, die es besser wissen sollten. Das befördert auch die Energiekriege rund um den Globus – keine gute Entwicklung.

Die Flüchtlinge sind eine Folge von Krieg. Der Krieg ist eine Folge der Entscheidungen gewisser Erdöl- und Militärinteressen innerhalb der NATO, den Energiemarkt (Erdöl und jetzt auch Erdgas) zu erneuern oder zu erweitern. Genauso ist der Krieg eine Folge der Reaktion anderer Länder, darunter Chinas, Russlands und des Irans auf die Versuche der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder, den globalen Energiefluss zu kontrollieren. Erschwerend und in Zusammenhang damit kommt hinzu: Die Reaktion extremistischer Neonazi-Elemente in der Ukraine in Folge des US-gestützten Umsturzes 2014, diesem Energiekrieg mit Hilfe der EU aus komplett erfundenen Gründen beizutreten.

Als Resultat des Schweigens der EU-Führer entwickelt sich ein tragisches Drama, das unheimliche Anklänge an einen Roman von Thomas Harris hat: Das Schweigen der Lämmer.

Inzuchtgefahr?

Ein Paradebeispiel für die Idiotien, die sich erfahrene Politiker ausdenken müssen um ihr Schweigen über die echten, realen Themen zu rechtfertigen, ist ein jüngster Kommentar des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU).

Wolfgang Schäuble ist ein europäischer Politiker, der mehr als die meisten anderen durchlebt hat und mit Sicherheit über viele Aspekte des Lebens gründlicher als die meisten nachgedacht hat. In vielen Bereichen ist er bestimmt kein Flachdenker. Er führte 1990 Kanzler Helmut Kohl durch die umstrittene und gefährliche Wiedervereinigung, eine Zeit in der unbekannte Attentäter zwei deutsche Hauptfiguren der Vereinigung beseitigten, Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank und den Chef der Treuhand, Detlev Rohwedder und als auch Schäuble zum Krüppel wurde, aber offiziell sprach man von einem „Einzeltäter“.

Was sagt nun Schäuble zu dieser ernsthaftesten Krise und Zerrüttung seit dem Ende des 2. Weltkriegs?

In einem Interview mit der deutschen „Zeit“ wendet sich Schäuble gegen den Gedanken, dass sich Europa von dem Flüchtlingsstrom aus Nordafrika und dem arabischen Nahen Osten isolieren könnte. Er sagt: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in die Inzucht degenerieren ließe. Für uns sind Muslime in Deutschland eine Bereicherung unserer Offenheit und unserer Vielfalt.“ Dann fügte er noch folgenden seltsamen Kommentar hinzu: „Das zeige die dritte Generation der Türken in Deutschland, vor allem die Frauen. Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial!“

Der letzte und soweit ich weiß einzige deutsche Politiker, der je auf die finanzielle Wahrheit hindeutete, wer hinter der Erschaffung des IS oder Daesh steckt, sagte die Wahrheit und wurde zum Schweigen gebracht. Der deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sprach im August 2014 in einem ZDF-Interview und beschuldigte Katar der Finanzierung der Truppen des Islamischen Staats. „Man muss sich fragen, wer diese ISIS-Truppen bewaffnet, wer sie bezahlt. Das Stichwort lautet Katar – und wie gehen wir mit solchen Menschen und Staaten politisch um?“ Müller wurde danach von der Merkel-Koalition zum Schweigen gebracht.

dw_katar_merkelDeutsche Welle – 17.09.2014

Um weitere peinliche Kommentare zu verhindern, die auf die Wahrheit hinweisen könnten, wer hinter dem Geld der Terroristen in Syrien und im Nahen Osten steckt, hat Angela Merkel vor kurzem ihren BND-Chef Gerhard Schindler entlassen, wegen eines internen Memos, das unter ihm an die Presse geleakt wurde, in dem schwerwiegende Bedenken über die Rolle der saudi-arabischen Monarchie in den zunehmenden Terrorkonflikten im Nahen Osten geäußert wurde und über die Labilität des saudischen Prinzen Muhammad bin Salman, dem Verteidigungsminister und de facto König, da der Vater Berichten zufolge schwer unter Demenz leidet.

Das Schweigen der EU über die Realität der heutigen Situation mit Russland und der Ukraine ist ebenso ohrenbetäubend, genauso wie das Schweigen über die Ursache der Kriege im Nahen Osten und Libyen.

Oder das impotente Schweigen der EU-Politiker, als sie im Frühjahr 2014 mit dem bestätigten Telefonmitschnitt eines unverschlüsselten Gesprächs zwischen der im US-Außenministerium für europäische und osteuropäische Angelegenheiten zuständigen Ministerin Victoria Nuland und ihrem Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, konfrontiert wurden. Die zwei wurden auf Band aufgenommen während sie ihre Auswahl an Leuten in einem Post-Janukowitsch-Regime diskutierten. Darin erzählt sie Pyatt, bezogen auf die Vorstellungen der EU-Regierungen: „Fuck the EU!“ Das Schweigen jeder einzelnen EU-Regierung war ein verdächtiges und vielsagendes Zeichen für das zunehmende Schweigen der Lämmer. Genauso wie die sklavische und einstimmige Folgsamkeit der EU-Regierungen, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufrecht zu erhalten, obwohl die Wirtschaft der EU enorm darunter leidet. Seit den Protesten auf dem Maidan Ende 2013 hat allein die deutsche Wirtschaft im Handel mit Russland etwa $ 120 Mrd. verloren.

biden_eu_youtube– Joe Biden: „Wir haben Europa zu den Sanktionen genötigt.“ (3.10.2014)

Die tabuisierte Wirklichkeit

Was bringt intelligente Politiker wie Schäuble dazu, Unsinn über die Gefahr deutscher Inzucht und das Potenzial türkischer Frauen der dritten Generation zu verzapfen? Wichtig ist hier nicht, was die EU-Führer sagen, sondern was sie nicht sagen wollen, hauptsächlich aus Furcht vor US-Repressalien.

Worüber Schäuble, Merkel und andere quer durch Europa wohl Bescheid wissen, aber ihrem Volk nichts sagen: Seit Jahren haben die Regierung der USA, die CIA, das Außenministerium und das Pentagon, zusammen mit den gleichen Elementen in Großbritannien, in Frankreich, in Erdogans Türkei, in Saudi Arabien und Katar die eine Große (oder doch nicht so große) Strategie. Sie umfasst eine komplette globale Neuordnung des Großteils des Erdöls und Erdgas.

Die Strategie ist einfach und reicht zurück zu der kürzlich erwähnten Londoner Rede 1999 von Dick Cheney, damals CEO von Halliburton, und sogar zurück zu Cheneys „Leitlinien zur Verteidigungspolitik“ von 1992 als US-Verteidigungsminister. Eine Strategie die sicherstellen sollte, dass kein anderes Land oder Bündnis in Zukunft Amerikas Rolle als einzige Supermacht anfechten kann.

Von zentraler Bedeutung für diese US-Strategie, deren Erfinder Cheney zu sein scheint, sind nicht nur Präventivkriege, sondern oft als religiöse Kriege verkleidete Energiekriege. Um die Erdöl- und die zunehmend wichtigen Erdgasressourcen für die Nationen der Welt zu kontrollieren (zu liefern oder zu blockieren). Der Syrienkrieg wurde vor fünf Jahren durch den sogenannten arabischen Frühling angestoßen – eine Reihe von US-geleiteten Regimewechseln unter der Führung von Außenministerin Hillary Clinton – und ist ein zentraler Bestandteil dafür, wer die Zukunft der Energie und damit die Wirtschaft der 28 Länder der EU kontrolliert. Diese Entscheidung entscheidet wiederum darüber, wer die Welt kontrolliert und wer nicht. Für Cheneys Freunde in Washington ist es ein Spiel um Leben und Tod.

Der Gaspreis in der EU

Die EU ist womöglich der weltgrößte Zukunftsmarkt für Erdgas, ein Ergebnis der bereits ratifizierten CO2-Emissionsziele. Ich will hier nicht über die Wissenschaft oder den Mangel an Wissenschaft zur globalen Erwärmung streiten. Für den Weltenergiemarkt ist die rechtliche Tatsache entscheidend, dass sich die Mitgliedsstaaten auf folgendes geeinigt haben: Bis 2020 soll sich der Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 20% verringern. Bis 2030 soll sich der Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40% verringern. Alle Parteien sind sich darin einig, dass der einzig gangbare Weg zum Erreichen dieser Ziele ein massives Umschwenken von Kohle und Öl hin zu Erdgas ist. In Deutschland kommt nach Fukushima Merkels Entscheidung hinzu, die Atomenergie abzuschalten. Der sich in der EU entwickelnde Erdgasmarkt ist für die Weltenergie und nicht nur für Lieferanten wie Katar eine Goldgrube.

Auftritt Washington

Washington tritt auf die Bühne – von rechts außen.

Bis Februar 2014, bis zum US-Staatsstreich in der Ukraine, war Russland mit seinen riesigen russischen Gasfeldern und Pipelines aus der Sowjetzeit, großteils durch die Ukraine, der Hauptversorger von Erdgas für die Staaten der EU. Washingtons Ziel war und ist es, diese Gasverbindungen zwischen Russland und den EU-Staaten zu unterbrechen. Die Obama-Regierung, angeführt von Nuland und Vizepräsident Joe Biden, installierte in Kiew ein Marionettenregime und wies seine Figuren an, Zahlungen in Milliardenhöhe an Russlands Gazprom für geliefertes Erdgas zu verweigern. Sie befahlen ihren Vasallen in Kiew, einen heißen Krieg mit dem russischsprachigen Donbass in der Ostukraine anzufangen, das an Russland grenzt. Kiew gehorchte.

Dies provozierte eine strategische Krise bezüglich des lebenswichtigen russischen Marinestützpunkts im Schwarzen Meer, der verwaltungstechnisch seit Sowjetzeiten Teil der Ukraine war, aber historisch gesehen russisch und tatarisch ist. Ein Referendum, in dem sich über 90% der Bürger der Krim für einen Anschluss an Russland entschieden, diente Washington als Vorwand um die EU zu selbstschädigenden Sanktionen gegen Russland zu zwingen. Die Sanktionen richten sich gegen Schlüsselpersonen und Firmen im russischen Öl- und Gasgeschäft.

Der eskalierende und künstliche Propagandakrieg der NATO und der kontrollierten EU-Massenmedien ermöglichte es der Brüsseler EU-Kommission, bürokratische Stolpersteine zu legen, um eine zweite nicht-ukrainische Gaspipeline, South Stream, zu vereiteln.

Zusammen mit der neulich fertiggestellten Unterseeleitung von St. Petersburg nach Norddeutschland (Nord Stream) hätte South Stream die Fähigkeit Washingtons vereitelt, Gazprom über die Ukraine zu erpressen oder zu schädigen. Bulgarien, der vorgesehene Andockpunkt zur Weiterleitung nach Südosteuropa und Italien, wurde durch Brüssel dazu genötigt, aus dem Gazpromprojekt South Stream auszusteigen und im Dezember 2014 verkündete Russlands Präsident Putin, dass South Stream gestorben sei.

Jetzt sind es Bashar al-Assad in Syrien und zu geringeren Teilen der schiitisch dominierte Irak, die das Hindernis für US-kontrolliertes Erdgas in die großen europäischen Märkte darstellen.

Zurück zu 1991

Die US-Pläne gehen mindestens bis 1991 zurück. Entwickelt wurden sie von intriganten, neokonservativen Falken – unterstützt vom US Militärindustrie-Komplex, Big Oil und ihren Wall Street-Banken. Der pensionierte NATO-Viersterne-General Wesley Clark schilderte ein Treffen in Dick Cheneys Pentagon mit Paul Wolfowitz, damals Cheneys Minister für Verteidigungspolitik – die Nummer Drei im Pentagon.

„Und ich sagte: ‚Mr. Secretary, Sie müssen über die Leistung der Truppen bei Desert Storm sehr glücklich sein.‘ Und er sagte: ‚Ja, aber nicht wirklich, denn die Wahrheit ist, wir hätten Saddam Hussein loswerden sollen und wir haben es nicht getan … Aber eines haben wir (aus dem Persischen Golfkrieg) gelernt: wir können unser Militär in dieser Region – und im Nahen Osten – einsetzen, und die Sowjets werden uns nicht aufhalten. Und wir haben ungefähr fünf bis zehn Jahre Zeit um diese alten Anhängerregime der Sowjets aufzuräumen – Syrien, Iran, Irak – bevor die nächste große Supermacht entsteht und uns herausfordert‘.“

Nach der US-Invasion in den Irak im März 2003 durch die Cheney-Bush-Präsidentschaft, Paul Wolfowitz sitzt wieder im Pentagon, dieses Mal um die Beseitigung Saddams und eine volle militärische Übernahme durchzuführen, machte General John Abizaid eine jubelnde Bemerkung. Abizaid, der frühere Kommandeur von CENTCOM mit Zuständigkeit für den Irak, sagte: „Natürlich geht es ums Öl, es geht vor allem ums Öl, das können wir nicht verleugnen.“

Wenige werden sich daran erinnern, dass Dick Cheney noch am ersten Tag im Amt als Vizepräsident im Januar 2001 (gerade erst hatte er Halliburton verlassen, die weltgrößte Dienstleistungsfirma für Ölförderung) eine Kommission ins Leben rief, die er „Präsident Bushs Energy Task Force“ (Arbeitsgruppe für Energie) nannte. Noch weniger ist bekannt, dass sich diese Arbeitsgruppe nicht nur um die Erdöl- und Energiebedürfnisse der USA kümmerte.

Cheney lud die Chefs von Big Oil zu seinen geheimen Strategiesitzungen ein – Exxon Mobil, Chevron, BP und andere. Sie bestellten detaillierte Erdölkarten zum Irak und anderen Ländern des Nahen Ostens. Condi Rice, die Nationale Sicherheitsberaterin des Präsidenten und früheres Aufsichtsratsmitglied bei Chevron, wies ihren Stab an, voll mit Cheneys Arbeitsgruppe zu kooperieren. Als er von öffentlichen Interessensgruppen aufgefordert wurde, die Protokolle dieser Sitzungen herauszugeben, hat sich Cheney einfach geweigert, gegen US-Gesetze. Nach einem geleakten Geheimdokument des NSC lautete der Auftrag: „Überprüfung der operationellen Politik gegenüber feindlichen Staaten“, wie dem Irak, und „Maßnahmen zur Eroberung neuer und existierender Erdöl- und Erdgasfelder.“

Und das verkündete Cheney 1999 in seiner Londoner Ansprache vor dem Institute of Petroleum: „…bis 2010 werden wir zusätzlich 50 Mio. Barrel pro Tag benötigen. Und wo wird dieses Öl herkommen? Regierungen und nationale Erdölgesellschaften kontrollieren bekannterweise etwa 90% der Mittel. Öl bleibt im Grunde ein Regierungsgeschäft. Zwar bieten viele Regionen der Welt große Möglichkeiten beim Öl, aber der Nahe Osten mit zwei Dritteln der Weltölreserven und niedrigen Kosten bleibt immer noch der Hauptpreis…“

Es entsteht ein Bild von Dick Cheney als dem zentralen Weichensteller, der einem quasi geheimen Regierungsapparat vorsteht, unabhängig davon wer Präsident ist – ob G.H.W. Bush Sr. oder Clinton (Bill) oder W. Bush oder Obama. Er tut dies offensichtlich mindestens seit 1991 mittels eines Netzwerks aus der US-Regierung, der Geheimdienste und von Big Oil. Insgeheim ordnet er die Kontrolle des Weltöls und in jüngster Zeit des Weltgases neu und es gelangt in die Hände derer, die um Cheney herum sind. Das ist ein gigantisches Projekt, ein großer geopolitischer Entwurf. Er ist aber auch zum Scheitern verurteilt.

Katarisches Erdgas oder russisches?

Schnellvorlauf ins Jahr 2009. Nachdem der Erdgasmarkt der EU als der potentiell größte Gasimportmarkt definiert wurde, richteten sich die Augen aller großen Gasproduzenten auf Brüssel und die verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten als potentielle Hauptkunden. Indem sich die Pipeline-Netze und LNG-Terminals auf der ganzen Welt vermehrten, ähnelt Erdgas immer mehr dem globalen oder zumindest regionalen Erdölmarkt.

2009 enthüllte der frühere französische Außenminister Roland Dumas, dass das britische Militär eine Invasion von Assads Syrien vorbereitete.

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– Bild anklicken, YouTube!

Das war ganze zwei Jahre vor den Anschuldigungen über Massentötungen durch Assads Militär und Sicherheitstruppen, die dem von den USA unterstützten Krieg gegen Assad grünes Licht gaben. Dumas sagte im französischen Fernsehen: „Zwei Jahre vor dem Ausbruch der Gewalt in Syrien war ich in England, es ging um andere Geschäfte. Ich traf mich mit hochrangigen britischen Beamten die mir gestanden, dass sie etwas in Syrien vorbereiteten. Das war in England, nicht in Amerika. Britannien bereitete Soldaten auf einen Einmarsch in Syrien vor.“

Geleakte emails aus der privaten Geheimdienstfirma Strafor haben Notizen eines Meetings mit Vertretern des Pentagon enthüllt, dass ab 2011 Spezialkräfte der USA und Großbritanniens „das Training syrischer Oppositionskräfte weit vorangetrieben hätten. Das Ziel war damals, den „Kollaps“ des Assad-Regimes „von innen“ zu verursachen.“

Der Emir von Katar stattete im August 2009 Assad in Damaskus einen Besuch ab. Katar gehört das „North Field“, das größte Gasfeld der Erde, mitten im Persischen Golf. Der Emir schlug vor, dass Assad der Route einer katarischen Gaspipeline durch Syrien zustimmt, und von da weiter in die Türkei, um das katarische Erdgas zu den Gasmärkten der EU zu bringen.

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Kurz vor diesem Treffen in Damaskus sagte Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani, der Herrscher von Katar, nach seinen Gesprächen mit dem damaligen türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zur türkischen Presse: „Wir freuen uns auf eine Gaspipeline von Katar in die Türkei (über Syrien). Wir haben diese Dinge im Rahmen der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor besprochen. Bezüglich dessen wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die innerhalb kürzester Zeit mit konkreten Resultaten aufwarten wird.“

Assad lehnte das katarische Angebot mit der Begründung ab, „die Interessen des (seines) russischen Verbündeten zu schützen, der Europas Hauptlieferant für Erdgas ist.“ Das war der Auslöser der NATO-Entscheidung, das Assad-Regime nach dem Modell Libyens ab 2011 militärisch zu zerstören.

Was Cheneys lang geplanten Nahost-Energieplan noch schlimmer machte: Im darauf folgenden Jahr 2012 begann Assad Verhandlungen mit seinem Nachbarn Irak, Cheneys ursprünglichem Ziel einer militärischen Besetzung der Ölfelder, und mit dem Iran, dem Albtraum Amerikas. Das katarische Erdgasfeld ist Teil des größten bekannten Erdgasvorkommens auf der Welt, das sich auch auf die iranischen Hoheitsgewässer ausdehnt und dort South Pars genannt wird. Aufgrund westlicher Sanktionen ist das iranische Erdgas bisher weitgehend unerschlossen.

Iran, Irak und Syrien haben eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Konstruktion einer $ 10 Mrd. Pipeline unterzeichnet, die vom iranischen South Pars Erdgasfeld durch den Irak und durch Syrien, unter Umgehung der NATO-Türkei in den Libanon oder zu einem syrischen Hafen am Mittelmeer führen soll, um den wachsenden Erdgasmarkt der EU zu bedienen. Das wurde im Juli 2012 unterzeichnet.

Kurz nach dem Abkommen über das South Pars Pipeline-Projekt haben die drei (Syrien, Irak und Iran) einer Erdölleitung von den Ölfeldern um Kirkuk im Irak zum syrischen Hafen Banias zugestimmt. Sowohl die Kirkuk-Banias Ölleitung und die iranische South Pars Erdgaspipeline würden die Türkei und Israel außen vorlassen.

Das war der Punkt an dem Washington und die NATO beschlossen haben, ihren verdeckten Stellvertreter-“Bürgerkrieg“ zu starten. Die Kämpfe weiteten sich auf Damaskus und Aleppo aus.

Katar wäre ohne Energiereserven ein Inselhinterhof aus feudalen Scheichs, Kamelen und Falken. Seine Art des Islam ist der selbe fundamentalistische sunnitische Wahhabismus wie in Saudi Arabien, seinem einzigen Nachbar. Enthauptungen, Todesurteile für Homosexuelle, Steinigungen wegen Ehebruchs, das alles ist unter der strikten Scharia erlaubt. Aufgrund des Erdöls und Erdgas ist es auch das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt, daher ignoriert der Westen diese ganzen Dinge.

Das Land wurde von den Briten, zu dessen Territorium es vom 1. Weltkrieg bis 1971 gehörte, und später von den USA zum Ort für die wichtigste Militärbasis im gesamten Nahen Osten erkoren, in Doha.

Nur 13% der 1,8 Mio. Menschen in Katar sind katarische Bürger. Ganze 1,5 Mio. Menschen sind ausländische „Gastarbeiter“, die in der Regel unter Sklavenbedingungen arbeiten. Katar ist die Heimat der exilierten Moslembruderschaft, der CIA und dem mit der NATO verbündeten TV-Sender Al Jazeera. Kurzum: Katar ist der ideale Partner für CIA, MI6 und die NATO, um ihre Erdöl- und Erdgas-Pläne im Nahen Osten voranzutreiben.

Für das fundamentalistisch sunnitische Katar wurde der verachtete Feind, der schiitische Iran, plötzlich zu einem tödlichen Rivalen für EU Erdgasgeschäfte.

Russlands unverzeihliche Sünde

Dann trat Putins Russland in Syrien auf den Plan, zweimal wurden zusammen mit China im UN-Sicherheitsrat Resolutionen blockiert, die es den USA und der NATO (hauptsächlich über die Türkei) erlaubt hätten, eine „Flugverbotszone“ einzurichten. Das hätte zu einem raschen Sturz von Assad geführt. Das hätte zu einer Zerlegung oder Balkanisierung Syriens geführt. Und das wiederum hätte den Weg für eine Katar-Syrien-Türkei-Pipeline in die EU freigemacht. Ab diesem Zeitpunkt wurde Russland zum Hauptziel Washingtons. Putins Russland bedrohte die gesamte große US-Strategie zur Kontrolle der Welt-Energieflüsse, ob sie es wussten oder nicht.

George Friedman, der Gründer von Stratfor, oft auch „Schatten-CIA“ genannt, gab das in einem ungewöhnlichen Interview im Januar 2015 mit einer führenden russischen Zeitung zu. Friedman, zu dessen Hauptkunden das Pentagon und die US Geheimdienste gehören, sagte: „Russland hat bestimmte Schritte unternommen, die die USA als unakzeptabel betrachten. Vor allem in Syrien. Dort haben die Russen den Amerikanern gezeigt, dass sie in der Lage sind, die Prozesse im Nahen Osten zu beeinflussen … Die Vereinigten Staaten dachten, Russland wolle ihnen absichtlich Schaden zufügen. Wir sollten die Ereignisse in der Ukraine in diesem Kontext bewerten.“

Im gleichen Interview mit Kommersant beschrieb Friedman die ukrainischen Ereignisse, die im Februar 2014 zum Sturz des Regimes von Viktor Janukowitsch führten, als einen von den USA organisierten und finanzierten Staatsstreich: „Russland nennt die Ereignisse zu Beginn jenes Jahres einen von den Vereinigten Staaten organisierten Staatsstreich. Und es war fürwahr der offensichtlichste Coup der Geschichte.“

Zum Scheitern verurteilt

Die Folgen von Dick Cheneys komplett verrücktem Plan, das Erdöl und Erdgas auf der ganzen Welt zu kontrollieren, treten zu Tage. Russland hat in den letzten Tagen, nach einem kurzen syrischen Waffenstillstandsabkommen mit Washington, militärisch klargemacht, dass es den USA nicht mehr erlauben wird, weiterhin die Terroristen von Al-Qaeda (Al-Nusra Front) in Syrien zu bewaffnen. Trotz dem Flehen John Kerrys, die von den USA unterstützten „moderaten“ Kämpfer wären Seite an Seite mit Al-Nusra. Das ist jetzt als eine weitere Washingtoner Lüge entlarvt. Die Russen haben ihre Entschlossenheit demonstriert, die Terroristen zu zerstören, die in und um Aleppo und anderen wichtigen syrischen Punkten kämpfen. Egal ob „moderater“ Terrorist oder Al-Qaeda/Al-Nusra.

Die US-Bombardierung Libyens und der Versuch, die Kontrolle über den Ölreichtum dieses afrikanischen Landes zu übernehmen, wurden zu einem grandiosen Versagen. Dieses einst stabile und blühende nordafrikanische Land Muammar Gaddafis ist heute mit vagabundierenden bewaffneten Banden verseucht, die sich gegenseitig für ein Stück vom Erdölkuchen umbringen. Die USA benutzen Saudi Arabien und dessen Ölreichtum zur Finanzierung des Großen Plans in Syrien und anderswo, und es stellt sich als ein Desaster heraus. Das Königreich verbrennt rasant seine finanziellen Reserven während der Ölpreis um die 50 Dollar schwankt. Der gescheiterte und von den USA unterstützte saudische Krieg im Jemen hat Riad zu einer Lachnummer gemacht. Der frühere US- und EU-Verbündete Recep Tayyip Erdogan treibt die einst prosperierende Türkei in den wirtschaftlichen Ruin und verprellt fast alle mit seinem verrückten Drang nach absoluter, fanatischer Macht.

Besonders dramatisch: Die von den USA unterstützte ethnische Säuberung in Syrien hat Millionen in die Flucht getrieben, zuerst in die Türkei und seit dem Frühjahr 2015 in die EU, besonders nach Deutschland und Schweden. Das hat das Netz der sozialen Stabilität in der EU stark aufgerissen, es bedroht sogar die Zukunft der Europäischen Union selbst.

Das ist die ohrenbetäubende Stille aller EU-Führer, ganz besonders der deutschen Kanzlerin Merkel oder Wolfgang Schäuble. Sie alle wissen, dass diese ethnische Säuberung in Syrien und im Irak, die die Flüchtlingswelle auslöste, von Washington und von Erdogan entworfen wurde, um die US-kontrollierten Gas-Pipelines in die EU durchzusetzen, die das russische Gas verdrängen sollen. Das ist die wahre Geschichte, die von EU-Politikern wie Merkel oder Schäuble verheimlicht wird.

Im Roman von Thomas Harris beschreibt das Schweigen der Lämmer jenes Geräusch, wenn das letzte Lamm zur Schlachtbank geführt wird und kein Geblöke mehr zu hören ist. Das Schweigen im Angesicht der Wahrheit ist eine Form der Kommunikation die genauso zerstörerisch ist wie die Lügen, die zur Verhüllung des Schweigens benutzt werden. Wie Wolfgang Schäubles dämliche Äußerungen über Inzuchtgefahr und türkische Frauen der dritten Generation.

Es braucht nur einen einzigen Führer mit Zivilcourage, der die Wahrheit sagt. So einen wie Frankreichs Präsidenten Charles de Gaulle, als der ablehnte, die Sowjetunion zu dämonisieren und der 1966 Frankreich aus der NATO führte, anstatt sich Washington zu beugen und Frankreichs Schicksal unberechenbaren US-Politikern zu überlassen.


F. William Engdahl ist ein deutsch-amerikanischer Publizist, Wirtschaftsjournalist und Dozent. Er studierte Ingenieurwissenschaft und Jura an der Princeton University bis 1966 (BA) sowie von 1969 bis 1970 als Aufbaustudiengang Wirtschaftswissenschaften an der Universität Stockholm mit dem Schwerpunkt „internationale Wirtschaftsbeziehungen“. Er wurde als Wirtschaftsjournalist tätig mit dem Schwerpunkt auf Öl-, Energie- und Wirtschaftspolitik. Seine Beiträge erscheinen in einer Reihe von Tageszeitungen und Wirtschaftspublikationen wie in Asia Times, FinancialSense.com, Asia Inc., GlobalResearch (Michel Chossudovsky), 321Gold.com, Nihon Keizai Shimbun und Foresight Magazine. Außerdem publizierte er in der linken Wochenzeitung „Freitag“, im Schweizer Periodikum „Zeit-Fragen“, das vom Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis, VPM gegründet worden war, früher auch in der Wochenzeitschrift „Neue Solidarität“, der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo). Mittlerweile hat sich Engdahl von BüSo abgewandt und veröffentlicht seit 2006 nicht mehr bei Zeit-Fragen. Er lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und arbeitet dort als freier Publizist. Engdahl war 2007/08 als Dozent für Wirtschaftsenglisch an der Fachhochschule Wiesbaden beschäftigt. Er ist als Berater für den Erdölmarkt und für Wirtschaftsstrategie mit seiner Firma Engdahl Strategic Risk Consulting tätig.