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„Das Schachbrett des Teufels“

Interview mit dem Allen-Dulles-Biographen David Talbot

Markus Kompa: Die einflussreiche Illustrierte DER SPIEGEL, die in ihren ersten Jahrzehnten vom BND gesteuert wurde, zieht noch heute Zweifel an der offiziellen Version des Kennedy-Attentats ins Lächerliche. Hat Dulles gewonnen?

Talbot_SchachbrettDavid Talbot: Ja, wenn man Erfolg daran misst, wie die Industrie-Medien an ihren Glauben an den Warren-Report festhalten – dann hat Dulles in der Tat gewonnen. Der 50. Jahrestag von Kennedys Ermordung, im November 2013, war eine widerwärtige Zurschaustellung der Medien­kon­for­mität und Feigheit. Mit sehr wenigen Ausnahmen haben die Medien einfach die Gelegenheit zur Wiederholung jahrzehntelanger Lügen und Fabrikationen über den „Alleintäter“ Lee Harvey Oswald genutzt. In dieser Lawine von Des­in­for­ma­tion war jeder Hinweis auf die Arbeit des Church Committee oder des House Select Committee on Assassinations verloren, obwohl sogar das HSCA zu dem Schluss kam, dass Kennedy als Ergebnis einer Verschwörung starb. Dazu kommt die Arbeit von Hunderten hochrespektierten Journalisten und Wissenschaftlern, die gähnende Löcher in die offizielle Version bohrten.

Markus Kompa: Sie schreiben, dass Dulles mehrmals die Woche mit einflussreichen Zeitungsverlegern, Radiochefs und prominenten Journalisten speiste, was einen ausgesprochen freundlichen Umgang der US-Medien mit der CIA bewirkte. Wie reagierten die US-Medien auf das Erscheinen Ihres auch insoweit unbequemen Buchs?

David Talbot: Ja, Dulles war ein Meister im Manipulieren seiner Freunde in der Presse, zum Teil Familien, denen so führende Medieninstitutionen wie die New York Times, die Washington Post, Time-Life und CBS gehörten. Die Industriemedien setzten hier höchste Ehrerbietung gegenüber dem nationalen Sicherheitsestablishment fort, wie etwa das fast vollständige Ausblenden meines Buchs in der Presse bewies, obwohl es fantastische Besprechungen in den Zeitungen und Zeitschriften anderer Verleger und in den unabhängigen Medien erhielt. Ich bin erfreut, zu sagen, dass mein Buch trotz der Art, wie es von der New York Times ignoriert wurde, nichts weniger als ein New-York-Times-Bestseller wurde. Zum Glück kann die Kunde von Büchern wie meinem durch soziale Medien und progressive Plattformen wie die Fernsehsendung Democracy Now, Salon und Pacifica Radio die Runde machen.

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