Schlagwörter

, , , , , , ,

consortiumnews_header525

Die verblödete New York Times
von Robert Parry                                        Übersetzung FritztheCat

Exklusiv:  Ein Kolumnist der New York Times schreibt, die Amerikaner wären so „verblödet“, dass sie nicht wüssten, dass Russland vor zwei Jahren in die Ukraine „einmarschierte“. Aber Robert Parry sagt, dass diese „Invasion“ größtenteils nur in den Hirnen der Times-Redakteure und anderer Propagandisten stattgefunden hat.

Mit einer Kolumne, die sich über die politische Ignoranz der „verblödeten“ amerikanischen Menschen mokiert und über den Tod der „objektiven Tatsachen“ jammert, demonstriert der NYT-Kolumnist Timothy Egan, warum so viele Amerikaner ihren Glauben in die angeblich so faktentreuen Massenmedien verloren haben.So etwas stellt Egan einfach als Tatsache hin: „Wenn mehr als 16 Prozent der Amerikaner Ukraine auf einer Landkarte finden könnten, dann wäre es eine wirkliche große Sache gewesen, als Trump sagte, dass Russland gar nicht einmarschiert sei – zwei Jahre nachdem sie tatsächlich einmarschiert ist.“

Nytimes_hq-300x199Aber es ist gar keine „Tatsache“, dass Russland in die Ukraine „ein­mar­schierte“ – und ganz besonders ist das nicht der Fall, wenn man nicht darauf hinweist, dass die USA in Syrien, in Libyen und in viele andere Länder einmarschiert sind, wo die USA Luftschläge durchführen und am Boden „Spezialkräfte“ einsetzen. Dennoch beschreibt die NYT diese militärischen Operationen nicht als „Invasionen“.

Auch verurteilt die „newspaper of record“ (Anm.d.Ü.: Gerald Celente nennt die NYT gern „toiletpaper of record“) die US-Regierung nicht für die Verletzung internationalen Rechts. Obwohl es sich jedes Mal, wenn die US-Kräfte ohne die Genehmigung der jeweiligen Regierung oder des UN Sicherheitsrats in das Territorium eines souveränen Staates eindringen, um eine illegale Aggression handelt.

Mit anderen Worten: Die Times benutzt eine Doppelmoral, wenn sie über die Handlungen der USA oder eines ihrer Verbündeten berichtet (man beachte, dass die jüngste Invasion der Türkei nach Syrien nur als „Intervention“ bezeichnet wurde). Und dann vergleiche man, wie die Times die Handlungen der Widersacher der USA behandelt, z.B. Russlands.

Parteiisch in Sachen Ukraine

Die Berichterstattung der Times zur Ukraine war besonders unehrlich und scheinheilig. Die Times ignoriert die substantiellen Beweise, dass die US-Regierung einen gewaltsamen Umsturz des gewählten Präsidenten Viktor Janukowitsch am 22. Februar 2014 ermutigte und unterstützte. Dazu gehört ein vor dem Umsturz abgehörtes Telefonat zwischen der Vizeaußenministerin Victoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt. Darin diskutieren sie, wer die neue Regierung führen solle und wie man dabei „Geburtshilfe“ leisten könnte. (Anm.d.Ü.: leider kennen die meisten, und das sind schon wenige, nur das „Bonmot“ „Fuck the EU“)

kerry-and-nuland-b-300x200Die Times hat auch die Schlüs­sel­rolle von Neonazis und extremis­tischen Nationa­listen bei der Tötung von Polizisten und der Besetzung von Regierungs­gebäuden während des Umsturzes herunter­gespielt. Und dann hat man nach dem Coup das Gemetzel an den russischen Ukrainern verwischt. Wenn man in der Times-Berichterstattung die Rolle dieser Möchtegern SS-ler finden will, dann muss man schon die letzten Absätze in ein paar Geschichten durchsuchen, die andere Aspekte der Ukraine-Krise behandeln.

Ohne irgendwelche Zusammenhänge zu erwähnen behauptete die Times wiederholt, dass Russland in die Krim „einmarschiert“ sei, aber selt­sa­mer­weise gibt es keine Fotos von Landungsbooten an der Küste der Krim oder von russischen Panzern, die sich über die ukrainische Grenze zur Krim durchschlugen oder von Luftlandetruppen, die vom Himmel auf strategische Ziele der Krim herabschwebten.

Der Grund, warum Beweise für eine „Invasion“ fehlten, war, dass russische Truppen bereits auf der Krim stationiert waren, als Teil eines Abkommens für den Hafen Sewastopol. Das war wirklich eine sehr seltsame „Invasion“, weil die russischen Truppen bereits vor der „Invasion“ da waren und ihre Beteiligung nach dem Coup friedlich war, sie beschützten die Bevölkerung der Krim vor den Verwüstungen der Neonazis des neuen Regimes. Die Gegenwart einer kleinen Anzahl russischer Truppen ermöglichte auch die Abstimmung der Krim, ob sie sich von der Ukraine abspalten und zu Russland zurückkehren wollte, was sie mit 96% Mehrheit geschah.

140909-ukraine-nazi-02_63a0fd5c7a717bba6d7b7d5b090d91b2.nbcnews-ux-520-200-300x100In den östlichen Provinzen, die das politische Fundament von Janu­ko­witsch waren und wo viele Ukrainer gegen den Umsturz waren, kann man, wenn man will, die russische Entscheidung verurteilen, militärische Ausrüstung und womöglich ein paar Spezialkräfte zur Verfügung zu stellen, damit ethnische Russen und andere ukrainische Gegner des Umsturzes sich gegen die Angriffe der neonazistischen Azov-Brigade und gegen die Panzer und die Artillerie der Umsturz-kontrollierten ukrainischen Armee verteidigen konnten.

Eine ehrliche Zeitung und ein ehrlicher Kolumnist würden darauf bestehen, dass diese Zusammenhänge im Text vorkommen. Man würde auch negativ besetzte Begriffe wie „Invasion“ und „Aggression“ zurückweisen, es sei denn, man benutzt die gleiche Terminologie für die Handlungen der US-Regierung und ihrer „Alliierten“.

Diese Nuancen und Ausgewogenheit bekommt man bei der NYT und ihren „Gruppendenken“-Schreibern (Menschen wie Timothy Egan) nicht. Wenn über Russland berichtet wird, dann ist es Propaganda im Stil des Kalten Kriegs, Tag ein, Tag aus.

Und dieses Problem ist kein Einzelfall. Die erbarmungslose Befangenheit der NYT und eigentlich der gesamten US-Massenmedien zur Ukraine-Krise zeigt einen Mangel an Professionalismus, wie er sich sich schon in der Berichterstattung vor der Irak-Krise 2002/03 und bei anderen katastrophalen außenpolitischen Entscheidungen der USA gezeigt hat.

Ein wachsendes öffentliches Bewusstsein für diese einseitigen Massenmedien erklärt, warum sich ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung von den angeblich „objektiven“ Nachrichten verabschiedet (weil es alles andere als objektiv ist).

Ja, die Amerikaner, die über Russland und die Ukraine mehr wissen als Timothy Egan, sie wissen, dass sie von der NYT und anderen Produkten der Massenmedien nicht die wahre Geschichte erfahren. Diese nicht verblödeten Amerikaner erkennen US-Regierungspropaganda wenn sie sie sehen.


Robert Parry

Robert Parry (* 24. Juni 1949) ist ein US-ameri­kanischer Journalist, der in den Verei­nigten Staaten vor allem durch seine Arbeiten zur Iran-Contra-Affäre, damals für Associated Press und Newsweek bekannt wurde. Während des Contra-Kriegs in Nicaragua deckte er den Skandal um das CIA-Handbuch Psychological Operations in Guerrilla Warfare auf und war an der Aufdeckung des vom CIA geduldeten Drogen­schmug­gels beteiligt. 1984 erhielt er den George Polk Award in der Sparte „Nationale Be­richt­er­stattung“. (wikipedia)