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zdfSprache kann sehr verräterisch sein. Wortwahl, Akzentu­ierung und vordergründige Botschaften sagen zwischen den Zeilen oftmals mehr über einen unbedarften Sprecher aus, als er eigentlich vermitteln möchte.

Verräterisch wird es insbesondere dann, wenn derjenige, der eine Botschaft sendet, eine bestimmte Haltung verinnerlicht hat, die ihn als deplatziert und unqualifiziert für seinen Job ausweist. Wenn etwa eine Bundeskanzlerin von „alternativloser“ Politik redet oder wenn die Propagandisten der deutschen Staatssender – die laut Staatsvertrag unparteilich und unvoreingenommen sein sollten – sich Tag für Tag als Sockenpuppen von Regierung, EU, NATO oder USA entlarven, dann ist ihnen selbst dieses oftmals gar nicht bewusst, weil sie ihr verqueres Weltbild vollkommen aufgesogen haben.

Für Stefan Leifert vom ZDF ist es beispielsweise vollkommen selbstverständlich, dass er Propaganda im Sinne von EU und NATO macht. Es ist für ihn so selbstverständlich, dass er darüber gar nicht reflektiert, sich sehr wahrscheinlich auch niemals bewusst dazu entschlossen hat und vollkommen empört reagieren würde, wenn man ihm seine billige Propaganda einmal vor Augen führte. Leifert weiß nicht einmal, was objektiver Journalismus eigentlich ist, denn er hält sich vermutlich selbst für einen objektiven Journalisten und alle, die die Welt anders sehen als Bundesregierung, NATO oder USA sind in Leiferts Welt „Propagandisten“.

Wie sehr dieser NATO-Pimpf – der so typisch für die gesamte öffentlich-rechtliche Bagage ist – seine Rolle als Pressesprecher verinnerlicht hat, konnte man gestern einmal mehr in den heute-„Nachrichten“ um 19.00 Uhr beobachten.

ZDF 08.08.2016 heute 19.00 Uhr

ZDF_08082016_h19_Leifert

Stefan Leifert: „Morgen trifft Erdogan in Sankt Petersburg Russlands Präsident Putin – eine gezielte Provokation …“

Schauen wir kurz, was eine „Provokation“ ist:

Provokation (v. lat. provocare ‚hervorrufen‘, ‚herausfordern‘) bezeichnet das gezielte Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen. Hierbei agiert der Provokateur bewusst manipulativ oder unbewusst in einer Weise, dass die provozierte Person oder Personengruppe ein tendenziell erwünschtes Verhalten zeigt. (Wikipedia)

Das wirft sofort die Frage auf: Wen will denn der türkische Präsident in Leiferts Welt aus Propaganda und Meinungsmache „provozieren“, etwa das ZDF? Nur dann wäre diese freche Behauptung erlaubt, denn dann würde Leifert hier als Sprecher des Mainzer Senders agieren – was durchaus legitim wäre, wenn es mit Redaktion und Leitung abgestimmt wäre. Die Vorstellung aber, Erdogan wolle das ZDF provozieren, ist genauso grotesk wie die Vorstellung, Leifert selbst hätte Grund, sich provoziert zu fühlen. Wen also will denn der türkische Präsident „provozieren“?

Tatsächlich meint Leifert natürlich, dass sich die NATO provoziert sieht oder provoziert sehen könnte, denn er hat seine Rolle als Pressesprecher der NATO so vollkommen verinnerlicht, dass er das gesamte Weltgeschehen ganz selbstverständlich aus Sicht dieses US-gesteuerten Militärbündnisses betrachtet und beurteilt. Das geht so weit, dass Leifert dem türkischen Präsidenten abspricht, mit seinem Besuch in Russland vitale türkische Interessen zu vertreten (Terrorbekämpfung, Turkish-Stream, Handel, Tourismus,…) und ihm rotzfrech unterstellt, diesen Besuch abzustatten, um die NATO „gezielt zu provozieren“.

Eindeutiger, als Leifert es hier vorführt, kann man sich kaum als Propagandist entlarven – das gilt zumindest für jemanden, der eigentlich gezwungen wäre, wenigstens den Anschein eines seriösen Journalismus zu wahren.