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„Verschwörungstheoretiker“, „Diktator“, „Regime“ – das Arsenal pejorativer Attributierungen als Teilbereich der Propaganda ist unerschöpflich. Das politische Wording dient der Markierung, Diffamierung und Delegitimierung äußerer und innerer Gegner.

Eines der aktuell beliebtesten Wordings deutscher Mainstreammedien – ins­be­son­dere der Staatssender ARD und ZDF – ist das perfide Wort „umstritten“. Perfide deshalb, weil es einerseits eindeutig abwertend konnotiert ist und andererseits so indifferent daherkommt, dass es auf alles und jeden angewendet werden kann.

In Wahrheit ist jeder politische Akteur „umstritten“. Das gilt für Merkel genauso wie für Obama, Putin oder Kim Jong-Un und das ist zwangsläufig so, weil Politiker niemals eine Politik vertreten, die von allen Bürgern begrüßt wird.  Man wird aber in der Propaganda der Mainstreammedien keine „umstrittene Bundeskanzlerin Angela Merkel“ finden. Selbst in der Frage, der in ihrer eigenen Partei höchst umstrittenen Flüchtlingspolitik, vermeiden die Staatsmedien den Begriff so gut es geht, denn ihre Aufgabe ist es, die Schafe beieinander und hinter der Regierung zu halten. Das Eingeständnis, dass die Politik der Regierung umstritten ist, könnte aber weitere Schafe ermutigen, sich von der Herde zu entfernen.

Der Kampfbegriff „umstritten“ kommt also immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, die Gegner der Regierung und ihrer Politik in eine abseitige Ecke zu stellen. Die AfD ist eine umstrittene Partei, die Führung der AfD ist umstritten und innerhalb der Führung der AfD ist Frauke Petry umstritten. Die politischen Forderungen der AfD sind sowieso generell umstritten.

Wie unsachlich, politisch motiviert und im Sinne der Regierung dieses Wording in den Staatssendern ARD und ZDF verwendet wird, zeigt das Beispiel Boris Johnson. Der ehemalige Bürgermeister von London ist in Großbritannien ein ausgesprochen beliebter Politiker und wurde in den deutschen Medien auch in der Regel so dargestellt – bis er sich für einen Brexit stark machte und dieses politische Ziel am Ende auch erreicht hat. Da ihm ganz offenkundig die Mehrheit der Briten in einem Referendum gefolgt ist, wäre es vollkommen widersinnig anzunehmen, dass seine Beliebtheit dadurch gelitten hätte.

In der Propaganda der deutschen Lügenpresse sieht das allerdings ganz anders aus. Noch im Mai diesen Jahres war Boris Johnson für die ARD tagesschau ein „populärer Politiker“.

tagesschau.de 07.05.16

tagesschau.de 07.05.16

Mit seinem Brexit-Erfolg wurde Johnson zum Feindbild für die Prostituierten in den deutschen Staatssendern. Am 1. Juli frohlockte die tagesschau über „Spott und Häme“, die sich über Johnson ergießen würde – ungeachtet der Tatsache, dass dies ganz sicher nicht die Meinung der Mehrheit der Briten widerspiegelte, sondern die einer kleinen Minderheit, die aber damit auf Linie der deutschen Regierung war. Die Freude der Anhänger des Brexit – der Mehrheit der Briten – wurde hingegen in der medialen Desinformation nahezu komplett ausgeblendet

tagesschau.de 01.07.16

tagesschau.de 01.07.16 Meldung und Video

Spott und Häme blieben deutschen Politikern und ihren Maulhuren jetzt im Halse stecken, als Boris Johnson zum britischen Außenminister berufen wurde und damit – trotz eines eigens eingerichteten Brexit-Ministeriums – sehr wahrscheinlich an führender Position die Modalitäten des Ausstiegs mit der EU verhandeln wird. Wir werden deshalb – so viel ist sicher – in den kommenden Monaten eine massive Kampagne gegen die Person Boris Johnson sehen, wie wir sie von der Hetze gegen Putin, Varoufakis, oder auch GdL-Chef Weselsky kennen. Die Aufgabe dieser Hetze ist es, die Person zu delegitimieren und zu schwächen, um die Politik Berlins mit der Macht der veröffentlichten Meinung durchzudrücken.

Einen Vorgeschmack auf diese Kampagne lieferte die ARD bereits in den Hörfunknachrichten und im Morgenmagazin. Im WDR ist Boris Johnson – und damit sind wir zurück beim Wording – in den stündlichen Nachrichten jetzt plötzlich ein „umstrittener“ Politiker. Wohlgemerkt trotz (und wegen) seines großen Erfolgs beim Brexit-Referendum. Wie oben gezeigt kann man aber „umstritten“ auf alles und jeden anwenden und diese Form der Diffamierung hätte in seriösen Nachrichten, zu denen der WDR auf dem Papier verpflichtet wäre, nicht das Geringste verloren.

„Die neue britische Premierministerin May hat ihren Landsleuten versprochen, eine soziale Politik zu betreiben. Bei der Kabinettsvorstellung sorgte sie für eine Überraschung: Der umstrittene Brexit-Wortführer Boris Johnson wird neuer Außenminister.“

Im ARD Morgenmagazin legte sich dann auch bereits die erste Maulhure der Bundesregierung so richtig ins Zeug.

ARD_140716_Moma_Johnson

Bild anklicken, ARD-Mediathek!

Christiane Meier: „Natürlich freut man sich hier über den schwarzen Humor der Briten, die denjenigen zum Außenminister machen, der Großbritannien quasi verzockt hat mit seiner Spielermentalität…“

Eine Spielermentalität  haben Prostituiertenmentalitäten wie Meier auch bereits David Cameron und Yanis Varoufakis nachgesagt. Auch das ist nichts anderes als Diffamierung und Delegitimierung und auch im Falle Griechenlands war der Hintergrund ein demokratisches Referendum.


Bevor sich wieder jemand über das Wording hier im Beitrag beklagt,
bitte erst darüber nachdenken, warum das hier ebenfalls praktiziert wird!