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Vergangenen Sonntag kamen bei einem verheerenden Anschlag in einem Land, das von den USA und Großbritannien 2003 mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Chaos und Terror gebombt wurde, mehr als 200 Menschen ums Leben. Aus Sicht von ARD und ZDF – das geht aus ihrer Berichterstattung zweifelsfrei hervor – handelt es sich bei den irakischen Opfern um Untermenschen, deren gewaltsamer Tod nicht nur eine Lappalie, sondern auch selbst verschuldet ist.

Hunderte Zivilisten im Irak sind weniger wert als eine Handvoll Polizisten in den USA

Weil das Leben von Irakern – genauso wie beispielsweise das von Afghanen, Pakistanis, Libyern, Syrern oder Russen – für die rechtmäßigen Erben von Joseph Goebbels nichts zählt – es sei denn man kann ihre Leichen zur Rechtfertigung weiterer eigener Verbrechen propagandistisch ausschlachten -, werden Terroranschläge gegen diese Menschen zweiter Klasse regelmäßig in den Hauptnachrichten der Staatssender verschwiegen, in dürren Worten abgehandelt oder den Opfern wird auch noch die Schuld an ihrem Elend in die Schuhe geschoben.

Wenn hingegen in jenem verbrecherischen Imperium, das den Irak ins Chaos bombte, das Deutschland nach wie vor besetzt hält, das deutsche Medien kontrolliert, die deutsche Bevölkerung überwacht und deutsche Politik zum Schaden der deutschen Bevölkerung erpresst und korrumpiert, wenn in jenem Heimatland von Sklaverei und Rassismus 5 Polizeibeamte getötet werden, dann bricht in den öffentlich-rechtlichen Propagandabordellen (genauso wie in den privatwirtschaftlichen) servile Hektik aus.

Der Terroranschlag in Bagdad mit über 200 Toten am vergangenen Wochenende wurden in den Hauptnachrichten der ARD an dritter Stelle abgehandelt, nach exzessiven Berichten über Fußball und den neuesten – von der US-Besatzungsmacht erzwungenen – Aufrüstungsplänen der Bundesregierung. Die dadurch vermittelte Botschaft, dass es sich bei Irakern – weil sie nicht Mitglied der NATO oder EU sind und die Opfer obendrein einfache Bürger – um eine Form politisch unwerten Lebens handelt, ist absolut unmissverständlich.

Im ZDF schob Uli Gack diesen Opfern des politischen Terrors einen Tag später auch noch ganz schamlos eine Mitschuld in die Schuhe. Sie seien „der Propaganda der Regierung“ aufgesessen, die ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt hätte.

ZDF 04.07.2016 heute 19.00 Uhr

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Petra Gerster: „Uli Gack in Kairo, wie ist denn diese immens hohe Zahl der Toten zu erklären?“

Uli Gack: „Ja, die Menschen hatten ein vollkommen falsches Sicherheitsgefühl. Es waren viel mehr auf den Straßen als beispielsweise vor drei Wochen. Die Propaganda der Regierung, dass eben nichts mehr passieren kann, seit man Falludscha eingenommen hat, seit der IS so gut wie geschlagen ist, hat die Leute in einer falschen Sicherheit gewogen. So einfach kann man die Sache sagen.“

Während also am vergangenen Wochenende ein verheerender Terroranschlag im 3200 Kilometer (Luftlinie Berlin) entfernten Bagdad gegen hunderte irakische Zivilisten in ARD und ZDF als Nebensächlichkeit abgehandelt wurde, löste die Erschießung von fünf US-amerikanischen Polizisten im 8400 Kilometer entfernten Dallas bei den aus Washington gesteuerten Propagandisten der deutschen Staatssender wieder mal einen Großalarm aus.

In allen abendlichen Hauptnachrichtensendungen von ARD und ZDF, tagesschau, tagesthemen, heute und heute-journal, waren die erschossenen Polizisten in Dallas Hauptthema und wurden an erster Stelle in ausgiebigen Berichten, Interviews und Stellungnahmen aus der Politik abgehandelt. Da das aber den verantwortlichen Redaktionen nicht ausreichte – immerhin handelt es sich um tote US-Amerikaner und Exekutivkräfte des dortigen Regimes -, wurden in beiden Staatssendern Sondersendungen ins Programm genommen, die keinerlei nennenswerte zusätzlichen Informationen liefern konnten, sondern einzig und allein den Zweck hatten, die Bedeutung des Ereignisses noch einmal ausdrücklich hervorzuheben und vor allem, um in der deutschen Bevölkerung eine besondere Betroffenheit und Verbundenheit mit den Opfern zu implementieren. Eine Verbundenheit, die man den aus Sicht von ARD und ZDF minderwertigen Opfern im Irak, Syrien und anderen Ländern verwehrt.

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Was wir hier sehen ist – abseits des für diese Gewalt ursächlichen ethnischen Rassismus in den USA – ein politischer Rassismus der US-kontrollierten Medien, der den Wert eines Menschenlebens zwar nicht nach Hautfarbe, Religion oder Ethnie bewertet, aber doch nach ihrer geopolitischen Zugehörigkeit und sozialen Stellung. Dieser politische Rassismus hat eine Hierarchie, in der Mitglieder der „westlichen Wertegemeinschaft“ grundsätzlich über all jenen stehen, die nicht zu Europa, EU oder NATO gehören. Innerhalb dieser grundsätzlichen Unterscheidung gibt es weitere Klassenunterschiede, die das Leben des Polit- und Geldadels – und der seiner herrschaftssichernden Lakaien (Polizei, Soldaten, Journalisten, Staatsdiener) – über das der einfachen Bürger stellt.

Auf der untersten Stufe menschlicher Existenz befinden sich nach dieser – durch die Mainstreammedien vermittelten – Bewertung die einfachen Bürger in jenen Staaten, die sich noch nicht der US-Hegemonie unterworfen haben. Sie sind für die westliche Propaganda ausschließlich Objekte zur Manipulation der öffentlichen Meinung. Politischer Mord an ihnen wird nur dann in den westlichen Medien Erwähnung finden, wenn er propagandistisch ausgeschlachtet werden kann oder wenn es aufgrund der Dimension gar nicht mehr anders geht.

Auf der obersten Stufe stehen die politischen Führer der westlichen Welt in der Rangfolge ihrer Nähe zu den USA. Der Mord an den Polizisten in Dallas – nach allem was man bisher weiß ein Backlash auf den ethnischen Rassismus und die mörderische Außenpolitik der USA (der Täter wurde von der US-Army zum Töten ausgebildet) – ist zwar in Qualität und Quantität verglichen mit dem Verbrechen im Irak eine Kleinigkeit, wird aber in den Medien vergleichsweise exzessiv ausgewalzt, weil es sich bei den Opfern um jene handelt, die das US-Herrschaftssystem nach innen absichern.

Falls es jemand nicht mitbekommen haben sollte: Gestern starben erneut 40 (!) Iraker bei einem Terroranschlag in Balad. Die tagesschau versteckt diese aus ihrer Sicht minderwertigen Opfer in einer Kurzmeldung und die ZDF heute-Nachrichten um 19.00 Uhr verschwiegen sie komplett.