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zdf_80Monsanto als einen „umstrittenen“ Konzern zu bezeichnen,  ist noch eine maßlose Untertreibung. Weltweite Demonstrationen, Gerichtsverfahren, krebsverdächtige Produkte wie Glyphosat und massenhaft Selbstmorde von Bauern, die durch den Konzern in den Ruin getrieben wurden, sind nur einige Folgen und Facetten des perversen Geschäftsmodells des US-Multis, der sich immer wieder gentechnisch manipulierte Pflanzen patentieren lässt, in deren Zucht und Kultivierung Generationen von Landwirten zuvor Schweiß und Mühsal investiert haben.

Der Propagandasender ZDF hält es in keinster Weise für nötig, auch nur auf einen Bruchteil der Kritik zu verweisen, als er gestern vermeldete, dass der Bayer-Konzern Interesse hat, Monsanto zu übernehmen. Stattdessen sendete man einen grotesken Werbefilm, wie ihn Bayer wohl selbst nicht anders produziert hätte, um die eigenen Aktionäre zu überzeugen.

ZDF 19.05.2016 heute 19.00 Uhr

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Sievers: „Einer der wichtigsten Produzenten von Glyphosat ist Monsanto und gerade den will der deutsche Chemie-Konzern Bayer möglicherweise kaufen, obwohl es viel Kritik an dem US-Unternehmen gibt. Wegen Glyphosat, aber auch weil Monsanto führend in der Gen-Technik bei Nutzpflanzen ist, was die Firma wirtschaftlich besonders interessant macht.“

Die Kritik gibt es selbstverständlich nicht, weil „Monsanto führend in der Gen-Technik“ ist, sondern sie entzündet sich daran, wie Monsanto mit der Gen-Technik Geschäfte macht. Aber das ist nur eine weitere rotzfreche Lüge des Christian Sievers. Warum Monsanto tatsächlich in der Kritik steht, wird auch im folgenden „Beitrag“ mit keinem Wort erwähnt. Es folgt stattdessen ein Lobgesang von Christine Elsner und Rolf Markert auf den US-Konzern und die möglichen Vorteile für Bayer.

Sprecherin: „Spritzen für den Pflanzenschutz. Mit dem Wirkstoff Glyphosat macht der US-amerikanische Konzern Monsanto ein Milliardengeschäft. Ein Grund, warum sich Bayer für den amerikanischen Konkurrenten interessiert. Immerhin betrüge dann der gemeinsame Marktanteil bei Pflanzenschutzmitteln 28%. Monsanto ist aber auch der weltweit führende Anbieter von gentechnisch verändertem Saatgut. Unter anderem von Soja und Mais. Das wäre für Bayer ein enormer Gewinn. Obwohl die Übernahme für Monsanto längst nicht beschlossen ist hätte sie für Bayer große Vorteile. Etwa: Zugriff auf das Wissen über genverändertes Saatgut, Nutzung der Patente und Märkte in den USA, Asien und Europa. Experten sehen für Bayer in einer möglichen Übernahme auch große Vorteile mit Blick auf das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP.“

Oliver Roth („Kapitalmarktstratege der Oddo Seydler Bank“): „Also Monsanto hat natürlich keinen guten Leumund, aber das hängt damit zusammmen, dass in Europa die Standards eben sehr hoch sind und genmanipuliertes Saatgut eben nicht erlaubt ist. Aber wenn innerhalb des Freihandelsabkommens zwischen Europa und des USA das erlaubt wird, dann würde daraus ein Riesenmarkt Europas entstehen und das würde sich natürlich langfristig für Bayer auszahlen.“

Sprecherin: „Die Anleger fürchten ums Image und sehen einen Zusammenschluss kritisch. Die Bayer-Aktie heute mit deutlichen Verlusten.“

Tja, offensichtlich haben die Aktionäre nicht den PR-Beitrag des ZDF gesehen, sonst hätten sie wohl eifrig eingekauft. Es gab tatsächlich im gesamten Beitrag und Anmoderation nicht einen einzigen Kritikpunkt. Nur indirekt wird erwähnt, dass Monsanto keinen guten Leumund hat, aber womit sich dieser schlechte Ruf begründet, das müssen sich die Zuschauer schon selbst denken. Dass das ZDF aber auch gar nichts mit seriösem Journalismus zu tun hat, dürfte damit langsam aber auch dem allerletzten Einfaltspinsel dämmern.