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Propaganda machen immer nur die anderen! Das ist eine der subtil wiederkehrenden Parolen transatlantischer Propaganda, die zwei Ziele verfolgt: Erstens den politischen Gegner zu dämonisieren, und zweitens beim Zeigen mit dem Finger auf die anderen, sich selbst als seriös erscheinen zu lassen.

Die dahinter stehende Doppelmoral und Verlogenheit entlarvt in Wahrheit umso nachdrücklicher die eigene westliche Propaganda, die – wie der Saker vollkommen treffend festgestellt hat – immer lächerlicher und damit durchschaubarer wird. In den letzten Tagen konnte man diese Verlogenheit – hinter der sich oftmals auch eine gehörige Portion Dummheit verbirgt – wieder einmal an zwei prägnanten Beispielen festmachen. Das eine war die weit verbreitete Titulierung der verstorbenen Margot Honecker als „Funktionärin“. Ein im politischen Kontext zumeist abwertender Begriff, der vorwiegend für sozialistische oder kommunistische Politiker reserviert ist ohne dass deren Parteikarriere einen substanziellen Unterschied zur Karriere ihrer vermeintlich demokratischen, westlichen Pendants aufweisen würde.

Eine andere Methode verlogener Dämonisierung präsentierte Thomas Reichart in den Nachrichtensendungen des ZDF. Dort mokierte er sich angesichts eines Parteitags in Nordkorea über die dortigen „Propagandaplakate“. Inwieweit diese sich von westlicher Propaganda unterscheiden sollen, könnte er wohl selbst nicht erklären.

Was ein „Propagandaplakat“ ist
und was nicht

ZDF 06.05.2016 heute 19.00 Uhr

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Thomas Reichart: „Pjöngjang am ersten Tag des Parteikongresses hat noch mehr Propagandaplakate als sonst…“

Was dieses Plakat zum „Propagandaplakat“ macht, kann Reichart natürlich nicht erklären. Die altbackene Ästhetik ist es sicher nicht und auch für den leider von Reichart nicht übersetzten Slogan wird man vergleichbaren „plakativen“ und plakatierten Unsinn auf Wahlplakaten in den sogenannten westlichen „Demokratien“ finden. Es ist also der Ort, an dem es aufgehängt wurde, der das Plakat in den Augen des Propagandisten Reichart zur Propaganda macht. Wenn aber nun ein Land wie Nordkorea mit derartig billigen rhetorischen Mätzchen in ein schiefes Licht gerückt werden muss, dann muss man die Frage stellen, ob denn dort ansonsten alles in Ordnung ist.

Beispiele für vergleichbare „Propagandaplakate“ im Westen gibt es reichlich. Allen voran Obamas preisgekrönte Wahlkampagne 2008, die sowohl in Ästhetik, als auch in der absoluten Leere ihrer Inhalte, den Plakaten der nordkoreanischen „Kommunisten“ in nichts nachsteht.

Obama_Hope

Die gleiche reduktionistische Ästhetik hat der BDI in einer Plakatkampagne aufgegriffen, mit der man anlässlich des Besuchs des US-Präsidenten und einer angekündigten Großdemo gegen TTIP Werbung Propaganda für TTIP machen wollte.

Auch Hillary Clintons Kampagne bedient sich einer vergleichbaren Ästhetik und man muss ihren Kopf nur durch das Profil Kim Jong Uns und den Schriftzug mit seinem Namen ersetzen, um sich das Plakat in Pjöngjang vorzustellen.

Und wer jetzt meint, dies seien alles nur „Werbeplakate“, die nicht wie in Nordkorea vom Staat, sondern von Kandidaten für politische Ämter aufgehängt würden, der sei daran erinnert, dass auch die Bundesregierungen Propaganda beispielsweise für „sichere Renten“ oder ihre Bundeswehr verbreitet hat und auch in Zukunft verbreiten wird.

Bundeswehr_Plakat_NeuDass „Journalisten“ des deutschen Staatsfunks wie Reichart es wagen würden, deratige Plakate als „Propaganda“ zu bezeichnen, kann man ausschließen, denn Leute wie Reichart sind eben keine „Journalisten“, sondern sie sind selbst Propagandisten, die sich – teils aus Dummheit, teils aus Verlogenheit, aber immer mit politischem Kalkül – über die Propaganda der anderen mokieren.