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Massenpsychose –
Wie Deutschlands Elite Krisen verarbeitet

…In meinem Arbeitsfeld gibt es relativ viele Schizophrene. Ob die jetzt zuerst schizophren waren, Stimmen hörten oder sich verfolgt fühlten und dann versuchten, das mit beispielsweise Heroin, kiffen oder Benzodiazepinen selbst zu therapieren, oder ob es umgedreht der Substanzkonsum war, der eine Schizophrenie ausgelöst hat, spielt für die konkrete Arbeit keine Rolle. Da geht es nur darum, möglichst viel Freiraum herzustellen und zu erhalten, in dem die Betroffenen möglichst eigenständig leben und nach Möglichkeit Veränderung gestalten können.

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Edvard Munch –
„Der Schrei“, 1910

Die, die man da auf der Straße sieht, die mit den vielen Taschen, die da so vor sich hin sprechen mit sich selbst, um die man lieber einen Bogen macht, weil sie so komisch gekleidet sind, die Nachbarin oder der Nachbar, der immer so seltsam, schon auch ein bisschen Furcht einflößend ist, die, die da immer so ohne ersichtlichen Grund aus sich herauslachen, so sieht sie aus, die Schizophrenie. Es sind die, die manchmal ihren Kopf schützen müssen, vor Strahlen, vor Gedanken, vor Stimmen, das sind sie, deren Leidensdruck enorm ist und über die man sich gerne lustig macht. Das sind sie, unsere Schizos.

Sie hören Stimmen, die nicht da sind, die sie beschimpfen, die sie kommentieren, die ihnen Dinge verbieten oder befehlen. Sie fühlen sich verfolgt, haben das Gefühl, jemand oder etwas möchte sie vernichten, ist hinter ihnen her, verrückt die Dinge in der Wohnung, treibt sie langsam und absichtsvoll in den Wahnsinn, indem sie sich schon lange befinden. Es ist ein allgegenwärtiges Phänomen, das aber an den Rand gedrängt wird. Schizophrenie ist eine häufige Störung.

Was aber, wenn eine ganze Gesellschaft oder große Teile einer Gesellschaft an Schizophrenie erkranken? Geht das?

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