Schlagwörter

, , , , , , , , , , , ,

Dringender Ratschlag an die Mainstreammedien im Falle einer Rückeroberung Rakkas

Ein weiterer Brief an die Journalisten der Mainstreammedien vom „Russlandexperten“ des BlogMire, Russell O’Phobe.

von                                                   Übersetzung FritztheCat

Liebe Freunde und Kollegen,

es liegt schon einige Zeit zurück, dass ich Euch geschrieben habe. Ihr müsst mir verzeihen, wenn dieser Brief den Eindruck vermittelt, ich wäre wütend. Wütend ist nicht das richtige Wort. Fuchsteufelswild trifft es eher.

Wie Ihr wisst, hat die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die Stadt Palmyra am letzten Wochenende von ISIS zurückerobert. Natürlich ist es deprimierend genug, dabei zuzusehen, wie die Russen etwas machen, das von den meisten Menschen „gut“ geheißen wird. Aber was mich wirklich in eine üble Laune versetzt, ist die Tatsache, dass viele von Euch tatsächlich darüber berichtet haben.


Vor ein paar Wochen habe ich noch überlegt, ob ich Euch allen schreiben und warnen sollte, was Ihr in einem solchen Fall tun solltet. Aber ich ging davon aus – im Nachhinein war es naiv –, dass Ihr alle soviel gesunden Menschenverstand hättet und es ignorieren würdet. Einfach so tun, als wäre nichts passiert.

Eine Zeit lang dachte ich, das wäre der Fall. Ich habe bei der BBC nachgeschaut und war erleichtert, dass nicht darüber berichtet wurde. Schön, dachte ich. Aber nach ungefähr einer Stunde habe ich nochmal nachgeschaut und was musste ich sehen? Da haben die doch glatt das verdammte Teil ganz oben auf den Nachrichtenticker gesetzt! Ich schaute beim „Guardian“ nach. Das Gleiche. Der „Independent“. Das Gleiche. Usw.

Einige von Euch werden sagen: „Was hätten wir sonst tun sollen? Das konnten wir kaum ignorieren.“ Meine Antwort darauf lautet: Warum nicht? Hättet Ihr alle so getan als wäre es nie passiert – und ich meine Euch alle – glaubt Ihr, es hätte jemand davon erfahren? Sicher, da gäbe es den üblichen Haufen, der sich in den sogenannten „alternativen“ Nachrichtenquellen informiert, aber was wäre das schon? Ein paar Spinner erfahren von dem großen Sieg, aber wenigstens die große Mehrheit wäre im Dunkeln geblieben. Und so sollte es sein. Aber jetzt weiß die ganze Welt davon.

Sehr Ihr nicht, was Ihr mit den Berichten darüber unseren Erzählungen angetan habt? Seht Ihr nicht, was das mit all den Geschichten über die russische Hilfe für ISIS gemacht hat? Das sieht jetzt ganz schön verlogen aus, nicht wahr? Zugegeben, das war es auch. Aber wenn Ihr Palmyra einfach ignoriert und so getan hättet, als wäre es nie passiert, dann wären wir vielleicht damit davongekommen. Arbeitet Ihr wirklich deshalb in den Medien? Die Geschichte zu zerstören, die wir alle so sorgfältig über die letzten Jahre aufgebaut hatten? Schämt Euch! Ihr nennt Euch Journalisten?

Im Gegensatz dazu habe ich das Verhalten von David Cameron, Frau Merkel und Herrn Obama bemerkt und muss es loben. Sie waren klug genug, dazu zu schweigen. Gut für sie. Ich glaube, sie haben damit mehr Verstand bewiesen als Ihr alle.

Aber genug mit der Vergangenheit, wir müssen in die Zukunft schauen und wir müssen es dringend tun, bevor die Russen kommen und auch bei der Rückeroberung Rakkas helfen. Sträubt Euch nicht! Wir wissen jetzt alle, dass das sehr wahrscheinlich ist, und wir müssen uns schnell auf eine gemeinsame Strategie für diesen Fall einigen. Ich möchte hier einige Vorschläge machen, aber ich muss darauf hinweisen, dass diese Strategien nur funktionieren, wenn wir alle mit ganzem Herzen dabei sind und eine geeinte Front präsentieren. Nur wenn wir das tun, könnten wir damit davonkommen.

Hier ist also der Notfallplan, falls die Syrische Armee mit russischer Unterstützung Rakka einnimmt und den Islamischen Staat völlig vernichtet:

  1. Wir tun, was wir schon bei Palmyra hätten machen sollen: es völlig ignorieren.
  2. Wir loben die US-geführte Koalition für den Erfolg.
  3. Wir verstärken das Thema russische Aggression und präsentieren die Rückeroberung Rakkas als ein verhängnisvolles Zeichen für die Welt.

Ich denke eine Ignorierung könnte funktionieren, aber wie gesagt nur, wenn wir eine völlig – und ich meine völlig – geeinte Front bilden. Es ist ein gutes Jahr, um schlechte Nachrichten zu verstecken. Es kommen die Olympischen Spiele. Vielleicht können wir die Spiele noch größer als sonst präsentieren, damit die Augen des Publikums auf Brasilien anstatt auf Syrien und den IS gerichtet sind. Wenn es unter Euch welche gibt, die sich bei der Nicht-Berichterstattung über die Zerstörung von ISIS unwohl fühlen, dann können sie ja einen 100 Wörter Beitrag auf Seite 36 vergraben, wenn es sein muss. Aber nichts Großes. Lasst die ganze ISIS-Sache im Sande verlaufen! Tut so, als hätte es das nie gegeben und verdoppelt Brot und Spiele!

Die zweite Möglichkeit ist meiner Meinung nach die schlechteste. Wir könnten sicher mit Photoshop ein paar US- oder UK-Flaggen in die Bilder aus Rakka hineinkopieren, aber es wird der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln sein, dass die US-Koalition mit der Syrischen Armee zusammenarbeitete, besonders nach dem ganzen „Assad muss weg“. Das wäre ehrlich gesagt ein gewagter Streich, wenn das funktionieren würde. Aber die Gefahr, dabei erwischt zu werden, ist außerordentlich hoch.

Ich persönlich bevorzuge die dritte Variante. Schaut, wir haben jetzt so lange von der russischen Aggression geredet, da ist das für die Öffentlichkeit selbstverständlich. Momentan haben wir das Problem, dass viele unserer Leser die „russische Aggression“ gutheißen, wenn damit die Vertreibung von ISIS aus Rakka gemeint ist. Unsere Arbeit bestünde nun darin, das Gerede über „russische Aggression“ ins Allgemeine zu ziehen und wir könnten Palmyra und Rakka als Ablenkungsmanöver für ihre wahren Absichten darstellen. Ich denke, das könnte funktionieren. Hier ein Beispiel dafür, was ich damit meine. Es ist der erste Absatz eines Artikels, den ich verfasst habe für den Fall, dass sie Erfolg haben:

Von Rakka bis Riga: Die Wahrheit über die russische Aggression

Auch wenn bekannt ist, dass die russische Luftwaffe bei der Niederlage von ISIS in Rakka eine kleine Rolle spielte (Anm. von Russell: beachtet das Wörtchen „klein“. Wir wollen sie nicht zu sehr loben), im Pentagon befürchtet man, dass dies nur eine Kostümprobe für das wahre Ziel Putins war: nämlich die Invasion der baltischen Republiken, Polens und möglicherweise ganz Europas. Eine ungenannte, hochrangige Quelle aus dem Militär sagte mir:

„Russlands wahres Ziel war – im Gegensatz zu den USA – nie die Zerstörung von ISIS. Es war nur ein Test ihrer Einsatzbereitschaft als Vorbereitung für einen Einmarsch nach Riga, Tallinn und Vilnius, wahrscheinlich gefolgt von Warschau und Budapest. Nur durch einen glücklichen Umstand waren sie beim Fall von Rakka vor Ort. Aber jetzt befürchten wir, dass sie ihr neu getestetes Militär gegen ihre Nachbarn verwenden. Daher müssen wir zur Abwehr ihrer Aggression die NATO-Ausgaben erhöhen.“

Was haltet Ihr davon? Glaubt Ihr, das Publikum wird es schlucken? Oder wäre es besser, wenn wir durch das Ignorieren des Ganzen keine Aufmerksamkeit auf uns lenken? Wir müssen das sorgfältig durchdenken und wir müssen uns dringend darüber einig werden. Unsere journalistischen Tage könnten gezählt sein, sollten wir versagen.

Herzlichst
Russ


PS: Seit dem Verfassen dieses Briefes befindet sich Russ O’Phobe im Krankenhaus. Aufgrund seiner Arbeit und dem geopolitischen Stress hat er ein Magengeschwür.


Mediengrundkurs Teil 1:
Die kunstvolle Anfertigung einer Gruselgeschichte über Russland

Mediengrundkurs Teil 2 :
Die Wiedererlangung der Medienhoheit

Mediengrundkurs Teil 3 :
Angstmacherei und wie wichtig es ist, die Massen über die wahre Agenda im Dunkeln zu lassen