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zdf_80Das menschliche Gehirn ist in hohem Maße plastisch und in der Lage, sich einer verändernden Umwelt anzupassen. Ständig tendiert es dazu, aus Gründen der Effektivität kleine oder größere Täuschungsmanöver auszuführen, damit wir Unmengen an Informationen verarbeiten können, um uns bestmöglich in der Umwelt zurechtfinden.

Ein bekanntes Beispiel ist der im Auge befindliche „blinde Fleck“, der zwar ständig da ist, den wir aber nicht wahrnehmen. Ein weniger bekanntes Beispiel entstammt der Hirnforschung. Setzt man Probanden eine Brille auf, die die Welt um 180° auf den Kopf stellt, führt dies zunächst erwartungsgemäß zu größerer Verwirrung und Orientierungsproblemen. Das Überraschende: setzt man die Brille dauerhaft nicht wieder ab, wird das Gehirn sich darauf einstellen und nach einigen Tagen wird der Probant sich in der kopfstehenden Welt problemlos zurechtfinden. Setzt man die Brille wieder ab, erfolgt eine neue Phase der Rückanpassung, um Wahrnehmung und Realität erneut in Einklang zu bringen.

Wer jahrelang ausschließlich mit einseitigen Informationen und Propaganda zugeschüttet wurde, wird diese Desinformation als faktisch existierende Realität wahrnehmen, weil ihm jegliche Vergleichsmöglichkeit fehlt. Wenn dann plötzlich die Perspektive wechselt, führt das im Gehirn zu erhöhter Aufmerksamkeit, Erstaunen oder im Extremfall zu echter Verwirrung. Wenn Uli Gack im ZDF heute-journal plötzlich aus Sicht von Anhängern der syrischen Regierung berichtet, dann stutzt der aufmerksame Beobachter und der plötzliche Perspektivwechsel macht die zuvor herrschende Einseitigkeit der Berichterstattung dadurch besonders deutlich.

Nach beinahe 5 Jahren westlicher Kriegspropaganda, die die syrischer Regierung dämonisierte und ihre Position komplett aus der Berichterstattung ausblendete, die gleichzeitig militante Aufständische zu „Demokraten“ erklärte und ihren bewaffneten Kampf legitimierte, um das politische Ziel des Westen, die Destabilisierung und Zerstörung Syriens, durchzusetzen, berichtete Uli Gack im Oktober vergangenen Jahres erstmalig aus Damaskus und vom dortigen Kampf der Armee gegen Terroristen des IS und anderer islamistischer Gruppierungen.

Es war ungefähr so, als hätte die deutsche Wochenschau Anfang 1943 plötzlich aus Stalingrad berichtet und aus Sicht der sowjetischen Verteidiger ihren Kampf gegen deutsche Belagerer geschildert – nur dass der Kampf der syrischen Armee gegen fanatische Islamisten bereits mehr als doppelt so lange dauert, wie der Russlandfeldzug deutscher Nazis.

Während eine vollkommen inkompetente deutsche „Verteidigungsministerin“ in der ARD-Talkshow „Anne Will“ dummes Zeug von „russischen und syrischen Bombenteppichen über Aleppo“ schwafelte – vermutlich hatte sie sich in der Tagesschau informiert und sicher nicht beim BND oder in seriösen Medien – interviewte Uli Gack in Aleppo einen Syrer, der berichtete, dass man dort gegen Terroristen von al-Nusra kämpfe, die die Stadtviertel der Regierungsanhänger mit Gasgranten beschießen.

ZDF 07.02.2016 heute-journal

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Uli Gack: Salaheddine, Regierungsseite, umkämpfter Teil Aleppos. Ganz in der Nähe kämpft die Opposition, die islamistische al-Nusra-Front [international als Terrororganisation eingestuft]. Nur diese Plane trennt die Konfliktparteien. Sie soll den Scharfschützen der anderen Seite die Sicht nehmen. Mitten im dichtbevölkerten Wohngebiet wird erbittert um jeden Straßenzug, um jedes haus gekämpft. Es ist ein Stellungskrieg mit allen Mitteln, den beide Seiten als Terror bezeichnen.“

Ahmed Gaser: Nusra beschießt uns ständig mit Gasbomben. Das gibt furchtbare Verbrennungen. Wir laufen dann dorthin, helfen den Verwundeten – was sollen wir denn tun?“

Uli Gack: „Hierher, in den Regierungsteil von Salaheddine, sind in den vergangenen Jahren Zehntausende vor den Kämpfen geflüchtet. Sie haben Sicherheit gesucht und haben Unterkunft gefunden im neuen Kampfgebiet.

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Shamsa: Mein Dorf ist zerstört. Alles ist verloren. Und hier immer Explosionen. Ich kenne Todesangst.“

Gasbomben der Terroristen und Menschen, die unter den Schutz der Regierung flüchten. Informationen, die jahrelang in der gleichgeschalteten deutschen Propaganda unterdrückt wurden.

Warum jetzt die Wende? Die Antwort ist einfach. Erstens hat der Westen sein Primärziel, Syrien zu zerstören, erreicht. Jetzt kann man in der Propaganda einlenken, um später behaupten zu können, man habe ja sehr wohl auch die andere Seite gezeigt. Zweitens bringen die Flüchtlinge Deutschland und die EU an den Kollaps und man muss nun einen Weg suchen, Assad medial zu „rehabilitieren“, da man den für dumm verkauften Menschen im Westen eines Tages womöglich erklären muss, warum „der Schlächter“ Assad bei Wahlen unter UN-Beobachtung eine Mehrheit erzielen konnte, von der Volksverräter wie Merkel nur träumen können.

Wer da jetzt aus Aleppo Richtung Türkei flieht, sollte auch jedem klar sein. Es sind Anhänger oder Sympathisanten von al-Nusra und anderen islamistischen Gruppen, die jetzt vor der syrischen Armee und russischer Luftunterstützung die Beine in die Hand nehmen. In erster Linie handelt es sich dabei um eine syrische Unterschicht, die sich vom Sturz der Regierung und einem islamistischen Staat mit finanzieller Unterstützung aus Saudi-Arabien und der Türkei ein besseres Leben erhoffte. Wenn diese „moderaten Rebellen“ demnächst in die EU strömen, bekommen die europäischen Verbrecher, die diesen Krieg als 5. Kolonne der USA mitangezettelt haben, ihre Quittung.