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PaulCraigRobertsEs gibt keine Freiheit ohne Wahrheit

by Paul Craig Roberts                                         Übersetzung von FritztheCat

02.02.2016

„Diese Verbindung aus einem gewaltigen militärischen Apparat und einer weit reichenden Rüstungsindustrie ist für Amerika eine neue Erfahrung. Diesen uneingeschränkten Einfluss – wirtschaftlich, politisch und sogar geistig – bekommt jede Stadt, jede Landesregierung, jede Behörde der Bundesregierung zu spüren. Wir erkennen die zwingende Notwendigkeit für diese Entwicklung. Jedoch dürfen wir auch nicht die schwerwiegenden Auswirkungen vergessen. Es geht auch um unsere mühselige Arbeit, unsere Geldmittel und um unsere Lebensart; und auch um die Gesellschaftsstruktur an sich. In den Gremien der Regierung müssen wir uns gegen den unberechtigten Einfluss, ob absichtlich oder unabsichtlich, des militärisch-industriellen Komplexes wappnen. Die Möglichkeit für einen katastrophalen Aufstieg von falscher Macht existiert, und sie wird weiter bestehen. Der Einfluss dieser Verbindung darf niemals unsere Freiheiten und die demokratischen Vorgänge gefährden. Wir bekommen nichts geschenkt. Nur eine wachsame und wissende Bürgerschaft kann eine richtige Vernetzung dieser riesigen Industrie- und Militärmaschine mit unseren friedfertigen Methoden und Zielen erzwingen; damit Sicherheit und Freiheit gemeinsam gedeihen können.“Präsident Dwight D. Eisenhower

Dwight D. Eisenhower war ein 5-Sterne-General und verantwortlich für die Invasion in der Normandie. Und er war ein beliebter Präsident der USA, zweimal gewählt. Heute würde man ihn einen „Verschwörungstheoretiker“ nennen.Würde Ike diese Warnung heute im Weißen Haus aussprechen, konservative Republikaner wie Senator Lindsey Graham und Marco Rubio würden aufheulen, dass Ike die Motive „der unsere Freiheit schützenden Industrie“ anzweifelt.

Neokonservative wie William Kristol würden eine Erklärung verlangen, warum Präsident Eisenhower Warnungen über unseren eigenen militärisch-industriellen Komplex ausspricht, anstatt vor der Bedrohung durch das sowjetische [sic!] Militär zu warnen.

Die presstituierten Medien würden andeuten, dass Ike auf seine alten Tage etwas senil wird. Diese Taktik haben die Presstituierten gegen Präsident Reagan angewandt, als er darum kämpfte, die Stagflation und den Kalten Krieg zu beenden.

Am 17. Januar 1961, als Eisenhower seine Warnung in seiner Abschiedsrede an das amerikanische Volk vorbrachte, da war es bereits zu spät. 15 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs hatten die Kalten Krieger den amerikanischen Steuerzahler am Haken und der militärisch-industrielle Komplex hatte „Mama und Apfelkuchen“ als meist verehrte und verinnerlichte US-Interessen ersetzt. Die Brüder Dulles managten das Außenministerium und die CIA und stürzten Regierungen nach Belieben. (Lesen Sie „The Brothers“ von Stephen Kinzer)

Der militärisch-industrielle Komplex hatte gelernt, dass sich jede noch so ungeheuerliche Budgetüberschreitung rentierte, egal wie heftig die hochrangigen Militärs protestierten. Waffenfabriken und Militärstützpunkte waren über das ganze Land verteilt und sie waren wichtige Überlegungen für jeden Senator und viele Wahlkreisabgeordnete. Vorsitzende der Militär-Ausschüsse waren bereits von den Wahlkampfspenden aus dem militärisch-industriellen Komplexes abhängig. Und sollten sie eine Wahl verlieren, dann gäbe es einen kuscheligen Job.

Der Kalte Krieg war für viele ein einträgliches Geschäft, und darum dauerte er auch so lange.

Es gab nie die Bedrohung einer Invasion Europas durch die Rote Armee. Stalin verkündete den „Sozialismus in einem Land“ und reinigte die Kommunistische Partei von Trotzki-Elementen, die die Weltrevolution predigten. Eine Übereinkunft wäre möglich gewesen, nur sah der militärisch-industrielle Komplex zum ersten Mal, dass er sein Kriegsgeschäft für Jahrzehnte und vielleicht für immer betreiben könnte.

George F. Kennan sagte voraus, sollte die Sowjetunion „morgen im Meer versinken“, dann müsste ein anderer Gegner erfunden werden. „Alles andere wäre ein unzumutbarer Schock für die amerikanische Wirtschaft.“

Als die Sowjetunion 1991 kollabierte wurde die „sowjetische Gefahr“ durch die „muslimische Gefahr“ ersetzt und auf den Kalten Krieg folgte der „Krieg gegen den Terror“. Trotz einer Reihe von False Flag-Anschlägen und Warnungen vor einem „Dreißigjährigen Krieg“ waren ein paar Tausend leicht bewaffnete Dschihadisten ein unzureichender Ersatz für die Sowjetunion mit ihren Tausenden von nuklearen Interkontinentalraketen. Irgendwie eine unbehagliche Vorstellung, dass die „einzige Supermacht auf Erden“ nicht mit ein paar Terroristen fertig wird.

Also doch wieder Kalter Krieg mit Russland. Die Propaganda ist „fast and furious“: „Putin ist der neue Hitler.“ „Russland hat die Ukraine besetzt.“ „Russland steht kurz davor, in die baltischen Republiken und Polen einzumarschieren.“ „Putin ist ein korrupter Multimilliardär.“ „Putin hat vor, die Sowjetunion neu zu erschaffen.“ Solche Anschuldigungen werden zu Schlagzeilen, auch wenn die US Militärausgaben 12mal höher sind als die russischen Militärausgaben und die russische Regierung keine hegemonialen Vorhaben verkündet.

Der Nachfolger Eisenhowers, John F. Kennedy, erkannte, dass der militärisch-industrielle Komplex eine Bedrohung war, aber er unterschätzte die Bedrohung und hat seinen Widerstand gegen den militärisch-industriellen Komplex mit seinem Leben bezahlt. Mit dieser Behauptung werde ich wie Eisenhower zu einem Verschwörungstheoretiker. (Lesen Sie Kapitel drei in Richard Cotrells Buch „Gladio, NATO’s Dagger at the Heart of Europe“. Die haarsträubende Geschichte über die Bedrohung Präsident Kennedys durch den General Lyman Lemnitzer, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs.

Verschwörungen gibt es wirklich. Es gibt mehr davon als die Leute denken. Viele Regierungsverschwörungen sind durch die Regierungen selbst bestens dokumentiert. Die offiziellen Aufzeichnungen legen die Verschwörungen für die Öffentlichkeit offen. Googeln Sie nach „Operation Gladio“ oder „the Northwoods Projects“. Diese Verschwörungen alleine sind genug, um all jene uninformierten Westler zu züchtigen, die herumlaufen und behaupten, „unsere Regierung würde nie ihre eigenen Leute töten“.

Vielleicht haben mich russische Studien in die Regierungsverschwörungen gegen das eigene Volk eingeführt. Ich erfuhr, dass die Geheimpolizei des Zaren Bomben hochgehen ließ und Menschen ermordete, um es den Rädelsführern der Arbeiterbewegung in die Schuhe zu schieben. Ich hatte diese Berichte zunächst angezweifelt, ich hielt sie für linke Agitation gegen das zaristische Russland. Jahre später fragte ich meinen Kollegen Robert Conquest vom Hoover Institut der Stanford-Universität, ob die Berichte wahr seien. Er sagte, die Berichte seien wahr, betrachtet man die Akten der Geheimpolizei des im Hoover Institut befindlichen Archivs.

False Flag-Anschläge werden von Regierungen benutzt, um geheime Vorhaben umzusetzen, die sie öffentlich nicht eingestehen können. Hätten Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney gesagt: „Wir werden den Irak und ein halbes Dutzend weiterer Länder angreifen. Damit werden wir die Vorherrschaft über den Nahen Osten ausüben, ihr Erdöl stehlen, Israel den Weg freimachen für den Diebstahl des Westjordanlands von Palästina, Steuermittel für das amerikanische Volk in die Taschen der Rüstungsindustrie umleiten und das Blut Eurer Eltern, Gatten, Kinder und Verwandten vergießen“ – selbst die amerikanischen Schlafschafe würden aufbegehren.

Stattdessen haben sie es dem Chefpropagandisten Hitlers nachgemacht und gerufen: „Unser Land wurde angegriffen!“

Im Allgemeinen kann eine einigermaßen gebildete und aufmerksame Person einen False Flag-Anschlag erkennen. Jedoch blicken wenige Menschen hinter die Aussagen der offiziellen Medien. Und diese Medien stellen keine Nachforschungen mehr an oder stellen Fragen. Sie wiederholen nur noch die offizielle Story. Daher haben nur wenige erkannt, was wirklich passiert ist, und wenn diese wenigen den Mund aufmachen, dann werden sie als „Verschwörungstheoretiker“ diskreditiert.

Diese Methode nutzt sich aber langsam ab. Es gab im 21. Jahrhundert dermaßen viele False Flag- „terroristische Anschläge“, dass jetzt Tausende von Experten als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet werden. Das 9/11 Truth Movement besteht beispielsweise aus Tausenden von Hochhaus-Architekten, Statikern, Sprengstoffexperten, Nano-Chemikern, Physikern, Feuerwehrleuten und Notfall-Kräften, Zivil- und Militärpiloten und ehemaligen hochrangigen Regierungsvertretern. Zusammen haben diese Experten weitaus mehr Wissen und Erfahrung als die 9/11 Kommission, die nichts anderes tat, als das aufzuschreiben, was ihr die Regierung erzählte. Oder NIST (National Institute of Standards and Technology), eine Ansammlung von Leuten, deren Gehälter und Karrieren von der Regierung abhängen, oder die Presstituierten, die kaum die Arithmetik beherrschen, geschweige denn die Mathematik einer kontrollierten Explosion.

Die Neokonservativen, die das George W. Bush-Regime kontrollierten, riefen nach einem „neuen Pearl Harbor“, damit sie ihre Kriege und Eroberungen im Nahen Osten beginnen können. Und 9/11 hat ihnen ein „neues Pearl Harbor“ geliefert. War das Zufall? Oder ein Golf von Tonkin-Zwischenfall? Oder ein Reichstagsbrand oder eine Bombe der Geheimpolizei des Zaren oder eine Bombe der Operation Gladio?

Der Vorwurf „Verschwörungstheorie“ wird benutzt um Untersuchungen zu verhindern.

9/11 wurde nicht untersucht. Tatsächlich haben viele Experten darauf hingewiesen, dass es absichtliche Bemühungen gab, um Beweise zu entfernen und zu zerstören, bevor sie untersucht wurden. Die Familien von 9/11 mussten ein Jahr lang harte Lobbyarbeit investieren und protestieren, bevor das Bush-Regime sich der total kontrollierten 9/11 Kommission beugte.

Der Boston Marathon-Anschlag wurde nicht untersucht. Ein Drehbuch wurde veröffentlicht und von den Medien wiederholt. Die Schießerei in San Bernadino wurde nicht untersucht. Wieder einmal ersetzte ein Drehbuch eine Untersuchung.

Der Erfolg der False Flag-Anschläge in den USA führte auch zu deren Einsatz in Großbritannien und Frankreich. Charlie Hebdo wurde nicht untersucht und die offizielle Version ergibt keinen Sinn. Die Geschichte wurde abgeschlossen und unten baumeln alle losen Enden heraus. Warum beging beispielsweise ein französischer Polizist, mit der Untersuchung des Verbrechens beauftragt, in den frühen Morgenstunden in seinem Büro Selbstmord? Und warum wurde seiner Familie der Autopsiebericht verweigert? Wohin ist diese Geschichte verschwunden? Warum hat die Polizei einen dritten Beteiligten, der ein wasserdichtes Alibi besaß, als „Fahrer des Fluchtwagens“ hervorgezaubert? Wenn die Polizei mit diesem Bandenmitglied so falsch lag, wie sieht es dann mit den anderen beiden aus, die erschossen wurden? Wie kann es sein, dass die angeblichen Täter solcher „Terrorangriffe“ immer tot sind, bevor sie reden können? Wie kann es ein, dass die einzige Sichtweise, die der Regierung ist? Wie kann es sein, dass die Menschen so leichtgläubig sind? Nach dem Golf von Tonkin, Operation Gladio usw.

Offensichtlich war Charlie Hebdo nicht ausreichend für ihre Zwecke und jetzt hat Frankreich das, was man „die Anschläge von Paris“ nennt. Ein noch unglaublicherer Vorgang – Beweise gibt es keine. Diese False Flag war zu viel für Kevin Barrett, der daraufhin ein Buch mit skeptischen Aufsätzen von 26 Personen zusammengestellt hat: „Another French False Flag: Bloody Tracks From Paris To San Bernadino“.

24 der Beiträge glauben nicht an die offizielle Version. Macht sie das zu „Verschwörungstheoretikern“? Oder macht sie das zu tapferen Seelen, die besorgt sind, dass etwas wie ein Reichstagsbrand die westlichen Bürgerfreiheiten durch einen faschistischen Polizeistaat ersetzen könnte?

Stellen Sie sich diese Frage: warum werden jene angeprangert, die versuchen die Freiheit zu schützen?

Aus welchem Grund sollte der Mitverfasser A.K. Dewdney, emeritierter Professor an der Universität von West-Ontario, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Philip Giraldi, ehemaliger CIA-Beamter und Geschäftsführer des Council for the National Interest, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Anthony Hall, Professor für Globalisierungsstudien an der Universität Lethbridge in Alberta, dessen letztes Buch von der American Library Association als eine „herausragende akademische Arbeit“ bezeichnet wurde, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Mujahid Kamran, Vize-Kanzler der Punjab-Universität von Lahore, Pakistan, ein Fulbright-Stipendiat und Empfänger zahlreicher Auszeichnungen, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Stephen Lendman, Kolumnist und Gastgeber von Progressive Radio News Hour, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte James Petras, Soziologieprofessor an der Binghampton-Universität, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Alain Soral, einer von Frankreichs bekanntesten Intellektuellen, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Aus welchem Grund sollte Robert David Steele, früherer CIA-Beamter für geheime Dienste, ein Verschwörungstheoretiker sein?

Die Huren der Neokons in den westlichen Medien, die solche Menschen „Verschwörungstheoretiker“ nennen, sind so blöd und dumm, dass sie eigentlich gar keine Meinung äußern dürften.

Liebe Völker im Westen, wenn Ihr auf den Straßen eurer Städte spazieren wollt, ohne von der Polizei angesprochen zu werden, ohne dass Ausweise verlangt werden, ohne durchsucht zu werden, zeitlos inhaftiert oder ohne ordentliches Verfahren ermordet werdet, wenn ihr eure Meinung über „eure“ Regierung und über die Verwendung der Steuergelder äußern wollt, wenn ihr aktuelle Angelegenheiten oder Persönliches diskutieren wollt, ohne von der NSA oder den örtlichen Geheimdiensten (oder beiden) überwacht zu werden, wenn ihr nach eurem moralischen Gewissen handeln wollt und gegen die Gewalt des Westens, gegen Muslime und andere von den mächtigen westlichen Interessen Geschmähte – wie die Palästinenser – protestieren wollt, wenn ihr in jener Freiheit leben wollt, die im Westen nach Jahrhunderte dauerndem Kampf errungen wurde, wacht auf, nehmt euch neben den weniger wichtigen Dingen Zeit, um zu kapieren, was man euch wegnimmt. Es ist kurz vor Zwölf. Wenn ihr nicht für Wahrheit einsteht, dann werdet ihr auch keine Freiheit haben. Denn es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit.


Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans („Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.