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Rassismus ist nicht nur, wenn Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt, sondern auch, wenn sie aus den gleichen Gründen im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft bevorteilt werden. In beiden Ausprägungen dieses Rassismus begründet die Andersartigkeit eine Sonderbehandlung, die die Minderheit von der Mehrheit systematisch normativ unterscheidet.

Auch wenn ein nett gemeinter „linker“ Rassismus sich als Gegenreaktion auf einen bösartigen „rechten“ Rassismus gründet oder gar beruft, stellt auch er ein Hindernis in der Integration dar, weil er sich auf die gleichen vermeintlichen Unterschiede im Menschsein beruft und diese damit nicht weniger manifestiert, als dies durch einen ablehnenden Rassismus geschieht. Vollständige Integration kann aber prinzipiell nur durch eine allumfassende gesellschaftliche Gleichbehandlung geschehen, die letztlich idealerweise zu einer von Stereotypen und Vorurteilen befreiten Normalisierung in der Wahrnehmung „der Anderen“ führt.

Zur Normalisierung in der Wahrnehmung gehört die simple Tatsache, dass Migranten genauso kriminell, bösartig und selbstverständlich auch rassistisch sein können, wie die Gesellschaft, von der sie aufgenommen werden möchten. Während ein bösartiger Rassismus dadurch gekennzeichnet ist, dass er unbewusst oder mit Vorsatz alle negativen Merkmale, Verhaltensmuster, Normabweichungen oder Missachtungen der Gesetze und Gepflogenheiten durch Migranten in den Fokus der gesellschaftlichen Wahrnehmung drücken will, verschließt der naive „linke“ Rassismus die Augen selbst dann, wenn die anti-sozialsten Subjekte unter den Migranten sich schwerster Straftaten schuldig machen.

In beiden Fällen ist eine oftmals ideologisch motivierte, mangelnde Bereitschaft zur Differenzierung die Ursache. Der politisch motivierte Ausländerfeind will Migranten als Kriminelle sehen und will, dass ihm andere in dieser Sichtweise folgen, um politische Entscheidungen in seine Richtung zu beeinflussen und die Zuwanderung auf ein für ihn erträgliches Maß zu begrenzen.

Auf der anderen Seite positioniert sich der politisch-ideologisch motivierte Migrantenumarmer dezidiert als Gegenpol zu dieser Ausländerfeindlichkeit, verschweigt, verharmlost oder verleugnet nicht hinnehmbare Regelbrüche und verfestigt damit genau die Fronten, die durch die ausländerfeindliche Ablehnung errichtet wurden.

Im ideologischen Kampf um die Mehrheitsmeinung spielt der naive Immigrationsbefürworter denjenigen, die Zuwanderung aus rassistischen Gründen ablehnen, auf diese Weise in mehrfacher Hinsicht in die Hände: er manifestiert die Andersartigkeit durch Vorzugsbehandlung, verhindert gesellschaftlich notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der Kriminalität (zu der die Ausweisung als legitime Sonderbehandlung von Personen gehört, die noch nicht als Staatsbürger rechtlich gleichgestellt sind) und macht sich und seine Position aus Sicht einer politisch in dieser Frage noch unentschiedenen Mitte vollkommen unglaubwürdig.

Es gibt aktuell viele schlechte Beispiele für diese Form eines „positiven“ Rassismus. Er beginnt, wenn Polizeiführungen und Medien aus bekannten politischen Gründen kriminelle Taten unter den Teppich kehren wollen, wenn die „Gefahr“ besteht, dass es sich bei den Tätern vermeintlich um (schutzbedürftige) Flüchtlinge handelt, die aber in Wahrheit nur Migranten sind, vor deren Kriminalität Einheimische und echte Flüchtlinge geschützt werden müssen. Er steigert sich, wenn diese Kriminalität – wenn sie denn nicht mehr geleugnet werden kann – dadurch relativiert werden soll, dass man die banale Tatsache, dass auch Einheimische Sexualdelikte begehen, in einem vergleichenden Diskurs in den Vordergrund rückt.

In der Bundespressekonferenz war es diesmal Tilo Jung, der – ob aus sachlicher Unkenntnis oder selbstkonstituierender Naivität – ein schlechtes Bild abgab, während der stellvertretende Regierungssprecher Streiter Selbstverständlichkeiten wiederholen musste.

BPK_Streiter_Flüchtlinge

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Im Propagandamelder hat Leser P.B. einen Kommentar eingestellt, der diese kontraproduktiven Verirrungen gutmeinender Bürger und eines linken Journalismus mit weiteren Beispielen unterfüttert.

Silvester-Übergriffe: Wie sich linke Intellektuelle in die Irrelevanz arbeiten

Linke machen – teils bewusst, teils unbewusst – die selben Propaganda-Fehler, die sie sonst anderen vorwerfen: Auslassungen, Umdefinitionen, Fokus verlagern, Relativieren, mehr Informationen für die bevorzugte Deutung usw. Vielleicht aus Furcht, dass die Leser nicht so (politisch) korrekt mit einer nüchternen Fallanalyse umgehen würde, wie die Journalisten selbst. Doch wem hilft das?

Ich würde diese Befürchtung verstehen, denn Menschen sind emotionale Wesen und Aufklärung wirkt langfristig. Doch die eigene Propaganda vom vermeidlich besseren Standpunkt aus schadet genauso wie die fremde Propaganda.

Dem Staat und der Polizei wird häufig ein blindes Auge gegenüber Rechtsradikalen vorgeworfen. Nur: Inwiefern haben Linke selbst ein blindes Auge? Gegenüber Kriminalität von Menschen mit Migrationshintergrund?

Wenn der der Kompass und Fokus bei Vorfällen wie dem aktuellen verloren geht oder Komplexität gar auf den eigenen ideologisch gewünschten Fokus reduziert wird, dann erkennen die Leser das vielleicht nicht sofort. Doch die Menschen spüren das – und wenden sich ab.

Es hilft weder den Frauen die Opfer sexueller Übergriffe wurden, noch den Frauen die sich davor schützen wollen, noch den friedliebenden Menschen mit Migrationshintergrund, noch den anderen Bürgern oder gar der Linken.

Zu befürchten ist: Am Ende hilft es nur den Tätern und den Rechtsradikalen.

Beispiele:

– Thema ausblenden

 – der Mainstream (mit seinen laut Uwe Krüger hptsl. rot-grün-wählenden Journalisten), der bei einem Massenereignis erst nach 4-5 Tagen berichtet
 – "links" stehende Medien, die sich mit dem Thema offenbar schwer tun [1]

– Zusammenhänge ausblenden

… der Kultur, des sozialen Milieus und des Frauenbildes in patriarchalischen Familienstrukturen {die bei Migranten statistisch eklanter sind} [13]
… dass so etwas in Deutschen Großstädten häufig vorkommt – nicht in großen Massen, doch begannen vor allem von besagter Personengruppe [11]
… dass es eben doch Hinweise von Anfang gab, die leider auf einen Zusammenhang zu Flüchtlingen aus solchen Ländern hinweisen [12] 
… dass aktuell sehr viele Menschen nach Deutschland kommen – die eben genau den beschrieben Hintergrund haben

– Focus verlagern

 – auslassen: z.B. Täterbeschreibungen – die der Aufklärung und der Einschätzung künftiger Gefahren dienen 
 – umlenken: Diebstahl in den Vordergrund und als Ziel darstellen ("Antanztricks organisierter Banden") [9]
 – umdefinieren: "Männergewalt" anstatt Gewalt "junger Männer mit arabischen Wurzeln" [5]
 – verallgemeinern: Kernthema von "Gewalt bestimmter Gruppen in Massen" ausweiten auf "sexualisierte Gewalt" von Männern generell [14]
 – Sündenbock finden: Polizeiversagen bemängeln – (Suggestion: "Dann wäre das nicht passiert") [8]
 – relativieren: "Da haben wohl einige Männer Silvester (…) genutzt, um sich als Macker (…) aufzuspielen" [2]
 – verniedlichen: "ein paar grapschende Ausländer und schon reißt der Firnis der Zivilisation" [16]
 – verwirren: Suggestivfragen die moralisch verwirren ("Ist der Sexist immer der Moslem?" [1] {Natürlich nicht! Tut aber auch nichts zur Sache.}
 – übertreiben: extreme Quellen nennen (die zudem kaum jemand kennt!), um vor politisch unerwünschter Richtung zu warnen [3]
 – Quellen missachten: Zeugenaussagen, die diesen Zeitpunkt bereits bekannt waren missachten oder angezweifeln [5]
 – Denkverbote erzeugen: patriarchale Gewalt dürfe nicht mit flüchtenden Menschen verbunden werden {trotz Zeugen- und Polizeihinweisen!} [4]
 – Denkverbote erzeugen: schlimmste fehlgeleitete (Leser-)Kommentare rezitieren, um eine Debatte darüber zu diskreditieren [15]
 – Denkverbote erzeugen: unterstellen, dass die Nennung bestimmter jugendlicher Tätergruppen "ethnisieren" und damit rassistisch wäre [6]
 – ablenken: auf andere Zusammenhänge und Themen ("Bayern" und Gewalt auf dem Oktoberfest) [7] 
 – Verlagerung auf eine Meta-Ebene: Politiker X oder Journalist Y benutzen Sprache falsch {ist ja korrekt, doch ein Fokus für jetzt?}
 – Lächerlich machen: akzeptierte Normen rezitieren und unzulässigerweise auf diesen Fall anwenden, damit der Leser die Logik der an sich richten Feststellung fälschlicherweise überträgt und so auf die "Schliche gegangen" sich bei "seinem Rassismus" ertappen soll [17] 

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[1] „Ist der Sexist immer der Moslem?“, http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html
„Konjunkturritter der Angst: Neujahrsnacht in Köln“, https://www.jungewelt.de/2016/01-06/032.php

[2] „Die ersten Gedanken zu diesem Ablaufbericht waren: Da haben wohl einige Männer Silvester wie so oft wieder einmal genutzt, um sich als Macker und Sexisten aufzuspielen. Das kommt wohl nicht nur in Köln alljährlich vor. Nur gibt es heute zum Glück genügend Frauen, die ein solches Verhalten nicht mehr bereit sind hinzunehmen, was an den vermehrten Anzeigen deutlich wird.“
http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html

[3] „Nicht Männergewalt, sondern Ausländerkriminalität steht im Mittelpunkt. „Plötzlich geht es, die Wahrheit auszusprechen“, heißt es auf der rechten Webseite PI.“ {Massenmedien schreiben sicher nicht von „Ausländerkriminalität“}
http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html

[4] „so wird jetzt versucht, den Sexismus und die patriarchale Gewalt mit dem Flüchtlingsthema zu verknüpfen“
http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html

[5] „Aber es ist kein Problem von Geflüchteten oder Ausländern, sondern von Männern. Wenn in den letzten Tagen immer wieder von Gruppen arabisch oder
nordafrikanisch aussehenden Männern geredet wird, ist auch das eher Stimmungsmache. Denn es ist die Frage, sind es deutsche Staatsbürger, sind darunter überhaupt Geflüchtete? Sind darunter diejenigen, denen sexuelle Gewalt vorgeworfen wird?“
http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html

[6] „Doch wer das Problem ethnisiert, hat andere Ziele als die Rechte der Frauen zu stärken.“
http://www.heise.de/tp/news/Ist-der-Sexist-immer-der-Moslem-3062166.html

[7] „Er wird sicher keinen Stab über »die Bayern« brechen wollen, weil es auf deren Oktoberfesten regelmäßig zu ähnlich kriminellen Auswüchsen kommt.“
{Diskussion um Herkunft lächerlich machen, indem „Bayer“ als Ethnie definiert werden}
https://www.jungewelt.de/2016/01-06/032.php

[8] „Die Politik erst macht am Dienstag aus dem Polizeiskandal ein Politikum.“
https://www.jungewelt.de/2016/01-06/032.php

[9] „Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. “
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/silvesternacht-k%C3%B6ln-organisiertes-verbrechen-nicht-enthemmte-fl%C3%BCchtlinge-10812
<> dagegen „Vorrangig ging es den Tätern um Sexualstraftaten“
http://www.welt.de/politik/deutschland/article150733779/Vorrangig-ging-es-den-Taetern-um-Sexualstraftaten.html

[10] „Denken Sie jetzt NICHT an einen blauen Elefanten!“
http://www.nachdenkseiten.de/?p=29994 {Linke Intellektuelle können Themen wortgewaltig behandeln und auf eine Meta-Ebene heben. Doch bedarf es bei diesem Thema, in dieser zeitlichen Nähe einer höheren Abstraktion?}

[11] „Auch dies ist jedoch trauriger Alltag. Meist spielen sich solche Vorfälle jedoch in „No-Go-Areas“ ab“
http://www.nachdenkseiten.de/?p=29932

[12] „Dem Polizisten gelang es, etwa acht verdächtige Männer aus der Menge zu holen und festzunehmen. „Sie hatten alle kopierte Papiere dabei, Aufenthaltsbescheinigungen für Asylverfahren.“, 04.01.16
http://www.express.de/koeln/sexuelle-uebergriffe-polizist–so-brutal-war-das-chaos-am-koelner-hbf-an-silvester-23252866
< > „Unlauter ist, dass die Vorkommnisse in Köln nun im Zusammenhang mit der deutschen Flüchtlingspolitik diskutiert werden. Die Tatverdächtigen waren – nach jetzigem Erkenntnisstand – keine Flüchtlinge oder Asylbewerber, “ 05.01.16
http://www.nachdenkseiten.de/?p=29932

[13] Polizeiliche Kriminalstatistik: „Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung gemäß § 177 Abs. 2, 3 und 4, 178 StGB sind fast drei von zehn Tatverdächtigen Nichtdeutsche“
https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2013/pks2013Jahrbuch,templateId=raw,property=publicationFile.pdf//pks2013Jahrbuch.pdf&#8220;

[14] „Sexualisierte Gewalt: Des Rudels Kern“
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-sexualisierte-gewalt-a-1070905.html

[15] „Von einer „wild gewordenen Männer-Meute aus dem arabischen/nordafrikanischen Raum“ wird woanders gesprochen. Auf Twitter ist von „Primaten“ und „Affen“ die Rede. Das rassistische Narrativ ’schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau‘ ist volle Kanne durchgeschlagen“, schreibt die Publizistin Antje Schrupp.“
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-sexualisierte-gewalt-a-1070905.html

[16] Jakob Augstein

[17] Jakob Augstein
Der Fremde und seine bedrohliche Sexualität – das ist das älteste Vorurteil des Rassismus.