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zdf_80Die Arroganz und Bessermensch-Attitüde mit der viele deutsche „Journalisten“ in der Welt unterwegs sind, steht in der Regel diametral zur eigenen Kompetenz. Je dümmer, desto herablassender gegenüber ihren Gaststaaten sind Ton und Auftreten. Golineh Atai und Udo Lielischkies sind da nur die prominentesten Vertreter dieser öffentlich-rechtlichen Schmeißfliegen.

Geschätzte 99% aller Berichte über Russland, den Iran, Syrien, China oder jeden anderen Staat, der sich nicht der Ausbeutung durch die USA unterwirft, sind negativ konnotiert bis offen diffamierend oder hetzerisch. Der „Weltspiegel“ vom vergangenen Sonntag wartete gleich mit zwei Hetzbeiträgen auf. Eine dieser billigen Auftragsdenunziationen wiedermal vom gelernten Tennislehrer mit dem Trinkergesicht. Der andere Beitrag von der nicht minder bekannten Hetzerin Birgit Virnich.

Auch aus China, einem der größten und vielfältigsten Länder dieser Erde, werden quasi ausschließlich Katastrophen „berichtet“. Immer verantwortlich: die Regierung oder korrupte Behörden. Die Botschaft: Bei uns gibts sowas nicht, denn wir im glorreichen Westen sind „demokratisch“, „korruptionsfrei“ und sowas von „sozial“. Dass die USA oder auch Deutschland effektiv um keinen Deut demokratischer sind, als der wirtschaftlich in den letzten Jahren explodierte Riese in Asien, soll vergessen gemacht werden. (Studie über US-“Demokratie”: Der Wille des Volkes ist nahezu irrelevant)

ZDF-Flittchen Katja Eichhorn ist dieses Jahr bereits mehrfach durch billige Propaganda aufgefallen. Wer die Atombombe auf Hiroshima abwarf, wollte ihr am Jahrestag dieses Verbrechens partout nicht über die Lippen und dass die Chinesen auch 70 Jahre nach Ende der fürchterlichen Besatzung durch japanische Faschisten noch keine Entschuldigung zu hören bekamen, wird nicht etwa den Verbrechern in Tokio angelastet, sondern den Chinesen, die sich nicht versöhnen wollen“.

Wenn das ZDF unter dem Titel „China – Der wankende Riese“ eine „Doku“ über China sendet, an der besagte Katja Eichhorn mitgewirkt hat, kann man also schon im vorhinein davon ausgehen, einmal mehr kolonialistisch eingefärbten Müll, Besserwisserei und Propaganda vorgesetzt zu bekommen.

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Bild anklicken, ZDF-Mediathek

PS-Blog-Leser Michael hat die Doku nicht nur angeschaut, sondern auch im Propaganda-Melder eine längere Rezension geschrieben, die wir hier gerne auf die Frontseite stellen.

China – der wankende Riese
Der Börsencrash und seine Folgen

Propaganda vom Feinsten. Die Geschichte: In China ist grade unheimlich Krise – und schuld ist natürlich die chinesische Regierung!

Schlimm ist vor allem der Anfang (Minute 0-2) und das Ende (Minute 29-42). Am Anfang sieht man, wie Arbeiter von der Polizei geschlagen werden – ohne große Erläuterung. Dann sieht man eine Frau, die sagt: „Ohne feste Arbeit, ist doch klar, dass wir unter großem Druck stehen.“ „Ein Chemiewerk ist wegen illegaler Machenschaften in die Luft geflogen.“ (Naja, Arbeitsunfälle gab es früher in jedem Land häufiger. Je niedriger die Löhne, umso unsicherer die Arbeitsbedingungen, aber ich kenne die offizielle Version nicht) „Die Ersparnisse der Mittelschicht verpuffen.“ Ein junger Mann sagt dann: „Heute kann ich nachts kaum schlafen.“

Der Witz: Die Frau erzählt, dass sie und ihr Mann zwar satt werden und sich warm anziehen können, aber sonst können sie sich kaum etwas leisten. Rindfleisch ist ihnen zu teuer. Allerdings verdienen sie zusammen als Verkäuferin und Tagelöhner noch 580 Euro. Sie haben eine Wohnung und sparen sogar für die Altersvorsorge! (Rindfleisch ist halt teuer, weil man für die Rinderzucht sehr viel Energie braucht! Wenn alle Chinesen immer Rindfleisch essen – Gute Nacht! Man sollte nicht mit Deutschland vergleichen.)

[Sehr gut beobachtet! Da zeigt sich wieder, dass jene Staaten oder Regierungen, die zum Ziel der Propaganda erkoren wurden, machen können, was sie wollen. Es wird IMMER ins Negative gedreht. Krebsen die Chinesen mit Planwirtschaft herum, wird über die Armut hergezogen. Schalten sie um auf Privatwirtschaft, werden Umweltzerstörung, Wanderarbeiter oder irgendeine übergelaufene Gosse in irgendeiner Stadt gesucht und gefunden. -DOK]

Dann werden wieder leerstehende Häuser gezeigt, so als würde Infrastruktur in China grundsätzlich nur fehlgeplant. Dass es das in Detroit (USA) oder in Spanien auch gibt, die meisten Häuser in China genutzt werden und ohne den Wohnungsbau zum Beispiel die arme Familie mit den 580 Euro sich keine Wohnung leisten könnte – geschenkt – das passt nicht zur Propagandaabsicht!

Lustig wird es dann, wenn man erfährt, wie es dem Kleinaktionär geht, der viel Geld verloren hat. Der „Vertreter der Mittelschicht“. Tatsächlich hat er ungefähr 350000 Euro verloren, weil er an der Börse „gehebelt“ hat. Damit ist er sicher ein Einzelfall, aber so stellt man Chinesen als unvernünftig dar. Hebeln bedeutet, dass man einen Kredit aufnimmt, um Aktien zu kaufen und auf Gewinne zu spekulieren. Die Bank gibt einem für jeden eigenen Euro zum Beispiel vier weitere Euro Kredit. Hat man selber 200000 Euro, kann man so für 1 Million Euro Aktien kaufen. Fallen die Kurse dann jedoch um 20%, hat man 200000 Euro Verlust gemacht. Das ganze eigene Geld ist weg (+ Zinsen für den Kredit!). Fallen die Kurse um 50%, dann hat man 300000 Schulden (+Kreditzinsen). Dabei weiß jeder: Man sollte nie Aktien auf Kredit kaufen! Aber der Mensch, der am Anfang auch nicht schlafen konnte, ging mit der Situation später in der Dokumentation auch schon wieder sehr entspannt um –irgendwie unlogisch, aber man musste wohl am Anfang dramatisieren, weshalb man das wohl so genommen hat.

Die Realität: Chinas Wirtschaft wächst auch dieses Jahr um 6%. Die Börsen waren 2015 erst total heiß gelaufen und durch die Decke geschossen, danach gab es eine Korrektur und inzwischen geht es wieder bergauf. Ich habe den Shanghai Composite und MSCI china Index kotrolliert, die das ähnlich sind. Von einer totalen Verpuffung kann keine Rede sein und davor gab es ja auch wie bei jeder Blase hohe Gewinne! Dass es beim Platzen einer Blase immer ein paar Verlierer gibt, die zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind, das ist doch normal.

Der Mittelteil: Gut an der Dokumentation ist der Teil der Analyse, dass die Löhne steigen und China nicht mehr ein Billigland ist. Der Schuhproduzent, der jetzt in Äthiopien produziert, wirkt zwar unsympathisch und autoritär, aber der Teil ist wenigstens etwas informativ. Der deutsche Firmenchef, der in China als Zulieferer für die Autoindustrie technisch anspruchsvolle Zahnräder bauen will, hat keine auch keine Anti-China-Propagandaabsicht, da die deutsche Wirtschaft mit China gerne Geschäfte macht. Das Beschwören der Gefahr, die von China ausgeht, ist dann schon eher übertrieben. Im Mittelteil wäre die Dokumentation also teilweise gar nicht so schlecht.

Am bittersten und mit Abstand die größte Propaganda wird am Ende geliefert. Während der chinesische Hedgefonds-Manager Kenny Li eine ehrliche und aufrichtige Analyse liefert, hat der Experte Sebastian Heilmann vom Mercator Institute for China Studies, ebenso wie der Regisseur, eine klare Propagandaabsicht.

Nun zum Ende (Minute 39-42):
Man zeigt noch einmal ein paar Chinesen auf der Straße, die sagen, sie würden gerne reich werden. (Ob sie unzufrieden sind mit de Regierung oder nicht, ist nicht ersichtlich, aber es wirkt so.)

Die Moderatorin erzählt, dass der Crash der erste Absturz der Generation der Wirtschaftswunderkinder ist (im Bild der junge Chinese, der gehebelt hatte) und unkt, dass es fraglich ist, ob man jetzt noch einmal zurück kann. (Richtung Löhne wie in Äthiopien?)

Sebastian Heilmann dann: „Diese Leute verlieren ihr Vertrauen in die Regierung auf diese Art und Weise. Das heißt, diese Sichtweise, dass die Parteizentrale in Peking eigentlich die Lage im Griff hat und Märkte formen kann, sogar Wachstum formen kann, diese Sichtweise hat sicher einen schweren Schaden genommen.“

Moderatorin: „Chinas Regierung spürt die Gefahr und Hegefonds-Manager Kenny Li, ganz auf Regierungslinie, glaubt, sie mache auch jetzt genau das Richtige. Gegen die Krise kämpft Peking an mit einem staatlich gelenktem Förderprogramm. Fast zwei Billionen Euro für Hochhäuser, Bahnlinien, Tunnels – viel Beton, wenig Innovation.“ (So kann man Investitionen in Infrastruktur auch nennen.)

Kenny Li: „Chinas Wirtschaft muss staatlich gelenkt werden. In den nächsten 5-10 Jahren werden mehr und mehr Anlagen auf den privaten Sektor verlagert. China ist dann mehr marktwirtschaftlich und weniger staatlich gelenkt. Aber wenn wir jetzt alles dem Markt überließen, könnte es wirklich chaotisch werden.“ (Er lächelt dabei erst einmal und sieht dann besorgt aus. – Wirklich eine treffende Analyse. Ein Hedgefonds-Manager, der zugibt, dass es auch staatlicher Eingriffe bedarf – Respekt!)

Doch dann das Fazit der Moderatorinnen-Stimme mit der Kameraperspektive auf das Mao-Porträt: „Vielleicht ist es aber auch genau (betont) umgekehrt, ist die Partei das Problem. Ihr Staatsdirigismus, die vielen Staatsunternehmen.“ (Soldaten marschieren, dann viele rote Fahnen im Bild)

Der Wirtschaftswissenschaftler Wang Fuzhong unterstützt diese mit so viel Überzeugung vorgetragene Theorie mit plumpen Klischees: „Die hohen Kader sind während der Kulturrevolution aufgewachsen, sie haben von Natur aus keine Ahnung von Marktwirtschaft, Demokratie oder Rechtsstaat. Was sie haben ist die Verehrung von Politik, von Macht.“

Dann outet sich Sebastian Heilmann endgültig als Propagandist: „Das heißt die Kontrolle über die Wirtschaft, die Gesellschaft und natürlich über das politische System hat für die derzeitige Führung Vorrang vor der wirtschaftlichen Lockerung und Dynamisierung.“

Für jeden, der es noch nicht verstanden hat, fasst es die Moderatorin noch einmal zusammen: „Das (betont) ist Chinas Problem. Der Partei ist ihr Machterhalt letztlich wichtiger als die Lösung der Wirtschaftskrise.
Eine besorgte männliche Moderatorenstimme fährt dann fort: „Schlechte Nachrichten für Chinas Bürger – und für deutsche Unternehmer wie Hubert Bartsch (der mit der Zahnradfabrik).

Die endgültige Prognose in der letzten Minute besagt dann, dass der Riese nur für mehrere Jahre schwankt, aber nicht untergeht.

Mein Fazit: Richtig wurde gesagt, dass China früher ein armes Land war. Die Löhne waren viel niedriger und die Nöte der Menschen noch viel existentieller. Kein Rindfleisch, keinen Reichtum für umsonst an der Börse und kein Erfolg beim Hebeln – das kann nicht das Ziel sein. Die Wachstumsraten in China sind noch immer hoch und es muss irgendwann auch immer Korrekturen geben. China steuert gegen die Krise gegen und schafft mit staatlichen Konjunkturprogrammen Arbeit und investiert in die Infrastruktur, die im globalen Wettbewerb so wichtig ist. Die Leute können grundsätzlich nicht klagen und können froh sein, dass sie eine solche Regierung haben, die so unerfahren eben auch nicht sein kann, denn sonst hätte es diese Entwicklung so nicht gegeben. Was der Westen will, ist das Sähen von Unzufriedenheit. Den Menschen wird erklärt, dass sie mit freier Marktwirtschaft und radikalen neoliberalen Reformen sofort noch mehr Reichtum generieren könnten. Die goldenen Äpfel, die hier alle an den Bäumen wachsen! Das ist Wahnsinn und widerspricht allen globalen Erfahrungen. Jede Liberalisierung endete zunächst in einer Schocktherapie mit viel Armut und Katastrophen. Wenn erst einmal der IWF wütet, leidet die Bevölkerung und es wird alles schlanker. China ist ein Land, in dem bei einer echten Krise und einer solchen Schocktherapie Hungersnöte wieder ausbrechen könnten. China betreibt eine kluge und nachhaltige (ökonomisch gemeint) Politik. Sie investieren in Bildung, Know-how, Rohstoffe, Energie und Infrastruktur. In einem ungeregelten Markt würden fast alle Chinesen in die Küstenstädte strömen, wo es zunächst die höchsten Löhne gibt. Dann käme es zum ökologischen Kollaps. Die Wirtschaft würde abstürzen, die innere Sicherheit abnehmen und das Land ins Chaos stürzen. Das weiß jeder, aber das ist das Ziel der Propaganda, denn natürlich will der Westen China am Boden sehen. Dies ist das Ziel der US-Politik, die ihr amerikanisches Jahrhundert leben will. Es ist jedoch nicht so die Meinung der deutschen Wirtschaft, die lieber mit China Profite erwirtschaftet. Diese Propaganda-Doku zeigt diese Interessenlagen sehr genau.