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id_kulturzeitDas Gift der Propaganda und Volksverhetzung – ob gegen Juden, Kommunisten, Muslime, Flüchtlinge, den „Schlächter Assad“ oder „Zar Putin“ – muss regelmäßig aufgefrischt werden, damit es sich tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert und politisch ausgeschlachtet werden kann.

So, wie Neonazis und Rassisten mit immer neu aufgetischten, alten Vorurteilen und Diffamierungen über Migranten (Vergewaltiger, Schmarotzer, etc.) daherkommen, so servieren die Hetzer der selbsternannten „kulturzeit“ wöchentlich mindestens eine Gruselgeschichte aus dem „Reich des Bösen“, um ihre Zuschauer genauso dämlich und unter Adrenalin zu halten, wie man das von der NPD und ihren geistigen Vätern her kennt.

Diese Form der Hetze dient einerseits der Selbsterhöhung und Selbstbestätigung (wir sind kultiviert und fleißig, die anderen nicht) und andererseits der Durchsetzung handfester wirtschaftlicher und politischer Interessen (den Wohlstand teilen wir mit niemandem).

Wenn eine schäbige Maulhure (das ist keine Diffamierung, weil es gleich mit Fakten belegt wird) wie Andrea Meier also am vergangenen Freitag einmal mehr in der „kulturzeit“ den Zuschauern einflüstert, Vladimir Putin sei für Morde an Oppositionellen oder Journalisten in Russland verantwortlich, dann unterscheidet sich das in nichts durch die Hetze des Stürmers, der wöchentlich von vermeintlichen Vergewaltigungen oder anderen Untaten durch Juden zu „berichten“ wusste – Vergewaltigung diente also schon damals als diffamierendes Mem, das heute in der rechten Hetze gegen Flüchtlinge fröhliche Urständ feiert.

Es gibt faktisch keinerlei Beweise, dass die russische Regierung oder der Geheimdienst – geschweige denn Putin selbst – auch nur irgendetwas mit irgendeinem Mord an einem Oppositionellen oder Journalisten in Russland zu tun haben. Ganz im Gegensatz zur erwiesenen Verstrickung deutscher – vom Kanzleramt gesteuerter – Geheimdienste in die Mordserie des NSU, einer Terrorgruppe mit direkten Verbindungen zum sogenannten Verfassungsschutz, der rechtsextremistische und gewaltbereite Gruppen in den vergangenen Jahren mit Unmengen an Geld aufgebaut und gesteuert hat.

Wir haben also eine direkte Linie aus dem Kanzleramt über deutsche Geheimdienste in eine Mordserie an Migranten und andererseits keinerlei Beweise für irgendeine Verstrickung des Kreml in irgendeinen politischen Mord in Russland. Trotz dieser Faktenlage entblöden sich schäbige Witzfiguren wie Andrea Meier nicht, die Welt derart auf den Kopf zu stellen, dass sie das exakte Gegenteil der bekannten Fakten verbreiten – was den Begriff „schäbige Maulhure“ nicht zur Diffamierung, sondern zur wahrhaftigen Conclusio macht.

3sat kulturzeit 11.12.2015 (ab 7:28min)

3sat_kulturzeit_11122015_Putin

Andrea Meier: „Nächstes Jahr im September finden in Russland die Parlamentswahlen statt, doch unter welchen Bedingungen? Wir wissen, Opposition in Russland kann lebensgefährlich sein. Jeder, der sich Putin in den Weg stellt, ist gefährdet. Die Liste seiner Kritiker, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sind, ist lang. Und doch verstummen die kritischen Stimmen nicht. Einer seiner schärfsten Kritiker ist der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow. Tilman Jens hat ihn in Berlin getroffen.“

Es folgt ein lächerlicher Beitrag über den vom Westen aus politischen Gründen hofierten Inselbegabten, der in Russland nicht einmal so viel politische Unterstützung und Bedeutung genießt, wie Martin Sonneborn in Deutschland. Dass sich Tilman Jens einmal mehr zur politischen Hofschranze macht, dürfte rein finanziellen Erwägungen geschuldet sein. Wer nur den Namen des Vaters geerbt hat, nicht aber den überragenden Intellekt, muss ja auch irgendwie über die Runden kommen und ein realistisches Portrait über den gerade vom Weltschachverband gesperrten Betrüger Kasparow ließe sich im deutschen Staatsfunk derzeit aus bekannten Gründen schlecht verkaufen.