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ardzdfAm Mittwoch haben wir hier konsterniert berichtet, wie die staatlichen Propagandaanstalten ARD und ZDF die Presse­konferenz des russischen Verteidigungsministeriums, in der von Russland Beweise für den schwunghaften Handel der Türkei mit dem „Islamischen Staat“ vorgelegt wurden, in allen Haupt­nach­rich­ten­sendungen komplett totschwiegen.

Hastig nachgeworfen

Mit einem Tag Verspätung reichte die ARD in tagesschau und tagesthemen am Donnerstag nun diese Information nach; in einem jeweils 20 Sekunden kurzen Beitrag, gefolgt von Erdogans Dementi, eingebunden in einen längeren Beitrag über den gefährlichen Konflikt, den die Türkei mit dem Abschuss des russischen Kampfjets heraufbeschworen hat.

Das ZDF schwieg auch am folgenden Tag – so wie viele andere westliche Medien

Das ZDF berichtete auch am Donnerstag mit keinem Wort über die russsichen Erkenntnisse und es ist selbst für politisch desinteressierte Laien nachvollziehbar, dass hier ganz gezielt im Vorfeld des Bundeswehreinsatzes in Syrien – an der Seite und vom Territorium des Kriegstreibers Türkei aus – brisante Informationen unterdrückt werden, die die verbrecherische Rolle des Westens im syrischen Konflikt offenbaren würden.

Die systematische und politisch motivierte Unterdrückung dieser höchst brisanten Informationen, die selbstverständlich auch nach der 20 Sekunden kurzen Erwähnung in der ARD nicht politisch eingeordnet und bewertet wurden, was ja die gezielte Unterstützung der islamistischen Terroristen ans Tageslicht bringen würde, wurde einen Tag später auch in Russland registriert und erstreckt sich über die gesamte Bandbreite westlicher „Leitmedien“, wie Gilbert Doctorow in einem Beitrag auf Russia Insider schreibt, den wir hier dank einer Übersetzung von FritztheCat auf Deutsch veröffentlichen können.

RI_header525Gilbert Doctorow                                         Übersetzung: FritztheCat

Russische Bitten an die internationale Gemeinschaft werden ignoriert:
Gefährliche Ignoranz ist unsere neue Realität

Die westliche Nachrichtensperre zu Russlands Beweisen für eine türkische Beteiligung beim Ölschmuggel mit ISIS stellt einen beunruhigenden Präzedenzfall dar. Zusammen mit der Zurückweisung von Putins Bitten in seiner Ansprache an die Nation.

RI_putin-reutersIst es denn ein Wunder, wenn der durchschnittliche, gut gebildete und öffentlich interessierte Amerikaner, Brite, Franzose oder Belgier im Großen und Ganzen über die wichtigsten internationalen Ereig­nisse – die heute die internationale Gemeinschaft an den Rand eines Weltkriegs führen – weitgehend ahnungslos ist? Nachdem er oder sie die Lieblingszeitung gelesen hat, sei es die New York Times, der Guardian, Le Figaro oder Le Soir, und auch noch seine neuesten Nachrichten im lokalen Staatsfernsehen, bei Euronews oder von mir aus der BBC abgeholt hat?

Ich gebe Ihnen ein anschauliches Beispiel aus dieser Woche, um Ihnen die Realität der Nachrichtensperre über die Medien der Vereinigten Staaten und Europas zu vermitteln, wenn etwas hochkommt, dass die Selbstgefälligkeit des Publikums gegenüber Russland erschüttern könnte.

Am Mittwoch, den 2. Dezember, lud das russische Verteidigungs­ministerium zu einem Briefing mit dem stellvertretenden Verteidigungs­minister Anatoly Antonov ein. Mehrere Hundert Journalisten und alle Militärattachés der in Moskau akkreditierten Botschaften waren geladen. Es wurden Aufklärungsfotos von Satelliten und Flugzeugen präsentiert, die die Existenz eines enormen logistischen Unternehmens beweisen. Der Transport von illegalem Erdöl aus irakischen und syrischen Ölquellen unter der Kontrolle der Dschihadisten des IS mit Tanklastern über die Grenze in die Türkei und weiter zu den Raffinerien für den örtlichen Verbrauch. Und zu den Hafenanlagen von wo aus das Öl in Drittländer verschifft wird. Die Schlüsselstellen dieses Unternehmens wurden deutlich identifiziert. Betrachtet man das Ausmaß, Tausende von Tanklastern in Bewegung, so lassen sich die Einkünfte aus diesen Verkäufen auf Hunderte von Millionen Euro pro Jahr taxieren. Genug, um eine umfassende Finanzierung für die Rekrutierung von Kämpfern und militärische Ausrüstung für die Terroristen zu ermöglichen.

Der Kontext für diese Präsentation ist das russische Beharren, dass die Zerstörung ihres Bombers in der vergangenen Woche durch eine türkische F-16 an der syrisch-türkischen Grenze ein Hinterhalt war, um die russischen Angriffe auf den einträglichen Handel mit illegalem Erdöl zu beenden und die große Allianz aus Russland, Frankreich und verschiedenen anderen NATO-Staaten gegen den Islamischen Staat zu stören. Nachdem der türkische Präsident Erdogan versprochen hatte, er würde zurücktreten, falls jemand beweisen könne, dass er mit dem Ölhandel in die Terrorfinanzierung verwickelt sei, hat die Dia-Show die Einsätze in der eine Woche alten russisch-türkischen Konfrontation erhöht.

Das russische Fernsehen hat ausführlich über dieses außergewöhnliche Briefing berichtet. Sie zeigten insbesondere Beamte aus den NATO-Staaten, die die Projektionen abfotografierten und sich wie wild Notizen machten. Im Westen haben jedoch nahezu alle Medien darüber gar nichts berichtet. Nicht ein Wort darüber in der New York Times, aber noch am gleichen Abend füllten sie ihre Titelseite mit den Details über die Schießerei in San Bernadino, Kalifornien. Nicht ein Wort in den führenden deutschen und britischen Tageszeitungen, ihre Berichterstattung ist voll mit inländischen Themen.

Die Franzosen waren dabei die Außenseiter, aber in einer sehr speziellen Art. Kurz nach dem Briefing in Moskau widmeten Le Figaro und Le Monde diesem ein paar Absätze, aber sehr sparsam und unverbindlich. Das heißt, sie schrieben von russischen „Behauptungen“ über Beziehungen zwischen der Familie Erdogans und dem illegalen Ölhandel. Und allem Anschein nach wurde dies in dem Briefing auch nicht bewiesen. Über das präsentierte Material haben sie jedoch auch nichts geschrieben. Dabei beweist es zweifelsfrei, dass die Dschihadisten eine vollständige logistische Kette für den Transport großer Mengen Erdöls aus den von ihnen kontrollierten Gebieten und über die türkische Grenze besitzen. Man fragt sich: wenn das kein wasserdichter Beweis ist, was ist es dann?

Mit Sicherheit gab es keine US oder NATO-Präsentation zu den militärischen Operationen die besser vorbereitet gewesen wäre als das, was das russische Verteidigungsministerium ablieferte. Und der größte Teil dessen, was die USA der Presse zum Abschuss der MH17 über dem Donbass präsentierten, um Russland und/oder seine örtlichen Unterstützer zu beschuldigen, kam nie über ein paar Video-Bilder aus sozialen Netzwerken hinaus. Dennoch wurden diese US „Beweise“ von den Medien akzeptiert und die russischen „Beweise“ wurden als Anschuldigungen bezeichnet, oder gleich ganz ignoriert.

Und zu meinen Anmerkungen vor ein paar Tagen, dass Euronews in jüngster Zeit zu russischen Angelegenheiten eine größere Ausgegli­chen­heit bietet: der Sender zeigte tatsächlich ein paar Bilder von dem Briefing in Moskau. Aber wie in der französischen Presse war die Berichterstattung sparsam und vermied es, die Ausführlichkeit der Dokumentation zu schildern.

In seiner heutigen jährlichen Ansprache an die Bundesversammlung eröffnete und schloss Wladimir Putin seine Rede mit Bemerkungen zu dem Zusammenstoß mit der Türkei. Er kam zurück auf den Abschuss des russischen Flugzeugs über Syrien und er wiederholte seine Anklage gegen die regierende Elite in der Türkei, dass sie mit dem Handel gestohlenen Erdöls den dschihadistischen Terror unterstützten. Dieser Teil der Rede wurde prompt vom Le Figaro und auch von der FAZ berichtet, die über das Briefing für die Militärattachés am Tag zuvor kein Wort verloren hatten. Es ist zwar gut, dass die russische Sicht in diesen Zeitungen wiedergegeben wird, aber die verhaltenen Herangehensweise zeigt die Verwirrung in den Redaktionsstuben, wie man diese Entwicklungen behandeln soll. Sie passen nicht in das Bild Russlands als Feind des Westens und geben der erneuten Annäherung der EU an die Türkei (aufgrund der Flüchtlinge) eine seltsame Wendung.

Währenddessen läuft auf einer anderen Bühne eine andere „Oper“. Wir sehen, dass in den Regierungszentralen einiger europäischer Mächte die russischen Anschuldigungen gegen die Türkei wirklich sehr ernst genommen werden. Heute berichten die Financial Times und andere britische Zeitungen über den Beginn der britischen Bombardements in Syrien, die sofort nach der Abstimmung gestern im Unterhaus begannen. Darin heißt es ausdrücklich, die „Tornado-Jets greifen syrische Ölfelder an.“ Anscheinend ist es also jetzt für US Alliierte in Ordnung, die Quellen der Finanzierung des Islamischen Staats zu bombardieren, wie es die Russen seit zwei Monaten tun. Nach der höhnischen Behauptung der USA, sie könnten keine richtigen Ziele finden.


Gilbert Doctorow ist der europäische Koordinator des American Committee for East West Accord. Sein jüngstes Buch, Does Russia Have a Future? wurde im August 2015 veröffentlicht.