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SANA_En-smallEs gehört zur Propaganda, Stimmen des Feindes zu unterdrücken, sein Denken und auch seine Nöte aus den Köpfen der Schafe zu halten, damit diese keinesfalls verstehen, was in Wahrheit vorgeht oder gar Verständnis für „den Feind“ entwickeln.

Baschar al-Assad wurde innerhalb weniger Wochen durch die westliche Hetzpresse vom geduldeten Verbündeten zum blutrünstigen Feindbild stilisiert, als sich die USA mit ihren saudischen und türkischen Kumpanen entschlossen, Syrien zu zerschlagen.

Nach dem Interview (deutsche Übersetzung) mit dem italienischen Staatsender RAI Uno hat Bashar al-Assad nun auch am 1. Dezember dem tschechischen Fernsehen ein Interview gegeben, das wir hier dank FritztheCats unermüdlicher Arbeit in deutscher Übersetzung veröffentlichen können.

Interview von Bashar al-Assad mit tschechischem TV (Original Youtube)

Die Zerschlagung des Terrorismus wird die Hindernisse für einen politischen Prozess beseitigen

Frage 1: Vielen Dank. Lassen Sie mich mit einer persönlichen Frage beginnen. Sie sind Arzt. 2011 sagten Sie, und ich zitiere, Sie haben sich für die Augenchirurgie entschieden, weil es fast nie um Notfälle geht und es wenig Blut gibt. Das war im März 2011, genau zu dem Zeitpunkt brach der Syrienkrieg aus, der blutigste Konflikt der Welt, ein riesiger Notfall. Was sagen Sie dazu?

Assad: Wenn Sie eine Verbindung zwischen einer Augenoperation und dem was in Syrien passiert herstellen wollen, es hängt von den Absichten ab. Bei einer Operation fließt immer Blut, aber es gibt Blut um das Leben eines Patienten zu retten, nicht um ihn zu töten. Das Blut, das wir in Syrien sehen, ist das Blut der durch Terroristen getöteten Syrer. Und unsere Aufgabe als Regierung ist es, durch die Zerschlagung der Terroristen das Leben der Syrer zu retten. Das ist die einzige Verbindung, ich hoffe ich habe Ihre Frage richtig verstanden.

Reporter: Ja, ja, ich dachte…

Assad: Unsere Aufgabe ist es, Leben zu retten. Das Blut dient zur Verteidigung seines Landes. Man verwendet die Armee um sein Land zu verteidigen.

Frage 2: Aber 250.000 Menschen, das ist in jedem Land unvorstellbar.

Assad: Das kommt dabei heraus, wenn regionale Mächte und der Westen einen Haufen Terroristen unterstützen. Diese Terroristen kommen nicht nur aus Syrien, die Terroristen kommen aus mehr als 100 Ländern aus der ganzen Welt. Sie wollten Syrien zu einem Treffpunkt des Terrorismus machen und so ist die Lage. Hätten wir unser Land nicht verteidigt, so wäre die Zahl um ein Vielfaches größer.

Frage 3: Sie erwähnten den Terrorismus. Es scheint, als hätte es in den letzten Tagen bedeutende Entwicklungen in der Syrienkrise gegeben. Was halten Sie für das wichtigste Datum in der Syrienkrise: den 30. September mit der russischen Intervention oder den 13. November mit den Anschlägen von Paris?

Assad: Ganz bestimmt ist die russische Teilnahme, oder das was als Front gegen den Terrorismus angekündigt wurde, das wichtigste. Das ist der praktische Teil gegen den Terrorismus, während das was auf politischer Ebene in Paris geschah nur eine Beschwichtigung für die Gefühle der Franzosen war. Wollen die Franzosen ISIS auf eine ganz andere Art bekämpfen? Was soll das heißen? Hat es Frankreich vor den Anschlägen von Paris nicht ernst gemeint? Sie beschwichtigen also nur die Gefühle der Franzosen, nichts Ernsthaftes, während die Russen den Terrorismus sehr ernsthaft bekämpfen und es eine Zusammenarbeit zwischen ihnen und der syrischen Armee gibt.

Frage 4: Sie glauben also, dass die Verstärkung der Angriffe der westlichen Koalition unter US-Führung nicht hilft?

Assad_Interview_15Assad: Es ist eine Tatsache, dass sich ISIS seit dem Eingreifen der Koalition ausgebreitet hat und die Anzahl der Rekruten aus aller Herren Länder hat sich erhöht. Wenn Sie über Tatsachen sprechen wollen, nicht nur über Meinungen. Gleichzeitig ist seit der Teilnahme Russlands im selben sogenannten Krieg gegen den Terrorismus ISIS geschrumpft, und natürlich auch al-Nusra und andere Terrorgruppen. Das ist die Wirklichkeit. Die Tatsachen sprechen für sich.

Frage 5: Ist das nicht, aus militärischer Sicht, dem Umstand geschuldet, dass die russische Luftwaffe mit der syrischen Armee zusammenarbeitet?

Assad: Wie gesagt, weil es diese Zusammenarbeit gibt. Man kann nicht aus der Luft die Terroristen töten oder den Terrorismus zerstören, das ist unmöglich. Die Amerikaner haben das in Afghanistan wie lange versucht? Mehr als 12 oder 13 Jahre lang. Haben sie etwas erreicht? Nichts. Der Terrorismus ist in Afghanistan nach wie vor stark. Es funktioniert also nicht. Man braucht die Zusammenarbeit innerhalb des Landes, jede Macht braucht sie. Die Hauptmacht in Syrien ist die syrische Armee und natürlich die Regierung.

Frage 6: Der französische Präsident sucht eine breite Koalition gegen den Terrorismus. Stehen Sie diesen Bemühungen skeptisch gegenüber?

Assad: Mit Sicherheit. Wollen sie aus dem, was vor kurzem in Paris geschah, etwas lernen? Warum haben sie aus Charlie Hebdo nichts gelernt? Dasselbe Prinzip und dasselbe Konzept. Wir sagten damals, das sei nur die Spitze des Eisberges. Was unter der Oberfläche liegt ist viel größer. Sie haben nichts gelernt. Das ist das eine. Zweitens: man kann den Terrorismus nicht bekämpfen, wenn man gleichzeitig die Terroristen unterstützt. Direkt mit Waffen und mit Allianzen, mit den eifrigsten Unterstützern des weltweiten Terrorismus; das ist das saudische Königreich. Es geht nicht. Das ist ein Widerspruch. Man kann nicht zugleich Polizist und Dieb sein. Man muss eine Seite wählen.

Frage 7: Aber ich habe nichts über eine westliche Unterstützung des Islamischen Staats gehört?

Assad: Im Internet ist es deutlich zu sehen. Frankreich und natürlich auch andere Parteien, aber es gibt das französische Beispiel. Wie kann ein Land wie Frankreich Waffen an jemanden verkaufen, den sie nicht kennen oder von denen sie nicht wissen, wo sie landen? Das kann nicht sein. Sie wissen es vom saudischen Königreich und von Katar und vielleicht von anderen Ländern, mit Sicherheit.

Frage 8: Es gab diesen Zwischenfall an der türkischen Grenze, den Abschuss des russischen Bombers. Glauben Sie, dass dieser Zwischenfall die Bemühungen des französischen Präsidenten für eine breitere Koalition beeinflussen wird? Glauben Sie, dass es die Friedensgespräche zu Syrien komplizieren wird?

Assad: Ich denke nicht. Aber ich denke, es zeigt die Unerbittlichkeit Erdogans der – wie soll ich sagen – die Nerven verloren hat, weil das russische Eingreifen das Gleichgewicht am Boden verändert hat. Das Scheitern Erdogans in Syrien, das Scheitern seiner Terrorgruppen, bedeuten sein politisches Ableben. Daher hat er alles versucht, um jedwedem Erfolg Steine in den Weg zu legen. Er hat es also getan, aber ich denke nicht, dass es das Gleichgewicht verändern wird. Der Krieg gegen den Terrorismus geht weiter. Die unterstützende russische Teilnahme wird stärker werden, sie ist bereits stark, und ich denke es gibt hier kein Zurück, selbst wenn er es nochmal tun sollte, auf diese oder eine andere Art.

Frage 9: Der US Präsident sagt, er will den gleichen Fehler nicht zweimal machen. Eine Bodeninvasion ohne zu wissen wer das Vakuum ausfüllen soll. Die meisten der gegenwärtigen Präsidentschaftskandidaten sagen, dass sie mehr wollen als nur Bombardierungen. Welchen Ansatz im Kampf zur Zerstörung des Terrorismus halten sie für den realistischeren?

Assad: Eigentlich will ich über den Terrorismus allgemein sprechen, nicht nur über ISIS. Wir müssen auf mehreren Ebenen arbeiten und eine breite Lösung finden. Eine Ebene bezieht sich auf die Ideologie und eine andere auf die Wirtschaft, die politischen Einstellungen und die politische Zusammenarbeit. Und ein weiterer Aspekt ist eine Zusammenarbeit über die Sicherheit und den direkten Kampf. In unserer gegenwärtigen Situation gibt es jedoch keinen anderen Weg als den direkten Kampf. Aber das ist nicht genug. Will man sie bekämpfen und vernichten, so muss man ihren Nachschub abschneiden und ersticken, die Waffen, das Geld und die Rekruten, die hauptsächlich über die Türkei kommen. Und das mit Unterstützung der Saudis und Kataris. Das wäre der erste Schritt neben dem Kampf am Boden. Das Problem besteht darin: wir bekämpfen den Terrorismus, aber sie haben grenzenlose Ressourcen, ungerechtfertigten Nachschub aus verschiedenen Ländern, hauptsächlich aus der Region, mit Unterstützung oder Aufsicht des Westens, einige der westlichen Länder, um präzise zu sein.

Frage 10: Sie sagten, der Kampf und der Sieg gegen die Terroristen habe Priorität vor einer politischen Lösung. Was meinen Sie mit einem Sieg über den Terrorismus? Dass es keine bewaffneten Oppositionsgruppen mehr in Syrien gibt?

Der Sieg gegen den Terrorismus bedeutet die Beseitigung von Hindernissen für einen politischen Prozess.

Assad: Im politischen Sinn kann man nicht von einer Opposition sprechen, wenn sie mit Waffen hantieren. Sie wissen, wenn wir in ihrem Land über Opposition reden, dann reden wir von einer politischen Bewegung. Zweitens: wenn sie politisch sein soll, dann muss sie Wurzeln haben. Wenn wir also von Rebellen oder Militanten mit Gewehren und anderen Waffen reden, die Menschen angreifen, das syrische Volk oder die syrische Armee angreifen und öffentliches oder privates Eigentum zerstören, dann ist das Terrorismus. Es gibt keine andere Definition. Militante Opposition, militärische Opposition oder moderate bewaffnete Opposition – diese Begriffe akzeptieren wir nicht. Das ist keine Opposition, das ist Terrorismus. Opposition bedeutet für uns eine politische Bewegung, außerhalb oder innerhalb Syriens, das spielt keine Rolle. Natürlich sollte diese Opposition patriotisch sein und nicht eine in Frankreich, Katar, Saudi Arabien, den USA oder in Großbritannien geformte Opposition. Sie sollte syrisch sein, in Syrien geformt. Und wir haben eine syrische Opposition. Wir haben eine echte syrische Opposition. Die Frage ist nicht, wie groß oder wie stark. Daher bedeutet der Sieg gegen den Terrorismus die Beseitigung von Hindernissen für einen politischen Prozess. Nun, wenn man sich auf Schritte und Verfahren mit irgendeiner Opposition einigt, ich rede hier von der syrischen Opposition, was erreicht man damit? Kann man echte Wahlen durchführen? Kann man mit der Opposition Stabilität erreichen? Die Terroristen leben in ihrer eigenen Welt, sie haben ihre eigenen Ziele. Sie haben ihre eigenen Pläne und ihre eigene Ideologie. Sie sind völlig anders als der politischen Teil. Wenn man mit dem politischen Prozess beginnt, dann muss man beginnen. Ich sage nicht, dass wir ihn nicht beginnen. Ich sagte, wenn man konkrete Schritte einleiten will, dann sollte es sein, nachdem wir begonnen haben, gegen den Terrorismus zu siegen. Ich sagte nicht nach dem Sieg, denn der Sieg ist ein langer Prozess.

Frage 11: Ich sehe hier ein großes Problem. In Wien gab es Gespräche über eine moderate Opposition, sogar über bewaffnete Gruppen. Sie sagen: keine Gespräche mit Leuten die bewaffnet sind.

Assad: Nein. Der politische Prozess hat zwei Aspekte: einer ist es, mit der politischen Opposition zu verhandeln. Der andere Aspekt ist es, sich mit diesen Gruppen zu beschäftigen. Wir nenne es in Syrien den Versöhnungsprozess, wenn sie ihre Waffen niederlegen und zum normalen Leben zurückkehren, die Regierung bietet ihnen Amnestie.

Reporter: Zu Ihren Bedingungen?

Assad: Nein, es ist eine Amnestie wenn sie zum normalen Leben zurückkehren, die Amnestie ist eine vollständige Amnestie, sie werden nicht angeklagt, sie sind frei ein normales Leben zu führen, ein friedfertiges Leben, ohne Kampf und ohne Maschinengewehre, ohne die Menschen zu terrorisieren. Diese Versöhnung ist in Syrien erfolgreich. Sie hat in der Tat mehr erreicht als irgend ein politischer Prozess. Wir sagen also nicht, dass wir nicht mit diesen Terroristen verhandeln. Wenn sie nämlich ihre Haltung ändern, dann muss man mit ihnen verhandeln. Wenn wir aber über ISIS und die Ableger von al-Nusra und alQaeda reden: die sind nicht bereit, die Waffen niederzulegen, die sind nicht bereit, auf irgendeine Weise mit der Regierung zu verhandeln. Sie akzeptieren das nicht und wir akzeptieren das natürlich auch nicht. Deren Ideologie ist gegen die Regierung und gegen das gesamte Land. Sie akzeptieren keine Grenzen. Sie akzeptieren es nicht, wenn jemand anders ist als sie. Daher ist es schwierig bis unmöglich, mit ihnen eine Versöhnung zu erreichen. Aber ich rede hier von jenen anderen Gruppierungen, die für Geld terrorisieren, oder vielleicht aus Furcht oder aus anderen Gründen. Mit jenen haben wir erfolgreich verhandelt.

Frage 12: Sehen wir bei den erwähnten Wiener Gesprächen also Gespräche zwischen der Regierung und den Oppositionsgruppen innerhalb eines Monats, vielleicht bis zum Ende des Jahres?

Assad: Seit Beginn der Krise haben wir gesagt, dass wir bereit sind, mit jedem zu verhandeln. Wenn diese Gruppen, von denen wir wissen, dass sie mit den Franzosen oder anderen zusammenhängen und nicht mit den Syrern, dann behandeln wir sie als eine Opposition, die diese Länder repräsentieren, denn die Syrer wissen, was los ist. Wir sind also nicht gegen Zusammenarbeit oder Dialog oder Verhandlungen – Dialog ist wohl das treffendste – aber was wird man letztendlich erreichen, wenn man mit dieser Opposition, die ihre Wurzeln nicht in Syrien hat, eine Übereinkunft erzielt? Eine einfache Frage. Wir können monatelang verhandeln, aber wer wird es am Ende umsetzen, wenn sie keinen Einfluss auf die Terroristen haben, keine Wurzeln in Syrien und keinen Einfluss bei den Syrern haben? Welchen Wert hat ein solches Treffen? Wir sagen im Prinzip nicht Nein, wir sagen Ja. Aber wir können den Menschen nicht sagen, das sei die Hoffnung, die wir haben und so werden wir das Problem lösen.

Frage 13: Wie würden Sie diesen Konflikt beschreiben? Handelt es sich um die Regierung gegen die Freiheitskämpfer? Ist es Schiiten gegen Sunniten? Ist es Araber gegen Perser? Ist es ein Zusammenstoß der Supermächte? Ist es wie ein Kampf zwischen einem weltlichen Staat und religiösen Fanatikern? Was ist es?

Assad_Interview_16Assad: Alles was Sie erwähnt haben spielt eine Rolle, aber nicht alle sind real. Wenn wir über die wahren Empfindungen der Syrer sprechen wollen, nehmen Sie beispielsweise den von Ihnen erwähnten religiösen Faktor, dann stimmt das nicht. Wenn Sie irgendwo nach Syrien schauen, in die von der Regierung kontrollierten Gebiete, dann werden Sie alle ethnischen und religiösen Farben der syrischen Gesellschaft erkennen. Das ist also nicht wahr. Sonst würden die Menschen nicht mit anderen Menschen zusammenleben. Das trifft also nicht zu, aber der religiöse Hass wurde durch die Saudis und Kataris verschlimmert. Und es gibt immer Fanatiker die dieser Art von Rhetorik verfallen. Aber es ist nicht die Realität. In Wahrheit ist es die Regierung gegen die Rebellen, die von verschiedenen regionalen und internationalen Mächten unterstützt wurden und nahezu die gleichen Ziele haben. Vielleicht aus verschiedenen Motiven, aber mit den gleichen Zielen. Sie wollen einen Regierungswechsel, die Regierung und den syrischen Staat stürzen, sie wollen den Präsidenten und diese Regierung auswechseln und das gesamte politische System verändern, ohne das syrische Volk zu befragen.

Das ist die wahre Auseinandersetzung. Wenn wir über die Rebellen sprechen, die haben keine politischen Ziele, wir hatten Verhandlungen mit ihnen. Sie besitzen keine politischen Vorstellungen oder Wünsche, sie wollen nur Geld, sie sind wie Söldner. Die meisten wollen die Ziele anderer Seiten umsetzen. Das ist also die wahre Auseinandersetzung. Wir sehen, dass Russland die Regierung unterstützt, weil sie das internationale Recht unterstützen und die Stabilität der Region, ihre Stabilität und die Stabilität der ganzen Region und auf der ganzen Welt. Die USA suchen immer die Hegemonie über die gesamte Welt und Syrien ist unabhängig und sie akzeptieren nicht, dass jemand Nein zu ihnen sagt. Aber in Wahrheit ist es die Regierung mit der Unterstützung der Mehrheit des syrischen Volkes gegen jene von diesen Ländern unterstützte Söldner.

Frage 14: Zu einer mehr persönlichen Ebene: es gab wirklich interessante Entwicklungen in ihrer öffentlichen Wahrnehmung, besonders im Westen. Von einer Hoffnung für ihr Land zu einem der Erzschurken der Welt und jetzt wiederum als ein Teil der syrischen Gleichung. Wie durchleben Sie diese Entwicklung?

Assad: Die Entwicklung von wem?

Reporter: Die Entwicklung einer Hoffnung für ihr Land zu einem…

Assad: Sie meinen vor der Krise?

Reporter: Ja, ich meine, jeder zählt wieder auf Sie bei der Zukunft Syriens.

Assad: Wenn Sie über die Beziehungen mit dem Westen reden: 2005 war ich der Mörder, 2008 war ich der Friedensstifter, dann wurde ich 2011 zum Schlächter. Jetzt gibt es einige positive Veränderungen, natürlich eine sehr verhaltene Änderung, keine grundsätzliche.

Frage 15: Wie haben Sie das persönlich aufgenommen, wie haben Sie das durchlebt?

Assad: Persönlich hat das keinen Einfluss, denn niemand nimmt mehr die westliche offizielle Sicht ernst, aus vielerlei Gründen. Zunächst einmal: sie besitzen keine Glaubwürdigkeit. Zweitens: sie haben keine Visionen, sie sind so hohl. Drittens: sie sind nicht unabhängig. Sie folgen den Befehlen der Amerikaner. Sie sind nicht ernsthaft. Auf diesem Weg gibt es sie nicht, die meisten der Europäer. Wir schauen auf den Gebieter, und der Gebieter sind die USA. Also persönlich hat das keinen Einfluss. Für mich, besonders in einem Kriegszustand, ist der Wille des syrischen Volkes entscheidend und wie mich das syrische Volk sieht. Das ist für mich sehr wichtig. Mit den Anderen beschäftige ich mich nicht. Wenn wir also über die Schwankungen ihres Verhaltens, des europäischen Verhaltens gegenüber Syrien oder mich persönlich reden, es ist ein Auf und Nieder, aber ich habe mich nicht verändert. Ich bin der Gleiche geblieben seit ich im Jahr 2000 Präsident wurde. Daher müssen Sie jene befragen, die so wankelmütig sind, nicht mich.

Frage 16: Ihre Botschaft lautet also, dass es am Anfang des syrischen Kriegs kein gezieltes Töten von Zivilisten gab? Keine massenhafte Folterung von Regimegegnern?

Assad: Nehmen wir an, das würde so stimmen, gemäß deren Propaganda. Wie könnte jemand öffentliche Unterstützung haben und fünf Jahre an der Macht bleiben, wenn das stärkste Land der Erde gegen einen ist? Wenn die reichsten Länder der Erde gegen einen sind? Und wenn die Bevölkerung, die sie töten, gegen Einen ist? Wäre so Jemand noch da? Das ist unwahrscheinlich. Es braucht die Unterstützung. Würde einen das Volk unterstützen wenn man es tötet? Können Sie das erklären? Nein. Es stimmt also nicht. Man kann über die Opfer reden. Jeder Krieg ist schlecht. Es gibt keinen guten Krieg, selbst für einen guten Zweck ist ein Krieg schlecht und es gilt, ihn zu vermeiden. Aber wenn er sich nicht vermeiden lässt, geht es im Krieg ums Töten. Waffen dienen zum Töten. Es gibt immer Opfer und in allen Kriegen der Vergangenheit gibt es Unschuldige. Wie kann man sie töten, wenn man ihre Unterstützung will, hat jemand diese Absicht?

Frage 17: Was empfinden Sie, wenn Sie die Bilder von Hunderttausenden von ihren Landsleuten auf der Flucht nach Europa sehen?

Assad: Ich empfinde große Traurigkeit, besonders wenn man bedenkt, dass ein jeder dieser Syrer, die Syrien verlassen haben, eine traurige Geschichte zu erzählen hat. Es spiegelt die Not Syriens während dieser Krise wider. Blickt man sozusagen rational auf diese Situation, dann ist es ein Verlust. Jeder davon eine Arbeitskraft die Syrien verloren ging. Das wird die Gesellschaft eines Landes sicher schädigen. Aber letztendlich müssen wir uns mit den Gründen auseinandersetzen. Jeder Europäer sollte sich diese Frage stellen: warum gehen sie weg? Aus vielen Gründen: der erste sind die Terroristen, die sie überall angegriffen haben, entweder direkt oder durch Angriffe auf die Grundbedürfnisse für das Leben in unserem Land. Die Infrastruktur, die Lebensweise, verschiedene Grundbedürfnisse und so weiter. Der zweite Grund ist das europäische Embargo, das europäische Embargo spielte den Terroristen direkt in die Hände. Was für die Syrer gedacht war wurde zu etwas gegen die Syrer, denn jedes Embargo richtet sich gegen die Bevölkerung eines jeden Landes. Viele Menschen haben Syrien verlassen, weil sie hier nicht mehr leben können, weil ihnen die Grundbedürfnisse zum Leben fehlen. Daher mussten sie nach Europa, in die Türkei oder sonst wohin fliehen.

Reporter: Sie sagen, dass Sie sie als Führer im Stich gelassen hätten.

Assad: Ich habe sie nicht im Stich gelassen. Ich war es nicht, der ihre Infrastruktur zerstört hat. Nicht ich habe die Terroristen bewaffnet um zu töten und zu zerstören. Die Frage lautet: wer war es? Die Europäer, die Saudis und die Kataris.

Frage 18: Was sollte Europa jetzt tun? Sollten sich die Europäer vor diesen Menschen fürchten oder ihnen helfen?

Assad: Kommt darauf an. Zunächst einmal: ein großer Teil ist gar nicht aus Syrien. Zu den Syrern: es ist eine Mischung, der Großteil kann man sagen sind gute Syrer, die patriotischen, die normalen Leute, aber es gibt darunter auch eine terroristische Infiltration. Das ist so. Welcher Teil und wie viele? Wir wissen es nicht, schwer zu sagen und das ist die Wahrheit. Ich denke, es gibt im Internet, auf Fotos und Videos etliche Beweise, dass einige Personen die hier Menschen getötet und enthauptet haben, sich als „friedliche Bürger“ auf dem Weg nach Europa gemacht haben.

Reporter: Aber allgemein gesprochen: Hilfe oder Furcht?

In unserer Krise exportiert Europa den Extremismus zu uns.

Assad: Es kommt darauf an, wie Europa mit ihnen umgeht. Denn Sie reden hier ja nicht nur über Terrorismus, Sie reden über Kultur, schon vor dieser Krise, bevor diese Flüchtlingswelle in Ihr Land kam. Das Problem für Europa ist, wie es diese Kulturen in ihre Gesellschaft integrieren soll. Und ich denke, Europa hat versagt, sei es in Bezug darauf, wie Europa mit dieser Situation umgegangen ist, sei es, weil die wahhabischen Institutionen mit Geld um sich werfen, um die Interpretation des Islam zu beschmutzen. Ich rede von den Moslems in Europa. Das hat weitere Probleme und den Extremismus in Euren Ländern geschaffen. In der Tat hat diese Region früher manchmal Extremismus nach Europa exportiert. In unserer Krise exportiert Europa den Extremismus zu uns. Es kommt also darauf an, wie Sie damit umgehen, und ich denke nicht, dass die Integration einfach werden wird.

Frage 19: Wie sehen Sie sich selbst in diesem Konflikt? Sie sagten, ihre Gegner seien Terroristen, Fanatiker, ausländische Agenten. Was ist das wertvollste, das Sie zu schützen versuchen?

Assad: In unserem Land?

Reporter: Ja

Säkularismus bedeutet für Syrien Religionsfreiheit, die Freiheit der Sekten und Volksstämme

Assad: Der Säkularismus. Denn Syrien ist ein Schmelztiegel. Natürlich ist der Säkularismus in Syrien ein anderer als im Westen, insbesondere in Frankreich möglicherweise, wo er als Religionsfeindlichkeit verstanden wird. Streng genommen bedeutet Säkularismus für Syrien Religionsfreiheit, die Freiheit der Sekten und Volksstämme. Ohne das wäre Syrien nicht das wofür es seit Jahrhunderten bekannt ist. Das ist das Wichtigste, was es zu schützen gilt. Das zweite ist der Ausgleich, denn die Vielfältigkeit der verschiedenen Faktoren dieser Jahrhunderte alten Gesellschaft verlangt einen Ausgleich. Ohne diesen Ausgleich gäbe es diesen Schmelztiegel nicht. Woran die Terroristen jetzt arbeiten, ist die Erschaffung einer neuen Generation, die nichts über einen Ausgleich weiß. Sie werden nur Mörder sein, Extremisten, Fanatiker die keine Anderen akzeptieren. Das wird in ein paar Jahren zu einer reellen Gefahr werden, wie sollen wir mit dieser neuen Generation umgehen? Es sind nicht die über Zwanzigjährigen, eher zwanzig und drunter. Das ist die wahre Herausforderung vor der wir stehen.

Frage 20: Gibt es etwas, das Sie nicht tun würden, um die von Ihnen erwähnten Werte zu schützen?

Man sollte alles tun um sein Land zu schützen

Assad: Nein, man sollte alles tun um sein Land zu schützen. Man kann sein Land nicht beschützen, wenn man nicht die Gesellschaft und ihre Prinzipien und die Werte in dieser Gesellschaft schützt. Ein Land besteht nicht nicht aus Boden und Grenzen, es besteht aus Menschen und einer Denkweise.

Frage 21: Wenn Sie eine Ihrer Entscheidungen aus den letzten fünf Jahren ändern könnten, was wäre das?

Assad: Wir haben vielen Leuten vertraut, denen wir nicht hätten trauen sollen. Das ist das größte Problem in Syrien und außerhalb. Zum Beispiel in der Vergangenheit Erdogan. Wir haben während des Konflikts entdeckt, dass viele Syrer Fanatiker waren, dass sie einer extremen Ideologie wie der Muslimbruderschaft anhingen und einige zu alQaeda gehörten. Und jetzt besitzen sie Waffen und kämpfen. Ganz zu Anfang dachten wir, sie würden für ihr Land arbeiten, das ist die Hauptsache. Wenn wir von einer Strategie sprechen dann beruht diese auf zwei Säulen: die erste lautet Dialog und die zweite ist der Kampf gegen den Terrorismus. Diese zwei Säulen bleiben unverändert, wir werden sie nie verändern.

Frage 22: Nicht einmal die Balance zwischen den beiden Säulen?

Assad: Von einer Balance kann man nicht reden, denn die Realität verändert sich mit jedem Tag. Der Dialog sollte bis zum Maximum ausgereizt werden und der Kampf gegen den Terrorismus sollte bis zum Maximum ausgereizt werden. Es sollte eine Verbindung zwischen ihnen geben. Ein Miteinander und kein Gegeneinander. Daher braucht es diese Balance nicht, man muss mit beiden an das Maximum gehen, parallel.

Frage 23: Kommen wir kurz zu den tschechischen Beziehungen. Die tschechische Republik ist eines der wenigen Länder die während des gesamten Konflikts ihren Botschafter in Syrien behalten hat. Wie wichtig ist das für Sie?

Assad: Es ist aus vielen Gründen wichtig. Zunächst war die Beziehung mit der tschechischen Republik vor der Krise nicht herzlich, wir hatten in der Tat viele Differenzen. Viele der Beziehungen zu anderen europäischen Ländern waren besser als die Beziehungen zu Ihrem Land. Was während der Krise passierte, als die meisten der europäischen Länder die westliche Propagandahaltung einnahmen, so hat Ihr Land die Balance in den Beziehungen behalten. Das heißt natürlich nicht, dass Sie die syrische Regierung oder den syrischen Präsidenten unterstützen. Das heißt, dass Sie die natürliche Rolle spielen, die jedes Land in seinen Beziehungen zu einem Gegner spielen sollte. Wie kann man eine Rolle spielen, wie soll man Beziehungen haben, wenn man nicht weiß, was vor sich geht? Das ist ein Aspekt. Der zweite ist, dass die tschechische Republik ein kleines Land ist und Teil der EU und unter erheblichem Druck einiger westlicher Länder und der USA stand um seine Position zu ändern. Nur die Botschaft offen zu halten ist manchmal nur symbolisch. Manchmal ist das nur symbolisch. Trotzdem wollte die tschechische Republik unabhängig sein. Das ist es was wir in der heutigen Welt vermissen. Die meisten Länder sind nicht unabhängig, die meisten Regierungsvertreter sind nicht unabhängig, besonders im Westen. Zum anderen Aspekt: dass ein kleines Land wie die tschechische Republik unabhängig sein kann , das verdient Respekt. Und es hat Ihrem Land in Syrien Respekt für Ihre Haltung eingebracht, ob wir mit Ihrer Haltung übereinstimmen oder nicht. Aber letzten Endes respektieren wir es. Der Respekt ist also vorhanden, es ist sozusagen ein staatsmännisches Verhalten in Ihrer politischen Haltung und Ihren Regierungsvertretern und das ist für uns sehr wichtig. Und der dritte Aspekt: aufgrund ihrer glaubwürdigen Haltung, die viele europäische Länder jetzt anerkennen und verstehen, dass Sie Recht hatten mit dem was in Syrien passierte, diesen offenen Kanal zur syrischen Regierung zu behalten. Ich denke, sie brauchen Ihre Hilfe, um wieder in die richtige Spur zu kommen, besonders bezüglich des politischen Aspektes. Es gibt also viele Aspekte, diese balancierte Haltung zur Situation in Syrien.

Frage 24: Noch ein Aspekt. Präsident Zeman erwähnte tatsächlich die Möglichkeit einer Unterzeichnung eines syrischen Friedensabkommens in Prag. Unterstützen Sie diese Idee?

Assad: Natürlich. Jede Anstrengung, eine Lösung für die Krise in Syrien zu unterstützen, besonders einer glaubwürdigen Regierung, werden wir mit Freuden annehmen, mit Sicherheit.

Frage 25: Aber die symbolische Bedeutung, ich denke an die Genfer Gespräche, dann die Gespräche in Wien – wäre eine Unterzeichnung in Prag realistisch?

Assad: Ja, natürlich wäre das realistisch. Wenn Sie das syrische Volk fragen, dann würde es sagen, dass es in Frankreich keine Friedenskonferenz geben könne, denn Frankreich unterstützt den Terrorismus und den Krieg. Den Frieden unterstützt Frankreich nicht. Wenn Sie also beispielsweise Prag erwähnen, dann gäbe es eine allgemeine Zustimmung zu diesem Vorschlag, da Ihr Land eine ausbalancierte Haltung vertritt.

Frage 26: Nach all dem, was in den letzten Jahren in Syrien passierte, jeder kennt die schrecklichen Bilder. Haben Sie schlaflose Nächte, haben Sie Albträume?

Assad: Man lebt jeden Tag mit dieser Traurigkeit. Man lebt, wie soll ich sagen, mit dem Leiden der Menschen auf täglicher Basis. Jede Stunde kommen schlimme Nachrichten, das ist die Atmosphäre in der man lebt. Aber dann sieht man die Gefühle der syrischen Menschen, diese Herausforderungen, nicht nur was den Kampf betrifft, nicht nur die politischen Haltungen, sondern das alltägliche Leben zu leben – und das bedeutendste Beispiel sind die Familien der Märtyrer unseres Landes, man besucht sie, man betrachtet sie, sie haben diesen starken Willen und sie versuchen, ein so normales Leben wie möglich zu führen – da kann man sich nicht in einer Blase aus Traurigkeit verstecken. Man muss sein Leben weiterführen und den Menschen Hoffnung geben und man muss optimistisch sein, dass man das Problem lösen und Syrien wieder zur Normalität zurückführen kann.

Frage 27: Bleiben da noch Zweifel? Für einen Mann in Ihrer Position?

Assad: Zweifel worüber?

Reporter: Zweifel über Ihre Taten, über Ihre Schritte?

Assad: Sie meinen in der Vergangenheit, oder?

Reporter: Ja, ich meine, wenn Sie sich fragen…

Assad: Natürlich, man stellt sich jeden Tag die Fragen. Und wenn man die Details betrachtet, ständig hat man über Details nachzudenken, dann sagt man sich, das hätte man besser machen können, denn es gibt kein völlig richtig und kein völlig falsch, also wie viele Prozent? Es ist etwas Subjektives, jeden Tag ändern sich die Gedanken zu etwas. Es kommt auf die Situation an, besonders wenn es nicht nur um einen Faktor handelt. Alle Faktoren sind verbunden, daher ist eine Balance zwischen den verschiedenen Handlungen nicht leicht zu erreichen. Man revidiert und verändert ständig, aber ich meine, die einzig wahre und objektive Einschätzung wird sich nach dem Ende der Krise zeigen. Denn mitten im Krieg ist es schwierig endgültige Schlüsse über alles zu ziehen. Ich denke, wir werden später, nach der Krise genau sagen können, was genau falsch lief. Wir machen bestimmt genauso Fehler wie alle anderen Menschen.

Frage 28: Wo sehen Sie Syrien in zehn Jahren?

Assad: In zehn Jahren wird unsere einzige Wahl sein, den Terrorismus besiegt zu haben. Anders geht es nicht. Zweitens: die säkulare Gesellschaft und ihre Vielfalt zu bewahren. Drittens: Reformen für Syrien. Welches politische System das syrische Volk will, welche Zukunft sie wollen. Wie gesagt, ich denke das Wichtigste ist der Säkularismus, besser integriert als vor der Krise, er war zwar integriert, aber Gesellschaften wandeln sich ständig. Das ist es was ich sehe und für einen Wohlstand zu erreichen hoffe.

Frage 29: Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren? Können Sie sich ein Leben außerhalb des Präsidentenamtes vorstellen, vielleicht außerhalb Syriens?

Assad: Um ehrlich zu sein: mir war diese Position nie wichtig.Und sie ist mir heute nicht wichtig und nicht in der Zukunft. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht, auch nicht bevor ich Präsident wurde. Ich habe nie an diese Position gedacht. Es geht darum, was das syrische Volk will. Und jetzt mitten im Krieg werde ich nicht sagen, ich gehe aus dem oder dem Grund, außer das syrische Volk will, dass ich gehe. Wenn Krieg herrscht muss man seine Arbeit machen um sein Land zu schützen. Sonst ist man ein Verräter. Das kommt für mich oder die Syrer nicht in Frage. Wenn Wahlen sind, dann wird das syrische Volk entscheiden, ob es mich will und ich werde es gerne repräsentieren. Wenn es mich nicht will, dann werde ich gerne gehen, damit habe ich kein Problem.

Frage 30: Seit fünf Jahren gibt es Diskussionen darüber, Ihr Amt abzugeben. Manchmal scheint es keine Frage des ob, sondern wann. Aber nach fünf Jahren sind Sie immer noch hier. Was ist es was die Führer Ägyptens, Tunesiens oder Libyen nicht hatten?

Assad: Die öffentliche Unterstützung. Wenn man keine öffentliche Unterstützung hat dann kann man nicht bestehen, man wird scheitern. Wenn man von den von Ihnen erwähnten Präsidenten sprechen will: sie hatten keine öffentliche Unterstützung. Aber gleichzeitig hatten sie zu Beginn die Unterstützung des Westens. Aber als der Westen merkte, dass sie keine öffentliche Unterstützung hatten, änderte er seine Haltung und sagte ihnen, ihr müsst abtreten. Was mich in Syrien in diesem Amt gehalten hat ist die öffentliche Unterstützung, nichts anderes.

Frage 31: Wird Ihr Platz in der Geschichte also der des größten Überlebenden sein?

Assad: Nicht Überlebender. Ich war von Anfang an ehrlich zu den Syrern, ich bin ein ehrlicher Mensch. Und es ist sehr wichtig, dass die Menschen verstehen, dass sie für ihr Land kämpfen und ich mit ihnen. Das ist nicht mein Krieg, sie kämpfen nicht um mich als Präsident, um mein Amt. Ich kämpfe nicht für mich um mein Amt. Das ist etwas was sie sehr gut an mir verstehen. Wäre es mein Krieg, ginge es darum mein Amt zu behalten, dann würde niemand kämpfen. Die Menschen würden für so etwas nicht kämpfen und ihr Leben riskieren.

Frage 32: Letzte Frage, die Schwierigste. Wann wird es in Syrien Frieden geben?

Assad: Wenn die von mir erwähnten Länder – Frankreich, Großbritannien, die USA, Saudi Arabien, Katar und einige andere – aufhören, die Terroristen zu unterstützen. Schon am nächsten Tag wird sich die Situation bessern und in wenigen Monaten gäbe es in Syrien richtigen Frieden, mit Sicherheit.

Frage 33: Ein Zeitrahmen?

Assad: Ich sagte es Ihnen, in wenigen Monaten. Wenn sie damit aufhören würden. Wenn sie nicht damit aufhören und weiter Hindernisse in den Weg legen, werden wir trotz dieser Hindernisse gewinnen. Aber das „wann“ wird dann schwer zu beantworten sein.

Frage 34: Sie sind optimistisch?

Assad: Natürlich, eindeutig. Sonst würden wir nicht kämpfen. Hätten wir keine Hoffnung, dann hätten wir diesen Krieg als Syrer nicht gekämpft.

Reporter: Vielen Dank, Herr Präsident.

Assad: Danke, dass Sie gekommen sind. Es war mir ein Vergnügen.