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Am Mittwoch berichtet die ZDF heute-Sendung in den 19.00 Uhr-Nachrichten im Rückblick auf das aufgrund eines Terroralarms abgesagte Fußballspiel in Hannover am Abend zuvor, in einem IC sei eine „Bombenattrappe“ gefunden worden, woraufhin der Zug geräumt wurde.

Auch die ARD behauptete unter Berufung auf eine Bundespolizeisprecherin, es habe sich um eine Bombenattrappe gehandelt und wusste sogar, der Mann, der sie abgelegt hat, sei „geflüchtet“:

Länderspiel-Absage, Bombenattrappe in IC

Die Polizei sucht auch nach dem Unbekannten, der eine Bombenattrappe in einem IC liegen ließ.

Verwirrung um Sprengstoff-Attrappe

Ein in einem IC in Hannover hinterlassenes Päckchen beschäftigt die Bundespolizei weiterhin. Ein Reisender hatte den Gegenstand in die Gepäckablage gelegt. Als er in Hannover den Zug verlassen wollte, erinnerte ihn eine Mitreisende an das Gepäckstück. Daraufhin flüchtete der Mann. Die Bundespolizei wurde eingeschaltet. Sprengstoffhunde zeigten an, das Röntgenbild gab zusätzlich Anlass zur Vermutung, dass es sich um eine Bombe handeln könnte, sagte Bundespolizeisprecherin Sandra Perlebach zu tagesschau.de. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Paket mit Sprengstoff oder sprengstoffähnlichem Material in Berührung kam.“ Was den Mann bewogen haben könne, die „gut gebaute Attrappe“ abzulegen, sei unklar. Vermutlich handle es sich um einen Trittbrettfahrer. (tagesschau.de)

Diese „Bombenattrappe“ war der einzige bekannt gewordene, handfeste Hinweis, dass es tatsächlich eine Bedrohung in Hannover gab, denn eine gefundene Attrappe musste von Menschen gelegt worden sein, die Angst und Schrecken, also Terror verbreiten wollten.

Sollte die Bundespolizeisprecherin tatsächlich behauptet haben, es handele sich um eine Attrappe, hat sie den falschen Job und jeder halbwegs aufmerksame Journalist hätte nachfragen müssen, woher man denn weiß, dass es sich um eine Bombenattrappe handelt.

Im ZDF wird die Bombenattrappe um 19.00 Uhr zu einem Fakt.

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„22.28 Uhr Am Bahnhof Hannover wird ein verdächtiges Paket gefunden. Der IC-Zug wird geräumt. Es handelt sich um eine Bombenattrappe. Heute Morgen dann Entwarnung.“

Nun muss man den Redakteuren des ZDF-Staatsfunk zunächst einmal erklären, was eine Attrappe ist:

Eine Attrappe oder ein Phantom ist ein Gegenstand, der Eigenschaften eines Originals nachahmt. Die Attrappe imitiert allerdings nie sämtliche Eigenschaften des Vorbilds (sonst würde sie Nachbildung oder Kopie genannt werden). Sie dient also der Täuschung des Betrachters, indem sie ihm vorgaukelt, ein Original zu sein. (wikipedia)

Wer sich von tumben Staatsfunk-Redakteuren nicht so leicht ins Bockshorn oder in Terrorfurcht jagen lässt, der hatte bereits große Zweifel, dass es sich tatsächlich um eine Attrappe handelt, denn wenn der Terroralarm begründet war, kann man davon ausgehen, dass potentielle Täter des IS keine Attrappen platzieren. Andererseits wäre es angesichts des kurzfrtistig abgesagten Spiels mehr als ungewöhnlich, dass Trittbrettfahrer in der Kürze eine Attrappe basteln und in einem IC deponieren. Das Ganze roch also von Anfang an verdächtig nach einer Falschinformation und dass in Wahrheit wiedermal jemand einen liegengelassenen Gegenstand gemeldet hatte.

Am Freitag klärte sich die Sache, als sich der Besitzer des Pakets mit Elektronikbauteilen meldete, der es versehentlich im Zug liegengelassen hatte. Von einer „Bombenattrappe“ konnte also zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Aus Sicht der Polizei war es ein „verdächtiges Paket“ oder eine „mutmaßliche Bombe“. Würde die Polizei von einer „Bombenattrappe“ sprechen, dann wüsste sie offensichtlich bereits, dass das Paket ungefährlich ist und nur mit dem Ziel ausgelegt wurde Angst zu verbreiten.

Das ZDF muss also am Freitag seine eigene Falschinformation, die zweifellos zur Schürung von Ängsten in der Bevölkerung – mindestens unter Bahnfahrern – beitrug, wieder einfangen und erklärt konträr zur Berichterstattung vom Mittwoch, es habe sich um ein „Rätsel“ gehandelt.

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„Das Rätsel um die vermeintliche Bombenattrappe in einem IC in Hannover hat sich aufgelöst. Das herrenlose Päckchen gehört einem Ingenieur aus dem Ruhrgebiet. Es war am Dienstag nach dem abgesagten Fußball-Länderspiel in dem Zug gefunden worden. Darin befand sich kein Sprengstoff, sondern Elektrobauteile und Kabel. Die Bundespolizei erklärte, der Mann habe glaubhaft versichert, er habe das Paket schlichtweg vergessen.“

Selbstverständlich hätte man von Beginn an von einem herrenlosen Paket sprechen müssen, das eine mutmaßliche Bombe ist oder eine mutmaßliche Bombenattrappe, keinesfalls aber hätte man behaupten dürfen, es handele sich um eine Bombenattrappe, denn das würde voraussetzen, der Sachverhalt sei geklärt.