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zdf_80Es gibt kaum noch eine Sendung mit Syrien-Bezug in den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die nicht mit „Fassbomben“-Propaganda daher­käme. Es ist der letzte „argumentative“ Halt jener medialen Büchsenspanner und Kriegshetzer, die den Konflikt von Beginn an angeheizt haben, indem sie einen militanten und islamistisch unterfütterten Aufstand rechtfertigten und verherrlichten, anstatt beide Konfliktseiten zur Gewaltlosigkeit zu drängen.

Die US-gesteuerte deutsche Lügenpresse, die sich in Deutschland schon über einen gebastelten Holzgalgen auf einer Demo echauffiert, hat in Syrien – wie auf dem Maidan – Extremismus, Militanz und Gewalt von Regierungsgegnern totgeschwiegen, verharmlost oder als „Reaktion“ auf angebliche oder tatsächliche staatliche Gewalt gerechtfertigt.

Mit dieser Doppelmoral, Verlogenheit und Menschenverachtung hat man aktiv und vorsätzlich den gewaltsamen Putsch in Kiew und den Krieg der vom Westen installierten Junta „gegen das eigene Volk“(sic!) vorangetrieben und in Syrien geholfen, das Land in einen ausgewachsenen Bürgerkrieg zu stürzen, mit dem geopolitische Interessen der USA, Saudi-Arabiens, Israels und der Türkei umgesetzt werden sollten.

Die „Fassbomben“-Propaganda, die nun aus allen Rohren auf die deutsche Bevölkerung gefeuert wird, hat mehrere Funktionen. Zunächst einmal dient sie der Emotionalisierung und Skandalisierung, weshalb sie eng mit der Floskel „auf die eigene Bevölkerung“ verbunden ist.

Faktisch sind „Fassbomben“ nicht schlimmer als jede andere Bombe. Tatsächlich bieten sie aufgrund der Langsamkeit und Lautstärke der Hubschrauber und der vergleichsweise langsamen Fallgeschwindigkeit jedem aufmerksamen potentiellen Opfer am Boden die Chance, sich rechtzeitig aus dem Zielgebiet zu entfernen oder einen Schutzraum aufzusuchen. Da es ausschließlich syrische Hubschrauber sind, die in den entsprechenden Gebieten den Luftraum kontrollieren und die Bevölkerung am Boden den Verlauf der Fronten und potentielle Ziele des syrischen Militärs kennt, haben Zivilisten selbst dann, wenn sie mit den Militanten fraternisieren, eine Chance, sich rechtzeitig von potentiellen militärischen Zielen zu distanzieren.

Terrorpotential und Tödlichkeit US-amerikanischer Drohnen oder herkömmlicher Bomben, Granaten und Raketen sind buchstäblich von einem ganz anderen Kaliber. Wer weiß, dass über ihm Tag und Nacht Drohnen kreisen, die nicht wahrgenommen werden, aber jede Minute töten können, lebt unter einem psychologischen Terror, gegen den die gelegentlich auftauchenden und deutlich hörbaren Helikopter geradezu eine Erholung darstellen dürften. Eine Chance, den Hellfire-Raketen oder anderen herkömmlichen Bomben rechtzeitig zu entkommen, gibt es nicht. In dem Moment, in dem man sie hört, ist man dem Zufall ausgeliefert und im Zweifel schon tot.

Dies soll selbstverständlich keine Rechtfertigung sein, sondern eine rationale Betrachtung, die die Propaganda, die sich hinter den Begriff „Fassbombe“ verbirgt, entlarvt. Neben der Emotionalisierung und Skandalisierung gibt es eine zweite propagandistische Wirkung, wenn eine verbale „Fassbombe“ in die Köpfe deutscher Bürger geschleudert wird: das Denken erstarrt und Fragen danach, warum und auf wen denn tatsächlich diese Bomben geworfen werden, werden nicht gestellt. So wird der ganze Konflikt auf einen „bösen Despoten“ reduziert, der vermeintlich besonders schreckliche Waffen gegen sein friedliebendes Volk einsetzt.

Die Gewalt jener, gegen die die Fassbomben gerichtet sind, wird notorisch totgeschwiegen oder in der Art eines Zirkelschlusses gerechtfertigt, da diese sich ja nur gegen den „bösen Diktator“ wenden würde. Dass diese Militanten regelmäßig Zivilisten und Kämpfer der legitimen Regierung töten, wird komplett ausgeblendet. Ihre Missetaten werden allenfalls dann in den westlichen Lügenmedien erwähnt, wenn man sie eindeutig dem IS oder mindestens al-Kaida zuordnen kann. „Gemäßigte Rebellen“ – also unsere Rebellen – töten nicht, schon gar keine Zivilisten und sie haben das Recht, Gewalt anzuwenden – so die Botschaft der goebbelschen Kriegspropaganda in ARD, ZDF und den anderen deutschen Mainstreammedien.

PS-Leser Max hat ein aktuelles Beispiel, wie primitiv diese Propaganda im ZDF daherkommt. Im Morgenmagazin wurden zwei junge syrische Schwimmerinnen vorgestellt, die – selbstverständlich – vor den „Fassbomben“ Assads fliehen mussten:

ZDF-“MoMa”: Wenn die Sportredaktion des ZDF über Syrien “berichtet”, wird’s auch nicht besser, eher im Gegenteil. Ein gewisser Olaf Bozdech zeichnet für den folgenden Beitrag verantwortlich. Möglicherweise glaubt der Mann auch noch, er würde damit sein Herz für Flüchtlinge zeigen.

Es geht um zwei syrische Schwestern, die angeblich ganz gut schwimmen können und jetzt in Berlin bei irgendeinem Sportverein trainieren. An sich nichts so Besonderes, die beiden hoffen, vom IOC eine Startgenehmigung für Rio 2016 zu bekommen, aber auch das ist ja nur vordergründig.

ZDF_12112015_Moma_syrien
– Bild anklicken, ZDF-Mediathek!

Gleich zu Beginn: “Bis vor einigen Monaten war das der Alltag…”(Ein kurzer Ausschnit wird gezeigt, wo irgendwas spektakulär in die Luft fliegt, der ZDF-Reporter schweigt kurz, um die Bilder wirken zu lassen, dann:) “Fassbomben auf die eigene Bevölkerung durch das Assad-Regime”. Dann eine dramatische Fluchtstory mit natürlich nicht authentischen Bildern, und dann darf eines der Mädchen sprechen, in ausgezeichnetem Englisch:

“Alles war so schön, die Welt war in Ordnung für uns, aber das war vor dem Krieg”.

Auch im weiteren Verlauf sagt sie nichts zu “Fassbomben” oder Regime. Die Welt war vor dem Krieg in Ordnung. Das ist für mich die Aussage. Aber Meister Bozdech will vermitteln, dass dann plötzlich der pitterpöse Assad auf die Idee kam, “Fassbomben” auf die eigene Bevölkerung zu werfen. Ich stelle mir das immer so vor: Jemand vom Militär gibt durch: “Wir haben hier ein Haus gefunden, in dem Menschen leben”. Rückfrage von Assad: “Sind das Einheimische, als eigene Bevölkerung?” “Ja sicher, was denn sonst?” Dann werft eine Fassbombe drauf”.

Das Mädel will später Pilotin werden. Was ich ohne die “Fassbomben”-Szene aus dem Beitrag lerne: In Syrien wurde die Jugend sehr gut ausgebildet, sie hatte eine Perspektive. Das alles wurde durch den Krieg zerstört. Sie sind nicht vor Assad geflohen, sondern vor dem Krieg. Irgendwelche reingeschnittenen Szenen, von denen die Schwestern wahrscheinlich nichts wussten, ändern nichts an deren Aussagen – und die kann man nicht anders interpretieren, als ich das eben tat. Für den Unterton sorgt Bozdech, der vermutlich eines der vielen Opfer der ZDF-eigenen Propaganda ist. Da gibt es aber auch eine Redaktion und einen Chef derselben…

 

Ob die Mädchen eines Tages verstehen werden, dass es auch die Kriegspropaganda der deutschen Lügenpresse war, die für ihr Schicksal und das Schicksal ihres Heimatlandes verantwortlich war? Klar ist, dass Mädchen wie sie unter dem Regime der meisten „gemäßigten Rebellengruppen“ ganz sicher nicht ihrer Leidenschaft dem Schwimmen nachgehen oder eine Ausbildung zu Pilotinnen machen könnten. Wie sie oder ihre Eltern zur Regierung Assad und dem gewaltsamen Aufstand stehen, hat das ZDF wohlweislich erst gar nicht gefragt. Zu befürchten wäre, dass die Flüchtlinge sich mit der Wahrheit schwer tun, in einem Land, das für die Verbrechen in ihrer Heimat große Mitschuld trägt.