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PaulCraigRobertsDie Völker des Westens werden wieder zu Leibeigenen

09.11.2015

by Paul Craig Roberts                                         Übersetzung von FritztheCat


Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans („Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.

Die erneute Versklavung der Völker des Westens geschieht auf mehreren Ebenen. Eine – und ich schreibe seit mehr als 10 Jahren darüber – geschieht durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Amerikaner nehmen zum Beispiel immer weniger an der Produktion der ihnen angebotenen Güter und Dienstleistungen teil.

Wir sehen eine weitere Ebene in der Finanzialisierung (Anm.d.Ü.: der von der Realwirtschaft abgekoppelte Finanzkapitalismus) der westlichen Wirtschaften. Der führende Experte hierzu ist Michael Hudson, siehe „Killing The Host“ (Anm.d.Ü.: kommt dieses Buch im November 2016 als Übersetzung? „Der Krieg der Banken gegen die Welt – warum wir vor dem Kapitalismus kapitulieren“). Finanzialisierung bezeichnet einen Vorgang bei dem jede öffentliche Beteiligung an der Wirtschaft entfernt und der wirtschaftliche Gewinn in Zinszahlungen an den Finanzsektor verwandelt wird.

Diese zwei Entwicklungen berauben die Menschen einer wirtschaftlichen Perspektive. Eine dritte Entwicklung beraubt sie ihrer politischen Rechte. Die Trans-Pazifische und die Trans-Atlantische Partnerschaft beseitigen die politische Souveränität und die globalen Konzerne übernehmen die Regierung.

Diese sogenannten „Handelspartnerschaften“ haben nichts mit Handel zu tun. Diese geheim verhandelten Abkommen gewähren den Konzernen Immunität vor den Gesetzen eines Landes mit dem sie Handel treiben. Das wird erreicht, indem jede Einmischung aufgrund existierender oder zukünftiger Gesetze und Regulierungen zu Konzernprofiten als Handelshemmnis eingestuft werden. Damit können Konzerne „souveräne“ Regierungen verklagen und bestrafen lassen. So würde beispielsweise das Verbot Frankreichs und anderer Länder von gentechnisch veränderten (GMO) Produkten durch die Trans-Atlantische Partnerschaft zunichte gemacht. Die Demokratie wird einfach durch Konzernherrschaft ersetzt.

Ich hatte vor, ausführlicher darüber zu schreiben. Aber andere haben dazu bereits gute Arbeit geleistet, wie Chris Hedges, wie dieser Griff nach der Macht die repräsentative Demokratie beseitigt. (Anm.d.Ü.: Hedges über die Veröffentlichung der 5.544 Seiten des TPP)

Der Machterwerb war für die Konzerne günstig. Sie haben das gesamte Repräsentantenhaus für etwas weniger als $200 Mio. gekauft. So viel haben die Konzerne dem Kongress bezahlt, damit die das beschleunigte Gesetzgebungsverfahren „Fast Track“ durchwinken (Anm.d.Ü.: Der US Präsident verhandelt mittels des US- Handelsbeauftragten, nicht der Kongress. Der Kongress kann dann nur noch Ja oder Nein sagen, aber keine Veränderungen einbringen oder das Gesetz aufhalten). Das erlaubt dem US Handelsbeauftragten, einem Agenten der Konzerne, im Geheimen zu verhandeln, ohne parlamentarische Beteiligung oder Aufsicht.

Anders ausgedrückt: ein US Konzern-Agent verhandelt mit Konzernagenten jener Länder die die „Partnerschaft“ umfassen. Und diese Handvoll ordentlich bestochener Leute schließt ein Abkommen, welches Gesetze durch Konzerninteressen ersetzen wird. Keiner der Unterhändler der Partnerschaft vertritt das Volk oder das Interesse der Öffentlichkeit. Die Regierungen der Partnerschaftsländer können dem Vertrag zustimmen oder ihn ablehnen, und sie werden gut bezahlt werden, um dem Abkommen zuzustimmen.

Sind diese Partnerschaften erst einmal umgesetzt, dann ist die Regierung privatisiert. Dann machen Gesetzgebung, Präsidenten, Premierminister und Richter keinen Sinn mehr. Konzerntribunale bestimmen Gesetz und Gerichtsurteile.

Wahrscheinlich werden diese „Partnerschaften“ unbeabsichtigte Folgen haben. Russland und China sind zum Beispiel nicht Teil des Arrangements, und auch der Iran, Brasilien, Indien und Südafrika nicht. Auch wenn es so aussieht, als wäre die indische Regierung von amerikanischen Agrarkonzernen gekauft worden und würde gerade sein ausreichendes landwirtschaftliches Produktionswesen zerstören. Diese Länder werden die Hüter nationaler Souveränität und öffentlicher Kontrolle sein, während Freiheit und Demokratie bei den Leibeigenen im Westen und in Asien verschwinden wird.

Eine gewalttätige Revolution überall im Westen und die völlige Vernichtung des ‚Einen Prozents‘ sind ein weiteres mögliches Resultat. Wenn beispielsweise die Franzosen herausfinden dass sie jede Kontrolle über ihre Essgewohnheiten an Monsanto und die Agrarkonzerne verloren haben, dann werden womöglich jene französischen Regierungsmitglieder, die Frankreich das Fresspaket aus giftigem Essen besorgt haben, auf der Straße getötet.

Solche Sachen könnten überall im Westen geschehen. Wenn die Menschen herausfinden dass sie jede Kontrolle über jeden Aspekt ihres Lebens verloren haben, dann bleibt nur eine Wahl: Revolution oder Tod.