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bbcWährend die BBC in der ARD noch als seriöses Medium verkauft wird, das sich bemüht, Falschinformationen im Propagandakrieg aufzudecken, hat sich abseits des Mainstreams längst herumgesprochen, dass auch in der BBC knallharte Propaganda verbreitet wird.

Gerade erst hat Glenn Greenwald aufgezeigt, wie das mit Großbritannien alliierte Regime saudischer Despoten von der BBC publizistisch geschützt wird – ein Phänomen, dass man nahtlos auf deutsche Staats- und Konzernmedien übertragen kann.

Noch aufschlussreicher ist der Skandal um die BBC-Dokumentation „Saving Syria’s Children“, bei der es sich um eine komplett inszenierte Gräuelpropaganda handelt, die Großbritannien in einen offenen Krieg gegen Syrien manövrieren sollte. Dass NDR-Mann Klaus Scherer in seiner handwerklich und inhaltlich unzureichenden „Dokumentation“ darüber kein Wort verlor, macht ihn zu einem Hanswurst der Propaganda.

Die unabhängigen Blogger von Off-Guardian bleiben hingegen mit scharfen Zähnen an der Wade der BBC und haben bezüglich dieses Machwerks moderner Kriegspropaganda nachgelegt.

 

Noch mehr Rätsel über die BBC-Dokumentation ‚Saving Syria’s Children‘

 

by BlackCatte                                                                Übersetzung FritztheCat

Wir schauen ein zweites Mal auf die Arbeit von Robert Stuart bezüglich der BBC-Panorama-Dokumentation „Saving Syria’s Children“. Wann passierten die angeblichen Giftgasanschläge wirklich? Warum liegen die Aussagen über den Zeitpunkt so weit auseinander? Und warum wird Produzent Darren Conway wegen einer einfachen Frage so einsilbig und unschlüssig?

Die Dokumentation „Saving Syria’s Children“ für die BBC-Reihe Panorama sollte ein einfacher Bericht über die Arbeit zweier britischer Doktoren (Rola Hallam und Saleyha Ahsan) werden, die das Atareb-Krankenhaus in Aleppo besuchten. Aber plötzlich – so wird die Geschichte erzählt – hat sich alles verändert, während sie filmten. Es hätte einen Brandanschlag auf eine etwa 14km entfernte Schule gegeben (ursprünglich als „Chemieattacke“ beschrieben), angeblich verübt von der syrischen Regierung. Zufällig konnte die Filmcrew die dramatischen Aufnahmen drehen, als die Opfer in das Krankenhaus gebracht wurden.

Diese Aufnahmen wurden zum ersten Mal in den BBC 10 Uhr Abendnachrichten am 29. August 2013 ausgestrahlt; just als das britische Parlament über eine mögliche Syrien-Intervention debattierte. Der Antrag für eine Militärintervention wurde überraschenderweise von einer knappen Mehrheit abgelehnt. Wäre die Abstimmung anders gelaufen, dann hätte das BBC-Material fraglos als eine rechtzeitige und nützliche Hilfe für den kommenden Krieg gegen Assad gegolten.

Am 30. September 2013 wurde „Saving Syria’s Children“ dann in der Reihe „Panorama“ ausgestrahlt. Es enthielt das Bildmaterial des angeblichen Chemie/Brandanschlags einen Monat zuvor. Jedoch wurde das Audiomaterial auf etwas sonderbare Art verändert, wir haben das im Off-Guardian bereits erörtert. Erklärungen warum diese Veränderungen gemacht wurden waren weniger als zufriedenstellend. Sie können den Verdacht nicht enthärten, dass hier eine absichtlicher Versuch von Kriegspropaganda vorliegt.

Das Rätsel der veränderten Tonspur ist für Robert Stuart jedoch nur ein kleiner Teil der vielen Probleme, die seine Dokumentation liefert. Seine Webseite legt viele Ungereimtheiten, Besonderheiten und Rätsel offen. Alle zusammen legen nahe, dass mit dem Bericht über den Vorfall und dem Bildmaterial über die angeblichen Opfer etwas überhaupt nicht stimmt. Wir werden in den kommenden Monaten immer wieder zu dieser wichtigen Frage zurückkehren. Und wir fordern Euch auf, Stuarts eigene detaillierte Analyse zu lesen. Heute betrachten wir aber nur einen kleinen, aber sehr wichtigen Aspekt: den Zeitablauf des angeblichen Chemieangriffs auf die Schule in Urem al-Kubra.

Einig ist man sich über den 26. August. Aber Stuart verweist darauf, dass die angebliche Anschlagszeit um fast sechs Stunden variiert, je nach der befragten Quelle. Human Rights Watch nennt „um die Mittagszeit“. Das „Violations Documantation Centre“ in Syrien verortet den Zeitpunkt der Attacke auf ca. 14 Uhr. Ian Pannell, der Reporter in „Saving Syria’s Children“, berichtet jedoch, der Anschlag fand „gegen 17 Uhr 30 statt, am Ende des Schultages.“ Sein Crewmitglied, der Regisseur und Kameramann Darren Conway schätzt die Zeit auf „zwischen 15 Uhr und 17 Uhr“. Ein weiterer angeblicher Augenzeuge nennt einen noch späteren Zeitpunkt, gegen 18Uhr.

Das ist etwas seltsam. Besonders seltsam, dass die zwei BBC Mitarbeiter vor Ort sich anscheinend nicht auf einen Zeitpunkt einigen können, schließlich waren sie anwesend und haben sogar gefilmt. Kann man das einfach mit der Konfusion erklären, die bei solch einem katastrophalen Ereignis auftritt? Natürlich kann man diese Möglichkeit nicht ganz ausschließen. Die angeblichen Opfer mussten von der Schule zum Hospital transportiert werden. Könnte das an den Ungereimtheiten schuld sein? Unwahrscheinlich. Die Schule in Urem al Kubra ist weniger als 15km vom Atareb-Krankenhaus entfernt. Das macht es unwahrscheinlich, dass die ersten Opfer drei bis sechs Stunden nach dem Angriff eintrafen.

Noch seltsamer ist jedoch die nachfolgende Reaktion und Antwort der BBC-Crew auf Fragen dazu. Im Oktober 2014, während eines Interviews mit dem „Frontline Club“, konnte Stuart aus dem Publikum heraus den Kameramann Darren Conway bitten, den Zeitablauf und die offensichtlichen Unregelmäßigkeiten zu erklären. Hier das Transkript zu diesem Austausch:

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‘Saving Syria’s Children’ Kameramann, Regisseur und Produzent Darren Conway im Frontline Club am 15 Oktober 2014

Stuart: Nur eine kleine Frage zu dem Panorama-Bericht, weil es Abweichungen gibt über den Zeitpunkt der Bombardierung der Schule: die BBC sagt, es war am Ende des Schultages, um 17Uhr30. HRW sagt in ihrem Bericht, es wäre Mittag gewesen und das Violation Documentation Centre sagt 14Uhr und einer ihrer Korrespondenten sagt 15Uhr. Also wann ist es tatsächlich passiert?

Conway: Es war am Ende des Tages, ja, also ich erinnere mich nicht genau an die Zeit, wir kamen erst am Nachmittag an. Wir waren bei dem Krankenhaus auf unserem Rückweg, für ungefähr 20, 30 Minuten, als es passierte und kurz darauf wurde es dunkel, also ich würde sagen, es war zwischen 15Uhr und 17Uhr, ungefähr.

Stuart: Aber es kann doch nicht… können Sie uns sagen, warum es solche Unterschiede zu den verschiedenen…

Conway: Ich kann nicht… es gibt eine Menge Unterschiede dazu, ich glaube, äh, wissen Sie ich, äh, es, das, äh, wir könnten Stunden darüber diskutieren, wissen Sie, es macht mich echt krank, dass Menschen tatsächlich glauben dass, äh, dass das passiert, äh, dass es nicht passiert sei, aber es gibt eine große Maschine, die für, äh, die für dieses Regime arbeitet und solche Sachen äh, wissen Sie, zu diskreditieren versucht, also wissen Sie, darüber will ich eigentlich nicht reden.

Wir erkennen, dass Stuart nicht den geringsten Vorwurf zu den Anomalitäten des Zeitablaufs bringt, die das Ereignis ins Wanken bringen würden, aber Conway reagiert defensiv und mit einer gewissen Verwirrung. Er liefert sogar eine Art unzusammenhängender Widerrede zu einem Vorwurf, den keiner gemacht hat…

„…es macht mich echt krank, dass Menschen tatsächlich glauben dass, äh, dass das passiert, äh, dass es nicht passiert sei, aber es gibt eine große Maschine, die für, äh, die für dieses Regime arbeitet und solche Sachen äh, wissen Sie, zu diskreditieren versucht, also wissen Sie, darüber will ich eigentlich nicht reden…“

Das ist eine sehr seltsame Antwort von Conway, der ein paar Monate nach der Ausstrahlung von „Saving Syria’s Children“ den Orden OBE (Order of the British Empire) bekam, und dessen Ansehen in der Angelegenheit nie in Frage gestellt wurde. Warum hat er nicht gesagt: „Ich weiß nicht warum HRW sagt, dass es Mittags passierte, ich war da, also ich weiß wann es passierte. Punkt.“ Seine vorauseilende Verteidigung ist schwer zu erklären wenn die Dinge, so wie er und die Dokumentation es erläutern, wirklich so passiert sind.

Und es folgten rasch weitere Ungereimtheiten. Stuarts kurzer Schlagabtausch folgte am Ende eines ausführlichen Interviews mit Conway in einer Sendung namens „Reflections“, einer Koproduktion von Frontline und BBC, in der bekannte journalistische Persönlichkeiten abgefeiert werden. Diese Sendung brachte solche bekannte Personen wie John Pilger und Jon Snow. Das Ereignis wird live im Internet gesendet und wird gewöhnlich kurz darauf bei YT und der Frontline-Webseite veröffentlicht.

Aber bisher wurde – ein Jahr nach der Ausstrahlung – Conways Interview noch nicht hochgeladen. Ende 2014 schrieb Conway eine Email an den Programmdirektor von Frontline, Millicent Teasdale, wann und ob das Video hochgeladen würde. Das bekam er als Antwort:

„Das Video muss noch an einigen Stellen aus Sicherheitsgründen redigiert werden und ich hoffe, dass es Anfang nächsten Jahres online ist.“

Anscheinend hat man die „einigen Stellen“ noch nicht gefunden, denn im März 2015 kam auf der Frontline-Webseite folgender Hinweis:


Das Video von Darren Conway bei „Reflections“ wurde nicht auf Frontline Club hochgeladen weil die Kollegen, die an dieser Arbeit unter extrem gefährlichen Bedingungen mitarbeiteten, geschützt werden müssen. Jeder weiß, welchen extremen Risiken die Journalisten heute an Orten wie Syrien ausgesetzt sind und Darren Conway unternimmt alles um sie keinen weiteren Risiken auszusetzen, und wir bei Frontline unterstützen das natürlich. Nur aus diesem Grund wird Darren Conways Frontline Club-Gespräch zurückgehalten. Sobald es für die betroffenen Personen als sicher eingestuft wird, wird es auch auf dieser Seite veröffentlicht.


Bedenkt man dass das Ereignis live im Internet gesendet wurde, dann kommt diese Fürsorge ziemlich spät und sinnlos. Stuart behauptet, er kann sich nur an zwei Kollegen erinnern die von Conway erwähnt wurden: Ian Pannell, der die Panorama-Doku präsentierte und dessen Name somit bekannt und kein Geheimnis ist. Und der in „Saving Syria’s Children“ genannte „Helfer/Übersetzer“ Mughira Al Sharif, den Conway kurz erwähnt, er nannte ihn „Mughi“. Ist das der Kollege, der so dringend Schutz braucht? Braucht Frontline deswegen 12 Monate und länger um das eine Wort aus dem Interview zu schneiden?

Gott sei Dank sagt uns Frontline, dass zum Schutz von Conways Kollegen „nur aus diesem Grund Darren Conways Frontline Club-Gespräch zurückgehalten wird“. Sonst käme man ja noch auf den Gedanken, dass dieses Vertuschen, Ausweichen und Vernebeln etwas mit einem schlechten Gewissen zu tun haben könnte.

Bis sich Frontline entscheidet, dass das Interview mit Darren Conway OBE für eine Veröffentlichung sicher ist, können wir nur mit diesem Teil eines Handy-Videos von Stuarts Fragen an Conway dienen. Es ist zwar kurz, aber sehenswert.

In der Zwischenzeit können wir uns ja darüber wundern, warum eine anscheinend harmlose Frage über widersprüchliche Zeitangaben zu dem Geschehen dazu führt:
a) Conway geht sofort in die Defensive und labert Unsinn, und
b) das gesamte Interview von „Reflections“ wird über ein Jahr nicht im Internet veröffentlicht.

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Für ausführlichere Informationen lesen Sie bitte Stuarts eigene Analyse über das gesamte verworrene Lügennetz, die Verwirrungen und Absonderheiten der Ereignisse rund um diese strittige Dokumentation.