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zdf_80FREITAG-Blogger Wolfbert hat in einem Web-Special des ZDF über das sogenannte Freihandelsabkommen veraltete Daten der EU-Kommission entdeckt, die TTIP als Grundlage für Ströme von Milch und Honig in Europa darstellen. Als kritischer Bürger hat er das Richtige getan und sich beschwert:

ZDF_TTIP

Das ZDF erklärt in einem Web-Special das Freihandelsabkommen

Beobachter der TTIP-Aktivitäten hatten ja schon länger berichtet, dass die TTIP-Befürworter ihr schlechtes Image beklagen und die öffentliche Meinung mit einer großangelegten PR-Aktion – vulgo Propaganda – drehen wollen. Die ist wohl nun in vollem Gange.

Den Vogel hat ja sicher Alexander Neubacher auf SPON abgeschossen.

Sehr viel dezenter kommt da das ZDF daher. Auf einem schicken Web-Special (was man halt so macht, um den Altersdurchschnitt der Rezipienten zu senken) werden Argumente der Befürworter und Gegner dargestellt.

Darin ist gleich auf der Hauptseite als Argumentation der EU-Kommission zu lesen: „Der wirtschaftliche Aufschwung soll, einer Auftragsstudie zufolge, jedem Haushalt in Deutschland rund 545 Euro im Jahr bringen und 200.000 Arbeitsplätze im Land schaffen„.

Diese Aussagen beziehen sich nun aber auf alte Veröffentlichungen der EU-Kommission, die korrigiert wurden. Die ursprünglichen – und hier noch immer genannten – Werte waren zehnmal zu hoch. Das kann man z.B. da und da nachlesen.
Genau das habe ich in einer Mail ans ZDF geschrieben.

Wider Erwarten habe ich, sogar recht schnell, eine Antwort erhalten:


Lieber Herr nnn,

haben Sie herzlichen Dank für den Hinweis. Uns ist bewusst, dass es aktuellere Zahlen gibt. Wir haben in unseren Recherchen aber auch immer wieder gesehen, dass TTIP-Befürworter sich nach wie vor auf diese Studie stützen. Und deren Sicht wollen wir an dieser Stelle wiedergeben.

Um noch deutlicher zu machen, dass es sich hier um ein Argument der Pro-Seite handelt, haben wir den entsprechenden Satz angepasst. Außerdem haben wir auf der Contra-Seite ergänzt, dass die Aufschwung-Prognose inzwischen korrigiert worden ist. Wir hoffen, damit Missverständnissen vorzubeugen.

Mit freundlichen Grüßen

mmm

ZDF
HR Neue Medien
55100 Mainz


Geändert wurde tatsächlich etwas, jetzt steht bei den Contra-Argumenten: „[TTIP-Gegner] verweisen auch darauf, dass die Prognosen zum Aufschwung inzwischen stark nach unten korrigiert wurden.“ und auf einer Seite später steht sogar „Und sie weisen darauf hin, dass selbst die EU-Kommission sich schon von den Ergebnissen ihrer Auftragsstudie distanziert hat.“

Richtig überzeugend ist das nicht. Die falschen Zahlen stehen ja immer noch da – für den unbedarften Leser sieht es so aus, als gelten sie. Dass die Zahlen nicht stimmen, ist die von allen Seiten unbestrittene Wahrheit.

Die Logik ist bestechend: falsche Argumente müssen offenbar nur immer wieder wiederholt werden – und irgendwann glauben alle daran.

Nun könnte es ja sein, dass die ZDF-Redakteure ja wirklich unbedarft sind – oder aber: siehe Überschrift.