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TruePublica-logo-longWie die britische Propagandamaschine unser Denken kontrolliert

von Graham Vanbergen                              Übersetzung: FritztheCat

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Einerseits werden in Großbritannien 80% dessen, was wir in Printmedien lesen, von nur 5 einzelnen Milliardären kontrolliert. Andererseits werden 87% aller Inhalte, die die Leute auf ihren elektronischen Geräten sehen, von nur 5 Internet-Providern kontrolliert. Beide stehen schwer unter dem Einfluss der Regierung. Kein Wunder, dass die öffentliche Meinung ein Zerrbild der Wahrheit ist. Ehrlich gesagt, ist sie so weit von der Wahrheit entfernt, dass es einem Abschied von der Realität gleich kommt.
Propaganda funktioniert!

Das Buch „The Establishment and how they get away with it“ von Owen Jones handelt davon, wie die britische Demokratie von innen bedroht wird. Der Klappentext erklärt es am besten:

„Unter unserer Demokratie lauert ein machtvolles, aber unerklärliches Netzwerk von Leuten, die extreme Macht besitzen und damit riesige Profite einstreichen. Owen Jones begibt sich auf eine Reise und beleuchtet dieses finstere und komplexe System das unser Leben dominiert. Er begibt sich ins Herz unseres Establishments, von den Lobbys in Westminster (Anm.d.Ü.: Parlament) zu den Nachrichtenstudios, Sitzungssälen und den Handelssälen der Fleet Street und der City (Anm.d.Ü.: Finanzzentrum Londons). Er legt die Drehtüren und gemeinsamen Interessen dieser beiden Welten offen und zeigt darin, wie diese Leute an der Spitze behaupten, in unserem Interesse zu handeln – und genau das Gegenteil tun. Es ist tatsächlich so, dass diese Leute heute die größte Gefahr für unsere Demokratie sind – und es wird Zeit, dass wir sie herausfordern.“

Ein schönes Highlight setzt Jones mit „wie die Medien Großbritannien kontrollieren“. Wie sie die Aufspaltung zwischen der britischen Mehrheitsmeinung zu sozialen Fragen (dank des Medieneinflusses) und der Wirklichkeit aufzeigen. Das deutet darauf hin, dass das Establishment mehr als glücklich darüber ist, in der arbeitenden Durchschnitts­bevölkerung Zwietracht zu säen. Dazu hat man die traditionellen „objektiven“ Vertriebswege. Und selbst bleibt man im Hintergrund und streicht die Zinsen ein, die das Rekordkapital abwirft.

In dem Buch steht zum Beispiel, dass die Bevölkerung glaubt, dass 24% der Gesellschaft muslimisch sei, in Wahrheit sind es 5%. 31% der britischen Bevölkerung werden für Einwanderer gehalten, dabei sind es 14%. Beim Sozialbetrug glaubt man, es seien 27%, die tatsächliche Zahl ist 0,7%. Und es geht weiter mit den Wahrheit verzerrenden Statistiken: die Öffentlichkeit glaubt, dass 41% aller Sozialversicherungsgelder an Arbeitslose gehen. Tatsächlich sind es 3%. 29% der Briten glauben, dass für Arbeitslosengeld mehr ausgegeben wird als für Renten – für die Rentner wird 15 mal so viel ausgegeben.

Es ist ein klarer Beweis dafür, wie die Medien die Köpfe der allgemeinen Bevölkerung kontrollieren. Die Propaganda wird von den Superreichen und Supermächtigen dermaßen effektiv verbreitet, dass sie ihr Ziel nach noch mehr Reichtum und Macht erreichen und dort bleiben können.

Was die britischen Medien anbetrifft, so gibt es 5 Milliardäre die die Medien beherrschen. Und sie besitzen eine gewaltige Macht in unserer Demokratie, indem sie unsere politischen Parteien zwingen, ihre Wünsche über die Wünsche der britischen Öffentlichkeit zu stellen. Diese Leute besitzen nicht nur 80% der Zeitungen die wir täglich lesen, sie besitzen auch Fernsehsender, Presseagenturen, Buchverlage, Kinos – im Endeffekt wird fast alles, worüber wir in Großbritannien nachdenken und uns unterhalten, von diesen 5 Männern kontrolliert.

Das sind die 5 Steuermänner: Rupert Murdoch, Jonathon Harmsworth, Richard Desmond und die Barclay’s-Zwillinge. Keiner davon lebt in Großbritannien.

Sie beherrschen und monopolisieren unsere Kultur, und das ist eine Katastrophe für die Demokratie. Es bedeutet, dass die Wünsche des superreichen 0,1% das Handeln unserer Regierung bestimmen. Die jüngsten Enthüllungen in Lord Ashcrofts Buch zeichnen sehr fein den Gedanken, wie die Reichen sich Macht kaufen und wenn sie es nicht bekommen – nun, fragen Sie David Cameron!

Die Anführer unser Parteien sind nicht die Anführer unseres Landes. Im Grunde sind sie Stricher für die 5 Milliardäre, die alles entscheiden.

Aber die britischen Medien wurden nicht nur von den einseitigen Interessen von Konzernen wie Murdochs „News Corporation“ gekapert. Eine Firma, die die viertgrößte Medienfirma der Welt ist. Dieses Prinzip hat noch eine viel finsterere Seite: wie in Großbritannien Medien und ihre Meldungen verbreitet werden.

Um als Verlag für Nachrichten oder Zeitgeschehen arbeiten zu können, muss man sich grundsätzlich registrieren, z.B. bei einer amtlichen Regulierungsbehörde. Dass das allein schon ein abartiger Gedanke ist versteht sich von selbst. Es ist die Umkehrung einer dreihundert Jahre alten Freiheit. Als wir sagen und veröffentlichen konnten was wir wollten, außer Verleumdung, Aufruf zu Gewalt und wichtige Angelegenheiten der nationalen Sicherheit.

Wenn so ein Verlag vor den Kadi gezerrt wird, egal von wem, auch dem Staat, und nicht registriert ist, dann verliert der Verlag immer und trägt die Kosten – egal wie der Prozess auch ausgeht, gewonnen oder verloren.

Noch schlimmer: es spielt keine Rolle wo ihre Server stehen. Das spielt für Veröffentlichungen keine Rolle. Es ist auch egal für wen das Material bestimmt ist; oder in welcher Sprache es ist. Die Veröffentlichung passiert dann, wenn jemand in Großbritannien irgend etwas herunterlädt. Das an sich ist der Akt der Veröffentlichung. Dadurch kann man wunderbar die gesamte Weltpresse und alle Medien in Großbritannien zensieren.

Die drei Politiker, die sich diese Kriegslist an Unterdrückung ausgedacht haben sind der Premierminister, der Oppositionsführer und der stellvertretende Premier des Jahres 2013. Das an sich ist schon ein interessanter Kommentar zur Qualität dieser drei Personen und was sie überhaupt von Demokratie und Freiheit halten.

Natürlich war die Einschränkung der Pressefreiheit im Namen der nationalen Sicherheit in den letzten Jahren ein Hauptziel der Regierung. Der Mangel an britischen Verfassungsgarantien für Meinungsfreiheit ist nur einer der Kritikpunkte eines neuen Berichts von World Association of Newspapers and News Publishers (WAN-IFRA). Diese Organisation repräsentiert über 18.000 Publikationen und 15.000 Webseiten in über 120 Ländern.

In Bezug auf den internationalen Einfluss Großbritanniens sagt WAN-IFRA: “Änderungen am System der Presseregulierung in Großbritannien werden einen Einfluss außerhalb seiner Küsten haben”. Sie befürchten, dass eine Regulierung unter Einbindung der Regierung das Risiko einer „offenen Einladung zum Missbrauch“ der Pressefreiheit berge. Der Report spiegelt auf verschiedene Weise die Position auf dem Index der Pressefreiheit und ihrer Bedrohungen in Großbritannien.

Der Bericht kam zustande, nachdem britische Organisationen für Medien- und Pressefreiheit Bedenken über den Zustand der Pressefreiheit nach der Leveson-Debatte äußerten. Und die Drohungen und der Druck auf den Guardian wegen ihrer Snowden-Berichterstattung über Massenspionage. Das gipfelte in der Zerstörung von Festplatten im Keller des Guardian unter Aufsicht der GCHQ.

Die Geschwindigkeit mit der neue Regeln aufgestellt werden, das Fehlen von juristischer Überprüfung, einer Parlamentsabstimmung oder öffentlicher Beratung wurde kritisiert. Der Bericht argumentiert, dass der ganze Vorgang transparenter hätte sein müssen.

Premier Cameron behauptete während des Guardian-Zwischenfalls, die Berichte würden die nationale Sicherheit gefährden. Ohne einen Beweis, der seine Behauptung untermauern würde, zeigt das einen beispiellosen Vorgang von politischer Einflussnahme auf die Pressefreiheit.

Ungefähr zur gleichen Zeit kam ein Gericht zu dem Urteil, dass die Festsetzung von David Miranda (Partner von Glen Greenwald, Reporter beim Guardian) nach dem britischen Terrorismusgesetz rechtens war. Es zeigt die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber der Pressefreiheit und willkürlichen Festnahmen. Man ist mehr um die eigenen Ziele besorgt – Schadenskontrolle.

Die Gesetze wurden so erweitert, dass soziale Medien durch Kriminalisierung eingeschränkt werden und das gesamte Internet durch die Einführung von online-Filtern. Das war mit dem Ruf nach Kinderschutz nicht schwierig und den Internetprovidern (ISP) wurden gesetzliche Maßnahmen angedroht, wenn sie nicht die Forderungen des Premiers nach Filterung umsetzen.

Die mutmaßliche Bedrohung durch Pädophilie wurde als Vorwand benutzt, um demokratische Grundrechte anzugreifen und eine breitere Zensur einzuführen. Premier Cameron erklärte: „Die Maßnahmen, die wir heute ergreifen, beruhen auf einer einfachen Grundlage: der Schutz der Verwundbarsten unserer Gesellschaft, der Schutz der Unschuld, der Schutz der Kindheit selbst. Darum geht es, und ich werde das Nötige tun um unsere Kinder zu schützen.“

Nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation Open Rights Group blockieren die Filter nicht nur pornographische Seiten, sondern auch „den Zugang für Seiten, die für unter 18-jährige ungeeignet sind, wie Informationen über Alkohol und andere Drogen, Foren, YouTube und umstrittene politische Ansichten.“

Die Regierung veröffentlichte ein „Weißliste der (unbedenklichen) Webseiten“, um einer willkürlichen Blockade von ISP-Seiten zu begegnen. Im Bereich der ISP, öffentlichem WiFi und der Mobilfunkanbieter wird auf Großbritannien ein beachtlicher Filterprozess zukommen. Die neuen Netzwerkfilter der Internet Service Provider zum einen und der Regierung andererseits werden zu einer vermehrten Blockade führen.

Das Filter der Regierung wird aber viel mehr als schmutzige Bilder blockieren. So war es von Anfang an gedacht, und es stellt sich heraus, dass die Erweiterung des Internet-Zensurauftrags noch gruseliger ist als von den Gegnern befürchtet.

Ein ISP verwendet diese Einschränkungen, um „Seiten mit Informationen über ungesetzliche Manipulationen elektronischer Geräte (und) die Verteilung von Software“ abzudecken – mit anderen Worten: filesharing. So schrieb der Guardian: „Es sieht aus wie eine komfortable Methode, einen großen Teil jener Inhalte zu blockieren, von dem die britische Regierung nicht will, dass ihn die Bürger zu sehen bekommen, ohne jede öffentliche Diskussion.“

Ohne viel Federlesen hat die konservative Regierung privaten Firmen die Erlaubnis erteilt zu entscheiden, zu welchen Webseiten wir Zugang haben dürfen oder nicht. Das öffnet der staatlichen Zensur in enormem Ausmaß Tür und Tor – natürlich ausgelagert an den privaten Sektor. Damit ist die Regierung fein raus und kann für das Unterdrücken der Redefreiheit nicht direkt verantwortlich gemacht werden.

Nur 5 Milliardäre, 5 Internetprovider und etwa die gleiche Zahl von Regierungsmitgliedern kontrollieren, was Ihr zu Lesen und zu Sehen bekommt. Und manipulieren Eure Meinung über Tatsachen und Wahrheiten. Propaganda funktioniert!

Anscheinend reicht es noch nicht, dass Regierungsbeamte und ihre Behörden zum Beispiel Telefonate abhören, unerlaubt Bilder von Ihnen und Ihrer Familie machen, Ihre Emails lesen und Ihre Computergeschichte durchstöbern. Sie wollen nicht nur kontrollieren was Sie lesen und sehen. Sie wollen auch, dass Ihr ihre erfundenen Geschichten glaubt. Damit sie bleiben können wo sie sind – und Ihr könnt bleiben wo Ihr seid.