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In einem „ausladenden“ Interview nennt Putin die amerikanische Syrien-Strategie „illegal“ und erläutert Russlands Unterstützung für Assad

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by                                 Übersetzung von FritztheCat

Wir werden nicht müde es zu sagen: villeicht das Lustigste an Russlands erstarkender Rolle in Syrien ist das Ausmaß, in dem sie Washingtons ISIS-Bluff aufgedeckt haben.

Seit mehr als einem Jahr sind die USA und ihre regionalen Verbündeten angeblich dabei, mit großem Aufwand die Armee von Bakr al-Baghdadi wegzufegen und die Welt vor dem zu retten, was mit viel Trara als die größte Bedrohung seit dem Dritten Reich bezeichnet wird. Seltsamerweise gibt es ISIS immer noch und sie machen auch ab und an Landgewinn. Lässt man die Nuancen beiseite, dann handelt es sich um einen zusammengewürfelten Haufen von Milizionären, der gegen die stärkste Luftwaffe der gesamten Welt kämpft. Es mangelt natürlich nicht an Verschwörungstheorien darüber, was eigentlich genau passiert. Selbst wenn man gerne vermeiden würde, so weit zu gehen, dass man sagt die USA hätten ISIS erschaffen: es steht außer Frage, dass Washington bei der Ausbildung und Bewaffnung der regierungsfeindlichen Kräfte in Syrien eine Rolle spielt. Und einige dieser regierungsfeindlichen Kräfte stellten sich als sunnitische Extremisten heraus.

Bisher schienen die USA damit zufrieden, abzuwarten und Assads Armee auszusitzen (auch das ist weniger eine Verschwörungstheorie denn eine einfache Einschätzung aus den bereit liegenden Fakten). So sehr er sich auch anstrengen würde, es gab für Assad keine Möglichkeit, diesen Krieg ewig durchzustehen. An mehreren Fronten zu kämpfen ist letztendlich unmöglich. Das hat nicht einmal Deutschland im 2. WK geschafft, und die hatten einen riesigen industrie-militärischen Komplex. Aber die Ankunft Russlands in Latakia hat die Gleichung verändert, und jetzt muss sich die USA entscheiden: soll man mit den erbittertsten außenpolitischen Kritikern Washingtons zusammenarbeiten? Damit das „alles ist besser als ISIS“-Märchen funktioniert? Oder soll man das Märchen einstampfen und öffentlich zugeben, dass der Sturz Assads und der damit verbundene Machtwechsel wichtiger sind als ein Auslöschen des Terrorismus?

Und während die Obama-Regierung in heller Aufregung versucht herauszufinden, wie man diese Situation am besten managt, hält Wladimir Putin beinahe täglich mit öffentlichen Stellungnahmen den Druck hoch, indem er erklärt, was genau Russland in Syrien treibt. So entlarvt er den von den amerikanischen Medien abgesonderten Mythos, dass Washington einfach nicht die Absichten Moskaus erkennen könne.

Im aktuellsten Beispiel dieser Dynamik hat Putin vor seiner UN-Rede ein Interview für amerikanische Medien gegeben. So berichtete Reuters:

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Unterstützung der USA für die Rebellen als illegal und nicht effektiv gebrandmarkt. Er sagt, die von den USA trainierten Rebellen würden mit von Washington besorgten Waffen zum Islamischen Staat überlaufen.

In einem vor seinem Treffen mit US-Präsident Barack Obama aufgezeichneten Interview mit US-Sendern sagte Putin, der syrische Präsident verdiene internationale Unterstützung, da er gegen Terror-Organisationen kämpfe.

„Meiner Meinung nach widerspricht die militärische Unterstützung illegaler Gruppierungen den Prinzipien des modernen internationalen Rechts und der Charta der Vereinten Nationen“, sagte er in einem Ausschnitt des Interviews mit den Sendern CBS und PBS, freigegeben vom Kreml.

Putin sagte, Damaskus solle in die internationalen Bemühungen im Kampf gegen den IS einbezogen werden, eine Forderung, die die USA ablehnen, und er kritisierte US-Pläne zur Ausbildung von bis zu 5.400 syrischen Rebellen für den Kampf gegen IS.

„Es stellt sich heraus, dass nur 60 dieser Kämpfer ordentlich trainiert wurden, und nur 4 oder 5 Leute tatsächlich Waffen tragen“, sagte er. „Der Rest ist mit den amerikanischen Waffen zu ISIS übergelaufen.“

Ja, das stimmt. Und wie wir bereits am Samstag schrieben, hat der letzte Versuch zum Training „gemäßigter“ Rebellen eine absurde Wendung genommen: die letzten 4 oder 5 übrigen US-trainierten Kämpfer wurden von Al-Kaida gestoppt, ihrer Pickups beraubt und die Munition wurde konfisziert. Und dann ließ man sie mitten in der Wüste allein.

Mehr zum Interview von CBS:

Charlie Rose interviewte Putin für „60 Minutes“ und fragte ihn nach Russlands Absichten in Syrien.

Charlie Rose:
Sie würden sich also gerne dem Kampf der USA gegen ISIS anschließen? Unter anderem sind Sie deshalb vor Ort. Andere meinen, das ist nur ein Grund Ihres Ziels, und ein anderer ist, die Assad-Regierung zu retten, weil die in dem Krieg Boden verloren hat und es nicht gut für sie läuft. Und Sie kommen, um sie zu retten.

Wladimir Putin (über Dolmetscher): Nun, Sie haben Recht. Und es ist meine tiefe Überzeugung, dass gegenteilige Handlungen mit dem Ziel der Zerstörung der legitimen Regierung eine Situation erzeugen würden, wie wir sie jetzt in anderen Ländern der Region und in anderen Regionen, zum Beispiel Libyen, beobachten können. Dort befinden sich alle staatlichen Einrichtungen in Auflösung. Eine ähnliche Situation sehen wir im Irak.

Und es gibt für die Syrienkrise keine andere Lösung als die Stärkung der effektiven Regierungsstrukturen Hilfe für den Kampf gegen den Terrorismus zu gewähren. Aber gleichzeitig drängen wir sie dazu, einen positiven Dialog mit der vernünftigen Opposition zu führen und Reformen durchzuführen.

Rose: Wie Sie wissen, fordern einige in der Koalition erst den Abgang von Präsident Assad, bevor sie Unterstützung gewähren.

Putin: Denen empfehle ich Folgendes: Senden Sie diese Botschaft an das syrische Volk. Nur sie haben das Recht darüber zu entscheiden, wer ihr Land regieren soll und wie.“

Ganz offensichtlich hat er mit seinen Beobachtungen völlig Recht. Aber nicht etwa weil Putin irgendwie von Demokratie mehr verstünde als Obama. Mit anderen Worten: Washington weiß sehr genau, dass seine Strategie zur Destabilisierung des Assad-Regimes und zur Untergrabung des Willens des syrischen Volkes absolut verabscheuungswürdig ist (nebenbei: das syrische Volk würde wohl lieber Assad haben als die totale Anarchie wie sie jetzt in Syrien herrscht). Es ist nur so, dass das Pentagon und die CIA hier bereits so weit gegangen sind, dass sie die Geschichte nicht mehr so verdrehen können, dass man sich irgendwie raus winden könnte. Das nutzt Putin nun einfach aus und benutzt jede Gelegenheit, die Scheinheiligkeit und Ungesetzlichkeit dessen auszuleuchten, was der Westen und seine regionalen Partner angestellt haben.

Und, weil Syrien doch ein sehr erdrückendes Thema sein kann, wenn es um das menschliche Leid durch diesen Konflikt geht, schließen wir mit einer kleinen Putin-Schmunzelei von RT und 60 Minutes:

Unter anderem unterhielt sich Charlie Rose mit Putin darüber, wie die Welt den russischen Führer sehe. CBS hat eine Vorschau auf das Interview.

Rose weist darauf hin, dass manche Menschen Putin als „Zar“ bezeichnen.
Putin antwortet, dass die Leute ihm viele Namen geben, aber diese Beschreibung „passt nicht zu mir“.

„Es ist nicht wichtig wie man mich nennt, egal ob von Unterstützern, Freunden oder politischen Gegnern. Wichtig ist, was man selber über sich denkt, was man zum Besten des Landes tun kann, das einen in die Position des Oberhaupts der russischen Föderation brachte.“

Gefragt, was er an Amerika bewundere, sagte Putin, am besten gefalle ihm „die Kreativität“.

„Kreativität, wenn es darum geht, eure Probleme anzugehen. Eure Offenheit – Offenheit und offener Geist – ermöglichen es, das innere Potential eurer Menschen freizusetzen. Aus diesem Grund hat Amerika solch bewundernswerte Ergebnisse bei der Entwicklung seines Landes erreicht.“