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Russlands vergebliche HoffnungenPaulCraigRoberts23.09.2015

by Paul Craig Roberts                                         Übersetzung von FritztheCat


Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans („Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.

Russlands verzweifelter Wunsch, Teil des schäbigen und kollabierenden Westens zu werden, bringt Russland dazu, den Sinn für die Realität zu verlieren.

Trotz einer schmerzhaften Lektion nach der anderen – Russland gibt einfach die Hoffnung nicht auf, für den Westen akzeptabel zu werden. Der einzige Weg für Russland, vom Westen akzeptiert zu werden, wäre einen Vasallen-Status zu akzeptieren.

Russland hatte sich verrechnet als es glaubte, mit Diplomatie die von Washington verursachte Krise in der Ukraine lösen zu können. Man setzte die Hoffnungen auf das Minsker Abkommen, das keinerlei Unterstützung aus dem Westen erfährt. Weder in Kiew noch in Washington, London und der NATO.

Russland kann die Ukraine-Krise ganz einfach dadurch lösen, dass es die Forderung der früheren russischen Territorien nach Wiedervereinigung mit Russland akzeptiert. Sobald die abtrünnigen Republiken wieder Teil von Russland sind, ist die Krise vorbei. Die Ukraine wird Russland nicht überfallen.

Russland beendet die Krise nicht. Man glaubt, dass man damit Europa provoziere und verärgere. Aber genau das sollte Russland machen: Europa verärgern. Russland sollte Europa daran erinnern, dass es riskant ist, sich als Werkzeug Washingtons gegen Russland benutzen zu lassen und dass es für Europa Kosten mit sich bringen wird.

Russland behütet stattdessen Europa vor den Kosten, die Washington Europa auferlegt und verursacht geringe Kosten für ein Europa, das im Interesse Washingtons gegen Russland handelt. Russland versorgt seine erklärten Feinde, deren Luftwaffen entlang der russischen Grenze provozierende Patrouillenflüge durchführen, mit der Energie, die die Kriegsjets erst fliegen lassen.

Die Diplomatie hat versagt, nicht gesiegt. Diplomatie kann nicht funktionieren, wenn die eine Seite an Diplomatie glaubt und die andere an Macht.

Russland muss kapieren, dass Diplomatie mit Washington und seinen NATO-Sklaven nicht funktionieren wird. Die glauben nicht an Diplomatie, die verlassen sich stattdessen auf ihre Stärke. Russland muss kapieren was Washington damit meint, wenn es Russland als geächteten Staat bezeichnet, der „nicht im Einklang mit den internationalen Normen handelt“: Washington sagt damit, dass sich Russland nicht an die Befehle Washingtons hält. Mit „internationalen Normen“ sind die Wünsche Washingtons gemeint. Länder, die nicht in Einklang mit den Wünschen Washingtons stehen, handeln nicht gemäß „internationaler Regeln“.

Washington, und nur Washington, bestimmt die „internationalen Regeln“. Amerika ist die eine, außergewöhnliche und unverzichtbare Nation. Kein anderes Land hat diesen Status.

Ein Land mit unabhängiger Außenpolitik ist für Washington eine Bedrohung. Die neokonservative Wolfowitz-Doktrin zeigt das völlig klar. Die Wolfowitz-Doktrin, Grundlage der US Außen- und Militärpolitik, bezeichnet jedes Land als eine Bedrohung, das genug Macht besitzt, um einseitige Washingtoner Handlungen zu behindern. Unzweideutig konstatiert die Wolfowitz-Doktrin, dass jedes Land mit genügend Macht, um Washingtoner Vorhaben auf der Welt zu blockieren, eine Bedrohung sei. Und dass es „unser vorderstes Ziel ist, die Wiederauferstehung eines solchen Landes zu verhindern“.

Im Fadenkreuz Washingtons befinden sich Russland, China und der Iran.Verträge und „Zusammenarbeit“ bedeuten gar nichts. (Anm.d.Ü.: siehe OSZE oder UN). Zusammenarbeit ist nur dazu da, das Ziel Washingtons zu verwirren und damit am Ende keiner mehr weiß, dass sie das Ziel sind. Russlands Außenminister Lawrow scheint zu glauben, dass das Scheitern von Washingtons Kriegs- und Zerstörungspolitik im Nahen Osten dazu führt, dass Washington und Russland gemeinsam daran arbeiten könnten, die ISIS-Dschihadisten im Irak und in Syrien einzudämmen. Pfeifendeckel! Russland und Washington können im Irak und in Syrien nicht zusammenarbeiten, weil sie unterschiedliche Ziele haben. Russland will Frieden, die Beachtung des internationalen Rechts und die Eindämmung der radikal dschihadistischen Elemente. Washington will Krieg, keine gesetzlichen Beschränkungen und finanziert die radikal dschihadistischen Elemente. Es will die Instabilität im Nahen Osten und den Sturz von Assad in Syrien. Selbst wenn die Ziele mit Russland übereinstimmen würden: eine Zusammenarbeit mit Russland würde das Bild Russlands als Bedrohung und Feind beschädigen.

Nur Russland, China und der Iran können die einseitigen Handlungen Washingtons begrenzen. Daher laufen diese drei Länder Gefahr für einen atomaren Präventivschlag. Betrachtet man die 14 Jahre alte Politik Washingtons aus Zwang und Gewalt im Nahen Osten: wenn diese Länder glauben mit Washington arbeiten zu können, um das Schlamassel Washingtons mit seinem Islamischen Staat zu retten – dann sind sie ahnungslose und leichte Ziele für einen atomaren Präventivschlag.

Washington hat den Islamischen Staat erschaffen. Washington benutzte die Dschihadisten, um Gaddafi in Libyen zu stürzen. Und dann schickten sie sie nach Syrien, um Assad zu stürzen. (Anm.d.Ü.: Hallo Hitlery, wie läuft’s in Benghazi?) Die amerikanischen Neokonservativen, allesamt verbündet mit dem zionistischen Israel, wollen keinen zusammenhängenden Staat, der ein „Größeres Israel vom Nil bis zum Euphrat“ verhindert.

Die Dschihadisten von ISIS haben kapiert, dass Washingtons Politik des Mordens und der Vertreibung von Millionen von Moslems in sieben Ländern eine anti-westliche Anhängerschaft in den Völkern des Nahen Ostens entstehen lässt. Und jetzt wollen sie  unabhängig vom Schöpfer aus Washington agieren.

Das Resultat ist noch mehr Chaos im Nahen Osten und Washington beginnt, die Kontrolle zu verlieren.

Washington sollte für seine eigenen Taten leiden, man sollte sie dabei allein lassen. Aber die zwei im Westen bestgehassten und dämonisierten Staaten, Russland und der Iran, wollen Washington zu Hilfe kommen wegen dessen Torheiten im Nahen Osten. Das ist ein Versagen des strategischen Denkens in Russland und im Iran. Länder die nicht strategisch denken können werden nicht überleben.

Die Iraner müssen verstehen lernen, dass ihr Vertrag mit Washington nichts bedeutet. Washington hat noch nie einen Vertrag erfüllt. Fragen Sie die Indianer oder den letzten Sowjet-Präsidenten Gorbatschow.

Wenn die russische Regierung glaubt, dass Washington sein Wort hält, dann haben sie nicht mehr alle Teetassen im Schrank.

Der Iran wird gut geführt und Wladimir Putin hat Russland vor der Unterjochung durch die USA und Israel gerettet. Aber beide Regierungen benehmen sich, als wären sie auf irgendwelchen Drogen die sie dazu bringen, Washington als Partner zu betrachten.

Solche Wahnvorstellungen sind gefährlich, nicht nur für Russland und den Iran, sondern für die gesamte Welt.

Wenn Russland und der Iran ihre Deckung fallen lassen, dann werden sie atomisiert. Und China wird es genauso ergehen.

Washington bedeutet einzig und allein: Weltherrschaft.

Fragen Sie einfach die Neokonservativen oder lesen Sie deren Dokumente.

Die Neokonservativen kontrollieren Washington. Alle anderen in der Regierung sind ohne Stimme.

Harmagedon ist für Neokonservative ein akzeptables Risiko wenn es darum geht, amerikanische Weltherrschaft zu erreichen.

Nur Russland und China können die Welt vor Harmagedon retten. Oder sind sie vielleicht zu ahnungslos und verherrlichend gegenüber dem Westen, um unseren Planeten zu retten?