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Eric Zuesse ist Historiker, Ge­schichts­forscher und Autor. Seine jüngsten Bücher sind: They’re Not Even Close: The Democratic vs. Republican Eco­no­mic Records, 1910-2010 und CHRIST’S VENTRILO­QUISTS: The Event that Created Christianity.

Amerikanische Nachrichten werden stark zensiert
von Eric Zuesse 19.09.2015                           Übersetzung FritztheCat

zuessecensorshipAm 7. September 2002 erzählte US-Präsident George W. Bush die freche Lüge über einen erfundenen „neuen Bericht“ der IAEA über ein (WMD) Massenvernichtungswaffen-Programm Saddam Husseins. Die US Nachrichtenmedien haben das Statement schnell verbreitet. Aber sie haben nicht dazugesagt, dass es eine Lüge war.

Er sagte (und CNN und andere haben ihn zitiert): „…die Atom – die IAEA hat einen Bericht veröffentlicht, wonach sie sechs Monate von der Entwicklung einer solchen Waffe entfernt sind. Ich weiß nicht … welche Beweise brauchen wir denn noch?“ Das war seine Antwort auf folgende Frage auf einer Pressekonferenz: „Herr Präsident, können Sie uns sagen, welche schlüssigen Beweise für irgendein Nuklear … welche neuen Beweise haben Sie über die nuklearen Waffenfähigkeiten von Saddam Hussein?“ Die IAEA hat darauf sofort geantwortet und gesagt, dass es keinen solchen „neuen Bericht“ gebe. Und ihr letzter Kenntnisstand sei, dass es im Irak keine WMD mehr gebe.

Die amerikanischen Nachrichtenmedien haben das Dementi der IAEA einfach ignoriert. Und wir sind in den Irak einmarschiert, fast sechs Monate nach dieser hinterhältigen Lüge. Einer Lüge, die die Presse nie und auf keinen Fall aufdecken wollte – bis heute nicht. Stattdessen gibt es jetzt einen „Gedankenaustausch“ darüber, ob George W. Bush gelogen hat oder ob er nicht doch Opfer „mangelhafter US-Geheimdiensttätigkeit“ wurde. In diesem speziellen Fall erwähnte er ja nicht mal die US Geheimdienste, sondern die IAEA. Und die haben es sofort zurückgewiesen, aber die Presse hat darüber nicht berichtet. Also – der Präsident hat einfach gelogen und die Presse lügt einfach weiter und behauptet, er wäre nur „von der CIA falsch beraten“ worden (er hat zwar die Aufsicht über die CIA – aber nicht über die IAEA). Die amerikanische Presse verbirgt die Tatsache, dass der amerikanische Präsident mit seiner Lüge die Nation in den Irakkrieg geführt hat. Die Presse lügt, wenn sie nur vom „schlechtem Geheimdienst“ schreibt und nicht vom lügenden Präsidenten.

Weil die Nachrichtenmedien das Dementi der IAEA zu den Bemerkungen des Präsidenten ignorierten, gab der Autor des IAEA-Dementis, Mark Gwozdecky, drei Wochen später ein Telefoninterview . Mit dem einzigen Journalisten der sich dafür interessierte, Joseph Curl von der Washington Times. Schlagzeile am 27. September 2002: „Agentur dementiert Bericht über irakische Waffen“ – besser sie hätten getitelt: „Der Präsident lügt über ‚Saddams WMD’“ – und Curl zitiert Gwozdecky: „Es gab nie so einen Bericht (von dem Bush sprach) aus unserer Agentur…Als wir im Dezember 1998 den Irak verließen, kamen wir zu dem Schluss, dass wir alle Nuklearwaffenfähigkeiten neutralisiert hatten. Wir haben das spaltbare Material konfisziert. Wir haben alle Schlüsseleinrichtungen und Gerätschaften zerstört.“

Andere Nachrichtenmedien haben den Artikel von Curl gar nicht angefasst. Und dabei ist in dem Artikel nicht einmal davon die Rede, dass der Präsident gelogen hat – sich einen IAEA-Bericht ausgedacht hat, den es tatsächlich nie gab – und der Präsident hat seine falschen Anschuldigungen nie berichtigt. Und er verstärkte seine Lüge dadurch, dass er sie nie richtigstellte.

Das ist sicher nicht das einzige mal, dass die US Nachrichtenmedien die Lügen des Präsidenten zu auswärtigen Angelegenheiten deckten. Man berichtet halt, was er sagt. Und verbirgt die Wahrheit, dass seine Äußerung eine glatte Lüge war. Wie oft haben Sie zum Beispiel darüber in Zeitungen oder Zeitschriften gelesen, im Fernsehen gesehen oder im Radio gehört, dass die Obama-Regierung im Februar 2014 einen blutigen Umsturz durchgeführt hat, der den demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine stürzte und seine Regierung mit rassistischen Faschisten, oder antirussischen Nazis, ersetzte? Damit die Ukraine, die Jahrzehnte friedlich war, plötzlich durch einen rassistischen, blutigen Bürgerkrieg – ein Krieg der ethnischen Säuberung – zerrissen wird? Oh?

Stattdessen erzählt man Euch doch, dass die „Demokratie“ begann (statt „endete“), als der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch gestürzt wurde, damals, mit einer „Revolution“, nicht durch einen US „Umsturz“. Der Chef von Stratfor, dem „privaten CIA“-Ableger, gestand einer russischen Zeitung, dass es „der offensichtlichste Umsturz in der Geschichte“ war (die Medien haben sich auch geweigert, darüber zu berichten). Und jetzt leiden Russland und Europa unter den Wirtschaftssanktionen, welche Obama über Russland ergoss. Weil Putin tat was er tun musste, um Russland vor diesem Stellvertreter-Angriff auf sein Land zu schützen, den Amerikas hinterhältiger Lügner Obama auslöste. (Die US Nachrichtenmedien nennen ihn nie „hinterhältig“ oder einen „Lügner“, nur die republikanischen Nachrichtenmedien nennen Obama einen kommunistischen Moslem aus Kenia. Mit hinterhältigen Lügen hat das eigentlich nichts zu tun.)

Wie soll Demokratie mit solchen Nachrichtenmedien funktionieren? Das kann sie nicht. Und das tut sie auch nicht. Über diese Tatsache wird in amerikanischen Nachrichtenmedien berichtet (wenig genug, damit es die meisten nicht mitkriegen).

Auf einem amerikanischen Nachrichtensender kann man berichten, dass die Demokratie in Amerika am Ende sei. Aber man kann nicht berichten, dass uns Bush oder Obama in widerliche Invasionen gelogen haben. Oder dass der Sturz Janukowitschs ein Umsturz war, und keine „Revolution“. Das geht gar nicht! Außer in solch kleinen aber feinen Nachrichtenmedien die diesen Artikel hier verbreiten – es sind die wenigen Nachrichtenmedien, die nicht abhängig und im Besitz der amerikanischen Aristokratie sind.

Es ist von zentraler Bedeutung zu verstehen, wie schwer Amerikas Nachrichten und zu welchem Zweck sie zensiert werden. Wirklich die Regierung zu verstehen, in welcher Beziehung sie zur Aristokratie der amerikanischen Nation stehen. Welche Aristokratien (Anm.d.Ü.: die Herrschaft der Besten) Nachrichtenmedien besitzen und wie Aristokratien die Wahlkampagnen finanzieren (wie von Bush oder Obama) und damit hauptsächlich bestimmen, welcher Kandidat überhaupt eine Chance auf das Amt hat, und welcher Kandidat überhaupt keine Chance haben wird.

Aber wo es für die Aristokratie wirklich interessant wird, das sind die internationalen Beziehungen. Denn die amerikanischen Aristokraten beherrschen die Hälfte aller internationalen Konzerne, und diese Konzerne sind durchaus von nationalen Regierungen abhängig. (Anmerkung: Obama will nationale Regierungen von internationalen Konzernen abhängig machen.) [Anm.d.Ü.: damit ist natürlich TTIP gemeint!] Darüber hinaus sind es die nationalen Aristokratien, die um internationale Angelegenheiten kämpfen. Darum kämpfen die großen Aristokraten am liebsten. Besonders im eigenen Land, das die mächtigsten Aristokraten hat.

Die Zensur ist bei nationalen Neuigkeiten weit geringer als bei internationalen Nachrichten. Die finanzielle Unterstützung durch die Aristokratie ist jedoch weitestgehend abhängig von der außenpolitischen Haltung eines Kandidaten. Und daher bestimmt vor allem die außenpolitische Haltung eines Kandidaten, ob er genügend Wahlkampfspenden für eine Kandidatur erhält. So wird darüber entschieden, ob ein Kandidat in der Lage ist, dem Land in innenpolitischen Fragen wie Erziehung, Steuern, Krankenkassen und dem Erhalt von Straßen und Brücken zu dienen.

Somit bestimmen die außenpolitischen Themen, die am heftigsten zensierten Themen, tatsächlich zu einem großen Teil darüber, welchen innenpolitischen Themen durchgesetzt werden – und welche nicht. Und das geschieht meistens über diesen Umweg – die meisten Leute merken es nicht einmal. Diese wichtige Erkenntnis sagt uns, dass internationale Themen auf die Innenpolitik wesentlich mehr Einfluss haben als umgekehrt. Jemand der sich nur mit Innenpolitik beschäftigt ist durch die Aristokratie leicht zu manipulieren. Denn die Hauptursachen der (Anm.d.Ü.: miserablen) Innenpolitik werden von diesem Wähler zum größten Teil oder vollkommen ignoriert. Dadurch wird diese Person zu einer ahnungslosen Schachfigur des Großen Geldes, kontrolliert von Menschen und Vorhaben, über die dieses Individuum überhaupt nichts weiß.

Hier ein krasses Beispiel eines amerikanischen Groß-Nachrichtensenders wie er Zensur übt, es betrifft CNN. Das Thema ist Bahrain. Die Reporterin wurde geschasst, als sie versuchte, die Wahrheit zu berichten. Ihre bis dahin kometenhafte Karriere wurde damit beendet. Sie wird geschnitten, denn wer sie ins Programm nimmt, der verliert Werbekunden – das ist kontraproduktiv, egal wie gut der Reporter sein mag (und sie war gut). Die Großmedien suchen keine Reporter – sie suchen nach Geld. Und das hat die Aristokratie.

Hier ein Artikel über ein „progressives“ Nachrichtenmedium das seinen Werbekunden tatsächlich ein Publikum verkauft, das sich selbst für progressiv hält und aber unvermeidlich immer weniger progressiv wird, da diese Werbekunden die „Nachrichten“ kontrollieren. Solche „Nachrichten“ verdrehen vollständig das Verständnis des Lesers über internationale Geschehnisse . (Mehr Hintergrund über das genannte Nachrichtenmedium hier.)

Also: sowohl die Systempresse als auch „alternative Medien“ verkaufen ihr Publikum an Werbekunden (darunter auch „non-profits“ wie die Bill and Melinda Gates Foundation, die Konzernaktien kaufen, welche Bill und Melinda Gates gern verkaufen würden – wenn denn der Preis steigt. Und das täte er, wenn mehr solcher „Wohlfahrtsorganisationen“ diese Aktien kaufen würden). (Und hier ein Groß-Nachrichtenmedium, das den Preis von bestimmten Aktien hoch halten will, während Aristokraten genau diese verkaufen wollen.) Wenn die Trottel erst mal gekauft haben dann wird der Kurs den Bach runter rauschen. Darum wollen die Aristokraten ja jetzt verkaufen; sie wollen sie loswerden und sie suchen Käufer.) (Anm.d.Ü.: etwas unscharf, der Autor ist wohl kein Ökonom, aber er denkt wohl an Dinge wie sie in zerohedge beschrieben werden oder an die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er)

Wer glaubt, dass Nachrichtenmedien „Nachrichten“ verkaufen anstelle seines Publikums („die Augenpaare“), der hat keine Ahnung vom Nachrichtengeschäft.

Nachrichtenmedien verkaufen eine bestimmte Denkweise; es ist eine Art Werbung (PR). In unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem ist es unvermeidlich, dass unser Nachrichtengeschäft zu einem Teil des Werbegeschäfts wird. In jedem Wirtschaftssystem wird die Propaganda über Nachrichten dominieren. So sieht’s aus – kein „Adam Smith“. Die „Wirtschaft des freien Marktes“ ist etwas für Phantasten. Die gab es nie. Die gibt es nur für die Anhänger dieses Kults, nicht für Realisten. Und der Verkäufer dieses Kults ist die Aristokratie. Und sie wissen dass er verlogen ist. Sie wissen es aus erster Hand, denn sie kontrollieren ihn. Man kann ihn nicht kontrollieren und gleichzeitig ignorieren, dass er ein Beschiss ist. Das ist die einfache Realität – für sie.