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zdf_80Wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier dem deutschen Staatsfunk ein Interview gibt, dann braucht er Schweißperlen ganz sicher nicht zu fürchten, sondern trägt den Termin unter „PR“ oder gegebenenfalls „Wahlkampf“ in seinen Kalender.

Wenn das Ganze eine Aufzeichnung mit abgesprochenen Fragen und der Stichwortgeber ein transatlantischer Propagandist wie Claus Kleber ist, dann bekommt man als Zuschauer einen Eindruck, wie „Interviews“ mit Parteibonzen in Nordkorea gewöhnlich ablaufen.

Ist das Thema der Zustrom hunderttausender Flüchtlinge in die EU, dann sollte man besser nicht erwarten, dass Kleber die notwendigen Fragen zu den Ursachen stellt oder gar dazu, welche Verantwortung die deutsche Regierung und Steinmeier persönlich tragen oder etwa, wie sie gedenken, in Zukunft deutsche Außenpolitik so zu gestalten, dass nicht ganze Länder und Regionen verheert und Millionen aus blanker Not zu Flucht und Wanderschaft getrieben werden.

Solche Fragen kann man von einem Propagandisten und GEZ-Schmarotzer wie Kleber nicht erwarten. Stattdessen bekommen die für dumm verkauften Zuschauer heuchlerisches Geschwätz über das angebliche Mitleid dieser beiden Täter vorgesetzt, die höchstpersönlich als Teil westlicher Kriegspolitik und westlicher Kriegspropaganda am massenhaften Flüchtlingselend und erbärmlichen Tod von Männern, Frauen und Kindern im Mittelmeer oder eingepfercht in LKW auf europäischen Straßen verantwortlich sind.

Schon in der Anmoderation faselt Kleber – die tatsächlichen Ursachen vernebelnd – von einem „Gefälle an Sicherheit und Wohlstand“, statt die Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen oder die Verantwortung Deutschlands für die Flucht aus dem Kosovo anzusprechen und im Bericht von Stephan Merseburger werden die syrischen, irakischen und afghanischen Flüchtlinge, die verstärkt über die Balkanroute kommen, komplett ausgeblendet und damit – ganz im Sinne rechter Agitatoren – der Eindruck erweckt, es handele sich vorwiegend um „Wirtschaftsflüchtlinge“:

zdf_hj_270815_merseburgerMerseburger: „Wenn die wirt­schaft­liche Lage in den von Ar­beits­losigkeit, Armut und Kor­rup­tion geplagten Ländern nicht besser wird, werden die Menschen es weiter versuchen.“

Kleber: Heute haben Jour­na­listen wie Politiker die Be­trof­fenheit gespürt, über den furcht­baren Tod so vieler Flücht­linge ganz in der Nähe von ihrem Ver­hand­lungs­ort in Wien. Hat diese Be­trof­fen­heit dann auch zu kon­kreten Er­geb­nis­sen geführt und die Stim­mung im Saal verändert?“

Einzige Sorge Klebers ist erwartungsgemäß die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas – da kann man schön mit dem Finger auf andere zeigen. Wenn es um die Ursachen des Elends geht, dann trauen sich allenfalls unabhängige Köpfe mit Rückgrat wie Jürgen Todenhöfer oder nicht in den journalistischen Zirkus involvierte Schauspieler wie Til Schweiger, die Dinge beim Namen zu nennen.