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wdr5Kein Witz! Ausgerechnet einer der übelsten antirussischen Hetz- und Propagandasender Deutschlands fragt heute ganz naiv, was man denn von Egon Bahrs „Wandel durch An­nä­he­rung“ lernen könne.

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Angesichts solcher Chuzpe bleibt einem doch wirklich die Spucke weg, war und ist es doch der WDR, der unter der Führung Tom Buhrows seine Hetzkampagnen gegen Russland zu immer neuen Höhen gesteigert hat. Wenn man sich heute im Tagesgespräch hinstellt und auf „Bahr-Versteher“ machen will, dann ist das an Verlogenheit kaum zu überbieten.

WDR: Russland ist unser „Erzfeind“!

Noch in der Ankündigung zur Sendung spiegelt sich diese reaktionäre anti-russische Hetze wieder, die alles, wofür Egon Bahr stand und sein ganzes politisches Leben gearbeitet hat, mit Füßen tritt und geradezu verhöhnt:

Doch was können wir von seinen Ideen für die Zukunft verwenden? Kann „Wandel durch Annäherung“ uns in der aktuellen Krise mit Russland helfen? Welche Risiken hat es, mit seinen Erzfeinden zu reden? Welche Chancen? (wdr)

Man fragt sich, was für ahistorische, realitätsfremde und geradezu debile Idioten in diesem Sender „arbeiten“, die sich solche Texte ausdenken. Man sollte sie 6 Monate nach Russland schicken, zum Ausgraben der Knochen und Hundemarken ihrer Großväter.

Bleibt zu hoffen, dass in der Sendung Anrufer durchkommen, die diesem volksverhetzenden Abschaum auf GEZ-Zahler-Kosten gehörig den Kopf waschen.

Nachtrag:

Auch wenn es absehbar war, dass vorwiegend Anhänger von Bahrs Friedenspolitik anrufen würden, war es doch beruhigend zu hören, dass die Bürger Hetze und „Erzfeind“-Revanchismus, wie sie vom WDR propagiert werden, nicht teilen, sondern sich für Frieden und Verständigung in Europa stark machen.

HIER gibts das Tagesgespräch zum Nachhören.

Nachtrag 2:

Offenbar waren wir nicht die Einzigen, denen das reaktionäre „Erzfeind“-Denken in Buhrows Propagandafunk sauer aufgestoßen ist. Auch in den Kommentaren auf der Webseite des Senders findet sich Kritik – wenn sie freigeschaltet wurde:

Paul Schächterle schrieb am 21.08.2015, 09.30 Uhr:
Zitat: „Welche Risiken hat es, mit seinen Erzfeinden zu reden?“ Erzfeinden? LOL! Der WDR zeigt sich von seiner besten Seite.

Auch Maren Müller hat kommentierte:

Maren Müller schrieb am 21.08.2015, 10.52 Uhr:
Was können wir von Bahr lernen? Zumindest Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Sender könnten vor dem Verfassen redaktioneller Beiträge das Gehirn einschalten. Über Bahr zu reden und im gleichen Atemzug das Wort „Erzfeind“ als Zuschreibung für Russland zu nutzen ist eine Zumutung für politisch wache Menschen und beweist, dass Sie sich nie vom Vokabular des Kalten Krieges verabschiedet haben und Ihr Publikum offenbar weiterhin mit ERZreaktionären antirussischen Ressentiments zu belästigen gedenken. Sie beschmutzen mit dieser redaktionellen Zumutung das Lebenswerk von Egon Bahr und demonstrieren einmal mehr die stramme Parteilichkeit des WDR. Stellen Sie das im Interesse der freien Meinungsbildung Ihres Publikums ab, bzw. unterbinden Sie die Marotte vereinzelter liniengetreuer Mitarbeiter der Allgemeinheit auf diese dreiste Weise Feindbilder unterzujubeln. Das ist nicht Ihre Aufgabe.

Nicht veröffentlicht wurde hingegen folgender Kommentar von Anja Böttcher, der allerdings auch die 1000-Zeichen-Vorgabe sprengt, weshalb dem WDR wohl kein Vorwurf zu machen ist. Wir veröffentlichen ihn in jedem Fall gerne:

Mit Egon Bahr ist in der Tat ein großer Politiker, ein Brückenbauer mit glaubhaftem „ehtischen Kern“ (Hegel) nach der fürchterlichen moralischen und humanen Verheerung des Nazismus und des zweiten Weltkriegs gestorben, den wir heute so dringend benötigten!
Wenn aber in einer WDR-Ankündigung zu einer Gedenksendung für diesen großen Gefährten Willy Brandts das „Wording“ bereits darauf hinweist, dass seine Mission entsorgt und diskreditiert werden soll, dann sinkt mir – ehrlich gesagt – das Herz in die Hose. Wie tief fallen wir gerade?

Ich zitiere den Ankündigungstext:
„Doch was können wir von seinen Ideen für die Zukunft verwenden? Kann „Wandel durch Annäherung“ uns in der aktuellen Krise mit Russland helfen? Welche Risiken hat es, mit seinen Erzfeinden zu reden? Welche Chancen?“

Da steht wirklich „mit seinen Erzfeinden“! Sind wir wieder soweit? Sind die 145 Millionen Russen mal wieder „unsere Erzfeinde“, obgleich unser letzter Coup dieser Art 27 Millionen von ihnen hingemordet hat? Haben die Russen uns diese Verbrechen an ihnen je mit gleicher Münze heimgezahlt? Haben sie nicht aktiv die deutsch-deutsche Vereinigung gefördert? Haben wir „angeborene Feinde“, ergo „Erz=Feinde“? Und wieder Russland? Haben die Russen im Verlauf ihrer Geschichte nicht schrecklich genug gelitten? Wen gelüstet nach einer Neuauflage? Wenn sie schon unser „Erzfeind“ sind…

Ich bin – wie Millionen Menschen im Lande – diese erbärmliche, niedrige, hasserfüllte Hetze, die unserer Verfassung und dem Rundfunkvertrag widerspricht, so unendlich leid! Diese Einseitigkeit, mangelnde Wahrhaftigkeit, Aggression und Häme gegen Russland in der Berichterstattung zur Ukraine-Krise, deren Manichäismus, Hang zum Dämonisierung und zur pejorativen Darstellung eines ganzen Volks bedrückt mich wie Millionen andere aufs Tiefste!

Aber hier wird dann endlich der Schleier gelüftet, der sonst die Feindesrhetorik hinter dem Deckmäntelchen „westlicher Werte“ verbirgt:

Offensichtlich ist denen, die aus Subalternität gegenüber dem kriegerischen Kurs aus Washington bereit sind, im Zweifelsfall auch einer erneuten seelischen wie physischen Zerstörung Europas das Wort zu reden, selbst der Griff in die finsterste Klamottenkiste des deutschen Nationalismus nicht zu schade. Wir haben also, tief in unseren historischen Genen verankert, in Russland mal wieder einen „Erzfeind“! (Gäb’s auch eine Konstellation, unter der die Franzosen wieder in den Genuss kämen, wieder zu solchen erneut zu mutieren?)

Ich habe mich seit den 80er Jahren für die Versöhnung mit Mittelosteuropa und Russland eingesetzt. Im Rahmen der Tätigkeit meines Mannes als Historiker habe ich in den 90er Jahren rührende Begegnungen mit ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeitern gehabt. Diese Leute, die durch Deutsche so Schreckliches erlebt haben, waren so unglaublich! Sie haben damals junge Deutsche bewegt umarmt und gesagt, es sei so gut, dass jetzt und in Zukunft Frieden zwischen Deutschen und Russen vorherrsche und die bösen Zeiten vorbei seien. Ressentiments? Fehlanzeige! Trotz all ihrer grausigen Erfahrungen mit diesem Deutschland.

Ich schäme mich für den Zustand, in dem sich der Russlanddiskurs dieses Landes befindet. Ich schäme mich für seinen Mangel an Wahrhaftigkeit und die so offen zu Tage tretenden Ressentiments. Ich schäme mich für den WDR, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich könnte den alten Menschen, denen ich damals begegnet bin, nicht mehr in die Augen schauen. Was für ein Land wollen Sie aus dem heutigen Deutschland machen? Reicht das Maß deutscher Verheerungen Ihnen nicht? (Denn die gewöhnlichen Menschen teilen das doch alles nicht! Wir protestieren vehement seit anderthalb Jahren! Diese böse Hetze veranstalten Sie nicht in unserem Namen!)

Was will der WDR also mit dieser Sendung? Leider muss ich während ihres Verlaufs arbeiten. Will er Egon Bahr würdigen oder sein Vermächtnis in den Schmutz antirussischer Hetze ziehen?

Die Ankündigung lässt Finsteres vermuten.

Dank an Maren für den Hinweis!